Was verschwiegen deutsche Star-Virologen während Corona?

21. Juni 2026von 8,3 Minuten Lesezeit

Die so genannte „Gain-of-Function“-Forschung (GoF) befasst sich mit der genetischen Veränderung von Erregern, um sie für dem Menschen tödlicher zu machen. Durch überraschend freigegebene Unterlagen in den USA werden Verbindungen deutlich, welche westliche Forscher, unter der Führung und Finanzierung durch die USA, schwer belasten. Die in den USA selbst verbotene Forschung war ins Ausland verlagert worden, und viele Länder dürften gar nicht wissen, was in den Labors passiert.

An ihrem letzten Arbeitstag als Director of National Intelligence veröffentlichte Tulsi Gabbard fast 400 Seiten freigegebener Geheimdienstunterlagen zum Ursprung von Covid-19 – E-Mails, ein Lawrence-Livermore-Assessment vom Mai 2020, Whistleblower-Aussagen und einen EcoHealth-Abschlussbericht. Die zentrale Stoßrichtung: Anthony Fauci habe als NIAID-Direktor Gain-of-Function-Forschung am Wuhan Institute of Virology mitfinanziert, parallel die Geheimdienste in Richtung „natürlicher Ursprung“ gelenkt und beides später unter Eid vor dem Kongress bestritten. Wichtig zur Einordnung: Auch unabhängige Berichterstattung weist darauf hin, dass die ODNI-Pressemitteilung selbst weiter geht als das, was die Dokumente tatsächlich belegen – die Akten zeigen vor allem ein Geflecht aus Kontakten und Interessenkonflikten, weniger einen eindeutigen Beweis für vorsätzliche Geheimdienstmanipulation. Was aber schlimm genug ist.

Was hat mit „The Germans“ zu tun?

Was es in den Dokumenten hinsichtlich „The Germans“ gibt, ist ein seit 2022 laufender, parallel verlaufender Strang derselben Geschichte, der einen sehr konkreten deutschen Namen enthält: Christian Drosten, Charité Berlin.

Drosten war Teilnehmer jener vertraulichen Telefonkonferenz vom 1. Februar 2020, die Fauci, NIH-Chef Francis Collins und Wellcome-Trust-Chef Jeremy Farrar einberufen hatten, um die auffällige Furin-Spaltstelle des neuen Coronavirus mit internationalen Virologen zu besprechen – darunter auch Kristian Andersen, Edward Holmes, Ron Fouchier und Marion Koopmans. Im November 2022 erstritt der Journalist Jimmy Tobias per Informationsfreiheitsanfrage die Freigabe unredigierter E-Mails aus dem Umfeld dieser Konferenz.

Eine Mail Drostens vom 9. Februar 2020 wird seither als besonders brisant zitiert: Darin fragt er sinngemäß die anderen Teilnehmer, ob man sich nicht eigentlich zusammengefunden habe, um eine bestimmte These zu widerlegen – ein Satz, der im Kontext der späteren öffentlichen Linie (Laborthese = Verschwörungstheorie) pikant wirkt.

Brisant wird das vor allem juristisch: Im Prozess des Hamburger Physikers Roland Wiesendanger gegen Drosten hatte Letzterer eidesstattlich erklärt, kein persönliches Interesse gehabt zu haben, die Laborthese auszuschließen. Kritiker sehen darin einen Widerspruch zur Wortwahl in den E-Mails. Diese Geschichte ist in Deutschland keineswegs unbekannt – sie wurde unter anderem von Weltwoche, Junge Freiheit, Reitschuster, Achgut und Tichys Einblick aufgegriffen – allerdings fast ausschließlich im alternativen Medienspektrum. Vor zwei Tagen hat auch Nius die neue Gabbard-Veröffentlichung explizit genutzt, um Drosten erneut in den Fokus zu rücken. Die großen Leitmedien – FAZ, SZ, Spiegel, Tagesschau – haben über die Drosten-Mails seinerzeit kaum oder nur sehr defensiv berichtet, und auch die aktuelle Gabbard-Freigabe hat dort bislang keine sichtbare deutsche Anschlussrecherche ausgelöst.

Die weitergehende These: ein deutsch-chinesisches Labor in Wuhan

Es gibt noch eine zweite, deutlich spekulativere Erzählung, die in dieselbe Richtung zielt. Sie stammt vom Brownstone Institute (Autor: das Pseudonym Robert Kogon, Originalveröffentlichung im britischen Daily Sceptic) und behauptet, neben dem Wuhan Institute of Virology habe es ein zweites, weniger bekanntes deutsch-chinesisches Viruslabor in Wuhan gegeben – am Tongji Medical College/Union Hospital, näher am eigentlichen Ausbruchsherd als das WIV selbst. Genannt werden der deutsche Co-Direktor Ulf Dittmer (Essen), das über ein Jahrzehnt von der DFG geförderte Forschungsprojekt TRR60, sowie weitere deutsche Virologen wie Heinz Feldmann (Direktor von Faucis Rocky-Mountain-Labor in Montana) und Stefan Pöhlmann (Deutsches Primatenzentrum Göttingen) (Quelle: Brownstone Institute).

Diese These stützt sich überwiegend auf Indizienketten, Fotos von Konferenzteilnehmern und biografische Verknüpfungen – nicht auf geleakte Dokumente, die eine konkrete Verbindung zwischen TRR60 und der Entstehung von SARS-CoV-2 belegen würden. Brownstone Institute selbst ist ein erklärt pandemiekritisches, advocacy-orientiertes Medium ohne den Anspruch klassischer Nachrichtenagenturen auf Gegenrecherche. Die zentrale Forderung des Artikels – warum es zu TRR60 keine Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz gibt, obwohl es zu DEFUSE und CREID in den USA längst solche gibt – ist allerdings eine berechtigte journalistische Lücke, unabhängig davon, wie man zur Gesamtthese steht.

Was die neuen ODNI-Dokumente zu Deutschland nicht zeigen

Die am 18. Juni veröffentlichten US-Akten drehen sich primär um Fauci, NIAID, EcoHealth Alliance und das Wuhan Institute of Virology. Eine systematische, dokumentenbasierte deutsche Spur – etwa benannte deutsche Förderlinien, Institute oder Beamte, die im Zentrum der neuen US-Freigabe stehen – lässt sich aus den bisher verfügbaren Berichten nicht belegen. Was es gibt, ist der ältere, eigenständige Komplex um Drosten und die Februar-2020-Telefonkonferenz, der durch die neue US-Debatte erneut Aufwind bekommt, weil Gabbards Erzählung vom organisierten Meinungsschwenk strukturell genau zu dem passt, was die Drosten-Mails 2022 nahelegten.

Warum das in Deutschland kaum verfängt

Drei Gründe liegen nahe, ohne dass sich einer davon abschließend beweisen lässt: Erstens war Drosten die zentrale wissenschaftliche Vertrauensfigur der deutschen Pandemiepolitik – ihn kritisch zu hinterfragen, berührt automatisch die Legitimität der gesamten deutschen Corona-Politik, nicht nur eine einzelne Person. Zweitens ist die bisherige Berichterstattung fast vollständig im alternativen und in rechten Medienspektrum verortet, was es etablierten Redaktionen leicht macht, das Thema unter „Querdenker-Narrativ“ abzulegen, statt die belegten Teile – die FOIA-Mails, den Wiesendanger-Prozess – eigenständig zu prüfen. Drittens fehlt schlicht ein deutsches Äquivalent zum US-amerikanischen FOIA-Apparat mit vergleichbarer Durchsetzungskraft; parlamentarische Anfragen wie die von Christian Ehler zu TRR60 verlaufen, wie im Brownstone-Artikel dokumentiert, im Sand.

Die Aufarbeitung in Deutschland hinkt weit hinter der in den USA hinterher.

Informationsfreiheitsanfragen zu TRR60/RAPID

Auf FragDenStaat finden sich vereinzelte Bürgeranfragen, die TRR60 explizit ansprechen – etwa eine Anfrage, die unter anderem nach Angela Merkels Besuch des Labors im September 2019 fragt. Das sind aber Einzelanfragen von Privatpersonen mit teils monatelang verspäteten Antworten, kein systematisches Rechercheprojekt. Eine gebündelte, professionell geführte IFG-Anfragenserie zu TRR60 oder zum DFG-Förderprogramm RAPID, vergleichbar mit dem, was US Right to Know in den USA zu DEFUSE und CREID gemacht hat, gibt es nicht.

Parlamentarisch ist die Sache konkreter: Die BSW-Gruppe hat am 18. März 2025 eine Kleine Anfrage eingereicht (Bundestagsdrucksache 20/15143), die explizit fragt, ob beim Sonderforschungsbereich TRR60 unter Beteiligung der Universität Duisburg-Essen Gain-of-Function-Forschung betrieben wurde, und ob deutsche Forscher oder die DFG sich an entsprechenden Vorhaben beteiligt haben. Das Problem: Die Anfrage kam praktisch am Ende der 20. Wahlperiode – kurz vor der Konstituierung des neuen Bundestags nach der Februar-2025-Wahl.

Eine Antwort der Bundesregierung dazu lässt sich nicht nachweisen; es spricht einiges dafür, dass sie praktischerweise dem Diskontinuitätsprinzip zum Opfer gefallen ist, also mit dem Ende der Wahlperiode automatisch verfallen ist, ohne dass die Fragen je beantwortet wurden.

Bundestag und die Causa Drosten/Wiesendanger

Hier muss man präzisieren, denn es gibt zwei verschiedene Stränge, die nicht vermischt werden sollten: Der zivilrechtliche Wiesendanger-gegen-Drosten-Prozess vor dem Landgericht Hamburg ist und bleibt ein Gerichtsverfahren – dazu gibt es keine Bundestagsprotokolle, weil das Parlament damit schlicht nicht befasst ist.

Was es aber gibt, ist ein paralleler, sehr konkreter parlamentarischer Strang zur größeren Frage des Laborursprungs, in dem Drosten namentlich auftaucht. Auslöser war eine Recherche von Süddeutscher Zeitung, Zeit und NZZ im März 2025:

Der BND soll bereits 2020 unter dem Decknamen „Projekt Saaremaa“ zu der Einschätzung gekommen sein, ein Laborunfall in Wuhan sei wahrscheinlich – BND-Präsident Bruno Kahl habe das Kanzleramt unter Merkel persönlich unterrichtet, woraufhin die Erkenntnis als Verschlusssache eingestuft wurde, statt etwa an die WHO zu gehen (Quelle Ärzteblatt).

Ende 2024 soll das Kanzleramt mehrere deutsche Wissenschaftler gebeten haben, die BND-Indizien zu prüfen – wer genau, bleibt offen. Das Parlamentarische Kontrollgremium, das den BND beaufsichtigt, befasste sich am 13. März 2025 mit der Sache; der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz kritisierte öffentlich, dass es bislang keine parlamentarische Aufarbeitung der Pandemie gegeben habe.

Die AfD-Fraktion griff das auf und fragte mit einer Kleinen Anfrage vom 17. Juni 2025 (Drucksache 21/502) unter anderem explizit, ob deutsche Wissenschaftler wie Christian Drosten oder RKI-Präsident Schaade mit der Prüfung der geheimen BND-Daten beauftragt wurden.

Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 21/742, Anfang Juli 2025) verweigerte laut AfD-Angaben über 90 Prozent der Fragen unter Verweis auf „Staatswohl“ und den „Kernbereich exekutiver Eigenverantwortung“ – sie bestätigt Drostens Beteiligung also nicht, dementiert sie aber auch nicht (Quelle: Bundestag-hib, AfD-Fraktion).

Bemerkenswert zudem: Der Jenaer Biologe Günter Theißen kritisierte in einem Interview mit der Bundestags-Wochenzeitung Das Parlament explizit das Fehlen einer systematischen, öffentlichen Aufarbeitung nach US-Vorbild.

Festzuhalten ist also: Es gibt keine Bundestagsprotokolle zum Wiesendanger-Prozess selbst, aber sehr wohl dokumentierte parlamentarische Vorstöße, die Drosten namentlich mit der gerade erst öffentlich gewordenen BND-Geheimhaltung verknüpfen – und eine Bundesregierung, die dazu lieber schweigt als dementiert.

Überschneidung zwischen der Drosten-Mail vom 9. Februar 2020 und dem ODNI-Release 2026

Die Berliner Zeitung bestätigt in ihrer Berichterstattung zum Juni-2026-Release ausdrücklich, dass Christian Drosten im selben E-Mail-Verkehr auftaucht wie Kristian Andersen und Robert Garry, deren früher geäußerte Zweifel an einem natürlichen Ursprung jetzt ebenfalls in den ODNI-Akten dokumentiert sind. Das ist dieselbe Korrespondenz rund um die Telefonkonferenz vom 1. Februar 2020, aus der auch die 2022 von Jimmy Tobias erstrittenen E-Mails stammen – nur jetzt eben über den offiziellen US-Geheimdienstkanal freigegeben statt über eine FOIA-Klage. Ob exakt der Wortlaut der Mail vom 9. Februar 2020 in den neuen ODNI-PDFs reproduziert ist, kann man aus nicht zweifelsfrei verifizieren – dafür müsste man die Originaldokumente unter dni.gov Zeile für Zeile mit der 2022er-Fassung abgleichen. Aber dass es sich um denselben Personenkreis und denselben Zeitraum handelt, ist durch eine „seriöse“ deutsche Quelle bestätigt, nicht nur durch die alternative Medienlandschaft.

Ein kleiner Bonus-Fund am Rande, der zu der ursprünglichen These passt: Auf der Bundespressekonferenz wusste der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille auf Nachfrage angeblich nicht einmal von der ODNI-Veröffentlichung vom 12. Juni 2026 zu den Biolaboren – ein kleines, aber konkretes Beispiel für genau das Desinteresse, welches an der Aufarbeitung der Corona-Krise besteht.

Der Artikel wurde inspiriert durch einen Tweet von „FrauHodl“.

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3 Kommentare

  1. Glass Steagall Act 21. Juni 2026 um 15:40 Uhr - Antworten

    Genau dieser Drosten stand schon 2017 mit den Vertretern der Bill und Melinda Gates Foundation und den Vertretern der Rockefeller Foundation zu einem Fototermin zusammen! Das zeigt genau, dass dieser Drosten weder eine „Vertrauensperson“ noch ein „Star“ gewesen ist, sondern ein Teil der Corona-Verschwörung war! Ein korrupter Wissenschaftler, der sich hat kaufen lassen, um die Corona-Lüge zu unterstützen! Und ich denke, dass auch die Berliner Charité aus der er kommt, eine korrupte medizinische Universität ist, bezahlt vom Staat und der Pharmaindustrie, welche heimlich Menschenexperimente mit Jugendlichen in Sachen „Gender“ treibt. Ich habe sogar persönlich einen Fall gesehen, der das untermauert!

  2. Bernhard Meyer 21. Juni 2026 um 15:35 Uhr - Antworten

    Herr Mirschka schreibt am Ende des vorletzen Absatz:
    „…ist durch eine seriöse deutsche Quelle bestätigt, nicht nur durch die alternative Medienlandschaft.“
    Diese Formulierung kritisiere ich stark. Ich denke, das muss ich hier nicht begründen.
    Mit freundlichem Gruß
    Bernhard Meyer

  3. Jan 21. Juni 2026 um 15:33 Uhr - Antworten

    „Es gibt aber Fall-
    gruppen, bei denen trotz eines uneingeschränkt verantwort-
    lich handelnden Tatmittlers der Beitrag des Hintermannes
    nahezu automatisch zu der von diesem Hintermann erstrebten
    Tatbestandsverwirklichung führt. Solches kann vorliegen,
    wenn der Hintermann durch Organisationsstrukturen be-
    stimmte Rahmenbedingungen ausnutzt, innerhalb derer sein
    Tatbeitrag regelhafte Abläufe auslöst.“

    Diese Bedingungen scheinen bei sämtliche Entscheidungen, die im Umfeld getätigt wurden, und die zu Tod, Krankheit und Menschenrechtsverbrechen geführt haben, erfüllt.

    „Organisationsherrschaft setzt aber einen Apparat voraus, der sich bei der Verwirklichung
    von Straftatbeständen als Ganzer vom Recht gelöst hat, so ‚dass die Strukturform der Organisationsherrschaft im Rahmen eines rechtsstaatlich geregelten, innerstaatlichen Ge-
    meinwesens kaum praktisch auftreten kann'“

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