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Politik

Hat Putin versucht, Boris Johnson und David Petraeus zu ermorden?

18 Kommentare 14. September 2026 4 Minuten Lesezeit von Andrew Korybko

Putin hätte sie leicht umbringen lassen können, wenn er das gewollt hätte. Stattdessen wollte er signalisieren, dass westliche Würdenträger nicht länger selbstverständlich davon ausgehen dürfen, sicher in die Ukraine reisen zu können – denn Russland könnte bald damit beginnen, die ukrainische Verkehrsinfrastruktur vor dem Winter im großen Stil anzugreifen.

Westliche Medien sind in Aufruhr nach dem russischen Drohnenangriff am Wochenende auf einen Bahnhof in der Stadt Jahodyn an der ukrainisch-polnischen Grenze. Laut CNN „befand sich der ehemalige CIA-Direktor David Petraeus genau in dem Moment auf einem ukrainischen Bahnhof, als eine russische Drohne am Sonntag einen Personenzug traf – kurz nachdem ein diplomatischer Zug mit dem ehemaligen britischen Premierminister Boris Johnson und anderen ausländischen Würdenträgern durchgefahren war.“ Damit wurde der Angriff irreführend als versuchtes Attentat dargestellt.

Es ist höchst unwahrscheinlich, dass der risikoscheue Putin eine Eskalation gegen die NATO riskieren würde, indem er zwei ehemalige Spitzenvertreter des Bündnisses töten lässt – zumal er solche Versuche nicht einmal gegen amtierende ukrainische Amtsträger autorisiert, allen voran Selenskyj. Zwar wurde Putin durch Selenskyjs gescheiterte 40-tägige Einflussoperation dazu gezwungen, gegenüber der Ukraine zu eskalieren. Bisher geschah das jedoch nur milde: mit Angriffen auf Infrastruktur wie Tankstellen, Häfen und Kraftwerke, nicht auf wichtige Persönlichkeiten.

Vor diesem Hintergrund war der Drohnenangriff auf den Bahnhof von Jahodyn wohl kein versuchtes Attentat auf die beiden ehemaligen Spitzenvertreter des anglo-amerikanischen NATO-Kerns, sondern eine Botschaft an ihre Länder und ein Signal dafür, was folgen könnte. Die Botschaft lautet: Besuchende Würdenträger – ehemalige wie amtierende – sollten nicht länger als selbstverständlich annehmen, weiterhin sicher in die Ukraine reisen zu können. Das führt direkt zu dem Signal, das Russland sendete.

Es war nicht das erste Mal, dass Russland Eisenbahninfrastruktur in der Ukraine oder ein Ziel an der Grenze zu Polen angriff. Es war jedoch das erste Mal, dass ein Bahnhof direkt an der Grenze getroffen wurde. Über diese Route gelangen rund 90 Prozent der militärisch-technischen NATO-Lieferungen in die Ukraine. Unterstützer Russlands haben sich gefragt, warum Putin solche Angriffe nicht schon früher genehmigt hat. Mögliche Gründe: seine Risikoscheu, zuvor begrenzte Munitionsvorräte und/oder die früheren ukrainischen Luftabwehrsysteme, die inzwischen fast aufgebraucht sind.

Jedenfalls war es kein Zufall, dass er genau diesen Angriff auf einen Bahnhof genehmigte, an dem Petraeus wartete, kurz nachdem Johnson durchgefahren war. Es sieht stark danach aus, als signalisiere er, dass Russland nun beginnen könnte, die ukrainische Verkehrsinfrastruktur im großen Stil anzugreifen. Das könnte über Bahnhöfe hinausgehen und Autobahnen sowie Brücken über den Dnjepr einschließen. Ziel wäre es, die NATO-Logistik in die Ukraine zu behindern und parallel den Waffentransport an die Front zu erschweren.

Der Angriff vom Sonntag zeigt, dass Russland inzwischen Präzisionsschläge überall in der Ukraine zu jedem beliebigen Zeitpunkt durchführen kann. Solange genug Munition vorhanden ist – und zumindest bei Drohnen scheint derzeit kein Mangel zu herrschen –, könnte das auf Dauer fortgesetzt werden, um der Ukraine erhebliche einseitige Zugeständnisse abzuringen, bevor im nächsten Monat die erwarteten dreiseitigen Gespräche mit den USA wieder aufgenommen werden. Putins Eskalation könnte außerdem darauf abzielen, Selenskyjs angedrohter Schließung des russischen Luftraums zuvorzukommen.

Die Schlussfolgerung: Die militärstrategische Lage entwickelt sich nach einer Phase der Unsicherheit im Sommer – ausgelöst durch Trumps Entscheidung, über einen von der Ukraine geführten „Abnutzungskrieg“ gegen Russland „zu eskalieren, um zu deeskalieren“ – wieder zugunsten Russlands. Wenn die Ukraine nicht bald einen (möglicherweise von den USA vermittelten) Deal mit Russland schließt, könnte dieser Winter der bisher schwierigste für sie werden. Danach könnte sie zur Kapitulation gegenüber Russland gezwungen sein – es sei denn, die NATO riskiert den Dritten Weltkrieg durch ein direktes Eingreifen, um das zu verhindern.


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Andrew Korybko ist ein in Moskau ansässiger amerikanischer politischer Analyst, der sich auf den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat. Er veröffentlicht auf Englisch auf seinem Substack-Blog. Auf Deutsch exklusiv bei TKP.


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Bricht Großbritannien jetzt auseinander?

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18 Kommentare

  1. Michael Rosemeyer
    Antworten

    Ukrainisch-russischer Friedensvertrag durchgesickert

    2024_03_06

    https://tkp.at/2024/03/06/ukrainisch-russischer-friedensvertrag-durchgesickert/

    Russland zog sich vor Kiew freiwillig zurück

    2023_06_19

    https://tkp.at/2023/06/19/russland-zog-sich-vor-kiew-freiwillig-zurueck/ Putin zeigt Vertrag https://x.com/ZentraleV/status/1670302822259384320

    Die Ukraine wollte den Krieg mit Russland

    Der Autor Thomas Mayer sprach mit Dieter Staudt. Dieser war bis 2022 Unternehmer in der Ukraine und ist aktiver Christ. Er berichtet von den Plänen des ukrainischen Militärs zur Eroberung der Donbass-Republiken Anfang des Jahres 2022.

    2025_02_05

    https://tkp.at/2025/02/05/die-ukraine-wollte-den-krieg-mit-russland/

    Guardian aus 2004 über Regimewechsel-Aktivitäten der USA in Ukraine, Serbien, Georgien, Moldau

    2024_10_22

    https://tkp.at/2024/10/22/guardian-aus-2004-ueber-regimewechsel-aktivitaeten-der- usa-in-ukraine-serbien-georgien-moldau/

    Wie der unprovozierte Krieg in der Ukraine provoziert wurde 2025_05_24

    https://tkp.at/2025/05/24/wie-der-unprovozierte-krieg-in-der-ukraine-provoziert-wurde/

  2. Jurgen
    Antworten

    Dem Putin werden hier immer die Sachen angedichtet, die im Westen schon lange zum (unter-dem-Gürtel-) Standard gehören. Der Westen haut immer nur auf die Schwachen.
    Ist ihnen dann einer mal ebenbürtig, zieht man den Schwanz ein und droht gleich mit dem Atomknüppel. Da steckt Größenwahn, armseligste Politik und schwärzeste „Ethik“ dahinter…

  3. Der Zivilist
    Antworten

    Johnson & Petraeus in der Ukraine ? So ehemalig sind die wohl nicht.

    Ru zerschießt schon lange Ukr Loks, die sind wegen der SU Breitspur schwer zu ersetzen, Ukr setzt bereits wieder Dampfloks ein, die EU verbreitet schöne Bilder der schwarzen Loks im weißen Schnee.

  4. cwsuisse
    Antworten

    Es ist bemerkenswert, dass die angelsächsischen Kriegstreiber immer noch auf ukrainischen Bahnhöfen herumlungern.

    1. Varus
      Antworten

      Vielleicht wird auch mal einer davon erwischt – angeblich soll es Lindsey Graham (USA) getroffen haben. Kein Weltkrieg – offiziell hat er seine Reise in die Hölle erst in den USA gestartet.

      1. Jurgen

        Den Graham hatte die Impfung geschafft, plötzlich und unerwartet…

      2. Daisy

        Nein, er war in Kiew in Frauenkleidern auf einer wilden Koks-Party…

  5. McAviti
    Antworten

    Ich gehe davon aus, dass nicht nur die USA einen mächtigen MIK hat, sondern auch Russland…

    1. 1150
      Antworten

      die russische rüstungsindustrie ist verstaatlicht, daher sind die rüstungsausgaben russlands
      nur ein bruchteil des ineffizienten, korrupten us-systems

      1. therMOnukular

        Richtig.
        Und deshalb ist der russische „MIK“ auf Produktions-Maximierung ausgelegt,
        aber der US-MIK auf Profit-Maximierung.

        Ich wette, der russische „MIK“ hat seine Budgets zu mehr als 1/3 nachvollziehbar verwaltet. Das Pentagon hat noch nie mehr geschafft und „findet“ für 2/3 seiner Ausgaben keine Rechnungen mehr….

      2. rudifluegl

        Wie Russland aufgestellt ist, zum Beispiel mit Ingenieuren und so weiter war schon Thema in TKP.
        Das zu lesen ist für einen Reifenflüsterer und Conti Fan natürlich viel verlangt.
        Lasst das lesen greift lieber zum Zauberbesen.
        Aber falls Sie wider erwarten doch etwas von Conte oder gar Jazz verstehen, hier eine kleine musikalische Entgegnung.
        Wobei ich unter Tafelsilber Zeit meine!
        Sotto le stelle del jazz
        Certi capivano il jazz
        L′argenteria spariva
        Ladri di stelle e di jazz
        Così eravamo noi, così eravamo noi
        Pochi capivano il jazz
        Troppe cravatte sbagliate
        Ragazzi scimmia del jazz
        Così eravamo noi, così eravamo noi

      3. therMOnukular

        „….zum Beispiel mit Ingenieuren und so weiter….“

        Ach darum funktioniert das russische Kriegsgerät sichtlich so viel zuverlässiger als unseres – weil sie weniger Ekschperten haben!

        Da haben Sie natürlich absolut recht und Ihre Überlegenheit so richtig unter Beweis gestellt.
        Ich würde aber dennoch anbieten, sich einmal die Effizienz-Vergleiche anzusehen, die sich in den letzten 4 Jahren (de)materialisiert haben – falls das nicht zu viel verlangt ist.

  6. Der alte Marxist
    Antworten

    Es ist in der Tat unverständlich, warum Putin nicht schon 2022 Angriffe auf die Verkehrsinfrastruktur angeordnet hat. Wären die wesentlichen Transportwege für Waffenlieferungen gleich zu Beginn zerstört worden, wäre der Krieg längst Geschichte.

    1. therMOnukular
      Antworten

      Jeden Krieg kann (und sollte) man aus 2 Blickwinkeln betrachten:

      Einerseits den Krieg selbst als strategische Aufgabe, den Feind zu schlagen.
      Andererseits die Zeit danach, in der dieselben Menschen Nachbarn bleiben, mit denen man auskommen muss.

      Man sieht es auch im Iran, aber amS deutlicher bei Putin, dass versucht wird, diese „Mitte“ zu finden.
      Ich finde das deutlich besser, als die ewige Destruktions-Maximierung des Wertewestens, der -gedankt sei Trump – seine „Strategie“ ganz offen als „bomb you into the stoneage“ definiert.

      1. cwsuisse

        Genau so! Vermutlich ging man in Moskau davon aus, einen Friedensvertrag abschliessen zu können, ohne die komplette Ukraine zerstören zu müssen.

      2. Der alte Marxist

        OK, ich kann Putins Zögern bzw. seine Motivation dafür grundsätzlich nachvollziehen. Aber genau dieses Zögern hat die „Destruktions-Maximierung“ gewaltig beflügelt, da ja die NATO-Länder ungehindert Unmengen von Waffen liefern konnten und so der Krieg unnötig in die Länge gezogen wurde.

      3. 1150

        @marxist,
        aber vielleicht war das der grund um die vorräte zu verbrauchen und die finanzierung und fertigung zu erschöpfen. da die pösen schinesen auch kein essentiellen rohstoffe liefern,
        müssen die giganten mit offener hose bald allem zustimmen was man ihnen verlangt ….

      4. rudifluegl

        therMonuklear
        Ich habe mich nur über einen aufrechten Militaristen geärgert, der andere sucht auf die er auf ihm abgeladene Sche… weitergibt!
        Bezüglich Militär habe ich durch umfangreiche Verwandschaft auf diesem Gebiet, und einer Liaison mit einer Tochter von einem großem Militärstützpunktkommandanten , wo ich auch mit Offizieren als Zivildiener mit trainierte_es gibt nicht was es nicht gibt_ ausgenommen einem Onkel und ehemaligen Luftwaffenmajor_Kreta und absoluter Nazifeind_ absolut nichts am Hut. Ich will da auch nichts mitkommentieren.
        Tkp erspart mir aber nicht Infos darüber. Ebensowenig wie z.B ein Rainer Mausfeld.
        Und da muss ich mich schon fragen ob hinter einer scheinbar verstaatlichten Rüstungsindustrie nicht wesentlich mehr steckt.
        Zum Beispiel dass Russland auf Kriegswirtschaft umgestellt hat und auch zivile Firmen mitziehen.(müssen?) . Weiters Russland umfangreichste Resourcen besitzt, die für den aufgezwungenen Krieg benutzt um nicht es nicht denen die darauf gieren, leicht zu machen.
        Und wie hier der Vergleich einer de facto „Planwirtschaft“ mit neoliberalen Interessen, die sich ja schon in der Ukraine festgesetzt haben und Landraub plus Rüstungsindustrie, auch anhand der umfangreich vernetzten Konzerne und Finanzjongleure betreiben, wirklich ausfällt!
        Und wie es sich gesamtwirtschaftlich_ Rheinmetall soll ja nach irrer Kriegstreibermeinung der Allgemeinheit etwas bringen_ ausgehen könnte. Wie es sich in Wahrheit für das internationale Kapital ausgeht!
        Das sind Fragen die Großkaliber ohne Sche.. im/am Kopf angehen müssten!

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