Westasien: US-Angriffe und heftige iranische Vergeltung gegen US-Basen in Jordanien, Irak, Bahrein

2. September 2026von 4,4 Minuten Lesezeit

Die relative Ruhe nach dem Memorandum of Understanding vom Juni 2026 ist vorbei. Am 1. und 2. September 2026 kam es zum schwersten Schlagabtausch seit Wochen zwischen den USA und Iran. Washington flog neue Angriffe auf Ziele der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) in Iran, Teheran antwortete mit ballistischen Raketen und Drohnen auf US-Basen in der Region. Gleichzeitig gehen die Kämpfe in Libanon, Gaza und dem Westjordanland weiter.

US-Angriffe und zivile Opfer in Iran

Nach Angaben des US Central Command zielten die jüngsten Schläge auf Luftabwehrstellungen, Radaranlagen, maritime Assets, Minenlegefähigkeiten und Kommunikationssysteme der IRGC. Washington begründet die Angriffe mit angeblichen iranischen Versuchen, Schiffe in der Straße von Hormus anzugreifen.

Iranische Quellen berichten von zivilen Opfern. Bei einem Angriff in der Nähe der südlichen Stadt Sirik (Provinz Hormozgan) trafen Splitter eine Hochzeitsfeier. Nach Angaben von Tasnim und PressTV starben mindestens vier bis fünf Menschen, darunter ein Kind, Dutzende wurden verletzt. Teheran spricht von einem gezielten Angriff auf Zivilisten und wirft den USA Kriegsverbrechen vor.

Das Muster ist bekannt: zivile Infrastruktur, Wohngebiete, Hochzeitsfeiern. Wer sich an die NATO-Bombardierung mit deutscher Beteiligung serbischer Hochzeitsgesellschaften 1999 erinnert, dem kommt das alles schmerzhaft vertraut vor, wie Tasnim News in ihrem Bericht über die jüngsten IRGC-Vergeltungsschläge detailliert dokumentiert.

Iranische Vergeltungsschläge

Die IRGC und die iranischen Streitkräfte meldeten „schwere“ ballistische Raketen- und Drohnenangriffe auf US-Stützpunkte:

  • In Jordanien wurden die Prince-Hassan-Luftwaffenbasis (Hangars für RQ-4- und MQ-9-Drohnen) und das Marine-Camp Titiin am Golf von Aqaba getroffen. Die IRGC behauptet, mehrere Drohnen zerstört, technische Einrichtungen in Brand gesetzt und „eine große Zahl“ US-Soldaten sowie Flugpersonal getötet zu haben.
  • Jordanische Streitkräfte meldeten 13 ballistische Raketen im Luftraum; 10 wurden abgefangen, drei schlugen in entlegenen Gebieten ein. US-Beamte erklärten gegenüber Reuters zunächst, es gebe keine amerikanischen Verluste.
  • Weitere Angriffe richteten sich laut IRGC und iranischer Armee gegen US-Basen in Bahrain (Sheikh-Isa-Luftwaffenbasis), Irak (Erbil) und führten zu Alarmen in Kuwait.

Den Auftakt machte ein schwerer ballistischer Raketenangriff auf Camp Titiin, die US-Marine-Kaserne am Golf von Aqaba in Jordanien, bei dem zahlreiche US-Soldaten getötet und mehrere Apache-Kampfhubschrauber sowie Schlüsseleinrichtungen zerstört wurden. Parallel dazu trafen ballistische Raketen die Hangars der Prince Hassan Airbase in Jordanien, wo Langstrecken-Drohnen vom Typ RQ-4 und MQ-9 stationiert sind — mehrere Drohnen wurden vernichtet, Piloten und technisches Flugpersonal getötet, und mehrere technische Infrastruktureinrichtungen gingen in Flammen auf.

In Erbil im irakischen Kurdistan zerstörten kombinierte Raketen- und Drohnenangriffe eine Wartungsanlage, Lagerhäuser mit technischem Gerät, das Leitsystem eines Überwachungsballons und setzten die Treibstofftanks der US-Basis in Brand. Und im Rahmen der 29. Phase der Operation Sa’eqeh (Blitz) startete die iranische Armee einen großangelegten Drohnenangriff mit explosiven Drohnen auf Radarinstallationen und Sammelpunkte der US-Streitkräfte auf der Sheikh Isa Airbase in Bahrain — einem der wichtigsten und sensibelsten US-Stützpunkte der Region, der als zentrales Drehkreuz für Wartung und Reparatur von Hubschraubern, Drohnenkomponenten und Aufklärungsflugzeugen dient. Diese gesamte Operationskette hat PressTV in einer umfassenden Darstellung der kombinierten Vergeltungsschläge der iranischen Streitkräfte minutiös nachgezeichnet.

Iran meldet den Abschuss des 50. fortschrittlichen MQ-9-Drohnen-Fluggeräts durch die neue Generation der iranischen Luftabwehr.

Die Straße von Hormuz

Die Situation in der Straße von Hormus bleibt angespannt; die Schiffspassagen liegen deutlich unter dem Durchschnitt, die Ölpreise stiegen. Was in den westlichen „Qualitätsmedien“ konsequent unter den Tisch fällt: Der Iran kontrolliert die Straße von Hormuz.

Der neue Oberste Führer Mojtaba Khamenei kündigte „unvergessliche Lektionen“ für Washington an. IRGC-Vertreter forderten arabische Staaten auf, US-Truppen zu vertreiben, andernfalls drohten weitere Schläge.

Libanon, Gaza und Westjordanland

Parallel dazu hält die Gewalt in den anderen Fronten an:

  • Israel flog erneut Luftangriffe auf Ziele im Südlibanon (u. a. bei Kfar Reman und Arab Salim). Im Norden Israels wurden Sirenen ausgelöst und ein „verdächtiges Luftziel“ abgefangen.
  • In Gaza gehen israelische Operationen trotz früherer Waffenstillstandsvereinbarungen weiter; jüngste Razzien forderten weitere Todesopfer.
  • Im Westjordanland kommt es zu anhaltenden Verbrechen gegen die palästinensischen Bewohner durcch Siedlergewalt und israelische Militäraktionen.

Einbruch der diplomatischen Bemühungen

Das im Juni unterzeichnete Memorandum of Understanding, das eine 60-tägige Verhandlungsphase und die Öffnung der Hormus-Straße vorsah, ist faktisch gescheitert. Beide Seiten werfen sich Vertragsbruch vor. Teheran sieht die US-Angriffe als Beweis, dass Washington nicht an Diplomatie interessiert sei. Trump drohte mit noch härteren Schlägen, sollte Iran weiter reagieren – bis hin zur Ankündigung, dass von der Islamischen Republik „sehr wenig übrig bleiben“ könnte.

Die jüngste Eskalation zeigt: Der Krieg, der im Februar/März 2026 mit gemeinsamen US-israelischen Angriffen auf Iran begann, ist alles andere als beendet. Zivilisten zahlen den Preis, die Region bleibt ein Pulverfass, und die wirtschaftlichen Folgen (Energiepreise, Inflation) spüren auch Europa und der Rest der Welt. Solange die USA und Israel die militärische Option als Druckmittel betrachten und Iran mit Vergeltung antwortet, bleibt eine weitere Ausweitung real.

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3 Kommentare

  1. Fritz Madersbacher 2. September 2026 um 22:05 Uhr - Antworten

    Und täglich grüßt das Murmeltier, täglich eine Absonderung des Potus, würdig für einen Teil 2 von Chaplins „Der große Diktator“:

    „Washington – US-Präsident Donald Trump erwägt, der Straße von Hormus seinen Namen zu geben. Da die Meerenge „nun unter US-Kontrolle steht, sollten wir die Straße von Hormus in Trump-Straße umbenennen???“, fragte der Präsident am Mittwoch in seinem Onlinedienst Truth Social. Er fügte hinzu, die Wasserstraße wäre dann „wie Amerika selbst ‚heißer‘ denn je zuvor“.
    Trump hatte in den vergangenen Wochen gedroht, die umkämpfte Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman unter US-Aufsicht zu stellen. Er veröffentlichte sogar eine Karte, auf der die Wasserstraße als „neues US-Territorium“ ausgewiesen ist. Seit dem Beginn des Iran-Krieges vor gut sechs Monaten hat der Iran den Handelsweg weitgehend blockiert“
    („Der Standard“, 2. September 2026)

  2. Jochen Mitschka 2. September 2026 um 11:13 Uhr - Antworten

    Spezialität von US-Angriffskriegen seit Afghanistan: Bombardierung von Hochzeitsgesellschaften. https://x.com/jochen_mitschka/status/2095075760029524454

  3. Jochen Mitschka 2. September 2026 um 8:53 Uhr - Antworten

    Zitat:
    Die #USA haben gerade eine Hochzeitsfeier in Sirik im #Iran bombardiert und dabei mindestens 4 Menschen getötet, darunter ein Kleinkind. Über 50 weitere Personen wurden verletzt. https://x.com/Jakob_Reimann/status/2094897578810695857

    Bemerkung: Sie gehen den gleichen Weg wie immer, wie im Irak, wie in Afghanistan oder wo auch immer sie Bombardierung für „Frieden und Freiheit“ natürlich.

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