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Gesundheit

Infraschall vom Windrad: Wenn das eigene Haus zur Schallquelle wird

8 Kommentare 4. November 2026 6 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Wie Infraschall von Windrädern Wände, Decken und Menschen in Schwingung versetzt – und warum die Windkraft-Lobby genau das verschweigt.

Die Energiewende kommt zu uns nach Hause. Nicht als Strom aus der Steckdose – sondern als unsichtbare, ständige Vibration, die durch Wände, Böden und Decken kriecht. Wer in der Nähe eines Windparks wohnt, lebt in einem Instrument, das er nie bestellt hat. Denn die eigene Baustruktur wird zur Membran, die den tieffrequenten Schall der Rotorblätter verstärkt und in die Schlafzimmer der Anwohner trägt. All das ist inzwischen Gegenstand seriöser Forschung – die man freilich in den offiziellen Broschüren der Energiewende-Verantwortlichen vergeblich sucht.

Die physikalischen Grundlagen: Längere Wellen, größere Reichweite

Infraschall ist Schall unterhalb der Hörschwelle – typischerweise unter 20 Hertz. Windräder erzeugen ihn mit jeder Umdrehung der Rotorblätter (die sogenannte Blattfrequenz, blade pass frequency). Das Besondere an diesen extrem langen Wellen: Sie werden mit zunehmender Entfernung zunächst leiser, können aber in größerer Distanz wieder lauter werden. Die Dämpfung ist komplex, die Physik widerspenstig. Die Frequenzen bei den neueen großen Windrädern von Vestas oder Enercon liegen zwischen 0,1 und 0,8 Hz, die Wellenlängen von einigen hundert Metern in der Luft und der seismischen Wellen im Boden bis zu 15 Kilometern.

Entscheidend ist also, dass Infraschall Wellenlängen hat, die in der Größenordnung von Gebäudestrukturen liegen. Und genau das macht ihn so wirkungsvoll. Die Fassade, das Dach, die Zwischenwände – sie alle können in Resonanz geraten. Eine wissenschaftliche Arbeit von Claier Flemmer et al mit dem Titel „Wind turbine infrasound: Phenomenology and effect on people“ (Infraschall von Windkraftanlagen: Phänomenologie und Auswirkungen auf den Menschen), veröffentlicht in Sustainable Cities and Society (ScienceDirect), beschreibt exakt dieses Phänomen: Wenn Infraschall auf Gebäude trifft, erzeugt er sekundäre strukturelle Vibrationen, die für die Bewohner durchaus wahrnehmbar sind.

Wir sprechen hier von Kavitätsresonanzen im Bereich von 10 Hertz oder darunter – also genau in dem Frequenzband, in dem auch die sensiblen Resonanzfrequenzen menschlicher Organe liegen.

Das Haus als Resonanzkörper

Der Physiker, der eine Geige baut, weiß: Der Korpus ist entscheidend. Das gleiche Prinzip gilt für Ihr Wohnhaus – nur in die andere Richtung. Statt Klang zu erzeugen, nimmt Ihr Haus den Infraschall auf, verstärkt ihn und gibt ihn an die Bewohner weiter.

Die Dämpfung durch Wände ist bei tiefen Frequenzen deutlich schlechter als bei hohen – das zeigen Messungen, die in Innenräumen und im Freien durchgeführt wurden. Und weil jede Baustruktur andere dynamische Eigenschaften hat (Mauerwerk, Holz, Stahlbeton), verhält sich jedes Haus anders. Außenmessungen sagen daher kaum etwas über die tatsächliche Belastung im Wohnzimmer aus. Man kann den Pegel nicht vom Garten aufs Schlafzimmer hochrechnen – das ist eines der Grundprobleme der gesamten bisherigen Regulierung.

Was macht das mit den Menschen?

Die Symptome sind dokumentiert und werden von Betroffenen weltweit berichtet: Angstzustände, Depressionen, kognitive Störungen, Schlafunterbrechungen. Die zitierte Studie beschreibt den Mechanismus: Bei manchen Menschen sensibilisiert sich das zentrale Nervensystem, wenn der Körper dem ständigen, unterschwelligen Reiz ausgesetzt ist. Sie entwickeln die Symptome chronischen Lärmstresses – obwohl sie den Infraschall gar nicht „hören“.

Besonders gesundheitsschädlich ist die Natur des Windrad-Infraschalls: Er tritt in kurzen, häufigen Episoden auf und hält über lange Zeiträume an. Ein Zug, der vorbeifährt, ist nach Sekunden wieder weg. Ein Windrad dreht sein unhörbares Muster ständig, Tag und Nacht. Das menschliche Gehör kann sich an gleichmäßige Geräusche adaptieren – aber dieser pulsierende, unregelmäßige Charakter verhindert genau diese Gewöhnung.

Eine neue Studie aus Renewable Energy zeigt wie Windparks durch auf- und abschwellenden Lärm Schlafstörungen und Krankheiten verursachen. Gestaffelte Parks sind lauter. Die Nacht ist schlimmer als der Tag. Und die Modelle, mit denen Behörden genehmigen, unterschlagen den eigentlichen Effekt.

Die Industrie kontert gern mit Laborstudien, in denen Versuchspersonen für ein paar Minuten beschallt werden und „nichts spüren“. Dabei sind diese Studien methodisch falsch: kurze Expositionszeiten, kleine Stichproben, oft nicht doppelblind. Ein Mensch, der sich jahrelang einem permanenten, zeitweise nächtlichen Infraschall-Muster ausgesetzt sieht, lässt sich nicht mit einer 15-minütigen Hörprobe im Labor abbilden.

Die Energie-Lobby und ihre Vereine

Und wer treibt dieses Experiment an unseren Wohnzimmerwänden voran? Lobbyistenvereine der Windindustrie wie die Klima- und Energiemodellregion (KEM) „10 vor Wien“ – ein regionaler Entwicklungsverein, der sich seit 2017 mit „Klimaschutz und erneuerbaren Energieträgern“ beschäftigt. Wohlgemerkt: Nicht mit Gesundheitsschutz, nicht mit der Belastung der Anwohner. Sondern mit dem Ausbau.

Dieser Verein vernetzt elf Gemeinden in Niederösterreich – darunter ausgerechnet Harmannsdorf und Leobendorf, wo nun ein neuer großer Windpark entstehen soll. Und die Marktgemeinde Harmannsdorf lädt pflichtschuldig zu einer „Bürgerinformationsveranstaltung“ ein – mit Fachexperten von BOKU, MedUni Wien und TU Wien.

Ein Blick auf die Liste verrät viel: Energiewirtschaft – vertreten. Raum- und Landschaftsplanung – vertreten. Umweltmedizin – vertreten. Aber wer spricht für die Anwohner?

Bürgerbeteiligung als Inszenierung

Man kennt dieses Muster: Die Veranstaltung ist Teil einer Bürgerinformationspolitik, die primär der Akzeptanzbeschaffung dient. Es geht nicht darum, die Frage zu beantworten, ob der Windpark gebaut werden soll. Es geht darum, den Bau als alternativlos zu präsentieren und Kritiker mit Fachvorträgen zu beruhigen – möglichst ohne lästige Kritiker, die auf Infraschall, Abrieb von Mikroplastik und PFAS, Zerstörung von Biodiversität, Bodenerosion im Wald und Vögelmord hinweisen, und ohne Anwohnervertreter, die von Schlafstörungen und vibrierenden Wänden berichten.

Interessant ist auch die Auswahl der Moderatoren: Der eine ist Klima- und Energiemodellregionsmanager Elsbeere Wienerwald – also selbst Teil des Apparats, der den Ausbau vorantreiben soll.

Die Bürgerinformationsveranstaltung am Termin der Marktgemeinde wird zweifellos gut besucht sein. Es gibt Getränke. Man wird über Rechtslagen diskutieren und die Frage zulassen, „wie schaut die aktuelle Rechtslage aus“. Aber Fragen wie – wie hoch ist die tatsächliche Innenraum-Belastung in meinem Haus, und wer haftet, wenn die Membran schwingt? – wird wohl unbeantwortet bleiben.

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Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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8 Kommentare

  1. Dr. Rolf Lindner
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    Ich würde es mit Antischall probieren, wobei ich das nur von Kopfhörern kenne, aber es müsste generell auch auf Lautsprecher übertragbar sein. Man müsste den Antischall auf niedrige Frequenzen – sprich Infraschall – begrenzen. Eine solche technische Lösung müsste dann den Kranichhäckslerbetreibern in Rechnung gestellt werden. Wenn das amtlich anerkannt würde, wäre es ein Eingeständnis für die Existenz des Infraschallproblems.

    Übrigens, vor einiger Zeit hatte ich eine richtige kleine Ansammlang von Kranichen zwischen mehreren solcher Geräte beobachtet und erst einmal gegrübelt, was die dort hinzieht, bis ich erfuhr, dass die auch Kleintiere verzehren, also auch Fledermäuse.

  2. Glass Steagall Act
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    Zu diesem Thema fehlen noch einige wichtige Daten.

    Wie werden die tieffrequenten Schwingungen übertragen? Wieviel über die Luft, wieviel über die Böden? Wie groß ist die Abnahme mit der Entfernung zur Quelle? Wie ist der Unterschied zwischen einem und mehreren Windrädern und wie ändert sich die Schwingung bei unterschiedlichen Drehzahlen? Wie wirken sich die Schwingungen in den verschiedenen Hauskonstruktionen und Materialien aus? Wieviele Menschen reagieren darauf und wieviele nicht? Womit misst man die Schwingungen im eigenen Haus?

    Übrigens nerven mich die ständigen Luftkampfübungen der Kampfflugzeuge mit ihren stundenlangen Schleifen deutlich mehr! Draußen kann man sich bei uns manchmal kaum noch unterhalten, so laut sind die und vor allem auch tieffrequent! Dann noch die dieselbetriebenen Trecker der industriellen Landwirtschaft. Die brummen ebenfalls sehr tieffrequent und laut! Die hört man über Kilometer hinweg, wenn sie unter Last auf den Feldern arbeiten! Und im Sommer noch die extra lauten Motorräder, die man ebenfalls über Kilometer hinweg aufheulen hört. Alles in allem eine „schöne“ Kombination mit Windrädern zusammen.

  3. Jurgen
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    Der Infraschall kann die Eigenschwingung des Hauses anregen, in der Tat. Besonders, wenn das Haus auf der Lee-Seite der Windräder steht. Dagegen hilft nur eine Rundbauweise, die auf ebene Wände, die schwingen könnten ganz verzichtet… oder man macht es wie die Hobbits und schichtet genug Erde um und über das ganze Haus…

  4. Leontinger
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    Vor Jahrzehnten las und hörte ich von gesundheitlichen Schäden in Tirol durch den durch den Föhn verursachten Infraschall.
    Ja damals war Infraschall schon als schädlich erwähnt.

  5. youl
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    Nicht nur Windparks erzeugen tieffrequenten Schall und Vibrationen, z.B. auch Luftwärmepumpen, Lüftungsanlagen, Klimaanlagen, Heizanlagen, Abgasgebläse, Ventilatoren, Kühlschränke, Netzteile, Transformatoren und einige technische Errungenschaften mehr. Wir sind dem längst ausgeliefert, am Land wie in der Stadt, im Freien wie in Gebäuden.
    Noch halbwegs sensitive Menschen können diese Vibrationen an vielen Plätzen wahrnehmen, reagieren nach einer Weile nicht selten mit Übelkeit, Schwindel, Konzentrationsschwäche, Herzrasen. Mit einem Wasserglas lassen sich auch sanfte Vibrationen sichtbar machen … nur manchmal ist es die Straßenbahn oder ein LKW.
    Ich habe erlebt, dass die Grätzelbetreuung Wien es ernst nimmt, die Baupolizei aber no na als lächerlich abtut. Viele Anrufe oder Schreiben könnten vlt. helfen, bis dahin hilft es mir, mir vorzustellen, es sei heilsames Katzenschnurren ;-)

    1. Dr. Peter F. Mayer
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      Das ist richtig, aber die Windturbinen erzeugen einen weite stärkeren Infraschall und mit besonders niedrigen Frrequenzen wie Erdebeben

      1. youl

        Ja, zweifelsfrei. Deswegen vielen Dank, dies so konsequent deutlich zu machen!

  6. Gabriele
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    Höchste Zeit, dass einem endlich einmal geglaubt wird…. auch andere Industrieanlagen oder Verschubbahnhöfe und Terminals erzeugen Infraschall…. wer in der Nähe wohnt und auch noch überempfindlich ist, spürt ein „inneres Vibrieren“, das halbwahnsinnig machen kann, schläft nur noch schlecht und bekommt von Herzrasen bis zu „harmlosen“ Dauerkopfschmerzen alles ab….

    Dann wird man als Simulant oder sogar psychisch krank hingestellt. Es ist einfach nur entsetzlich.

    Zugleich stehen meist noch 5-G-Masten herum, wie hier in meiner Nähe… es ist ganz „wunderbar“.

    Die Hölle kann nicht schlimmer sein.

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