Der US-iranische Krieg tritt im achten Monat in eine neue Phase. Während Präsident Donald Trump wiederholt von „Auslöschung“ spricht und die Rhetorik gegenüber Teheran eskaliert, verschiebt sich das eigentliche strategische Zentrum des Konflikts laut Experten weg von Iran selbst – hin zu dessen Nachbarn.
Die jüngste US-Truppenverstärkung ist real und erheblich. Wie Al Jazeera unter Berufung auf einen US-Beamten berichtet, wurde die USS Theodore Roosevelt-Trägerkampfgruppe von ihrem Stützpunkt in San Diego in die Region entsandt, gefolgt von der Makin Island Marine Expeditionary Unit mit über 2.000 Marines.
Bis Ende November sollen drei Flugzeugträger und zwei amphibische Landungsgruppen in der Nähe Irans positioniert sein – nach Angaben der Associated Press rund 9.000 zusätzliche Soldaten, was die US-Marinepräsenz auf über 20.000 Seeleute und Marines bringt.
Doch was soll diese Streitmacht eigentlich tun? Eine Bodeninvasion Irans ist militärisch kaum darstellbar. 10.000 zusätzliche Soldaten erobern kein Land von der Größe Irans. Genau hier beginnt die eigentliche Frage: Wofür wird dieses Aufgebot wirklich zusammengezogen?
Oman und die Straße von Hormus
Der Geopolitik-Analyst Patrick Henningsen von 21st Century Wire skizzierte in einem Gespräch mit Danny Haiphong ein Szenario, das in den westlichen Leitmedien praktisch nicht vorkommt: eine US-Militäroperation in Oman, speziell auf der omanischen Seite der Straße von Hormus.
Die Logik ist bestechend, wenn man sie einmal durchdenkt:
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Der nördlichste Teil der Halbinsel, die die Straße von Hormus bildet, gehört zu Oman – nicht zu den Emiraten, nicht zu Iran. (Siehe dazu auch die geografische Einordnung bei ABC News)
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Die USA betreiben bereits seit Monaten eine verdeckte Operation, um Öltanker durch den südlichen Fahrwasser-Kanal entlang der omanischen Küste zu schleusen. Laut Axios transportieren die USA so rund 10 Millionen Barrel Öl pro Tag – etwa die Hälfte des Vorkriegsvolumens.
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Ein US-Offizier formulierte es gegenüber Axios unverblümt: „Wir kontrollieren den südlichen Fahrwasser-Kanal der Straße von Hormus seit zwei Monaten. Der IRGC mag lästig sein, aber sie kontrollieren die Straße nicht. Wir tun es.“
Diese Operation wird von Fort Bragg aus koordiniert – eine Task Force, die täglich Schiffslisten erstellt und Konvois durch das Fahrwasser dirigiert. Die US-Luftwaffe schützt gegen iranische Drohnen und Marschflugkörper.
Doch eine verdeckte Eskort-Operation ist keine territoriale Kontrolle. Und genau hier wird Oman interessant: Eine physische US-Präsenz auf omanischem Boden – „ein Alpha-Move“, wie Henningsen es nennt – würde Iran in eine Zwickmühle bringen. Oman unterhält traditionell gute Beziehungen zu Teheran. Würde Iran omanisches Territorium angreifen, um US-Stellungen zu treffen, würde es einen seiner wenigen verbliebenen regionalen Verbündeten verlieren.
Wobei – auch hier ist die Frage berechtigt, ob das stimmt oder US-Propagnda ist. Die Diesel- und Benzinpreise sprechen eine andere Sprache. Aber umso dringender ist für die USA irgendeine Art von Erfolg.
Der Flydubai-Vorfall: Ein Terroranschlag – oder ein geopolitischer Trigger?
Am 30. September 2026 attackierte der Kopilot eines Flydubai-Fluges von Dubai nach Tel Aviv seinen Kapitän mit einer Notaxt und versuchte, die Kontrolle über die Maschine zu übernehmen. An Bord: 182 Menschen, überwiegend Israelis.
Die Fakten, soweit sie offiziell bestätigt sind:
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Der Kopilot wurde als Hamam al-Hammami identifiziert, ein 29-jähriger omanischer Staatsangehöriger. (Al Jazeera)
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Er war zuvor bei Oman Air vom Flugdienst ausgeschlossen worden – wegen Bedenken hinsichtlich „extremistischer“ Ansichten. Er wurde in eine Verwaltungsrolle versetzt und später von Flydubai eingestellt. (AP via PBS)
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Die UAE bezeichnet den Vorfall als versuchten „terroristischen Akt“. (ABC News)
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Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sprach von einer „islamistischen Radikalisierung“ und erklärte: „Wir untersuchen, ob er geschickt wurde, und wer ihn geschickt hat, wird einen sehr hohen Preis zahlen.“
Mehr Fragen als Antworten bei Flydubai
- Wie konnte er überhaupt fliegen?
Oman unterhält keine diplomatischen Beziehungen zu Israel. Und dennoch saß ein omanischer Staatsangehöriger als Erster Offizier in einem Flugzeug nach Tel Aviv. Laut Haaretz erhalten israelische Behörden 48 Stunden vor Abflug Crew- und Passagierlisten – und Mossad sowie Shin Bet sind eigentlich für die Überprüfung ausländischer Crews zuständig. (Haaretz via Al Jazeera)
Netanyahu nannte es ein „Schlupfloch“. Ein Schlupfloch, das 182 Menschen hätte das Leben kosten können.
- Wem nützt die Zuschreibung an „Iran“?
Netanyahus sofortige Propaganda-Aktivitäten – „wer ihn geschickt hat“ – lenkt den Blick automatisch auf Teheran. Und tatsächlich: Wenn Iran hinter einem Anschlag auf ein israelisches Flugzeug steckte, wäre das ein Casus Belli – und würde die Argumentation für eine Eskalation gegenüber Iran massiv stärken.
Henningsen sieht hier ein Muster: Israelische Geheimdienstinformationen würden gezielt in westliche Hauptstädte „eingespeist“ und von dort aus weiterverbreitet. Er verweist auf den ehemaligen US-Antiterror-Koordinator Joe Kent, der in seinem Rücktrittsschreiben genau dieses „Ökosystem“ aus israelischen Diensten, US-Politik und Medien beschrieben habe.
Bei geopolitischen Vorfällen dieser Art ist die Frage selten, was passiert ist – sondern wem es nützt.
- Der omanische Kontext
Und hier schließt sich der Kreis: Ein omanischer Staatsangehöriger, der einen Anschlag auf ein Flugzeug nach Israel verübt, würde – sollte sich die offizielle Deutung durchsetzen – Oman als Staat in den Fokus rücken. Genau jenes Oman, das strategisch für eine US-Operation am Hormus-Kanal so wertvoll ist.
Das ist kein Beweis für irgendetwas. Aber es ist ein Muster, das die Frage aufwirft, ob der Flydubai-Vorfall nicht auch als Vorwand funktioniert – als Rahmen, der eine US-Präsenz in Oman „begründbar“ macht.
Saudi-Arabien: Der eigentliche Verlierer
Während alle auf Iran und Oman schauen, spielt sich im Süden eine stille Katastrophe ab. Die Ansar Allah (Huthis) haben ihre Offensive in den saudischen Grenzprovinzen Jizan, Asir und Najran verstärkt. Diese Gebiete – 1934 von Saudi-Arabien annektiert – sind historisch und von der Stammeszugehörigkeit umstritten.
Laut Henningsen ist Saudi-Arabien militärisch nicht in der Lage, diese Territorien zu verteidigen:
„Wenn sie es schaffen würden, 100.000 Mann zusammenzutrommeln – wie viele davon wären wirklich kampffähig? Vielleicht einer von zehn. Und Ansar Allah ist so fähig wie die Taliban – vielleicht besser.“
Die Golfstaaten – allen voran Saudi-Arabien – finanzieren über Jared Kushners Private-Equity-Fonds „Affinity Partners“ die israelische Rüstungsindustrie. Kushners Fonds ist Großaktionär bei Phoenix Financial, die wiederum in hunderte israelische Unternehmen investiert, darunter Elbit Systems. Das saudische Geld fließt also indirekt in genau jene Industrie, die die Kriege befeuert, unter denen die Region leidet.
Es ist eine Endlosschleife der Selbstsabotage: Die Golfstaaten finanzieren ihre eigene strategische Marginalisierung.
Mittlerweile hat Jemen Saudi Arabien zur Flugverbotszone erklärt.
Eine „Daisy Chain of Tactical Maneuvers“
Henningsens Fazit ist ernüchternd:
„Was wir in Washington sehen, ist keine Grand Strategy. Es ist eine Kette taktischer Manöver, die man als Strategie verkauft.“
Die USA hätten keine kohärente Strategie für Iran, für den Jemen oder für den Golf. Sie haben Optionen – und sie testen sie aus. Oman ist eine dieser Optionen. Der Flydubai-Vorfall könnte – bewusst oder unbewusst – als Trigger für genau diese Option dienen.
Ob es dazu kommt, ist offen. Was aber klar ist: Die Eskalationslogik am Golf folgt nicht militärischer Notwendigkeit, sondern politischem Kalkül – vor den US-Midterms, vor israelischen Wahlen und vor dem Hintergrund eines Krieges, der niemandem außer der Rüstungsindustrie nützt.
Wer das interessante Interview hören will:
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2 Kommentare
Der Subtext sagt, wenn die Moslems (und alle werden in einen Topf geworfen, ob sie dominiert sein wollen oder nicht) die Oil Banana selbst verwalten, dann muss der Rest der Welt Handel treiben anstelle nur der Kriegsindustrie zu nützen. Das ist der Standpunkt der UN.
Das ist aber kein realpolitischer Standpunkt bei knappen Ressourcen: Es gibt zwar noch viel Öl, aber die Nachfrage ist noch größer. Dh zumindest zu einem niedrigen Preis ist keine Alternative vorhanden. Und das würde aus einem Islamischen Großreich mit 1,5 Mrd Menschen und 20-30% der Ölquellen eine Supermacht machen.
Auf die Ölkriege bereitet man sich seit Jahrzehnten vor. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die keine Strategie haben!
Kleine Korrektur am Titelbild: Die Enklave des Oman, also das Gouvernement Musadam an der Spitze der Halbinsel ist nicht in Grün dargestellt, und daher nicht als Teil des Oman zu erkennen.
Geschichtlich gesehen ist der Oman eine alte Kultur, die den Zugang zum Persischen Golf kontrollierte, gemeinsam mit Persien, jetzt Iran. Die VAE hatte sich dann „abgesetzt“, aber der Oman hat die Kontrolle über den Meereszugang erhalten.
Es wird schon länger darüber spekuliert, ob der Iran evt. dem Oman hilft, die VAE wieder „heim ins Reich“ zu holen.
Dass der Oman beide Augen fest zudrückt, wenn die USA durch seine territorialen Gewässer fährt, dürfte alleine auf die militärische Bedrohung zurück zu führen sein. Denn der Oman hat natürlich nicht die Möglichkeiten der Verteidigung wie der Iran.
Der Oman hat sich bisher auch geweigert, eine US-Basis zuzulassen, aber letztlich musste das Land einen Vertrag akzeptieren, welcher der US-Marine den Zugang zu seinen Häfen sichert. Auch heute noch darf man die USA nicht unterschätzen.
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