Japan kämpft, wie Deutschland, mit importierten Energiekosten – doch als rohstoffarme Inselnation mit einer historisch schwachen Währung trifft es die Krise ungleich härter. Seit Wochen versuchen Tokio und Washington gemeinsam, den Yen zu stützen. Das könnte eine Kettenreaktion auslösen, welche den Dollar viel schneller abstürzen lässt, als alle bisher denken. Was kann dazu führen?
Bloomberg berichtete am 6. September, dass Japan für die Stützung der eigenen Währung und zur Bekämpfung der durch die Energiekosten verursachten Inflation vermutlich einen Teil seiner US-Staatsanleihen verkauft hat – trotz der Sorge in Washington, genau solche Verkäufe könnten die langfristigen Zinsen weiter nach oben treiben.
Die Zinsdifferenz zwischen den USA und Japan bleibt riesig: Die zehnjährige US-Anleihe rentiert aktuell bei rund 4,7 Prozent, die vergleichbare japanische Staatsanleihe (JGB) nur bei etwa 2,85 Prozent, wie CNBC dokumentiert. Diese Lücke befeuert seit Jahren das klassische Carry-Trade-Geschäft: Anleger leihen sich billig in Yen und investieren teurer in Dollar-Anlagen – was den Yen strukturell schwächt und Japans Energieimportrechnung in die Höhe treibt.
Ende Juli/Anfang August intervenierten die USA und Japan erstmals seit 1998 wieder gemeinsam am Devisenmarkt, um den Yen zu stützen. Al Jazeera notierte, dass die Aktion auch der Sorge geschuldet war, ein Ausverkauf japanischer Staatsanleihen könnte über steigende Renditen auf die globalen Anleihemärkte durchschlagen. Der Erfolg war jedoch nur von kurzer Dauer, wie Axios feststellte: Die 30-jährige US-Anleihe erreichte zuletzt mit rund 5,23 Prozent ein neues Hoch seit 2007.
Was wir nicht in den Medien lesen
Was in den Nachrichtenmeldungen meist unerwähnt bleibt: Der Mechanismus dahinter ist banal, aber unerbittlich. Jede neue US-Staatsanleihe muss angesichts der schieren Emissionsmenge – finanziert werden riesige Haushaltsdefizite und der Kapitalhunger des KI-Booms – mit höheren Kupons, mehr Zinsen, ausgestattet werden, um Käufer zu finden. Das aber macht ältere, niedriger verzinste Anleihen im Bestand automatisch weniger wert: Wer eine Anleihe mit 3 Prozent Kupon hält, während neue Papiere 5 Prozent bieten, sitzt auf einem Buchverlust, den er erst beim Verkauf realisiert. Man kann diesen schleichenden Wertverfall gewissermaßen live mitverfolgen, ohne dass eine einzelne Schlagzeile ihn ausruft.
Genau hier liegt das Dilemma, das OMFIF-Chefökonom Mark Sobel anspricht: Der einzige nachhaltige Weg, den Anstieg der US-Renditen zu bremsen, wäre eine fiskalische Konsolidierung in Washington – also weniger neue Schulden. Solange diese ausbleibt, bleiben Interventionen bloße Pflaster. Wenn Japan nun aber, um den Yen zu verteidigen, in größerem Stil eigene Treasury-Bestände auf den Markt wirft, verschärft es genau jenen Abwärtsdruck auf die Anleihekurse, den es eigentlich abfedern will – ein Verkäufer, der den Preis drückt, den er selbst noch hält.
Es drängen sich Fragen auf
Die naheliegende Frage lautet: Was passiert, wenn andere große Gläubigerstaaten – China, die Golfstaaten, europäische Zentralbanken – dasselbe Kalkül anstellen wie Japan? Wenn längeres Halten der Anleihen real weitere Verluste bedeutet, wird das Motiv für einen frühzeitigen Ausstieg für jeden einzelnen Akteur rational, auch wenn es die Verluste aller anderen vergrößert. Ein Beitrag in Fortune zitiert den Ökonomen Barry Eichengreen mit der Beobachtung, dass die USA bei der jüngsten Intervention bewusst Euro-Bestände statt Dollar-Papiere verkauften – offenbar genau deshalb, um die Märkte nicht zusätzlich mit Treasuries zu belasten und keine neuerlichen Verkaufssignale zu setzen. Das ist bereits ein Eingeständnis: Man traut dem eigenen Anleihemarkt keinen weiteren Stresstest mehr zu.
Nibelungentreue mit Verfallsdatum
Übersehen wird in der veröffentlichten Debatte fast durchgängig die Position jener Staaten, die aus politischer Bündnistreue nicht verkaufen – während andere längst leise reduzieren. Wer als enger Verbündeter der USA (Japan eingeschlossen, aber auch europäische Notenbanken und Golfstaaten mit engen Sicherheitsbeziehungen zu Washington) seine Bestände aus Rücksicht auf die Allianz hält, während frei agierende Akteure aussteigen, trägt überproportional die Kursverluste eines Marktes, den er politisch nicht verlassen darf. Genau diese Konstellation – wer zuletzt hält, verliert am meisten – kennzeichnet jede Kettenreaktion an Anleihemärkten: Sie belohnt den frühen Ausstieg und bestraft die Loyalität.
Sollte die Dynamik kippen, träfe es die treuesten Gläubiger am härtesten: schrumpfende Reserven, steigende Refinanzierungskosten für die eigene Währung und eine Zwickmühle zwischen Bündnisinteresse und volkswirtschaftlichem Schaden. Goldman Sachs beziffert allein die Yen-Abwertung der vergangenen fünf Jahre auf 45 Prozent – ein Vermögensverlust, den bislang primär japanische Sparer und institutionelle Anleger tragen. Ob am Ende Berlin, Brüssel oder Tokio das Prinzip Nibelungentreue teurer zu stehen kommt als ein rechtzeitiger, stiller Ausstieg, dürfte sich in den kommenden Monaten entscheiden – an den Anleihemärkten wird ohnehin nicht verhandelt, sondern nur verkauft oder gehalten.
Zusammenfassung
Es gab schon oft Voraussagen für den Zusammenbruch oder mindestens den Werteverfall des US-Dollars. Aber kein Staat, auch der größte Feind der USA, hatte Interesse daran, dass die Leitwährung implodiert und die Weltwirtschaft mit sich reißt. Aber nun hat Donald Trump zu viele rote Linien überschritten, und speziell Japan steht das Wasser bis zum Hals, nicht nur sprichwörtlich, sondern heute auch durch Überschwemmungen, welche die Wirtschaftsprobleme weiter verschärfen. Daraus kann man die Vermutung ableiten: Es werden vermutlich nicht Bomben und Raketen die imperialen Aktionen der USA beenden, sondern der wirtschaftliche Druck durch Verfall des Dollars als Welt-Leitwährung. Abzuwarten ist, ob die Verbündeten weiter bereit sind, sich als „Opferanode“ zu definieren. Wenn die Nibelungentreue aufgegeben wird, kann dann alles ganz schnell gehen, ähnlich wie bei einem Banken-Run.
Bild: Screenshot von Video über das Bröckeln der Bond-Märkte
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2 Kommentare
Die Zwickmühle hat zwei Seiten: Die USA überdehnen sich durch ihr militärisches Geschäftsmodell finanziell und gleichzeitig implodieren die Handelsbeziehungen mit der östlichen Welt wegen der geopolitisch motivierten Greueltaten der USA. Das hinterlässt Spuren und beschleunigt die ohnehin superkritische Verschuldung. Die US-Nationalökonomie ist nun ein Pulverfass.
test – test – test
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