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Wirtschaft

Die Tricks der Eliten um immer reicher zu werden, während ihr Land schwächelt

6 Kommentare 9. September 2026 7 Minuten Lesezeit von Jochen Mitschka

Der Dollar schwächelt, immer mehr Länder versuchen ihn im Handel mit anderen Ländern als Währung zu ersetzen, was droht die Nachfrage nach US-Staatsschuldenbriefe zu reduzieren und/oder die Zinsen zu erhöhen. Eine Gefahr für die Finanzierung der US-Rüstungsausgaben. Statt Politikwechsel, so eine umstrittene Analyse, versucht eine kleine Elite in den USA, nicht nur den Zerfall des Dollars aufzuhalten und die Rüstungsausgaben hoch zu halten, sondern auch gleich die Umverteilung von unten nach oben zu beschleunigen.

Ein Text kursiert gerade, der eine steile These aufstellt: Die US-Regierung schwäche den Dollar absichtlich, um ihn durch private, digitale Dollar – Stablecoins – zu ersetzen, an denen ein einziges Unternehmen verdient: Tether. Die These klingt nach Verschwörung. Das Problem ist: Ein erstaunlicher Teil der Einzelteile ist tatsächlich belegbar – nur nicht so, wie der Text sie zusammensetzt. Hier die Einordnung, Punkt für Punkt.

Die Kurzfassung: Schritt 1 – Zölle und Handelskonflikte schwächen den Dollar im Welthandel. Schritt 2 – ein Regierungsdekret verbietet einen öffentlichen digitalen Dollar. Schritt 3 – das GENIUS Act öffnet das Feld für private Stablecoin-Emittenten, die per Gesetz US-Staatsanleihen kaufen müssen. Am Ende, so die These, steht ein Dollar, der über ein privates Unternehmen – Tether – läuft, das bei jeder Transaktion mitverdient, während Normalbürger die Kosten der Dollarschwäche tragen.

Was tatsächlich belegt ist

Der Dollar-Verfall. Der Dollar-Index hatte 2025 tatsächlich ein historisch schwaches Jahr. Im ersten Halbjahr fiel er laut Berichten um rund 10 bis 11 Prozent – der schlechteste Start seit 1973. Übers Gesamtjahr 2025 lag das Minus bei etwas über 9 Prozent, die schwächste Jahresperformance seit 2017. Das Bild aus dem Ausgangstext („schwächster Wert seit 30 Jahren“) trifft damit ungefähr, die genaue Zahl von 12,6 Prozent findet sich in den Quellen so nicht. Als Treiber nennen NPR vor allem Trumps Zollpolitik und die Zinssenkungen der Fed.

Das CBDC-Verbot

Trump unterzeichnete am 23. Januar 2025 tatsächlich eine Executive Order („Strengthening American Leadership in Digital Financial Technology“), die es Bundesbehörden verbietet, eine Central Bank Digital Currency zu schaffen, zu fördern oder auszugeben – und die im selben Atemzug „dollar-backed stablecoins“ ausdrücklich fördert. Das ist keine Interpretation, das steht so im Dekret, siehe die Analyse von Goodwin Law.

Das GENIUS Act.

Am 18. Juli 2025 unterzeichnet, verpflichtet es Stablecoin-Emittenten zu einer Eins-zu-eins-Deckung in Cash oder kurzlaufenden US-Staatsanleihen (max. 93 Tage Laufzeit). Eine investigative Recherche von Bloomberg bestätigt zudem die im Ausgangstext genannte Personalkonstellation: Howard Lutnick, Chef von Cantor Fitzgerald (Tethers Reserveverwalter), lobbyierte laut Gerichtsunterlagen bereits 2024 gegen strengere Regeln für Tether. Bo Hines, damals Krypto-Berater im Weißen Haus, drängte laut Bloomberg auf eine rasche Verabschiedung und setzte eine dreijährige Übergangsfrist durch, die Tether bevorzugte gegenüber der von Demokraten geforderten 18-Monats-Frist.

Die Verflechtung mit Tether

Cantor Fitzgerald hat sich laut Berichten von 2024 tatsächlich einen 5-Prozent-Anteil an Tether gesichert (rund 600 Mio. US-Dollar) und verwaltet den Großteil von Tethers Reserven. Bo Hines wiederum wechselte im September 2025 zu Tether – allerdings nicht, wie der Ausgangstext behauptet, als Chef von „21st Century“, sondern als CEO von Tether USA₮ (USAT), Tethers neuem GENIUS-Act-konformem US-Ableger. Eine separat existierende „Twenty One Capital“, an der Tether, Bitfinex, SoftBank und Cantor beteiligt sind, ist ein Bitcoin-Vehikel – Hines steht ihr nicht vor. Der Name im Ausgangstext ist also verwechselt, die Grundrichtung der Verflechtung aber korrekt.

Die Zahlen zur Staatsanleihen-Nachfrage

Hier wird der Ausgangstext ungenau. Eine Brookings-Prognose von 2,3 Billionen Dollar bis 2030 lässt sich nicht verifizieren. Belegbar sind andere, teils widersprüchliche Schätzungen: Citibank rechnet mit bis zu 1,2 Billionen Dollar an von Stablecoin-Emittenten gehaltenen Staatsanleihen bis 2030, das Beratergremium des US-Finanzministeriums modellierte ein Szenario von rund 1 Billion bis 2028. Finanzminister Scott Bessent selbst sprach in einem Bloomberg-Interview nicht von 1 Billion, sondern von bis zu 2 Billionen Dollar – der Ausgangstext untertreibt an dieser Stelle sogar. Kurz: Die Größenordnung „Billionen“ stimmt, die konkrete Zahl und Quelle im Text nicht.

Die EZB-Warnung

Die Europäische Zentralbank hat mehrfach vor Stablecoin-Risiken gewarnt – etwa davor, dass wachsende dollarbasierte Stablecoins Kapitalabflüsse aus Europa auslösen und Teile der Staatsfinanzierung faktisch an den Kryptosektor verlagern könnten. Das im Ausgangstext zitierte Wortlaut-Zitat lässt sich in dieser exakten Formulierung nicht bestätigen, die inhaltliche Stoßrichtung der EZB-Sorge aber schon – auch in einer weiteren Warnung vor einem „Stablecoin-Schock“.

Tether selbst

Auch das stimmt: Tether hat nie ein vollständiges, unabhängiges Audit durch eine große Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vorgelegt, sondern bislang nur punktuelle Bestandsbestätigungen („Attestations“), teils durch eine Anwaltskanzlei statt einen Wirtschaftsprüfer – siehe Finance Magnates. Mitgründer Brock Pierce hatte, wie kürzlich freigegebene Akten zeigen, tatsächlich eine beratende Rolle in Jeffrey Epsteins frühen Krypto-Investments – dokumentiert etwa bei Fortune. Und Tether Holdings ist tatsächlich auf den Britischen Jungferninseln registriert, außerhalb direkter US-Aufsicht.

Was übertrieben ist

Der größte Bruch liegt in der Erzählform selbst: Der Text präsentiert drei unabhängige Entwicklungen – Zollpolitik, CBDC-Verbot, GENIUS Act – als einen einzigen, choreografierten Drei-Schritte-Plan. Belegt ist, dass diese Dinge zeitlich zusammenfielen und dass Lutnick und Hines dabei handfeste persönliche Interessenkonflikte hatten – das ist ernst genug und gut dokumentiert. Nicht belegt ist, dass der Dollarverfall selbst absichtlich als Vorstufe zur Stablecoin-Einführung inszeniert wurde; die meisten Analysten führen ihn auf Zollpolitik und Zinsentscheidungen zurück, nicht auf einen Währungs-Austauschplan. Auch die Namensverwechslung bei „21st Century“ und die nicht auffindbare Brookings-Zahl schwächen die Beweiskette an konkreten Stellen, ohne die Grundtatsachen – Interessenkonflikte, fehlendes Audit, regulatorisch erzwungene Anleihenachfrage – zu widerlegen.

Was die wahrscheinlichste Interpretation

Die vermutlich beste Erklärung reicht vollkommen aus, um sich als Normalverbraucher zu empören. Da fährt eine Regierung eine desolate Außen- und Wirtschaftspolitik, welche die Entdollarisierung der Weltwirtschaft befeuert. Und als Reaktion darauf wird finden gewiefte Politiker und Wirtschaftsberater einen Weg, um nicht nur die Finanzpolitik eines Landes quasi zu „privatisieren“, sondern auch gleich noch, um noch mehr Vermögen von unten nach oben zu verteilen.

Zusammenfassung

Man braucht keine Verschwörungstheorie, um beunruhigt zu sein. Die belegbaren Fakten reichen: Ein Gesetz, das maßgeblich von Personen mitgeschrieben wurde, die direkt von seinem Inhalt profitieren; ein Unternehmen ohne vollständiges Audit, das nach eigenen Angaben schon jetzt einer der größten Käufer von US-Staatsanleihen ist; eine Zentralbank, die offen vor Ansteckungsrisiken warnt. Das ist eine Geschichte über Regulierung im Dienst weniger Akteure. Die reale Geschichte ist beunruhigend genug.

Die eigentlich interessante Frage liegt jenseits der Verschwörungserzählung: Verschafft dieses Konstrukt dem Dollar – und damit auch den US-Rüstungsausgaben, die zu erheblichen Teilen über neue Schulden finanziert werden – noch ein paar Jahre zusätzliche Finanzierung? Oder beschleunigt es den Zusammenbruch, wenn ein derart konstruiertes System irgendwann implodiert? Erzwungene Käufe von Staatsanleihen, die per Gesetz unabhängig von der globalen Zinssituation und der tatsächlichen Nachfrage erfolgen müssen, sind ökonomisch ein Fremdkörper: Sie schaffen künstliche Nachfrage, die nicht auf Vertrauen oder Renditeüberlegungen beruht, sondern auf regulatorischem Zwang. Ein solches Konstrukt kann kurzfristig Zeit kaufen – aber genau weil es die Preissignale des Marktes außer Kraft setzt, spricht einiges dafür, dass es früher oder später selbst zum Krisenherd wird, statt die zugrunde liegenden Probleme zu lösen.

Bild: Screenshot von Bericht über Tether

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Die letzte Verteidigungslinie des Dollars

Der bevorstehende Zusammenbruch des Eurodollar-Systems

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6 Kommentare

  1. Andreas_Sch.
    Antworten

    Wenn man auf, ich nenne es einmal „Phasen“, die Kontemplation und Reflexion erfordern mit purem Aktionismus reagiert, verhält man sich wie ein vernagelter Jugendlicher, der ja schließlich irgendwie immer „durchgekommen“ ist und endet wie ein solcher: in einer Zelle als große Liebe von „Baba – 150 Kilogramm geballte schwule Kraft“. 😆
    Schon blöd, wenn man den eigenen Hollywood-Lügen glaubt …

  2. local.man
    Antworten

    Der Fehler ist im System eingebaut und das System ist nicht von den Naturgewalten erschaffen, gepflegt und angepasst, sondern von Besitzenden hinter der Fassade.
    Daher arbeitet dieses System auch im Interesse dieser Kreise, die natürlich auch die Krisen und Probleme entsprechend machen, pflegen, oder davon profitieren. Der Crash ist einkalkuliert und das stört Besitzende nicht, da sie das Folgesystem vorbereitet haben.
    Der Ausweg ist, sich von diesen pyramidalen Systemen zu verabschieden, egal wie man sie nennt, und eines zu bauen, was ohne Machtpyramide, unendlichen Reichtum, Besitz usw. funktioniert. Nur so kann man den Trieb des Menschen, immer mehr Macht und mehr Reichtum zu wollen und am Ende dies zum eigenen Vorteil gegen den Rest anzuwenden, verhindern.
    Dazu braucht es also maximale Umstellung des System.. Also sogut wie in allen Stellen, vom Wirtschaft, Politik, Finanzen, Bildung, Medien und natürliche Grenzen an Reichtum und Besitz.
    Das muss deswegen alles so sein, weil wir ja jetzt im System der Machtclique sitzen. Ein paar Stellschrauben drehen, wird da nicht viel bringen.
    Und mit den Mitteln des Fortschritts, ist das schon längst nicht nur spielend möglich, sondern überfällig.
    Genau deswegen ist der Deckel auf dem Topf auch vor dem Wegfliegen. Der Druck der nötigen Änderungen ist zu groß und die Antwort der Besitzenden ist in Teilen bekannt..
    Armut im Leih-Modus(zu den Besitzenden), eingepfercht, vollüberwacht und mit neuer Niederhaltung CO2-Budget, Social Score, Geofencing, KI, Satelliten Steuerung, sprich der digitale Gulak mit sehr kleinem Auslauf bei ständiger Bittsteller-Mentalität, Verbots- und Fremdbestimmungskultur.. Eugenik, Cyborgs und Menschheitsreduktion, weil wir sind aus der Sicht der (gestörten) Ausbeuter immer überflüssiger.

  3. Glass Steagall Act
    Antworten

    Die US-Eliten sind doch schon alle vor dem Dollar geflüchtet, in Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle, Immobilien und Ländereien. Denen dürfte der Wert des Dollars nicht mehr so wichtig sein, anders die Bevölkerung, die täglich mit der Dollarschwäche zu tun hat. Die Bevölkerung hat außer Schulden nichts, die haben nicht einmal Rücklagen gebildet. Das wirkliche Problem der USA stellen die massiven Schulden und die immer höheren Zinsen für die Staatsanleihen dar! Hier hilft auch kein Stablecoin mehr! Momentan hangeln sich die USA von einem Finanztrick zum nächsten und von einer Marktmanipulation zur nächsten, um das System noch gerade über Wasser zu halten! Finanzexperten sagen, es gibt bereits keinen Rückweg mehr, der Untergang des Schuldsystems ist nicht mehr aufzuhalten!

  4. VerarmterAdel
    Antworten

    Wer denkt, dass es hier schlecht ist, sollte mal nach Amiland schauen. Da kann einem echt übel werden. Also ich möchte da nicht leben.

    Ein absolut deprimierendes YT-Video von Truthstream Media: „We Don’t Have to Live This Way“

    Wir müssen so nicht leben? Offenbar doch.

    1. wolfferth
      Antworten

      Künstliche Preistreiber und Schulden als „Kriegsmotivation“?

      https://www.jpost.com/defense-and-tech/article-906985

      Wirtschaftliche Rekrutierung für verschuldete Amerikaner im wehrfähigen Alter

      Der narrative Krieg an der amerikanischen Heimatfront ist bereits gescheitert. Dem Pentagon ist es nicht gelungen, diesen Krieg der amerikanischen Öffentlichkeit zu verkaufen, da er rhetorisch mit Israels Operationen im Gazastreifen verschmolzen wurde – und die amerikanische Öffentlichkeit lehnt diese Verschmelzung ab.

      Die Rekrutierungszahlen liegen unter dem, was eine Bodeninvasion im Iran erfordern würde. Schätzungen für eine erfolgreiche Bodenoffensive gegen die 31 Provinzkommandos des Irans und dessen „Mosaik-Verteidigungsdoktrin“ liegen zwischen 750.000 und 1,5 Millionen amerikanischen Soldaten. Die derzeitige aktive Truppenstärke der US-Armee beträgt etwa 452.000. Die Rechnung geht offensichtlich nicht auf.

      Ausgehend von der amerikanischen Geschichte gibt es jedoch einen Weg nach vorn. Nicht die Wehrpflicht oder eine Einberufung im Sinne der Weltkriegszeit, sondern die Freiwilligeinstellung durch ein „Schuldenerlassprogramm“.

      Der durchschnittliche Amerikaner im Alter von 18 bis 34 Jahren hat mehr als 40.000 Dollar an Nicht-Hypothekenschulden in Form von Studentenkrediten, Kreditkartensalden, Autokrediten und Privatkrediten, wobei einige Schätzungen sogar bis zu 100.000 Dollar reichen.

      Das ist die Zielgruppe, die das Pentagon braucht. Ein vom Bund verwaltetes Programm zur Schuldenerlass-Einberufung, das Studienkredite, Kreditkartenschulden und andere Kredite nach 24 oder 36 Monaten Dienst vollständig erlässt und die GI Bill erweitert, würde zu freiwilligen Einberufungen in großem Umfang führen.

      (Abschnitt maschinell übersetzt mit deepl.)

      1. Glass Steagall Act

        Die Staatsschulden erdrücken die USA, da nützt es wenig, wenn man weitere Soldaten anwirbt für Kriege, die den USA noch mehr Staatsschulden verursachen!

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