Immer noch sterben Menschen durch die völkerrechtswidrige Blockade der USA von Kuba. Aber eine offizielle Wortmeldung aus Havanna macht die Runde: Die kubanische Hauptstadt habe derzeit null Stromausfälle, die auf einen Mangel an Erzeugungskapazität zurückzuführen seien. Ein genauerer Blick auf die Zahlen desselben Tages relativiert das Bild vom Überwinden der Blockade, aber Anlass für Hoffnung besteht.
Der (wie westliche Medien gerne sagen) „staatsnahe“ kubanische Reporter Bernardo Espinosa meldete am Freitag, den 11. September 2026, auf Facebook, Havanna verzeichne „null Ausfälle aufgrund eines Mangels an Erzeugungskapazität“. Die Stadt sei damit frei von Stromausfällen, die durch unzureichende Erzeugung verursacht würden. Einzelne Stromkreise blieben zwar wegen Wartung oder Störungen ohne Strom – dies habe aber „nichts mit der Erzeugung zu tun“. Im übrigen Land gingen die Ausfälle zur Mittagsspitze zurück, begünstigt auch durch neu integrierte Photovoltaik-Kapazitäten (siehe „Havana’s “Zero Outages”: Official Triumph as the Rest of Cuba Remains in Darkness).
Was die Nachricht vergisst zu erwähnen
Am selben Freitag verfügte die staatliche Elektrizitätsgesellschaft UNE landesweit über lediglich 1.300 MW Erzeugungsleistung – bei einer prognostizierten Nachfrage von 3.300 MW. Das ergibt ein Defizit von rund 1.970 MW, fast 60 Prozent des Bedarfs. Havannas eigene Elektrizitätsgesellschaft meldete zur Mittagszeit selbst 13 betroffene Stromkreise mit 35 MW Ausfall in der Hauptstadt. Der scheinbare Erfolg ist zudem eine Momentaufnahme: An den Tagen zuvor waren in Havanna noch deutlich mehr Kreise betroffen – 552 MW über 154 Kreise am Donnerstag, 484 MW über 124 Kreise am Mittwoch, 604 MW über 176 Kreise am 2. September.
Während Havanna damit erkennbar bevorzugt versorgt wird, bleibt die Lage in den östlichen Provinzen weiter dramatisch: In Holguín fehlt in manchen Kreisen bis zu 19 bis 21 Stunden am Stück der Strom, in Manatí (Las Tunas) berichtete eine Anwohnerin von nur eineinviertel Stunden Versorgung pro Tag. Der Nationalzoo in Havanna musste am Mittwoch mangels Strom und Wasser schließen, mit ungeklärtem Schicksal für über 1.500 Tiere.
Wenn der Strom in den kubanischen Zoos abgestellt wird oder das Netz komplett zusammenbricht, hat das für die Tiere und Pfleger verheerende direkte Folgen:
- Ausfall der Wasserpumpen: Ohne Strom funktionieren die elektrischen Pumpen nicht mehr. Das bedeutet, dass Trinkwasser für die Tiere fehlt und die Gehege sowie Badebecken (etwa für Flusspferde, Krokodile oder Wasservögel) nicht mehr gereinigt oder mit frischem Wasser versorgt werden können.
- Unterbrechung der Kühlketten: Zoos müssen große Mengen Fleisch und Fisch für Raubtiere wie Löwen, Tiger und Jaguare sowie medizinische Vorräte (wie Impfstoffe und Medikamente) kühlen. Fällt der Strom tagelang aus, verdirbt das ohnehin extrem knappe Futter, und lebenswichtige Tiermedizin wird unbrauchbar. Die Pfleger müssen oft improvisieren, um Notfall-Akkus für die Medizinschränke zu sichern.
- Extreme Hitze und Stress: Da Kuba unter drückender tropischer Hitze leidet, ertragen die Tiere die Blackouts nur schwer. Ohne künstliche Belüftung in den Innengehegen und ohne frisches Kühlwasser zeigen viele Tiere schwere Stresssymptome.
Das tiefere Problem: Nahrungsmangel und Verfall
Der Stromausfall ist nur die Spitze des Eisbergs einer langanhaltenden Versorgungskrise durch die Blockade. Berichte und Aufnahmen aus den letzten Monaten (Frühjahr und Sommer 2026) zeigen ein trauriges Bild aus mehreren kubanischen Zoos:
- Weil Treibstoff für Transportfahrzeuge fehlt und die staatlichen Schlachthöfe kaum noch Abfälle liefern können, herrscht akuter Futtermangel.
- Großkatzen wie Löwen in Parks wie dem Casino Campestre wurden als vollkommen abgemagert und „skelettartig“ beschrieben. Manche Raubtiere erhalten tagelang gar kein Fleisch.
- Einige Tierarten, die auf spezielle Nahrung wie frischen Fisch angewiesen waren, mussten von den Zoomitarbeitern in die Freiheit entlassen werden, weil sie im Zoo schlicht verhungert wären.
Die Qualen der Menschen
Die langanhaltende Energiekrise auf Kuba hat das einst als Vorzeigeobjekt geltende Gesundheitssystem des Landes an den Rand des vollständigen Zusammenbruchs getrieben. Was auf dem Papier eine hervorragende Struktur hat, scheitert im Jahr 2026 tagtäglich an der harten Realität von bis zu 20-stündigen Stromausfällen und dem extremen Mangel an Treibstoff.
Die Auswirkungen auf den medizinischen Sektor sind verheerend:
1. Dialysestationen: Ein täglicher Kampf ums Überleben
Für Nierenkranke bedeuten die Stromausfälle oft den Tod.
- Instabile Behandlungen: Die rund 2.900 Dialysepatienten auf Kuba sind auf eine lückenlose Strom- und saubere Wasserversorgung angewiesen. Fällt der Strom aus, stoppen die Maschinen.
- Überlastete Generatoren: Zwar verfügen größere Krankenhäuser über Notstromaggregate, doch diesen geht wegen der US-Treibstoffblockade regelmäßig der Diesel aus. Berichte von Pflegekräften zeigen, dass Behandlungen verkürzt, verschoben oder im schlimmsten Fall mitten im Prozess unterbrochen werden müssen.
2. Zusammenbruch der Kühlketten für Medikamente und Impfstoffe
Krankenhäuser benötigen Strom nicht nur für Licht, sondern vor allem für die Logistik.
- Verdorbenes Insulin und Impfstoffe: Weil Kühlschränke über Tage nicht laufen, verderben lebenswichtige Medikamente. Aufgrund des Treibstoffmangels bei den Kühltransporten konnten allein im letzten Jahr über 30.000 Kinder nicht rechtzeitig geimpft werden.
- Akuter Medikamentenmangel: Rund 80 Prozent der essenziellen, im Land hergestellten Medikamente sind schlicht nicht verfügbar. Familien müssen Arzneien zu horrenden Preisen auf dem Schwarzmarkt kaufen oder darauf hoffen, dass Verwandte aus dem Ausland Pakete schicken.
3. Operationen unter Handylicht und Beatmung per Hand
Die Zustände in den OP-Sälen und Geburtsstationen haben teils mittelalterliche Züge angenommen:
- Eingriffe im Dunkeln: Chirurgen und Anästhesisten berichten, dass sie Notfalloperationen beim Schein von Taschenlampen oder Mobiltelefonen zu Ende führen müssen, wenn das Licht mitten im Eingriff erlischt.
- Manuelle Beatmung bei Neugeborenen: Auf den Neugeborenen- und Intensivstationen fehlen oft Batterien für die Beatmungsgeräte. Fällt der Strom aus, müssen Ärzte und Pfleger Babys und Frühgeborene stundenlang von Hand mit Beatmungsbeuteln am Leben erhalten.
- Explodierende Wartelisten: Planbare Operationen wurden fast vollständig ausgesetzt. Mittlerweile stehen über 100.000 Menschen (darunter 12.000 Kinder) auf den OP-Wartelisten des Landes.
4. Krebsbehandlung und Kindersterblichkeit
- Stillstand der Geräte: Krebstherapien (wie Bestrahlungen) fallen regelmäßig aus, weil die dafür nötigen Spezialgeräte enorme Mengen stabilen Stroms fressen, den das Netz nicht liefert. Die Überlebensrate bei krebskranken Kindern und Jugendlichen auf Kuba ist dadurch von 85 % auf 65 % eingebrochen.
- Steigende Säuglingssterblichkeit: Der Mangel an funktionierenden Brutkästen, sauberem Wasser und Medikamenten hat dazu geführt, dass sich die Säuglingssterblichkeit in den letzten Jahren mehr als verdoppelt hat (von 4 pro 1.000 Lebendgeburten im Jahr 2018 auf fast 10 im Jahr 2025).
Obwohl Ärzte und Pflegepersonal unter Aufbietung aller Kräfte versuchen, Leben zu retten, führt die Kombination aus maroder Infrastruktur, Energiemangel und den Sanktionen dazu, dass das kubanische Gesundheitssystem seine Kernaufgaben kaum noch erfüllen kann. Die UN warnte kürzlich eindringlich vor einer massiven humanitären Katastrophe im Gesundheitssektor der Insel.
Landesweit zählt das Jahr 2026 bereits mindestens sieben vollständige Netzzusammenbrüche; der jüngste Rekordwert eines Tagesdefizits lag bei 2.411 MW Anfang August. Über 1.200 MW Erzeugungskapazität liegen laut UNE weiterhin wegen Treibstoffmangels durch die US-Blockade brach.
Was in der eingangs erwähnten Berichterstattung unklar geblieben ist
Bedeutet „null Ausfälle in Havanna wegen Erzeugungsdefizit“ tatsächlich, dass Kuba die Blockade „überwindet“ – oder beschreibt die Meldung schlicht eine bevorzugte Zuteilung knapper Ressourcen an die Hauptstadt, während der Rest des Landes im selben strukturellen Defizit verharrt? Espinosas Formulierung ist technisch eng gefasst: Sie bezieht sich ausschließlich auf eine einzelne Ausfallkategorie und ausschließlich auf eine Stadt. Wie belastbar ist eine „Verbesserung“, die – wie an den Tagen zuvor – jederzeit wieder von Hunderten betroffenen Stromkreisen abgelöst werden kann?
Die US-Strangulierung des Nachbarn ist real und bleibt
Der jahrzehntelange Wirtschaftskrieg der USA gegen die kleine Insel und das Emargo ist real und trägt nachweislich zur kubanischen Treibstoff- und Ersatzteilkrise bei; die Ölimporte fielen laut Marktbeobachtern Anfang 2026 zeitweise auf null. Die blockadebrechenden russischen Tankerlieferungen änderten wenig an der Gesamtsituation, waren mehr symbolischer Art. Doch die Verengung der Meldung auf „Havanna hat null Ausfälle“ blendet aus, dass die kubanische Regierung solche Momentaufnahmen wiederholt zu Erfolgsnarrativen verdichtet, während unabhängige Zählungen weiter von Rekorddefiziten, Massenprotesten und tagelangen Ausfällen in den Provinzen berichten. Was von antikubanischen und exilkubanischen Medien wie Erfolgsgeschichten gefeiert wird. Und einige Stimmen der Kubaner nehmen zu, welche sich lieber wieder als „Puff“ und „Glücksspielort“ der US-Mafia sehen würden, wie vor der Revolution.
Der kubanische Komiker Ulises Toirac brachte die öffentliche Skepsis auf den Punkt: Selbst sieben neue Kraftwerke und Öl per Pipeline würden am strukturellen Grundwiderspruch des Wirtschaftsmodells nichts ändern.
Die Hoffnung liegt auf China
Tatsächlich haben sich die chinesischen Exporte von Solarausrüstung auf die Karibikinsel in den letzten Jahren massiv vervielfacht. Während China im Jahr 2023 Solartechnik im Wert von nur etwa 3 Millionen US-Dollar nach Kuba lieferte, stieg dieser Wert bis 2025 auf rund 117 Millionen US-Dollar.
Dass dieser Handel trotz der jahrzehntelangen und verschärften US-Sanktionen funktioniert, hat mehrere wirtschaftliche, logistische und geopolitische Gründe:
Unabhängigkeit vom US-Finanzsystem und den Transportwegen
Die US-Blockade betrifft in erster Linie Unternehmen, die das US-Finanzsystem (wie den US-Dollar oder US-Banken) nutzen, US-Technologie verwenden oder US-Territorium für den Transport durchqueren.
- Eigene Lieferketten: China kontrolliert rund 80 Prozent der weltweiten Produktion von Solarmodulen. Da die Lieferketten vollständig in chinesischer Hand liegen, sind die Hersteller nicht auf US-Bauteile angewiesen.
- Alternative Zahlungswege: Der Handel und die Finanzierung werden direkt zwischen Peking und Havanna abgewickelt – oft über staatliche Kredite, bilaterale Abkommen oder im Tausch gegen Rohstoffe, ohne dass US-Banken involviert sind.
Finanzierung durch Rohstoffe und staatliche Spenden
Kuba steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise und leidet unter extremem Devisenmangel. Dennoch florieren die Solargeschäfte durch alternative Deals:
- Rohstoff-Tausch: Kuba besitzt bedeutende Vorkommen an Nickel und Kobalt – beides kritische Rohstoffe, die China dringend für seine eigene Batterie- und Elektrofahrzeugproduktion benötigt. Ein Teil der Solaranlagen wird direkt über diese Nickeleinnahmen finanziert.
- Staatliche Spenden: China nutzt die Lieferungen gezielt als Entwicklungshilfe und geopolitisches Instrument. Im kubanischen Wirtschaftsplan sind hunderte Megawatt an Solarmodulen schlicht als chinesische Spenden deklariert, um das marode kubanische Stromnetz vor dem vollständigen Kollaps zu bewahren.
Geopolitische Interessen Chinas
Peking ignoriert die US-Sanktionen bewusst, um seinen Einfluss in Lateinamerika und der Karibik weiter auszubauen. Die Unterstützung Kubas im Rahmen der chinesischen Belt and Road Initiative („Neue Seidenstraße“) bringt China viel politischen Goodwill in der gesamten Region ein und sichert dem Land eine strategisch wichtige Transitzone vor der Haustür der USA.
Da China als globale Solar-Supermacht weder logistisch noch technologisch auf die USA angewiesen ist, läuft die „Solar-Offensive“ auf Kuba auf Hochtouren. Chinesische Firmen liefern nicht nur die Module, sondern errichten im ganzen Land Dutzende Solarparks, um den kollabierenden Energiemarkt der Insel zu stützen.
Das Stromspeicherproblem
Die Speichermodule sind der entscheidende Knackpunkt für Kuba, da Solarstrom ohne Batterien nachts – wenn der Verbrauch in den Haushalten am höchsten ist – nicht genutzt werden kann. China liefert diese Technologie im großen Stil mit:
- Massive Importe: Kuba importierte allein im Jahr 2025 chinesische Batteriespeicher (BESS) im Wert von rund 56 Millionen US-Dollar. Zu Beginn des Jahres 2026 trafen bereits weitere Lieferungen im Wert von 15 Millionen Dollar ein.
- Kombinations-Kits für den ländlichen Raum: China liefert nicht nur Speicher für Großprojekte, sondern verteilt tausende eigenständige „Solar-Kits“ für entlegene Regionen. Ein aktuelles Paket umfasst Systeme, bei denen die Batteriekapazität pro Einheit von 7 auf 14 Kilowattstunden (kWh) verdoppelt wurde, um Licht, Kühlschränke und medizinische Geräte in Kliniken auch nachts lückenlos zu betreiben.
Die Lieferungen wurden in den vergangenen Monaten noch einmal drastisch intensiviert.
Kuba erlebt derzeit eine der schnellsten Energiewenden weltweit, weil das alte, erdölbasierte Stromnetz kollabiert. Die USA haben die Sanktionen gegen Öllieferungen nach Kuba (unter anderem aus Venezuela) verschärft, weshalb der Ausbau von Chinas Solar-Infrastruktur im Sommer 2026 ein historisches Tempo erreicht hat.
- Lieferungen im August 2026: Erst im August 2026 hat die chinesische Regierung eine zweite riesige Tranche von 5.000 kompletten Photovoltaik-Systemen inklusive Speicher als Spende an Kuba übergeben.
- Das 2-Gigawatt-Großprojekt: Aktuell läuft die Umsetzung eines Vertrages über die Lieferung von insgesamt 2,2 Millionen Solarpaneelen und tausenden Containern voller Ausrüstung (Stahl, Kabel, Wechselrichter). Ziel ist es, bis 2028 insgesamt 92 Solarparks zu errichten. Über 50 dieser Parks sind mittlerweile am Netz, wodurch der Solar-Anteil am kubanischen Strommix innerhalb kürzester Zeit auf etwa 10 Prozent gestiegen ist.
Kurz gesagt: Die Blockade hat den Fluss chinesischer Solaranlagen und Batteriewaggons nach Kuba nicht gestoppt, sondern Chinas Rolle als wichtigster technologischer Lebensretter der Insel im Jahr 2026 zementier
Zusammenfassung
Die Erfolgmeldungen aus dem Beginn des Artikels mögen etwas verfrüht gewesen sein, und noch nicht die wirkliche Situation wiedergeben. Aber die Hoffnung besteht, dass China mit seiner Solar-Initiative das Land vor dem totalen Blackout wird retten können. Ob die Rettung erfolgt, bevor eine „Farbrevolution“ zuschlägt oder US-Bomben regnen, bleibt abzuwarten.
Bild: Screenshot von Video über die Energiekrise
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1 Kommentar
Null Stromausfälle stimmt definitiv nicht für die breite flächendeckende Versorgung. Es gibt bevorzugte Gebiete / Anschlüsse und teilweise zeitliche Kontigentierungen aber ohne erennbares System. Über den Einfluß der chinesischen Hilfe kann ich keine Aussage machen. Was geäußert wurde, sind Hurricanbedenken. Macht keinen Spaß in unregelmäßigen Abständen per Fernwartung wieder Anlagensteuerungen zum Leben zu erwecken nach Abstürzen durch Stromausfällen, wo es die nette Digitalisierung nicht schaffte selbstständig komplett abzufahren..
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