
Eskalation am Golf: USA bombardieren Larak-Insel – Iran schlägt in Jordanien und den Emiraten zurück
Noch immer brennt es in Westasien an allen Fronten gleichzeitig. Die Lage am Persischen Golf hat eine neue Eskalationsstufe erreicht — und wie so oft in diesem seit März 2026 tobenden Krieg liefern Washington und Teheran völlig gegensätzliche Darstellungen desselben Geschehens.
Die USA greifen Larak-Insel an: Das US Kolonialkommando CENTCOM spricht von „Minenwerfern“, Iran von „Aggression“. In den späten Abendstunden des 30. August bombardierten US-Streitkräfte zwei Raketenwerfer der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) auf der strategisch bedeutsamen Insel Larak am östlichen Eingang der Straße von Hormuz. Es handelt sich um den ersten direkten US-Angriff auf iranisches Territorium seit Ende Juli.
US Central Command begründete den Schlag mit einer angeblichen „unmittelbaren Bedrohung“ in einer Region, die tausende Kilometer von ihrem Staatsgebiet entfernt ist:
„Die US-Streitkräfte haben begrenzte, gezielte Aktionen gegen Minenlegeeinheiten der IRGC ergriffen, die in der Straße von Hormus eine unmittelbare Bedrohung darstellten.“
Die Formulierung ist bemerkenswert. „begrenzte, gezielte Aktionen“ — Bomben auf iranisches Hoheitsgebiet. Tote und Verwundete — darunter nach iranischen Angaben sowohl IRGC-Kämpfer als auch Zivilisten.
Der Iran wies die CENTCOM-Darstellung umgehend zurück und sprach von einem „Akt der Aggression“. Ebrahim Azizi, Vorsitzender der Nationalen Sicherheitskommission des iranischen Parlaments, formulierte es auf X unmissverständlich:
„Stellt unseren Willen noch einmal auf die Probe, und ihr werdet einen noch höheren Preis dafür zahlen. Die Vergeltung steht bevor; LAUFT EINFACH WEG!“
Auf Persisch ergänzte er, die Antwort werde „verheerend, schmerzhafter und lehrreich“ ausfallen — und schloss mit: „Wartet in Angst und Schrecken!“
Die semantische Schlacht ist längst Teil des Krieges. CENTCOM setzt auf das vertraute Drehbuch: Iran als der irrlichternde Aggressor, der die zivile Schifffahrt gefährdet; Amerika als der widerwillige Ordnungshüter, der nur das Nötigste tut. Dass die US-Präsenz im Golf selbst eine permanente Provokation und im Grunde nackten Kolonialismus darstellt, wird mit Orwellscher Sprache ausgeblendet.
Iranische Vergeltung: Stützpunkte in Jordanien und den Emiraten unter Beschuss
Die Antwort Teherans ließ nicht lange auf sich warten. In den frühen Morgenstunden des 31. August feuerte das IRGC ballistische Raketen auf die US-Militärinfrastruktur in Jordanien ab — konkret die Stützpunkte King Hussein und al-Azraq. Fox-News-Reporter Trey Yingst meldete unter Berufung auf US-Quellen, nahezu alle ankommenden Geschosse seien abgefangen worden — „keine signifikanten Auswirkungen bislang.“
Die jordanische Armee bestätigte später, acht Raketen über jordanischem Luftraum abgefangen zu haben. Das Königreich Jordanien, nominell ein Verbündeter Washingtons, wird zum Schlachtfeld eines Krieges, den es nicht begonnen hat und den seine Bevölkerung mehrheitlich ablehnt.
Parallel dazu attackierten Drohnen des iranischen Militärs den Luftwaffenstützpunkt Al Minhad in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die öffentliche Bekanntgabe durch die Armee des Iran trägt eine klare Botschaft: Kein Golfstaat, der den USA seine Infrastruktur zur Verfügung stellt, bleibt verschont.
US-Drohne MQ-9 über der Straße von Hormuz abgeschossen
Die Revolutionsgarden vermeldeten den Abschuss einer amerikanischen MQ-9 Reaper über der Straße von Hormuz. In der offiziellen IRGC-Erklärung heißt es:
„Eine amerikanische MQ-9 Langstrecken-Drohne wurde vor wenigen Minuten über der Straße von Hormuz durch Raketenbeschuss der stets wachsamen Krieger des modernen Luftverteidigungssystems der Revolutionsgarden getroffen und stürzte in die blauen Gewässer des Persischen Golfs.“
Die MQ-9 Reaper ist kein gewöhnliches Aufklärungsgerät. Mit einem Stückpreis von rund 32 Millionen Dollar und der Fähigkeit, sowohl zu überwachen als auch Präzisionsangriffe durchzuführen, ist sie eines der Rückgrate der amerikanischen Drohnenkriegsführung. Ihr Verlust ist militärisch schmerzhaft — vor allem aber ein propagandistischer Coup für Teheran, das seine Fähigkeit demonstriert, hochmoderne US-Systeme auszuschalten. Insgesaamt hat der Iran mittlerweile um die 40 Stück dieser Drohnen abgeschossen.
Öltanker in Minenfeld geraten — IRGC verschärft Kontrolle über die Meerenge
Nahe der Straße von Hormuz geriet unterdessen ein „abtrünniger Supertanker“ in ein Minenfeld und fing Feuer. Die IRGC-Marine erklärte, das Schiff habe versucht, eine „illegale Route südlich der Meerenge“ zu passieren:
„Das IRGC warnt erneut, dass das Schicksal von Schiffen, die die Sicherheitsvorschriften der Straße von Hormuz verletzen, kein anderes sein wird.“
Die Einhaltung der von der IRGC-Marine herausgegebenen Durchfahrtsbestimmungen sei „verpflichtend“, hieß es weiter. Der Vorgang illustriert, wie vollständig Teheran die Kontrolle über die wichtigste Öl-Transportroute der Welt übernommen hat — die Zahl der die Meerenge passierenden Frachtschiffe sank am Wochenende auf fünf pro Tag, wobei die tatsächlichen Zahlen unklar bleiben, da viele Schiffe ihre automatischen Identifikationssysteme abschalten, um Angriffen zu entgehen.
Libanon: Israelische Artillerie und Brandbomben
Während der Fokus auf dem Golf liegt, schwelt der Konflikt an den anderen Fronten weiter. Im Südlibanon beschoss israelische Artillerie in der Nacht und den frühen Morgenstunden die Ortschaften Mansouri und Bayt al-Sayyad im Bezirk Tyros, wie die libanesische Nationale Nachrichtenagentur meldete.
Israelische Streitkräfte warfen zudem Leuchtbomben über Wäldern im Libanon ab, die mehrere Brände entfachten — klare Kriegsverbrechen, die in den vergangenen Monaten wiederholt begangen wurden und verheerende Schäden an der Vegetation einer ohnehin ökologisch angeschlagenen Region verursachen.
Das libanesische Außenministerium begrüßte derweil Signale, dass Irans Außenminister Abbas Araghchi an einer Stärkung der bilateralen Beziehungen interessiert sei — ein diplomatisches Signal inmitten militärischer Spannungen, das Teherans anhaltenden Einfluss im Libanon unterstreicht.
Westjordanland: Siedlergewalt eskaliert weiter
Im besetzten Westjordanland wurden sieben Palästinenser im Dorf al-Mughayyir nahe Ramallah verletzt — die meisten durch scharfe Munition. Lokalen Quellen zufolge ist unklar, ob die Schüsse von israelischen Soldaten oder bewaffneten Siedlern abgefeuert wurden.
Israelische Streitkräfte drangen nach dem Siedlerangriff in al-Mughayyir ein, zogen sich jedoch später bis zum Dorfeingang zurück, den sie nun abgeriegelt und belagert halten. Zeitgleich meldeten Anwohner aus Nahalin westlich von Bethlehem, Siedler hätten großflächig Land planiert, um die Siedlung Beitar Illit zu erweitern.
Die Eskalation der Siedlergewalt ist kein Nebenschauplatz — sie ist Teil einer systematischen Landnahme, die unter dem Schutz militärischer Präsenz stattfindet und die Zweistaatenlösung längst zu einer Fiktion gemacht hat.
Gaza: Luftangriff auf Bäckerei tötet Kleinkind
Im Gazastreifen tötete ein israelischer Luftangriff in der Nähe einer Bäckerei zwei Menschen, darunter ein dreijähriges Kind. Solche Meldungen sind zur grausamen Routine geworden — und genau darin liegt die Tragödie. Wenn der Tod eines Kleinkindes vor einer Bäckerei zur Fußnote in einem Liveblog wird, hat die Weltöffentlichkeit kollektiv kapituliert.
Ein Krieg ohne Exit-Strategie
Joseph Kent, ehemaliger Direktor des US National Counterterrorism Centre, der im März aus Protest gegen den Iran-Krieg zurücktrat, brachte die Lage auf den Punkt:
„Wenn wir den Eskalationszyklus kontrollieren und nicht zulassen wollen, dass der Krieg sich beschleunigt, müssen wir unsere Truppen aus der Region abziehen.“
Kent warnte in seinem Rücktrittsschreiben, dass tote US-Soldaten durch einen iranischen Glückstreffer die USA „zu Irans Bedingungen“ in den Krieg zurückziehen würden. In seinem Rücktrittsschreiben hatte er unmissverständlich festgehalten:
„Der Iran stellte keine unmittelbare Bedrohung für unsere Nation dar, und es ist offensichtlich, dass wir diesen Krieg aufgrund des Drucks Israels und seiner mächtigen amerikanischen Lobby begonnen haben.“
Diese Analyse — die im offiziellen Washington als ketzerisch gilt — trifft den Kern der Sache. Der Krieg gegen den Iran war nie eine Reaktion auf eine existenzielle Bedrohung der USA. Er ist das Produkt jahrzehntelanger neokonservativer Agenda, israelischer Sicherheitsinteressen und eines militärisch-industriellen Komplexes, der von permanenter Kriegsführung profitiert.
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