
Orbán heißt jetzt Radev: Bulgarien will neues EU-Sanktionspaket blockieren
Das mittlerweile 21. Sanktionspaket der EU gegen Russland steht vor der Verabschiedung. Es ist das erste seit Viktor Orbán seine Macht in Ungarn verloren hat. Doch die Europäische Kommission bekommt trotzdem Widerstand – diesmal aus Bulgarien.
Viktor Orbán konnte kein einziges Sanktionspaket verhindern, ebenso wenig wie Robert Fico in der Slowakei. Beide verhandelten jedoch immer wieder im Sinne ihrer eigenen Interessen und konnten Sanktionen, die ihrer Ansicht nach dem eigenen Land und der EU mehr schaden als Russland, abschwächen oder verzögern.
In Brüssel hatte man gehofft, dass diese Blockade-Politik mit Orbáns Abgang enden würde. Doch nun übernimmt Sofia diese Rolle. Der neu gewählte Ministerpräsident Rumen Radev macht genau das, womit er im Wahlkampf angetreten ist: bulgarische Interessen verteidigen.
Sofia werde das Paket blockieren, wenn Sanktionen gegen Patriarch Kirill nicht aus dem Paket gestrichen und bestimmte wirtschaftliche Maßnahmen angepasst werden. Das hat Ministerpräsident Rumen Radev am Donnerstag in Brüssel klargemacht.
Radev, der seit Mai 2026 als Ministerpräsident amtiert (nach dem Wahlsieg seiner Partei „Progressive Bulgaria“ im April), sprach vor Journalisten vor dem Europäischen Rat. Er kündigte an, dass Sofia sein Veto einlegen werde, falls die EU nicht auf die bulgarischen Bedenken eingehe.
Ein zentraler Streitpunkt sind die geplanten Sanktionen gegen Patriarch Kirill, das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche. Radev lehnt diese strikt ab:
„Lasst uns Politik nicht mit Religion vermischen. Die Zeit der Kreuzzüge ist vorbei. Dieser Krieg hat die Schützengräben längst verlassen, er hat Wirtschaft und Energie erfasst, Kultur und Sport – jetzt bleibt nur noch, dass er die Religion erfasst.“
Er betonte, es gehe ihm nicht um die Person Kirill, sondern um die Russisch-Orthodoxe Kirche als Institution und die Millionen Gläubigen. Bulgarien und Russland teilten dieselbe orthodoxe Tradition, und die russische Kirche habe historisch zur Befreiung Bulgariens vom Osmanischen Reich beigetragen. „Wir sind eine Familie“, so Radev. Die Bulgarisch-Orthodoxe Kirche solle bei solchen Entscheidungen mitreden dürfen.
Das 21. Sanktionspaket wird neben dem Patriarchen auch weitere Personen treffen. Bereits am Montag (15. Juni 2026) hatte die EU 34 Personen und 47 Organisationen auf die Sanktionsliste gesetzt. Spekulationen, dass auch Weltwoche-Chef Roger Köppel betroffen sein könnte, haben sich nicht bestätigt.
Sanktioniert wurde hingegen unter anderem die russisch-amerikanische Social-Media-Influencerin Alexandra Jost (bekannt als „Sasha Meets Russia“), die auf ihren Kanälen ihr Leben in Russland dokumentiert. Auch ein Bischof der Russisch-Orthodoxen Kirche sowie die Chefredakteurin der Krymskaya Gazeta, einer staatlich kontrollierten Tageszeitung auf der Krim, wurden wegen Desinformation sanktioniert.
Noch ist das Paket jedoch nicht beschlossen. Rumen Radev warnte zudem vor konkreten Schäden für die bulgarische Wirtschaft. Betroffen seien vor allem die Versorgung mit Düngemitteln, Ersatzteile für die Sofia Metro und die russische Raffinerie in Burgas. Diese ist die einzige große Ölraffinerie des Landes und ein wichtiger Kraftstofflieferant. Neue Sanktionen könnten den Betrieb massiv stören.
„Wir werden keine Sanktionen zulassen, die der bulgarischen Wirtschaft schaden oder ein Risiko darstellen“, erklärte Radev. Er forderte explizit, dass entsprechende Maßnahmen aus dem Paket gestrichen oder entschärft werden.
Das 21. EU-Sanktionspaket wurde von der Europäischen Kommission vorbereitet und soll im Juli vom Rat der Außenminister beschlossen werden. Wie alle Sanktionspakete gegen Russland erfordert es die Einstimmigkeit aller 27 Mitgliedstaaten. Die Verhandlungen laufen weiter. Auch ohne Orbán kann die Kommission ihren Sanktionskurs nicht ohne Widerstand durchsetzen.
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