
Kuba wirft den USA einen „Krieg ohne Bomben“ vor
Das von der Trump-Regierung verschärfte Öl-Embargo bezeichnet Lianys Torres Rivera, Kubas ranghöchste Diplomatin in den Vereinigten Staaten als „Krieg ohne Bomben“. Indes hat die CIA ihre Operation im Land ausgeweitet – ähnlich wie vor dem Venezuela-Angriff.
Die Diplomatie zwischen Havanna und Washington ist zum Erliegen gekommen. erklärte gegenüber Bloomberg, der Dialogkanal stehe „völlig still“. Beide Seiten seien nicht einmal in der Lage, eine grundlegende Agenda festzulegen.
Das von der Trump-Regierung verschärfte Öl-Embargo bezeichnete sie als „Krieg ohne Bomben“ und „kollektive Bestrafung“. Seit dem US-Angriff auf Venezuela Anfang Januar 2026 sind die traditionellen Öllieferungen aus Caracas abgeschnitten. Gleichzeitig setzte Washington Mexiko unter Druck, seine Exporte einzustellen. In 200 Tagen habe die Insel nur eine einzige Treibstofflieferung erhalten, sagte Torres Rivera. „Welches Land kann so normal funktionieren?“
Die Folgen treffen vor allem das Gesundheitssystem. Nach Angaben kubanischer Behörden warten über 100.000 Menschen auf Operationen, 34.000 Frauen auf Ultraschalluntersuchungen und mehr als 3.000 Dialysepatienten sind durch stundenlange Stromausfälle betroffen. Die Überlebensrate von Kindern mit Krebs sei von 85 auf 65 Prozent gesunken. Präsident Miguel Díaz-Canel räumte ein, dass die Säuglingssterblichkeit von früher 4 bis 5 auf über 9,8 pro 1.000 Lebendgeburten gestiegen sei. Torres Rivera sprach von einer Verdopplung infolge der „Ölbelagerung“.
Donald Trump hat Kuba wiederholt als mögliches nächstes militärisches Ziel genannt. Außenminister Marco Rubio erklärte im Mai, die Chance auf ein friedliches Abkommen sei „nicht hoch“. Eine vollständige Normalisierung sei ohne demokratische Schritte gesetzlich ausgeschlossen.
Gleichzeitig hat Washington seine Geheimdienstaktivitäten ausgeweitet. Politico berichtete Anfang August unter Berufung auf Insider, die CIA habe ihre Präsenz auf der Insel verstärkt – ähnlich wie vor der Venezuela-Operation. Die New York Times ergänzte, es sei eine geheime Task Force eingerichtet worden, um Druck auf die politische Elite auszuüben. CIA-Direktor John Ratcliffe war im Mai persönlich in Havanna und überbrachte die Botschaft, Washington sei zu Gesprächen bereit, aber nur bei grundlegenden Reformen.
Trotz der Eskalation betonte Torres Rivera: „Kuba ist keine Bedrohung für die Vereinigten Staaten.“ Havanna wünsche eine Beziehung auf Augenhöhe, in der gemeinsame Interessen besprochen werden könnten. Die Insel bereite sich defensiv vor, wolle aber keinen Krieg.
Beobachter wie Jorge Piñón von der University of Texas beschreiben eine akute Energiekrise: Kuba erzeugt den Großteil seines Stroms aus importiertem Öl. Ohne neue Lieferungen droht der Kollaps der Infrastruktur. Die USA haben humanitäre Hilfe in Höhe von 100 Millionen Dollar angeboten, knüpfen diese jedoch an Bedingungen. Havanna sieht darin keine Lösung für das grundlegende Problem der Blockade.
Bild KI
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