
Epstein-Störung bei der Snooker-WM
Mitten in der Entscheidung im Halbfinale der Snooker-WM störte ein Mann mit einem lauten Zwischenruf: „Vergesst nie die Epstein-Files!“
Es war der entscheidende Frame im Halbfinale zwischen Wu Yize und Mark Allen. Es war ein dramatisches Match, die Spannung im Saal war erdrückend. Die Spieler waren seit Stunden in voller Konzentration – und genau in den entscheidenden Minuten kam der plötzliche Zwischenruf aus dem Publikum. Im Live-TV war kaum zu hören, was der Mann schrie. Doch man hatte sofort das Gefühl: Das ist politisch.
Tatsächlich rief der Mann: „Never forget the Epstein-Files!“ Snooker – das Spiel der britischen Oberschicht – hat einen kleinen Skandal erlebt. Englische Nativ-Speaker dürften den Ruf auch einfacher gehört haben.
Anders als bei Flitzern, die man mittlerweile via TV schnell aus den Livebildern herausschneidet, sodass nur noch die Zuschauer im Saal etwas mitbekommen, konnte der Zwischenruf nicht entfernt werden. Das öffentlichkeitswirksame Potenzial eines solchen Protests wurde dadurch stark reduziert.
Dennoch gelangte der Zwischenruf über die Übertragung der Snooker-WM in viele Wohnzimmer. Es ist durchaus bemerkenswert, dass sich ausgerechnet in diesem Publikum, das eher die bürgerliche Oberschicht repräsentiert, ein „politischer Störer“ findet. Unter 100 Pfund gibt es kein Ticket, und die Plätze im Crucible sind oft auf Jahre im Voraus ausverkauft. „Epstein“ ist längst kein Thema mehr, von dem nur wenige Menschen gehört haben.
Dass gerade ein Snooker-Match, das die Elite oder zumindest die Oberschicht mit all ihren Sitten und Traditionen repräsentiert, von einem solchen Vorfall betroffen war, ist höchst bemerkenswert. Zudem ist das Spiel eng mit der britischen Kolonialgeschichte verbunden und wurde in Britisch-Indien in einem Offizierskasino entwickelt.
Wu Yize, der durch den Ruf in seinem Spiel gestört wurde, ließ sich davon nicht beeindrucken. Er wurde letztlich am Montag Weltmeister. Damit krönte er sich zum zweiten chinesischen Snooker-Weltmeister und zum zweitjüngsten Champion in der Geschichte. Die politische Intervention hat den Sport nicht gestört.
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Der Bruder des britischen Königs war involviert und genug andere gekrönte Häupter auch. Wenn die Elite sich die Kinder ihrer Untertanten zum Objekt machen und sie benutzen und verspeisen wie Nutztier, dann hat das eine Symbolik, die über die moralische Sphäre hinaus geht.