Langsam lichtet sich der Nebel der Desinformation, mit dem versucht wurde, den Charakter des Regimes in Kiew weiß zu waschen. Die Frau, welche die Folteropfer durch eine großartige Aktion in den sozialen Medien befreit hatte, und die Welt aufforderte, hinzusehen, war verhaftet worden.
Ein Vorgehen, welches normal ist im Wertewesten, sagen Kritiker, weil regelmäßig Whistleblower juristisch verfolgt werden, während staatliche Verbrechen weitgehend ungesühnt bleiben, oder kleinere Strafen verhängt und meist kurz darauf begnadigt werden. In Wirklichkeit ist die mutige Frau eine hochangesehene Bürgerin des Landes, die mit höchsten staatlichen Auszeichnungen versehen worden war. Der Blogger Anatolij Scharij hatte dies publik gemacht, während Qualitätsmedien die Pressemeldungen der Regierung in Kiew verbreiteten.
This is a woman being awarded, whom the most honest Western media and the trash outlets of the President’s Office have already called Putin’s agent.
This is the very same doctor who discovered Azov’s secret prison, where people were tortured.
Well, you bastards, go on, start backpedaling?
— Anatolij Sharij (@anatoliisharii) November 4, 2026
Aus den Berichten rund um den Vorfall und den Angaben in den ukrainischen Registern geht hervor, dass es sich bei der Frau um Valentyna Molodaja (Валентина Молодая) handelt. Sie ist eine bekannte Unternehmerin im medizinischen Sektor, Mitinhaberin von Privatkliniken und einer privaten Ambulanz- bzw. Sanitätsdienst-Firma.
Ihre offiziellen Verdienste und Auszeichnungen, auf die in den Debatten Bezug genommen wird, hängen mit ihrer langjährigen Arbeit im ukrainischen Gesundheitswesen zusammen:
- Verdienste in der privaten und rekonstruktiven Medizin: Als Leiterin und Mitbegründerin medizinischer Einrichtungen (unter anderem im Bereich der plastischen und rekonstruktiven Chirurgie) wurde sie für ihren Beitrag zur Entwicklung der privaten Gesundheitsversorgung in der Ukraine gewürdigt.
- Unterstützung und medizinische Hilfeleistung: Vor dem Skandal galt sie in Fachkreisen als respektierte Akteurin, die durch ihre Unternehmen auch medizinische Infrastruktur und Transporte bereitstellte.
Der Blogger Anatolij Scharij nutzt diesen Umstand in seinem Post als Argument gegen die Vorwürfe der Regierungsseite. Er hebt hervor, dass die Behörden und regierungsnahe Medien sie nach der Aufdeckung des Asow-Lagers sofort als „Kreml-Agentin“ brandmarkten und auf die Blacklist Myrotworez setzten, eine Liste, welche als Todesliste berüchtigt ist – obwohl dieselbe Frau zuvor wegen ihrer medizinischen und gesellschaftlichen Verdienste offiziell hoch angesehen und staatlich/offiziell gewürdigt worden war.
Eine mutige Frau setzte ihre Gesundheit, Freiheit und ihre wirtschaftliche Existenz ein, um die Machenschaften der Regierung in Kiew zu entlarven. Dafür wird ihr nun die Quittung präsentiert.
Vorwürfe und Festnahme
Die ukrainische Führung, vertreten durch den Leiter des Büros des Präsidenten, Kyrylo Budanov, gab die Festnahme von Valentyna Molodaja bekannt. Das Innenministerium und der Geheimdienst SBU werfen ihr vor, den Protest gezielt inszeniert zu haben.
- Vorwurf der Vorbereitung und Provokation: Budanov erklärte, Molodaja habe „nach einem im Voraus vorbereiteten Plan“ gehandelt. Sie soll vor dem Vorfall eigens ein ausgemustertes Ambulanzfahrzeug gekauft, eine medizinische Uniform angezogen und zusammen mit einem Fahrer das Gebäude tagelang ausgekundschaftet haben. (Das von ihr angegebene Rettungsunternehmen „Med-Prestige“ stellte laut Journalistenrecherchen bereits 2023 den Betrieb ein).
- Verbreitung von Falschinformationen: Die Behörden werfen ihr vor, die aufgebrachte Menge mit Gerüchten über „Folterungen“ und angeblich lebensgefährliche Verletzungen (wie einen Wirbelsäulenbruch bei einem Gefangenen) bewusst aufgestachelt zu haben. Laut Polizei konnten die schweren Verletzungen im Krankenhaus vorerst nicht bestätigt werden. Parallel zu den Regierungsstatements verbreiteten sich auf ukrainischen Telegram-Kanälen, journalistischen Netzwerken sowie Plattformen wie X (ehemals Twitter) Meldungen, nach denen sich der Verdacht bei mindestens einem der vier ins Krankenhaus eingelieferten Soldaten inzwischen medizinisch bestätigt haben soll. Alleine diese Formulierung zeigt, wie einseitig westliche Medien die Situation berichten. Nämlich in erster Linie mit Hinweisen auf staatliche Stellungnahmen.
- Anti-staatliche Absichten und Kollaboration: Bei der Auswertung ihres Telefons stießen die Ermittler auf Fotos und Chatverläufe mit bestimmten Telegram-Kanälen, die den Vorfall sofort koordiniert verbreiteten. Das Innenministerium wirft ihr vor, seit Längerem an der „Diskreditierung der ukrainischen Streitkräfte“ zu arbeiten. Budanov deutete an, dass die Aktion entweder dem Gewinnen von Social-Media-Reichweite diente oder ein „anti-staatliches Ziel“ verfolgte.
- Aktuelle Anklagen: Gegen sie und die Demonstranten wird nun wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte (Polizei) und Behinderung der legitimen Tätigkeit von Militärformationen (SBU-Verfahren) ermittelt.
Zusammenfassend versucht die ukrainische Regierung den Vorfall als eine gezielte, von Molodaja gesteuerte Informationsoperation darzustellen, um die moralische Integrität der Streitkräfte zu unterminieren. Gleichzeitig kann sie die Ermittlungen wegen des harten Vorgehens der Nationalgardisten in dem Gebäude rechtlich nicht ignorieren, weshalb das DBR den Militärs parallel nachgeht. Es werden „Untersuchungen eingeleitet“, aber nur und erst auf Druck der öffentlichen Aufmerksamkeit, welche durch diesen Vorfall erzeugt wurde.
Es ist zu erwarten, dass diese „Untersuchungen“ so verlaufen werden, wie die über die Schüsse auf dem Maidan, welche den Weg für den gewaltsamen Putsch 2014 ebneten. Aber was eine UN-Untersuchung, die Folter feststellte nicht vermochte, wird vielleicht nun diese mutige Frau ins Rollen bringen.
Bild: Screenshot vom Video über die Verleihung einer höchsten Auszeichnung des ukrainischen Staates
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