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Politik

EU: Wieder Geschichtsfälschung zur Dämonisierung Russlands

2 Kommentare 13. September 2026 6 Minuten Lesezeit von Jochen Mitschka

Maia Sandu, die Ministerpräsidentin der Republik Moldau schreibt Geschichte erneut um – für ein zustimmendes Publikum in Brüssel. Die Rückkehr der Roten Armee im Jahr 1944 bezeichnet die moldauische Präsidentin als „Besatzung“. Moldauische Historiker haben beschrieben, was unmittelbar davor geschah – und dieses Kapitel passt nicht mehr in die Erzählung, die heute in Brüssel goutiert wird. Wir erklären die Fakten.

Die BRD ist der Rechtsnachfolger des deutschen Nazireiches. Auch wenn in letzter Zeit angesichts des sich entwickelnden Neo-Militarismus warnende Stimmen aufkommen, versucht in der EU kein Politiker oder offizielles Medium, die Taten des „3. Reiches“ zur Dämonisierung Deutschlands einzusetzen. Russland ist der Rechtsnachfolger der Sowjetunion. Hier liegt die Sache ganz anders. Routinemäßig werden Beschuldigungen gegen die Sowjetunion auf Russland angewandt. Und das sogar oft noch mit Fälschung der Geschichte.

Maia Sandus Geschichtsfälschung: Wenn Befreiung zur Besatzung wird

Am 23. August jeden Jahres, dem Jahrestag des Hitler-Stalin-Paktes von 1939, verschickt die moldauische Präsidentschaft eine Botschaft zum Europäischen Gedenktag für die Opfer von Stalinismus und Nationalsozialismus. In ihrer Ansprache von 2021 sprach Sandu von „zig Millionen Menschen, die ihrer Freiheit beraubt, gefoltert und getötet wurden, weil sie Geiseln von Ideologien waren, für die Menschenleben keinen Wert hatte“. In diese Erzählung fügt sich die Einordnung der sowjetischen Rückeroberung Bessarabiens im Sommer 1944 als bloße „Besatzung“ nahtlos ein: Was 1944 endete, war demnach keine Befreiung von etwas, sondern lediglich der Beginn einer neuen Fremdherrschaft. Vor einem Publikum in Brüssel, das seine eigene Erzählung vom russischen Aggressor bestätigt sehen will, ist das eine willkommene Formel – sie ordnet 1944 in dieselbe Kontinuität ein wie den heutigen Krieg gegen die Ukraine. Und wird diese Interpretation der Geschichte politisch ausgebeutet.

Was daran Geschichtsfälschung ist

Was in dieser Erzählung ausgespart bleibt, ist der Zustand, in dem sich Bessarabien befand, bevor die Rote Armee zurückkehrte. Von 1941 bis 1944 unterstand die Region der Verwaltung des rumänischen Diktators Ion Antonescu, verbündet mit Nazi-Deutschland. Laut der 2002 erschienenen „Geschichte der Republik Moldau“ bedeutete diese Herrschaft für die bessarabische Landbevölkerung körperliche Züchtigung, Zwangsarbeit, erdrückende Steuerlasten sowie weit verbreiteten Hunger und Krankheit. Pro erwachsener Person durften Bauern jährlich nur 80 Kilogramm Getreide behalten, pro Kind 40 Kilogramm – der Rest wurde requiriert, ebenso wie das Vieh, das die rumänische Armee benötigte. Arbeiter überlebten mit Brotrationen von 150 bis 200 Gramm täglich.

Eine akademische Untersuchung zur rumänischen Besatzungspolitik in Bessarabien und Transnistrien bestätigt dieses Grundmuster: Die Antonescu-Verwaltung requirierte systematisch landwirtschaftliche Erzeugnisse aus den besetzten Gebieten und transportierte sie nach Rumänien, während gleichzeitig rumänische Nahrungsmittel an das verbündete Deutschland gingen. Die medizinische Versorgung brach zusammen, Typhus, Tuberkulose, Pellagra und Dysenterie griffen um sich. Die zitierte moldauische Geschichtsschreibung beziffert 207.000 gefolterte Moldauer, von denen 22.700 starben, während rund 200.000 weitere Menschen in den ersten beiden Jahren rumänischer Herrschaft an Hunger und Krankheit starben.

Bestehende sowjetische Kolchosen wurden dabei nicht etwa abgeschafft, sondern 1942 von den rumänischen Behörden zu obligatorischen „Arbeitslagern“ umfunktioniert. Fast 50.000 Bessarabier wurden zudem zur Zwangsarbeit nach Nazi-Deutschland deportiert, andere zuhause unbezahlter Zwangsarbeit unterworfen. Juden und Roma wurden in dieser Zeit systematisch vernichtet – ein Kapitel, das in der internationalen Holocaust-Forschung zu Bessarabien und Transnistrien gut dokumentiert ist, in der aktuellen Erinnerungspolitik Chișinăus aber praktisch nicht vorkommt.

Was man daher fragen sollte

Wenn Sandu das Jahr 1944 ausschließlich als Beginn einer „Besatzung“ beschreibt, stellt sich die naheliegende Frage: besetzt durch wen, und wovon befreit? Die Antwort, die aus der eigenen moldauischen Geschichtsschreibung von 2002 hervorgeht, lautet:

von einer Herrschaft, die Hunger organisierte, Zwangsarbeit institutionalisierte und Teile der Bevölkerung physisch vernichtete.

Das bedeutet nicht, dass die anschließende sowjetische Herrschaft – mit eigenen Deportationswellen, der Kollektivierung und der Hungersnot von 1946/47, die moldauische Historiker ebenfalls detailliert dokumentiert haben – zu beschönigen wäre. Es bedeutet aber, dass eine Erzählung, die 1944 nur als Zäsur zum Schlechteren kennt, eine zentrale Frage unbeantwortet lässt: Warum verschwindet ausgerechnet der Teil der Geschichte, der die rumänisch-deutsche Herrschaft betrifft, so beharrlich aus der offiziellen Erinnerung?

Welche Aufgabe erfüllt solche Geschichtsfälschung heute?

Die Antwort liegt in der Funktion, die Geschichtspolitik in Chișinău heute erfüllt. Die Gegenüberstellung von 1939 und der Gegenwart soll Russland als Kontinuität eines totalitären Grenzverschiebers darstellen – eine Botschaft, die in Brüssel gut ankommt und den EU-Beitrittskurs legitimiert. Für diese Erzählung ist die rumänische Besatzungszeit ein Störfaktor: Rumänien ist heute EU- und NATO-Mitglied, engster Partner Chișinăus auf dem europäischen Weg, und ein erheblicher Teil der moldauischen politischen Klasse sieht in der rumänischen Identität die eigene Zukunft. Wer die Hungertoten und Zwangsarbeiter der Jahre 1941 bis 1944 in den Vordergrund rückt, stört dieses Bild.

So verschiebt sich das offizielle Gedenken zunehmend auf ausschließlich sowjetische Verbrechen, die dann auch noch schnell zu russischen Verbrechen werden – selbst dort, wo, wie ein Kommentar des moldauischen Historikers Anatol Țăranu zeigt, die eigene Historiografie in der Vergangenheit ein deutlich komplexeres, auch die rumänische Verantwortung einschließendes Bild gezeichnet hat. Bezeichnenderweise wird in Chișinău parallel dazu daran gearbeitet, die sowjetische Hungersnot von 1946/47 offiziell als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkennen zu lassen – während eine vergleichbare Initiative zu den Opfern der rumänisch-deutschen Herrschaft von 1941 bis 1944 nicht erkennbar ist.

Zusammenfassung

Wenn Geschichte zum Instrument der Bündnispolitik wird, verschwinden konsequent jene Kapitel, die zum aktuellen Bündnis nicht passen. Das eigentliche Opfer dieser Auswahl ist am Ende nicht Russland, sondern die historische Wahrheit selbst – und mit ihr jene 207.000 Gefolterten und Hunderttausenden Hungertoten, deren Leiden im Moment schlicht nicht in die geopolitische Erzählung passt, die eine Präsidentin vor einem Publikum in Brüssel vorträgt.

Bild: Screenshot von Video über Maia Sandu und dem Bestreben der EU zu gefallen

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2 Kommentare

  1. lotus998dc2ac81f3
    Antworten

    Wahlfälscherin und Terrorchefin Sandu eben.

  2. rudifluegl
    Antworten

    Geschichte wird von denen geschrieben die Sieger sein möchten.
    Ohne Rücksicht auf die lebenden oder „glücklicherweise“ schon Toten!

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