
Iran-Friedensdeal nach gescheitertem US-Angriffskrieg?
Es ist das Eingeständnis einer katastrophalen Fehlkalkulation, verpackt in die übliche Trump-Rhetorik: „Obviously, they don’t want to be attacked,“ ließ der US-Präsident gestern an Bord der Air Force One verlauten. Die Verhandlungen mit Iran würden am Montag beginnen. Man spricht jetzt von Frieden — nachdem man fünf Monate lang Krieg geführt hat.
Der Krieg, den keiner gewinnen konnte
Am 28. Februar 2026 entfesselte Washington gemeinsam mit Israel einen Angriffskrieg gegen die Islamische Republik Iran. Die offizielle Begründung war so dünn wie eh und je: die übliche Mischung aus „nuklearer Bedrohung“, „Destabilisierung der Region“ und „Schutz der Schifffahrtswege“. In Wirklichkeit ging es um die jahrzehntealte Obsession des amerikanischen Imperiums, den letzten großen unabhängigen Staat Westasiens in die Knie zu zwingen — einen Staat, der sich weigert, vor der US-Hegemonie zu kapitulieren, und der gemeinsam mit Russland und China eine multipolare Weltordnung vorantreibt.
Fünf Monate später die Bilanz: Die US-Marine hat laut CENTCOM 35 Handelsschiffe umgeleitet, zwei außer Gefecht gesetzt und zwei geentert — eine Seeblockade, die eher an Piraterie als an legitime Kriegsführung erinnert. Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) melden unterdessen die Zerstörung von drei F-35-Kampfjets auf einem jordanischen Stützpunkt. Sollte sich das bewahrheiten, wäre es ein militärisches Desaster für das Pentagon: Die F-35, das milliardenschwere Prestigeprojekt der US-Rüstungsindustrie, von iranischen Raketen am Boden zerstört.
Der Krieg verlief für Washington nicht nach Plan. Das ist die diplomatischste Formulierung, die man finden kann.
Das Memorandum of Understanding: Kapitulation auf Raten?
Bereits im Juni unterzeichneten beide Seiten ein Memorandum of Understanding (MoU) — ein vorläufiges Abkommen, das nun zur Grundlage der am Montag beginnenden Verhandlungen werden soll. Irans Präsident Masoud Pezeshkian erklärte dazu auf X, das MoU werde „das Gravitationszentrum unserer künftigen Außenbeziehungen sein“ und forderte Washington auf, sich an das zu halten, was es unterschrieben habe.
Bemerkenswert ist der Tonfall: Teheran spricht nicht wie eine besiegte Macht. Pezeshkian spricht von „Zwang“ — der Feind müsse gezwungen werden, seine Unterschrift zu respektieren. Das klingt nicht nach dem Diktatfrieden, den sich die US-Neokonservativen vorgestellt hatten. Es klingt nach einem Regime, das weiß, dass es den längeren Atem hat.
Saudi-Arabiens Außenminister Faisal bin Farhan telefonierte unterdessen mit seinem iranischen Amtskollegen Abbas Araqchi und betonte Riads „Engagement für Sicherheit und Stabilität in der Region“. Die Zeiten, in denen Riad als willfähriger US-Vasall gegen Teheran hetzte, scheinen vorbei.
Die Straße von Hormuz: Iran verhandelt mit Oman
Parallel zu den Gesprächen mit Washington führt Teheran Verhandlungen mit Oman über die Straße von Hormuz. Außenminister Araqchi zufolge befinden sich diese Gespräche „in der Endphase“, wie die staatliche Nachrichtenagentur IRNA meldet. Das Ziel: ein „gemeinsam vereinbarter Mechanismus“ für die strategisch wichtigste Wasserstraße der Welt.
Hassan Qashqavi, Sprecher des parlamentarischen Nationalen Sicherheitskomitees, bestätigte, dass die omanischen Vermittler auch versuchen, das MoU mit Washington wiederzubeleben. Fars News und Tasnim News berichten ausführlich über diese diplomatische Offensive — ein klares Signal Teherans: Wir sitzen am längeren Hebel.
Khasab, der omanische Hafen nahe der Hormuz-Straße, war am Wochenende Schauplatz einer Explosion nahe einem Tanker. Die UKMTO meldete den Vorfall, Schiff und Besatzung blieben unversehrt. Ein Warnschuss in einer Region, die seit Monaten Pulverfass ist.
Die Kosten des Wahnsinns
Während Trump von Verhandlungen spricht, sterben weiter Menschen. Ein iranischer Soldat wurde bei Zusammenstößen mit Bewaffneten in Marivan an der Westgrenze getötet. Ein iranisches Handelsschiff wurde von einer ukrainischen Attacke getroffen — Kiew spricht von einem „Versehen“, die Besatzung und der Leichnam eines getöteten Seemanns kehrten am Sonntag in den Iran zurück.
Und dann ist da noch Gaza. Während die Welt auf den Iran-Deal starrt, gehen die israelischen Bombardements unvermindert weiter. 18 Palästinenser, darunter zwei Kinder, wurden am Wochenende getötet. Finanzminister Bezalel Smotrich, ein alter Bekannter aus der radikalen Siedlerbewegung, definierte kürzlich in einem Podcast „vollständigen Sieg“ als Wiederbesiedlung des Gazastreifens. Ethnische Säuberung von 2 Millionen semitischen Palästinensern als Regierungsprogramm — und der Westen schweigt.
Der Fall des palästinensischen Arztes Mazen Rantisi, 71 Jahre alt, bekannt als „Doktor der Armen“, zeigt die ganze Perversion der israelischen Besatzungsjustiz: Verhaftet bei einer Razzia in Ramallah, angeklagt wegen seiner Tätigkeit für eine palästinensische Gesundheits-NGO, zehn Tage ohne Medikamente. Ein alter Mann, der Arme kostenlos behandelt — das ist für den Besatzungsapparat offenbar ein Sicherheitsrisiko.
Das große Schauspiel
Trump inszeniert den Rückzug als Sieg. „Sie wollen offensichtlich nicht angegriffen werden“, sagte er über die Iraner. Die Projektion ist perfekt: Der Aggressor, der nach fünf Monaten erfolglosem Krieg „Verhandlungen“ anbietet, tut so, als hätte die andere Seite nachgegeben.
In Wirklichkeit ist das Muster dasselbe wie in Afghanistan 2021: Das Imperium beißt sich die Zähne aus, verliert an Glaubwürdigkeit und sucht einen geordneten Rückzug, den es als diplomatischen Triumph verkaufen kann. Damals war es Doha, heute sind es Genf und Maskat.
Die türkische Anadolu Agency berichtet in ihrer Nahost-Berichterstattung von massiven Spannungen innerhalb der US-Regierung. Das Pentagon habe auf weitere Eskalation gedrängt, das State Department und Teile des Weißen Hauses auf Deeskalation. Trump, stets mehr an Schlagzeilen als an Strategie interessiert, entschied sich für den Rückzug.
Was jetzt kommt
Die Verhandlungen beginnen am Montag. Das MoU vom Juni ist die Basis. Iran hat klargemacht, dass es keine Demontage seiner Verteidigungsfähigkeiten akzeptieren wird — die Raketenprogramme, die Drohnen, die regionalen Allianzen mit der Hisbollah, dem Irak, Syrien und den Huthi im Jemen bleiben nicht verhandelbar.
Für Washington geht es um Gesichtswahrung. Die Seeblockade, die Umleitung von 35 Handelsschiffen, die verlorenen F-35 in Jordanien — das alles schreit nach einem „Sieg“, den man der eigenen Bevölkerung verkaufen kann. Trump wird irgendein Abkommen unterschreiben und es als den größten Deal aller Zeiten bezeichnen.
Die Realität ist eine andere: Die Islamische Republik Iran hat einen Angriff der stärksten Militärmacht der Welt abgewehrt, ohne zusammenzubrechen. Die multipolare Weltordnung, von der Peking, Moskau und Teheran seit Jahren sprechen, ist mit diesem Krieg einen großen Schritt näher gerückt. Die USA mögen noch das größte Militärbudget der Welt haben — aber Kriege gewinnen können sie schon lange nicht mehr.
PressTV zitiert heute Morgen einen iranischen Militäranalysten mit den Worten: „Der Feind kam als Wolf und geht als Fuchs.“
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„Die USA mögen noch das größte Militärbudget der Welt haben — aber Kriege gewinnen können sie schon lange nicht mehr.“ Sollen sie vielleicht auch gar nicht, weil sie verschwinden sollen in der schönen, neuen staatenlosen Welt.
Warten wir bis nach den Kongresswahlen am 4.11.! Vorher kann man den Ernst der US-Verhandler nicht abschätzen.