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Politik

Der Iran-Krieg: Ein Desaster ohne Exit-Strategie – Krieg um Hormuz, Libanon und Gaza gleichzeitig

5 Kommentare 10. September 2026 7 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Was die westlichen Regierungen als schnellen, chirurgischen Schlag gegen Teheran verkauft haben, ist zu einem ausgewachsenen Regionalkrieg verkommen. Die Lageberichte dieser Woche zeichnen ein Bild, das die offiziellen Verlautbarungen aus Washington und Tel Aviv kaum noch verschleiern können: Die USA und Israel stecken in einem Konflikt fest, aus dem es keinen erkennbaren Ausweg gibt.

Die jüngsten Entwicklungen sprechen eine deutliche Sprache. Der Iran hat seine Seeblockade im Persischen Golf und der Straße von Hormuz weiter ausgebaut und greift weiterhin US-Kriegsschiffe an. Laut dem Liveblog von Al Jazeera vom 6. September meldete die IRGC neue Angriffe auf amerikanische Zerstörer im Rahmen der Blockade – während Washington im Gegenzug drei iranische Öltanker beschoss.

Die Konsequenz dieser gegenseitigen Eskalation ist absehbar und für jeden sichtbar, der die Preistafel an der Tankstelle lesen kann: Brent-Rohöl durchbrach am Mittwoch die Marke von 100 Dollar pro Barrel und schloss bei 101,21 Dollar – der höchste Stand seit Ende Mai. Der Westen führt einen Krieg, den er sich ökonomisch selbst nicht mehr leisten kann, während die Verbraucher die Zeche zahlen.

Risse im Westen: Trump gegen eigene Berater

Besonders aufschlussreich ist der offene Widerspruch zwischen dem öffentlichen Auftreten von Donald Trump und dem, was hinter verschlossenen Türen besprochen wird. Während Trump bei der ersten Midterm-Convention der Republikaner in Dallas großspurig verkündete, der Krieg werde „unmittelbar nach den Zwischenwahlen“ enden und drohte, das befestigte „Pickaxe Mountain“ bei der beschädigten Atomanlage Natanz anzugreifen, meldet das Wall Street Journal etwas ganz anderes.

Demnach haben Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio den Präsidenten privat gewarnt, dass sich der Konflikt bis zum Ende seiner Amtszeit im Januar 2029 hinziehen könnte. Diese Diskrepanz zwischen öffentlicher Propaganda und internem Realismus ist bezeichnend für einen Krieg, der von Anfang an auf falschen Annahmen beruhte.

Die iranischen Vergeltungsschläge zeigen zudem, dass Teheran keineswegs am Boden liegt. In der Nacht auf Donnerstag trafen iranische Raketen den US-Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti in Jordanien, wo laut CBS-Reporterin Jennifer Jacobs eine A-10 Thunderbolt einen Flügel verlor und rund acht F-15 beschädigt wurden. Die Amerikaner mussten je nach Quelle 30 bis 100 Patriot-Raketen abfeuern, um sich zu verteidigen – ein klares Signal, dass der Iran offenbar über präzise Mittelstreckenraketen verfügt, die tief in den regionalen Luftraum eindringen können.

Die IAEA-Resolution: Politisches Theater mit gefährlichen Folgen

Parallel zum militärischen Geschehen vollzieht sich an der diplomatischen Front ein Manöver, das jedem aufmerksamen Beobachter die Doppelmoral des westlichen „regelbasierten“ Systems vor Augen führt. Der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) verabschiedete am Mittwoch eine von USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland eingebrachte Resolution, die den Iran erstmals seit 20 Jahren wegen seiner nuklearen Verpflichtungen an den UN-Sicherheitsrat verweist.

Die Abstimmung – 23 dafür, 3 dagegen (Russland, China, Niger), 8 Enthaltungen – mag auf dem Papier nach einem diplomatischen Erfolg aussehen. Tatsächlich handelt es sich um ein durchsichtiges politisches Manöver, das die eigentliche Ursache der Krise bewusst verschleiert. Iran selbst hat die Resolution scharf verurteilt.

Der entscheidende Punkt, den die westliche Berichterstattung konsequent unterschlägt: Die fehlende Zugänglichkeit iranischer Atomanlagen ist nicht die Ursache, sondern die Folge westlicher Aggression. Seit den amerikanisch-israelischen Luftangriffen auf geschützte Nuklearanlagen im Juni 2025 hat die IAEA keinen Zugang mehr zu bestimmten Einrichtungen. Der iranische Vize-Außenminister Kazem Gharibabadi brachte den absurden Zirkelschluss auf den Punkt:

„Sie greifen die geschützten Nuklearanlagen Irans an, stören den normalen Verifikationsprozess – und nutzen dann genau diese Störung als Vorwand für eine Resolution im Gouverneursrat.“

Erst bombardiert man die Anlagen eines Landes, das den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat, dann beschwert man sich, dass die Inspektoren keinen Zugang mehr haben, um schließlich ein Verfahren einzuleiten, das den „Kollaps des Nichtverbreitungsregimes“ – so wörtlich die iranische UN-Mission in Wien – beschleunigt. Die iranische Vertretung warnte, die Resolution „erleichtert die weitere Erosion und den endgültigen Zusammenbruch des Verbreitungsregimes als Ganzes“. Angesichts des westlichen Verhaltens ist diese Einschätzung kaum von der Hand zu weisen.

Israel: Eskalation an allen Fronten

Während die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf den Persischen Golf gerichtet ist, setzt Israel seine Kampagne gegen die Palästinenser in Palästina und den Libanon mit unverminderter Härte fort – weitgehend unbeachtet und ohne nennenswerte Konsequenzen seitens der internationalen Gemeinschaft.

Gaza

In Gaza geht das Töten weiter. Am Mittwoch erschossen israelische Streitkräfte vier Palästinenser nördlich von Gaza-Stadt, wie Al Jazeera unter Berufung auf medizinische Quellen meldete. In der Nacht auf Donnerstag eröffneten israelische Militärhubschrauber das Feuer in der Nähe des Flüchtlingslagers Jabalia. Die Zahlen verschwimmen in der täglichen Nachrichtenflut, aber das Muster ist unverändert: gezielte Tötungen, Beschuss dicht besiedelter Gebiete, und eine Versorgungslage, die von Hilfsorganisationen seit Monaten als katastrophal beschrieben wird.

Westjordanland

Im Westjordanland geht die systematische Zerstörung palästinensischer Lebensgrundlagen weiter. In der Nacht auf Donnerstag stürmten israelische Kräfte die Stadt Burqa, durchkämmten sechs Stunden lang Häuser und verhafteten 15 Palästinenser. In Tuqu‘ südöstlich von Bethlehem errichteten die Truppen einen Checkpoint im Stadtzentrum, jagten Jugendliche durch die Viertel und feuerten Schallgranaten ab – ein 24-jähriger Bewohner wurde verschleppt, sein Aufenthaltsort ist unbekannt.

Besonders verbrecherisch ist der Fall von Beit Iksa nordwestlich von Jerusalem: Bereits die zweite Woche in Folge verweigern israelische Kräfte rund 30 Palästinensern den Zugang zu ihren eigenen Häusern. Die Bewohner benötigen „Sondergenehmigungen“, um ihre eigenen Wohnungen zu betreten – Genehmigungen, die die Behörden schlicht nicht ausstellen.

Libanon

Im Südlibanon gehen die israelischen Angriffe weiter. Artilleriebeschuss traf Wadi al-Hujeir und Wadi al-Salouqi, im Bezirk Tyros wurden Häuser in Al-Mansouri beschossen, und in Al-Khiam setzten israelische Kräfte Häuser in einem bergigen Wohnviertel in Brand. Das Vorgehen folgt dem bekannten Muster: erst die Infrastruktur zerstören, dann das Gebiet faktisch unbewohnbar machen.

Die Ablenkungsmanöver: Trump-Dividende und Midterms

Inmitten dieses Desasters präsentierte Trump bei seiner Midterm-Convention einen Vorschlag, der die Absurdität der Lage illustriert: eine „Trump-Dividende“ von 5.000 Dollar für jeden erwachsenen Amerikaner, sollten die Republikaner den Kongress halten. Bei rund 270 Millionen Erwachsenen entspräche das Kosten von etwa 1,35 Billionen Dollar – finanziert aus einem Haushalt, der ohnehin durch den Krieg und die explodierenden Energiepreise belastet ist.

Die Umfragen zeigen, dass sich die Wähler von Trumps Partei abwenden – aus Unzufriedenheit über die Lebenshaltungskosten und den Iran-Krieg. Die Antwort darauf ist nicht etwa eine Kurskorrektur, sondern ein milliardenschweres Wahlversprechen ohne erkennbare Finanzierung oder rechtliche Grundlage.

Wer profitiert, wer zahlt?

Was sich in dieser Woche abzeichnet, ist ein Krieg, der aus Sicht seiner Architekten längst verloren ist – und der dennoch fortgeführt wird, weil ein Eingeständnis des Scheiterns politisch unvorstellbar erscheint. Die Faktenlage:

  • Teheran zeigt keine Anzeichen der Kapitulation. Trotz zweijähriger „All-out-Kriegsführung“ – so die iranische Formulierung – hält der Iran seine Blockade aufrecht, greift US-Stützpunkte und Schiffe an und hat kürzlich sogar eine amerikanische Unterwasserdrohne vom Typ Dive-LD erbeutet, die nun möglicherweise nachgebaut wird.
  • Die westliche Koalition ist gespalten. Russland und China haben die IAEA-Resolution abgelehnt und werden jede Sanktionsverschärfung im Sicherheitsrat blockieren. Die diplomatische Einkreisung Irans ist damit faktisch gescheitert.
  • Die wirtschaftlichen Kosten steigen. Öl über 100 Dollar, gestörte Lieferketten, explodierende Militärausgaben – und das alles in einem Wahljahr, in dem die Wähler bereits unruhig werden.
  • Israel eskaliert und mordet weiter. Während die Aufmerksamkeit auf den Golf gerichtet ist, wird die ethnische Säuberung in Gaza und im Westjordanland im Schatten des großen Krieges fortgesetzt – mit der stillen Billigung einer internationalen Gemeinschaft, die ihre eigenen Prinzipien längst verraten hat.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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5 Kommentare

  1. Varus
    Antworten

    Die Ungeschnittenen fragten gestern: „Ist ein weiterer Anschlag vom Typ „False Flag“ im Ausmaß des 11. September möglich, da Trump und Netanjahu immer verzweifelter werden?“ – Ich würde den Typen absolut alles zutrauen. TKP hat ja selber berichtet, dass Mileikowski wohl wissend die Ereignisse vom 7. Oktober zugelassen und sogar begünstigt hat. Hoffentlich machen solche Fragen die Öffentlichkeit skeptischer, falls es wirklich passieren sollte.

  2. Varus
    Antworten

    @“… Der Westen führt einen Krieg, den er sich ökonomisch selbst nicht mehr leisten kann, während die Verbraucher die Zeche zahlen. …“

    Diese Verbraucher müssten irgendwie möglichst deutlich der Obrigkeit mitteilen, dass sie keine Lust darauf haben. Sonst macht die Oligarchie USraels samt Kolonien weiter wie gehabt.

  3. cwsuisse
    Antworten

    Bereits der „chirurgische Schlag“ gegen Teheran war ein ausgewachsenes Kriegsverbrechen.

  4. 1150
    Antworten

    da die usa offiziell keinen krieg führen,
    bekommen die hinterbliebenen der °°gefallenen°° auch keine rentenzahlungen …..

  5. VerarmterAdel
    Antworten

    Aus der Asche…

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