
Ex-CIA-Mann John Kiriakou über Iran-Krieg, Israel-Lobby, Morde und Attentate
Der ehemalige CIA-Offizier John Kiriakou hat in einem ausführlichen Gespräch mit Tucker Carlson klargestellt, was viele in Washington und den Medien lieber verschweigen: Der Iran stellt keine existenzielle Bedrohung für die Vereinigten Staaten dar. Ein Angriff auf das Land diene vor allem den Interessen Israels – nicht denen Amerikas.
Der ehemalige CIA-Offizier, der nach 9/11 die Anti-al-Qaida-Operationen in Pakistan leitete, später das Folterprogramm der Behörde auffliegen ließ und dafür von der Obama-Regierung als sechster Whistleblower strafrechtlich verfolgt wurde, hat sich hingesetzt und mit Tucker Carlson Klartext geredet. Das komplette Interview (unten) ist Pflichtlektüre — oder besser: Pflichtanschauung — für jeden, der verstehen will, wie die USA in einen Krieg hineingestolpert sind, den niemand wollte. Außer den Israelis.
Was Kiriakou enthüllt, ist eine Anklage gegen die politische Klasse Washingtons, gegen eine gekaperte Außenpolitik und gegen eine Regierung, die ihre eigenen Geheimdienste ignoriert, um die Interessen eines fremden Staates durchzusetzen. Wobei die Interessen dieses Staates genau den Interessen der herrschenden Klasse, der City of London und denen der westlichen Oligarchen und Plutokraten entsprechen.
Der Krieg, der auf Lügen gebaut wurde
Die zentrale Botschaft Kiriakous ist so simpel: Der Iran hatte kein Atomwaffenprogramm. Nicht 2003, nicht 2007, nicht im Juni 2025 — und auch nicht im Februar 2026, als uns die üblichen Verdächtigen auf Fox News erzählten, Teheran könne jeden Moment eine ICBM auf Miami abfeuern.
Wörtlich sagt Kiriakou im Gespräch mit Tucker Carlson:
„Ayatollah Khamenei erließ 2003 eine Fatwa, in der er die Entwicklung einer Atomwaffe als Sünde erklärte. Und dann erklärte die CIA zweimal, dass sie kein Atomwaffenprogramm hätten.“
Zweimal hat die gesamte US-Intelligence-Community, alle 18 Behörden, in National Intelligence Estimates einstimmig festgestellt: Es gibt kein iranisches Atomwaffenprogramm. Null. Nada.
Und was macht der Präsident? Er glaubt nicht seinen eigenen Diensten, sondern den Israelis. Kiriakou dazu trocken:
„Die Leute, mit denen ich bei der Behörde noch Kontakt habe, sagen ausdrücklich: Nein. […] Diese Lüge stammt aus Israel.“
Die Iraner hatten teilangereichertes Uran, ja — was ihnen unter dem Atomwaffensperrvertrag (NPT) ausdrücklich erlaubt ist und unter UN-Inspektionen steht. Aber ein Waffenprogramm? Eine Bedrohung für das amerikanische Festland? Reine Fiktion, produziert in Tel Aviv, ausgestrahlt in Washington.
Und zur vielzitierten angeblichen ICBM-Fähigkeit:
„Sie nahmen zwei ihrer Mittelstreckenraketen, bauten sie so weit ab, bis nur noch die Rakete und der Antrieb übrig waren […] sie schafften es fast bis nach Diego Garcia. […] Wenn man sie mit Sprengstoff oder – Gott bewahre – mit nuklearem Material belädt […], kommen sie nicht so weit. Sie könnten Zypern erreichen, sie könnten sicherlich Israel erreichen und problemlos die arabischen Golfstaaten, aber für die Vereinigten Staaten bestand keine Bedrohung.“
Die MEK, der Schah-Sohn und die nützlichen Idioten
Besonders erhellend ist Kiriakous Analyse der angeblichen iranischen „Verbündeten“, die in Washington als seriöse Partner gehandelt werden.
Die MEK (Volksmudschahedin): Eine Terrororganisation, die jahrzehntelang anti-amerikanische Anschläge verübt hat — inklusive Attentatsversuchen auf den US-Botschafter und einen Drei-Sterne-General. Von Saddam Hussein aus dem Irak vertrieben, verlegte sie ihre Operationsbasis nach Paris (wo sonst?). Der Ehemann der Führerin Maryam Radschawi „verschwand“ — die konventionelle Weisheit: Sie hat ihn umgebracht. Und was passiert 2009? Die MEK heuert die teuersten Lobbyisten Washingtons an — Howard Dean, Rudy Giuliani, das volle Programm, quer durch beide Parteien — und lässt sich von der Terrorliste streichen. Heute werden sie von Israel finanziert und als „Assassins for hire“ eingesetzt.
Reza Pahlavi, der Schah-Sohn: Ein Playboy, der eine Affäre mit der Frau seines Bruders hatte (der Bruder beging daraufhin Selbstmord), dessen eigene Frau eine öffentliche Affäre mit ihrem Personal Trainer hat (die Pariser Presse weidet sich daran), und der kürzlich auf Patrick Bet-Davids Podcast erklärte, er wolle eigentlich gar nicht zurück in den Iran — er habe sich hier ein schönes Leben aufgebaut. Kiriakou: „Er ist ganz sicher kein guter Mensch.“ Und trotzdem wurde er den ganzen Sommer über als Heilsbringer gehandelt. Warum? Weil die Israelis ihn mögen. Sein Vater eröffnete diplomatische Beziehungen zu Israel.
Fragt man sich, was das alles mit amerikanischen Interessen zu tun hat, lautet die Antwort: nichts. Absolut nichts.
Die Heroin-Connection: Wenn der eigene Staat zum Dealer wird
Die vielleicht verstörendste Passage des Interviews betrifft Afghanistan. Kiriakou, damals leitender Ermittler im Auswärtigen Ausschuss des US-Senats, reiste 2009/2010 nach Helmand, um die Mohnproduktion zu untersuchen. Was er dort erfuhr, sprengt jedes Vorstellungsvermögen.
Ein afghanischer Mohnbauer erzählte ihm: „Die Amerikaner sagten mir 2001, wenn ich ihnen verraten würde, wo sich die Araber aufhielten, dürfte ich so viel Mohn anbauen, wie ich wollte.“
Als Kiriakou nachhakte, wurde er von seinem militärischen Begleiter abrupt abgezogen: „Wir sind unter Bedrohung, wir müssen zurück.“
Zurück in Washington schrieb er seinen Bericht. Ein Freund bei der DEA sagte ihm klipp und klar: „Du weißt doch, dass dieser Artikel nicht veröffentlicht wird, oder? […] Afghanistan produziert 93 % des weltweiten Heroins. Fast das gesamte Heroin geht in den Iran und nach Russland, und wir wollen, dass die Menschen dort heroinabhängig sind. Das schwächt ihre Gesellschaften.“
Unter der Taliban-Herrschaft im Jahr 2000: Null Heroinproduktion. Afghanistan war Netto-Lebensmittelexporteur. Sobald die USA das Land übernahmen: flächendeckender Mohnanbau.
Kiriakous Fazit zur heutigen Fentanyl-Krise: „Sie wollen, dass wir von Fentanyl abhängig werden, weil es unsere Gesellschaft schwächt.“
Die Israel-Lobby: Wie eine fremde Macht die US-Außenpolitik kapert
Kiriakou spricht aus, was in Washington als Hochverrat gilt: Die USA handeln nicht in ihrem eigenen Interesse, sondern in dem Israels.
„Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir eher im Interesse Israels handeln als in unserem eigenen Interesse. Ich glaube, das ist einer dieser Fälle.“
Und weiter:
„Die Israelis profitieren vom Chaos. Das Chaos im Irak war gut für Israel. Das Chaos im Iran ist gut für Israel. Das Chaos in Libyen und in Syrien ist gut für Israel. Es ist nicht gut für uns, aber es ist gut für sie.“
Die Verbündeten, mit denen die USA traditionell am engsten kooperierten — Briten, Australier, Kanadier, Neuseeländer — werden heute mit Feindseligkeit behandelt. Warum? Weil Israel sie hasst, so zumindest Kiriakou. Die Briten und Europäer wurden vor dem Iran-Krieg nicht konsultiert. Kiriakou berichtet aus Irland, wo er zwei Wochen nach Kriegsbeginn war: Benzin für umgerechnet 12,50 Dollar pro Gallone, astronomische Heizölpreise, die größte Demonstration der irischen Geschichte — und die Schuld wird den USA gegeben.
Seine Erfahrung mit einem MI6-Offizier fasst die Stimmung zusammen: „Wir lieben dich immer noch. Wir mögen dich nur nicht besonders.“
Die Lösung? AIPAC müsse sich endlich als ausländischer Agent registrieren lassen. Kiriakou selbst musste sich bei FARA.gov registrieren, weil er für die Handelskammer von Abu Dhabi Op-Eds schrieb. Aber AIPAC, das unverhohlen die Interessen einer ausländischen Macht vertritt? Fehlanzeige.
Zur Erinnerung: John F. Kennedy versuchte genau das durchzusetzen. Es endete nicht gut für ihn. Und Lyndon Johnson deckte anschließend den israelischen Angriff auf die USS Liberty, bei dem 34 Amerikaner ermordet wurden — ein Schiff, das unter US-Flagge fuhr und auf dem in großen Lettern „USS Liberty“ stand. Kiriakou: „Die Israelis wussten ganz genau, dass es sich um ein amerikanisches Schiff handelte.“
Die Attentatsversuche und die offenen Fragen
Zum Thema der Attentatsversuche auf Donald Trump und der Ermordung von Charlie Kirk im September 2025 zeigt sich Kiriakou fassungslos. Dass die Secret-Service-Führung nach Butler nicht gefeuert wurde, dass niemand zur Rechenschaft gezogen wurde, dass Joe Kent als Chef des National Counterterrorism Center nicht einmal Ermittlungen zu möglichen ausländischen Verbindungen durchführen durfte — all das ergibt für den erfahrenen Geheimdienstler keinen Sinn.
„Es gibt buchstäblich keinen Grund, warum man einem Hinweis nicht nachgehen sollte.“
Seine Vermutung: Jemand flüsterte dem Präsidenten ein, der Iran stecke hinter den Anschlägen. Und der Präsident, dessen Misstrauen gegenüber den eigenen Diensten legendär ist, glaubte es.
Die CIA — von der unpolitischen Behörde zur Parteitruppe
Kiriakou zeichnet ein vernichtendes Bild der Entwicklung der CIA. Als er anfing, wusste niemand die politische Gesinnung des Kollegen. Eine Mitarbeiterin wurde 1996 disziplinarisch belangt, weil sie diskret einen „Bob Dole for President“-Aufkleber in ihrer eigenen Kabine anbrachte.
Heute? „51 hochrangige Mitarbeiter des Geheimdienstes haben schriftlich falsch angegeben, dass der Laptop von Hunter Biden alle Merkmale einer russischen Geheimdienstoperation aufwies.“
Die Reform? „Du wirst das Haus bis auf die Balken abreißen müssen.“
Was bleibt
Vielleicht das Bemerkenswerteste an diesem Interview ist Kiriakous schonungsloser Pessimismus — von einem Mann, der sich selbst als notorischen Optimisten bezeichnet:
„Ich sehe überhaupt keinen Grund, optimistisch zu sein. […] Es gibt keine Frank Churches oder Barry Goldwaters mehr – keine echten Führungspersönlichkeiten.“
Der Iran-Krieg, so seine Analyse, wird nicht mit einem militärischen Sieg enden. Er wird den Iran stärker in die Arme Chinas, Russlands und Indiens treiben. Der Petrodollar bröckelt bereits — Kuwait verkaufte Öl gegen Yuan, Indien ebenfalls. Die BRICS-Staaten arbeiten an einer einheitlichen Währung. Der Krieg beschleunigt nur den Niedergang der amerikanischen Hegemonie.
Und die Diplomatie, die einzige Lösung? Fehlanzeige. Die meisten US-Botschafter in den Golfstaaten wurden vor einem Jahr abgezogen und nie ersetzt. Es gibt niemanden, der verhandeln könnte — selbst wenn der politische Wille dazu bestünde.
Hier das komplette Interview:
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
„Der Iran-Krieg, so seine Analyse, wird nicht mit einem militärischen Sieg enden … Der Krieg beschleunigt nur den Niedergang der amerikanischen Hegemonie“
So ist es, und es bedarf nicht der Gabe der Prophezeiung, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, es ist unschwer jetzt schon abschätzbar …
Ich glaube das alles nicht! Dass der Iran keine Bedrohung als Atommacht ist – geschenkt! Es geht ganz sicher ums Öl/Gas und darum, dass keine Islamische Union entsteht. Die hätte übrigens über Pakistan Atomwaffen.
Dass der Iran ein Liebling der Chinesen ist, darf man bezweifeln. China scheint nicht so glücklich mit islamischen Souveränitätsbewegungen. Auch ist China keineswegs abhängig vom iranischen Öl. Was China natürlich gerne machen würde, ist, die Seidenstraße über den Iran nach Europa zu führen. Russland hat das theoretische Interesse über Georgien, Kurdistan und Syrien ans Mittelmeer zu kommen. China bräuchte Kurdistan, um über Iran an den Bosporus zu kommen oder bis nach Haifa. Die Kurden sind gut mit Israel und den USA. Das könnte die Türkei unter Zugzwang bringen. Ich denke, die Iraner haben nur falsche Freunde und überschätzen sich. Dass Trump nicht gewusst hätte, was er tut, glaube ich nicht, weil die Vorteile für die USA immens sind. Trump muss das so darstellen, da er juristisch gesehen ohne Kongress keinen Krieg führen darf. Wir werden ab 4.11. sehen, was passiert.
Warum überrascht uns das alles nicht mehr? Haben wir alles schon mehr oder weniger die letzten Monate hier gelesen und kommentiert! Der Artikel ist lediglich eine weitere Bestätigung. Die Welt ist durchschaubar, wenn man immer das große Ganze im Auge behält!
Böses Medium heute: „Medien: Iran erhielt Einladung zum Verteidigungspakt von Mekka“ – Vor ein paar Tagen wurde Ähnliches über Ägypten berichtet. Die fünf großen Länder zusammen wären sicherlich imstande, sich gegen Isr zu behaupten.