Das Dollar-System in der Krise: Der wahre Grund für die US-Rettung des Yen

24. August 2026von 3,4 Minuten Lesezeit

Im August 2026 griff das US-Finanzministerium still und leise in den Devisenmarkt ein, um den japanischen Yen zu stützen. Es war das erste Mal seit 1998, dass Washington eine solche Intervention zugunsten Japans vornahm. Offiziell hieß es, man wolle einem engen Verbündeten helfen. Doch die eigentliche Motivation liegt tiefer: Es geht um die schwindende Stabilität des globalen Dollar-Systems.

Die offizielle Erklärung klingt harmlos: Der Yen ist stark abgestürzt. Anfang 2021 kostete ein US-Dollar noch etwa 100 Yen, im Juli 2026 bereits mehr als 160. Japan sei ein enger Verbündeter, also springe man bei. Doch das ist nur die Oberfläche. Die eigentliche Motivation liegt tiefer – und betrifft das gesamte Dollarsystem. Wie Ben Norton auf Geopolitical Economy Report detailliert darlegt, ist Japan nicht nur der wichtigste Militärstützpunkt der USA in Asien (mit rund 120 Basen und über 50.000 US-Soldaten). Japan ist vor allem der größte ausländische Gläubiger der Vereinigten Staaten. Mit rund 1,24 Billionen Dollar an US-Staatsanleihen (Stand Februar 2026) hält Tokio mehr Treasuries als jedes andere Land.

Warum Japan den Yen stützen musste

Der Yen hatte gegenüber dem Dollar massiv an Wert verloren – von etwa 100 Yen pro Dollar Anfang 2021 auf über 160 Yen im Juli 2026. Auslöser war unter anderem der von den USA ausgelöste Krieg gegen den Iran, der die Energiepreise in die Höhe trieb. Japan importiert 95 Prozent seines Öls aus Westasien, ein Großteil davon durch die Straße von Hormus. Die teuren Importe und die schwache Währung setzten Tokio unter Druck.

Um den Yen zu stützen, verkaufte Japan in den Monaten zuvor US-Staatsanleihen im Umfang von über 100 Milliarden Dollar. Genau das will Washington verhindern. Denn steigende Treasury-Renditen belasten bereits die US-Wirtschaft – von Hypotheken über Firmenkredite bis hin zu den Finanzierungskosten der enormen Staatsverschuldung.

Die Risse im Dollar-System

Während China seine Treasury-Bestände seit Jahren konsequent abbaut (von über 1,3 Billionen Dollar 2014 auf unter 700 Milliarden), bleibt Japan der treue Financier. Doch selbst Tokio reduziert seine Bestände. Gleichzeitig steigt die US-Schuldenaufnahme weiter, mit Defiziten von rund 6 Prozent des BIP.

Der Anteil ausländischer Staaten an den US-Treasuries ist von über 45 Prozent Anfang der 2010er Jahre auf etwa 32–33 Prozent gesunken. Die Lücke füllen zunehmend private Akteure – Hedgefonds und Finanzplätze in London und der Karibik. Adam Tooze spricht daher vom „Hedge-Fund-Dollar“ oder „Billionärs-Dollar“.

US-Finanzminister Scott Bessent, ein ehemaliger Hedgefonds-Manager aus dem Umfeld von George Soros, erklärte unumwunden: „Wir werden alles tun, was nötig ist, um sie auf eine Weise zu unterstützen, die der amerikanischen Wirtschaft, dem amerikanischen Steuerzahler und der globalen Wirtschaft hilft.“ Mit „globaler Wirtschaft“ meinte er das auf dem Dollar basierende internationale Finanzsystem, das er mit allen Mitteln aufrechterhalten will.

Japan spielt in diesem System eine Schlüsselrolle. Das Land ist der größte ausländische Halter von US-Staatsanleihen (Treasuries). Mit rund 1,24 Billionen Dollar (Stand Februar 2026) leiht Japan den USA mehr Geld als jedes andere Land. Jahrzehntelang hat Tokio seine riesigen Leistungsbilanzüberschüsse aus dem Hightech-Export in Dollar-Anlagen umgewandelt – oft auch dann, als die Realrenditen negativ waren.

Symbol einer schwindenden Hegemonie

China hingegen baut seine Bestände seit Jahren ab: Vom Höchststand von über 1,3 Billionen Dollar 2014 auf unter 700 Milliarden heute. Peking dedollarisiert systematisch, nachdem Washington die eigene Währung als Waffe eingesetzt hat.

Washington kann es sich nicht leisten, dass große Halter von US-Schuldtiteln massenhaft verkaufen. Das würde die Zinsen für US-Staatsanleihen nach oben treiben und die Finanzierung der riesigen amerikanischen Defizite erschweren – ausgerechnet in einer Zeit wachsender Dedollarisierung weltweit.

Die Intervention zeigt die Risse im Dollarsystem. Die USA müssen inzwischen ihre eigenen Verbündeten retten, damit diese nicht die amerikanischen Schulden abstoßen. Was als „Hilfe für Japan“ verkauft wird, ist in Wahrheit der Versuch, den eigenen Niedergang der Dollar-Dominanz hinauszuzögern.

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