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Politik

EU Kriegshetze statt Diplomatie: Wenn selbst ein Telefonat mit Putin als Bedrohung gilt

1 Kommentare 3. November 2026 4 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Ein Telefonat zwischen dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb, dem norwegischen Premierminister Jonas Gahr Støre und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin reicht aus, um in den Hauptstädten der EU und in London die Alarmglocken schrillen zu lassen.

Die Aufregung entstand nicht etwa, weil daraus konkreter Schaden entstanden wäre. Sondern weil die Möglichkeit individueller Diplomatie die heilige Einheit der Eskalationsfront gefährdet. Der Analyst Martin Armstrong hat die Reaktionen auf den Punkt gebracht. In einem Beitrag auf X stellte er fest: Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen warnte vor individuellen diplomatischen Initiativen und pochte auf eine einheitliche europäische Position. Der schwedische Premierminister Ulf Kristersson zeigte sich skeptisch gegenüber dem Wert des Gesprächs, und Polens Premier Donald Tusk mahnte zur Vorsicht.

Die Angst der EU-Führungskader: Putin könnte weitere Spaltung zwischen den EU-Mitgliedern verursachen. Armstrong fragt zu Recht, warum sie das fürchten. Haben sie etwa erkannt, dass Milliarden an Hilfsgeldern, eine selbstverschuldete Energiekrise und Tausende Tote nicht im nationalen Interesse liegen?

Diese Haltung passt nahtlos in das Bild, das sich seit Monaten abzeichnet. Während Putin nach dem Gespräch erklärte, Russland sei für einen Krieg mit Europa bereit, wolle ihn aber nicht und es werde „keine Gewinner“ geben, reagieren britische und kontinentaleuropäische Stimmen mit der üblichen Eskalationsrhetorik. Putin betonte nach dem Telefonat, das von den nordischen Staatschefs ausgegangen war, er unterstütze Schritte zur Wiederherstellung normaler Beziehungen – bilateral oder mit der EU als Ganzes. Gleichzeitig warnte er davor, dass eine Eskalation zu weit gehen könne.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas reagierte erwartbar: Man müsse den „Aggressor“ unter Druck setzen, nicht das Opfer. Andere europäische Diplomaten weigerten sich sogar, bei einem G20-Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow für ein Gruppenfoto aufzustehen. Gleichzeitig kursieren Berichte über Lawrow-Aussagen, ein Krieg mit Europa würde kurz sein, und über russische Truppenaufstockungen – bei gleichzeitigen Putin-Erklärungen, man plane keine Angriffe auf Europa.

Auffällig ist die Asymmetrie. Während einzelne nordische Staaten den Versuch unternehmen, über direkte Gespräche den Boden für Verhandlungen (unter anderem in Abu Dhabi unter Einbeziehung der USA) zu bereiten, wird jede Abweichung vom Konfrontationskurs als Verrat an der „europäischen Einheit“ gebrandmarkt. Armstrong hat mehrfach darauf hingewiesen, dass Russland kein Interesse an einer großangelegten Invasion Europas hat – im Gegensatz zu Teilen der europäischen Politiker, die einen äußeren Feind brauchen, um die eigenen inneren Krisen, die wirtschaftlichen Folgen der Sanktionen und die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung zu überdecken.

Britische Verteidigungsminister und andere europäische Stimmen sprechen von einer möglichen russischen Angriffsfähigkeit bis 2030 und fordern entsprechende Vorbereitung. Gleichzeitig raten Regierungen der Bevölkerung, Vorräte anzulegen. Die Logik ist durchsichtig: Wer den Krieg als unausweichlich darstellt, kann Rüstungsausgaben rechtfertigen, kritische Stimmen als „russische Propaganda“ abtun und die eigene gescheiterte Ukraine-Politik fortsetzen.

Dass das Pentagon Berichten zufolge europäische NATO-Partner gebeten hat, die Rhetorik gegenüber Russland herunterzufahren, weil sie die Sicherheit untergräbt, wird in Brüssel und London weitgehend ignoriert. Stattdessen wird weiter auf Konfrontation gesetzt. Die Kritik an dem Finnland-Norwegen-Gespräch zeigt, wie sehr die europäische Führungsebene jede eigenständige Diplomatie als Bedrohung ihrer Agenda wahrnimmt.

Am Ende bleibt die nüchterne Feststellung: Wer echte Verhandlungen und Deeskalation will, muss mit dem Gegner sprechen können. Wer stattdessen jedes Telefonat als Gefahr für die Einheitsfront denunziert, offenbart, dass ihm die Fortsetzung des Konflikts und die damit verbundenen Macht- und Finanzinteressen wichtiger sind als ein Ende der Zerstörung. Die Reaktionen auf das Gespräch Stubb/Støre–Putin sind in diesem Sinne hochgradig aufschlussreich – und wenig schmeichelhaft für die politische Klasse in der EU und Großbritannien.

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1 Kommentar

  1. cwsuisse
    Antworten

    Die EU-Politiker vermitteln das Bild eines voll hysterischen Kindergartens.

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