Der Kontrast zwischen den Entwicklungsverläufen der westlichen Welt und ihrer Kolonien einerseits und der aufstrebenden, von China angeführten multipolaren Welt andererseits wird von Tag zu Tag offensichtlicher. Er wird jedoch übersehen und ignoriert, damit wir nicht anfangen, unbequeme Fragen zu stellen.
Die Unterschiede, die sich zwischen dem chinesischen und dem westlichen Modell abzeichnen, gehen mittlerweile deutlich über Fragen des technologischen Fortschritts, des BIP-Wachstums, des Wettbewerbs um Exportmärkte oder der Wechselkurse hinaus. Diese Unterschiede zeigen sich nun zunehmend in den letztendlichen Zielen aller Planung, Arbeit, Produktivität und des Fortschritts.
Mittlerweile wird deutlich, dass China den Nullsummen-Wettbewerb um Märkte und Ressourcen längst hinter sich gelassen hat und eine brillante, lebendige Zivilisation aufbaut – eine, wie wir sie aus Geschichtsbüchern kennen und die das Leben ihrer Bürger zum Besseren verändert. Noch in den 1960er Jahren gehörte China zu den ärmsten Nationen der Welt mit einem Pro-Kopf-BIP von kaum 100 US-Dollar. Heute ist es auf 31.000 US-Dollar pro Kopf auf Basis der Kaufkraftparität (KKP) gestiegen.
Die Überwindung der Armutsfalle
Chinas Entwicklung kam nicht nur einer kleinen Oligarchie in seinen Finanzzentren zugute; sie hat mehr als 800 Millionen seiner Bürger aus der Armut befreit, was eine erstaunliche Leistung ist. Armut ist ein wirtschaftliches Gefängnis, aus dem man nur schwer entkommen kann; die Energie armer Menschen wird oft vollständig dadurch in Anspruch genommen, sich gerade so über Wasser zu halten, ein Dach über dem Kopf ihrer Familie zu sichern und den Hunger zu stillen.
Selbst kleine Kinder haben oft keine andere Wahl, als ihre Kindheit diesem Kampf zu opfern. Ein weiterführendes Studium, der Besuch einer Universität und das Erlernen von Ingenieurswissenschaften, Softwareprogrammierung, Architektur, Medizin oder anderen anspruchsvollen Fachgebieten liegen Lichtjahre außerhalb ihrer Reichweite, und fast das gesamte Talent und Potenzial eines Volkes geht einfach verloren.
Indem China seine Bevölkerung aus der Armut befreit hat, hat es die Entwicklung und Nutzung dieses menschlichen Potenzials ermöglicht – was den entscheidenden Unterschied in seiner Entwicklung ausgemacht hat. Schließlich war jedes Produkt, jede Dienstleistung und jede Innovation, die jemals auf den Markt kam, das Ergebnis menschlichen Handelns und der Synergien, die möglich werden, wenn menschliches Handeln freigesetzt und angeregt statt behindert und gehemmt wird.
Im Laufe des Sommers habe ich in TrendCompass-Artikeln darüber geschrieben, aber gestern haben wir zusätzlich einen Videobericht hochgeladen, der die Inhalte zusammenfasst. Die Forschung über Chinas Entwicklung und Renaissance ist so faszinierend, dass sie Stoff für einen abendfüllenden Dokumentarfilm bieten könnte, aber das übersteigt unsere Ressourcen ein wenig, sodass vorerst ein 26-minütiger Bericht ausreichen muss.
Die vielen „KI-Schund“-Experten, die unweigerlich in den Kommentaren auftauchen, um mit ihrem Fachwissen anzugeben, können sich die Mühe sparen: Dies ist ein echtes Video, kein KI-generiertes.
Unterdessen im Westen…
All diese Entwicklungen erscheinen mir von größter Relevanz. Was nützen Technologien des 21. Jahrhunderts, wenn sie hauptsächlich zur Kontrolle und Überwachung eingesetzt werden? Was nützt die Medizin des 21. Jahrhunderts, wenn mehr als die Hälfte aller Kinder an chronischen Krankheiten leidet und die Lebenserwartung sinkt statt zu steigen? Was nützt Bildung, wenn sie Verwirrung stiftet und Wissen verschleiert? Was nützt Kunst, wenn sie hässlich und vulgär wird, jenseits aller Grenzen? Was nützt es, Renditen aus seinen Investitionen zu erzielen, wenn einem alles wieder weggenommen werden kann, sobald die Machthaber dies beschließen?
Dies sind nur eine Handvoll von über tausend unbequemen Fragen, die wir stellen und über die wir nachdenken sollten, denn im Westen scheinen wir denselben Weg ins Verderben zu rasen, den bereits das Weströmische Reich beschritten hat. Ohne Kurskorrektur wird er zum selben Ziel führen.
Der Artikel erschien zuerst auf Englisch in Alex Krainers TrendCompass. Mit freundlicher Genehmigung des Autors hier auf Deutsch.
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Alex Krainer ist Gründer, KRAINER ANALYTICS, I-System Trend Following Autor von: „Alex Krainer’s Trend Following Bible“, „Mastering Uncertainty“, „Grand Deception“ (verboten).
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8 Kommentare
31.000 Unis, aber der Wahl geht eine Prüfung voraus und die ist nicht so ohne
https://de.wikipedia.org/wiki/Gao_Kao
Dikötter macht sich lustig über das positive Abschneiden der chinesischen Unis im globalen Vergleich, Carl Zha hingegen macht sich lustig über das niedrige Niveau der US Unis schon vor vielen Jahren, das ihm ein Stipendium verschaffte.
Wer sich seine Illusionen über Mao abschminken will, der schaue mal bei Dikötter rein. Dikötter verkennt allerdings, daß die chinesischen Kommunisten ihre Lektion gelernt haben könnten, was das Gemeinwohl betrifft.
Dikötter? Ist das nicht der, der den Chinesen unterstellt, was die USA seit jeher treiben: Ein „Imperium der Illusionen“? 🤔
Die Gesellschaftsmodelle von China und Russland bieten eine interessante und m. E. auch ehrlichere Alternative zum wertekorrupten und heuchlerischen Westen. Leider ist es quasi unmöglich den Wohnsitz aus dem Westen nach China zu verlegen, sodass man die faszinierende Effizienz der Chinesen nur bei Stippvisiten geniessen kann.
Alles geplant vom Großkapital.
Hinter den undurchsichtigen Machtspielen der Großmächte steckt noch etwas was mehr Macht hat.
Geld.
Die Verlagerung der Globalen Machtstrukturen nach China ist lange geplant.
Mehr Info gibts auf Telegram, FKT Deutsch
Geld hat keine Macht – Geld ist Mittel zur Macht!
Die „globalen Machtstrukturen“ verlagern sich nach Zentralasien btw. Das hat weniger mit „Planung“ i.e.S. zu tun, eher mit „Entwicklung“ …
Der Sozialismus gewinnt den zivilisatorischen Kampf.
Weniger „Der Sozialismus©“ als vielmehr die gekonnte Symbiose, in Form der richtigen Schlüsse aus der „Konfrontation der Systeme“, die schon Lenin (!) seinerzeit angemahnt hatte …
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