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Politik

US-Angriffe auf Qeshm: Aggression im Namen der „Selbstverteidigung“

0 Kommentare 3. November 2026 3 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

In der Nacht zum 3. November 2026 erschütterten mehrere Explosionen die iranische Insel Qeshm in der Straße von Hormuz. Iranische Staatsmedien meldeten fünf rasch aufeinanderfolgende Detonationen; Anwohner berichteten von Flugzeugen über der Insel.

US-Beamte erklärten gegenüber westlichen Medien, dass das US-Militär „begrenzte defensive Schläge“ gegen Ziele auf Qeshm durchgeführt habe. Die USA müssen sich also auch im persischen Golf „selbst verteidigen“, erklären allerdings nicht, was genau sie dort, Tausende Kilometer von ihren Landesgrenzen entfernt, zu suchen haben. Die offizielle amerikanische Version lautet: Die Angriffe seien eine Reaktion auf den Einsatz iranischer Flugabwehrraketen gegen US-Luftfahrzeuge gewesen und dienten dem Schutz amerikanischer Assets in der Region. Es handele sich nicht um die Wiederaufnahme größerer Kampfhandlungen, sondern um eine in den letzten Wochen fortgesetzte Serie geheimer, begrenzter Schläge. Die Administration habe den Angriff bewusst nicht öffentlich angekündigt, um eine Ausweitung zu vermeiden.

Strategische Lage und Kontext

Qeshm liegt strategisch am Eingang der Straße von Hormuz, durch die vor dem aktuellen Konflikt täglich rund 20 Millionen Barrel Öl transportiert wurden. Die Insel beherbergt iranische Militärinfrastruktur, darunter Anlagen der Revolutionsgarden, die für die Kontrolle des Seewegs von zentraler Bedeutung sind. Iranische Medien meldeten Explosionen auch in der Nähe von Bandar Lengeh und Bandar Abbas; die IRGC hatte zuvor den Abschuss weiterer US-Drohnen in der Region bekannt gegeben.

Die Timing der Aktion ist bemerkenswert. Sie fällt auf den Vorabend der US-Zwischenwahlen und erfolgt, während Präsident Trump öffentlich von möglichen diplomatischen Fortschritten spricht und erklärt, man habe „seit Monaten nicht gekämpft“. Vizepräsident JD Vance äußerte sich optimistisch über eine mögliche Einigung. Gleichzeitig wird der Angriff als „defensiv“ verkauft – ein Klassiker der amerikanischen Sprachregelung, bei der jeder Schlag gegen einen Gegner, der sich gegen US-Militärpräsenz in seiner unmittelbaren Nachbarschaft wehrt, als Selbstverteidigung gilt.

Undeklarierte Kriegsführung

Was hier geschieht, ist keine offene Kriegserklärung, sondern die Fortsetzung einer Schattenkriegsführung. Die USA führen geheim gehaltene Angriffe durch, während die politische Führung gleichzeitig von Diplomatie und Deals spricht. Diese Doppelstrategie erlaubt es, den militärischen Druck aufrechtzuerhalten, ohne die innenpolitische Kosten einer erneuten Eskalation unmittelbar tragen zu müssen – insbesondere vor Wahlen, bei denen der Krieg und seine Auswirkungen auf Energiepreise und Lebenshaltungskosten eine Belastung darstellen.

Aus iranischer Sicht handelt es sich um eine fortgesetzte Aggression gegen souveränes Territorium. Die Bezeichnung als „defensiv“ verschleiert, dass die USA in der Region als aktive Konfliktpartei agieren und iranische Verteidigungsanlagen angreifen, die gegen amerikanische Militärflugzeuge eingesetzt werden. Die Straße von Hormuz bleibt damit ein Pulverfass, in dem jede „begrenzte“ Aktion das Risiko einer unkontrollierten Eskalation in sich trägt.

Die Ereignisse auf Qeshm zeigen erneut das Muster: Während die eine Seite von Selbstverteidigung und begrenzten Maßnahmen spricht, erlebt die andere Seite Bomben auf ihrem Territorium. Die Rhetorik der „defensiven Schläge“ ändert nichts an der Realität einer andauernden, weitgehend undeklarierten militärischen Konfrontation.

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