Wie Washington die Welt-Energieversorgung gekapert hat und den Petrogas-Dollar schuf

5. Mai 2026von 3,9 Minuten Lesezeit

Während die Welt von den militärischen Entwicklungen in Westasien abgelenkt ist, hat Washington im Hintergrund einen der größten Raubzüge der modernen Geschichte durchgezogen: die systematische Übernahme der globalen Öl- und Gasversorgung.

Der investigative Journalist Richard Medhurst enthüllt in einer brisanten Analyse, wie die USA unter dem Deckmantel des Iran-Kriegs die Konkurrenz ausschalteten, Europa endgültig an amerikanisches LNG ketteten und einen neuen „Petrogas-Dollar“ etablierten. In seinem Substack-Artikel How the US Pulled off an Armed Robbery of the World’s Energy Supply and Created the Petrogas-Dollar“ legt Medhurst eine forensische Untersuchung vor, die wie ein Krimi liest – nur dass es bittere Realität ist. Die Analyse ist auch Grundlage seines Dokumentarfilms „The Petrogas-Dollar: The Secret US Strategy Behind the Iran War“ – Video am ende des Artikels

Chaos als Ziel – und Profit als Ergebnis

Früher fürchteten die USA Ölpreisschocks. Heute sind sie der weltgrößte Produzent und Exporteur von Öl, Gas und LNG. Hohe Energiepreise schaden Wall Street nicht mehr – sie sind das erklärte Ziel. Medhurst zeigt, wie Washington in nur 90 Tagen eine „Energy-Blitzkrieg“ durchführte:

  • Hunderte Angriffe auf russische Tanker und Raffinerien
  • Störung von rund einem Drittel der chinesischen Öl- und LNG-Versorgung
  • Übernahme der weltgrößten Ölreserven in Venezuela
  • Aufbau einer globalen Seeblockade vom Arktischen Ozean bis zum Indischen Ozean

Und das Ganze begleitet von der Entführung und Ermordung von Staatschefs. Aus dem Empire wird offener Piratenstaat.

Europa als Dauerkunde – Nord Stream war nur der Anfang

Schon mit dem Ukraine-Krieg und der Sprengung von Nord Stream gelang es den USA, Europa von billigem russischem Pipeline-Gas auf teures amerikanisches LNG umzustellen. Von 9 % auf Platz 1 als Lieferant von Kohle, Öl und LNG. Die EU wurde zum permanenten Vasallen.

Nun wurde der Job zu Ende gebracht. Mit dem Iran-Krieg zwang Washington Katar (größter Konkurrent) zur Ausrufung von Force Majeure und traf das weltgrößte Gasfeld. Wenige Tage später fiel durch einen „Zufallszyklon“ die Hälfte der australischen LNG-Produktion aus. Zeitgleich verbot die EU russisches Spot-Gas. Perfektes Timing für US-Exporteure.

Das Ergebnis: Explodierende LNG-Preise in Europa und Asien – in den USA nicht. Europa zahlt die Zeche für seine eigene Abhängigkeit.

Levantine Basin: Der neue Nord Stream – unter US-Kontrolle

Besonders perfide ist die Übernahme des Levantine Beckens vor Syrien, Palästina und Libanon – eines der größten unerschlossenen Gasfelder der Welt. Medhurst zeigt, wie Chevron mit einem 35-Milliarden-Dollar-Deal und dem „Board of Peace“ (durch UN-Resolution 2803) die Gasfelder vor Gaza plündern soll. Gaza war nie nur Geisel-Drama – es ging von Anfang an um Ressourcen.

Syrien folgte: Nach dem Regimewechsel sicherte sich Chevron auch dort die Offshore-Vorkommen. Syrien, einst energieautark, kauft nun teures Gas aus der Türkei, während US-Konzerne das eigene Gas nach Europa pumpen. Eine neue Mittelmeer-Arterie (EastMed-Poseidon) ersetzt symmetrisch den zerstörten Nord Stream – nur diesmal unter amerikanischer Konzernkontrolle.

Während alle Iran beobachteten, hat Washington leise den Ersatz für Nord Stream abgeschlossen: Poseidon.

4 Gas-Deals in 4 Monaten 🇸🇾🇮🇱🇬🇷🇨🇾

3 Billionen Dollar

Ich habe Wochen mit diesen Karten und dieser Untersuchung verbracht, um die US-Agenda in Iran und weltweit aufzudecken.

China im Visier – und die Welt als Geisel

Der eigentliche strategische Gegner ist China. Ein Drittel seiner Ölimporte kam aus Venezuela, Russland und Iran – allesamt von Washington attackiert. Durch Blockaden, Sanktionen und direkte Übernahmen soll Peking gezwungen werden, sich auf US-Energie zu verlassen. Damit wird nicht nur der Dollar gerettet, sondern auch BRICS und die multipolare Welt geschwächt.

Fazit: Vom Empire zum Piratenstaat

Richard Medhurst beschreibt schonungslos, wie die USA unter Trump (und mit tatkräftiger Unterstützung Israels) vom selbsternannten Weltpolizisten zum internationalen Seeräuber mutierten. Freiheit der Schifffahrt? Völkerrecht? Alles Makulatur, wenn es um Energie und Dollar-Hegemonie geht.

Europa steht erneut als großer Verlierer da: höhere Energiepreise, Inflation, Deindustrialisierung, totale Abhängigkeit. Während Asien und der Globale Süden die Folgen spüren, kassiert Corporate America ab.

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3 Kommentare

  1. Vivarium Eins 5. Mai 2026 um 18:38 Uhr - Antworten

    So sieht echte MAGA-Politik aus.
    Davon kann Fritze nur träumen

  2. Jan 5. Mai 2026 um 12:07 Uhr - Antworten

    Chinas Ölimporte vor der Schließung von Hormus:

    Gesamt 10,5 Mio bpd, 50% aus Nahost

    Die USA produzieren nur etwa knapp 14 Mio bpd, es ist nicht möglich, dass China alles Öl aus den USA importiert.

    Venezuela mehrere hunderttausend bpd, unter 0,3 Mio bpd. (Venezuela produziert zwischen 1 und 1,2 Mio bpd, die Liefermöglichkeiten nach China sind also begrenzt.)

    Über ESPO und Kosmino gehen etwa 2,2 Mio bpd aus Russland nach China.

    1 Mio bpd aus Brasilien

    0,5 Mio bpd aus Angola
    0,5 Mio bpd aus Kasachstan (über die Kasachstan-China-Pipeline)

    0,2 Mio bpd aus den USA

    Aus dem Iran hat China etwa 1,1 Mio bpd importiert.

    Aus Saudi-Arabien hat China 1,8-2 Mio bpd bezogen.

    Etwa 1,5-1,8 Mio bpd aus dem Irak, 0,3 Mio bpd Kuweit und Oman, 0,5 Mio bpd aus den VAE

    China betreibt eine Diversifizierungsstrategie. Bei der Beurteilung ist daran zu denken, dass Rohölqualitäten sehr verschieden sind und daher die Erträge verschiedener Regionen gemischt werden müssen.

    Vor der Nordstream-Sprengung hat Russland etwa 155 Mrd Kubikmeter Gas (etwa 1.635 TWh) geliefert, knapp 60 Mrd über Nordstream, 17 Mrd über TurkStream, 90 Mrd über Belaruskij.

    Die USA liefern etwa 106,6 Mrd. m³ LNG, das entspricht 125,4 Mrd. m³ (etwa 1.320 TWh) Gas. Die USA liefern etwa 80% von dem, was Russland früher geliefert hat.

    Im Levantine Becken liegen mehrere Gasfelder mit einer insgesamt sehr großen Fläche von 1.130km2. Zum Vergleich: Die kumulierten russischen Gasfelder liegen bei 27.500 km2, die norwegischen bei 2.000km2, die britischen bei 740km2. Aktuell liegt die Förderung im Levante-Becken bei 30 Mrd Kubikmeter im Jahr, das Gesamtpotential dürfte bei 100 Mrd Kubikmeter liegen. Der Ausbau könnte aber 10 Jahre dauern. Dann würde das Becken etwa so viel produzieren, wie die USA oder Norwegen.

  3. Varus 5. Mai 2026 um 11:29 Uhr - Antworten

    Übernahme der weltgrößten Ölreserven in Venezuela

    Je nachdem, wie weit bisherige Stellvertreterin Maduros den imperialen Vorgaben folgt – dazu las ich sehr verschiedene Stimmen. Vom weit gehenden Gehorchsam bis zum starken Widerstand. Wie sieht es tatsächlich aus?

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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