
Infraschall von Windrädern bringt kleinste Blutgefäße durcheinander – neue Studie
Die Beweise häufen sich. Erst zeigten Gesundheitsdaten aus Paderborn, dass Menschen in Windkraft-Regionen viel häufiger an Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen erkranken. Dann wiesen Laborversuche nach, dass Infraschall die Pumpkraft des Herzmuskels direkt schwächt. Jetzt liefert eine neue Untersuchung den nächsten Beweis: Infraschall stört die Steuerung der kleinsten Blutgefäße. Und zwar umso mehr, je länger die Belastung anhält.
Die Studie von Maryam Dastan, Ursula Bellut-Staeck, Christian Lehmann und Kollegen von der Dalhousie University in Halifax wurde am 26. August 2026 als Preprint veröffentlicht und trägt den Titel „Repeated Infrasound Exposure Alters Vasomotion in Mice“ (Wiederholte Infraschallbelastung verändert die Gefäßbewegung bei Mäusen). Finanziert wurde die Arbeit von der Deutschen Schutz-Gemeinschaft-Schall für Mensch und Tier (DSGS) – jener Organisation, deren Vorsitzender Peter P. Jaeger seit Jahren gegen die systematische Verharmlosung von Windrad-Infraschall ankämpft. Dass eine deutsche Schallschutz-Organisation aus Spendenmitteln eine kanadische Universität finanziert, um die physiologischen Effekte von Infraschall zu untersuchen, spricht Bände über die Prioritäten der etablierten Forschungsförderung: Wer kritische Fragen zur Windkraft stellt, muss sie selbst bezahlen.
Was wurde gemacht?
Die Forscher teilten die Mäuse in mehrere Gruppen ein:
- Eine Gruppe wurde einmal für vier Stunden mit Infraschall beschallt (1 Hertz, 100 Dezibel).
- Eine zweite Gruppe wurde 14 Tage lang jeden Tag vier Stunden beschallt.
- Kontrollgruppen verbrachten die gleiche Zeit in der Kammer, aber ohne Infraschall.
Danach untersuchten die Forscher die Durchblutung unter der Zunge der Tiere. Sie schauten sich an:
- Wie stark die Gefäße pulsieren – also wie sehr sich ihr Durchmesser rhythmisch weitet und verengt. Das nennt man Vasomotion.
- Wie viel Blut tatsächlich fließt – also die echte Durchblutung des Gewebes.
Was kam heraus?
Schon nach einer einzigen vierstündigen Beschallung zeigten sich erste Veränderungen: Die Gefäße der Tiere pulsierten heftiger als vorher.
Nach 14 Tagen täglicher Beschallung war der Effekt viel deutlicher: Die Pulsationen der Gefäße waren jetzt in allen gemessenen Frequenzbereichen verstärkt. Das betraf:
- die sehr langsamen Rhythmen (die vor allem vom Endothel – der inneren Gefäßauskleidung – gesteuert werden),
- die mittleren Rhythmen (die mit dem Nervensystem zusammenhängen),
- und die schnelleren Rhythmen (die von Atmung und Herzschlag beeinflusst werden).
Dass alle drei Bereiche betroffen sind, ist ein starkes Warnsignal. Es bedeutet: Der Infraschall stört die gesamte Gefäßregulation – nicht nur einen kleinen Teil davon.
Was bedeutet das für den Menschen?
Die Studie wurde an Mäusen durchgeführt, nicht an Menschen. Aber die Steuerung der kleinsten Blutgefäße funktioniert bei Mäusen und Menschen nach denselben Grundprinzipien. Deshalb sind die Ergebnisse übertragbar.
Wichtig ist vor allem der zeitliche Verlauf: Je länger die Belastung, desto stärker die Wirkung. Anwohner von Windparks sind dem Infraschall nicht nur vier Stunden oder 14 Tage ausgesetzt – sondern über Jahre, Tag für Tag, Nacht für Nacht.
Dass die Gesamtdurchblutung in der Studie noch normal blieb, ist kein Grund zur Entwarnung. Der Körper hat offenbar noch gegengesteuert und den Blutfluss aufrechterhalten. Aber wie lange hält diese Gegenregulation durch? Die Forscher selbst fragen sich, ob die Schutzmechanismen bei noch längerer Belastung versagen könnten.
Was passiert im Körper?
Die Forscher erklären den Mechanismus so: Unsere Blutgefäße sind keine starren Röhren. Ihre Innenwände sind mit winzigen Druckfühlern ausgestattet – sogenannten PIEZO1-Kanälen. Diese Kanäle reagieren auf Dehnung der Zellwand. Wird die Wand verformt, öffnen sie sich und lassen Calcium in die Zelle strömen.
Infraschall wirkt genau auf diese Druckfühler. Die Schallwellen drücken und ziehen abwechselnd an den Gefäßwänden – auch wenn der Druck winzig klein ist (etwa 2 Pascal, das ist weniger als ein Hauch). Aber dieser winzige Druck reicht aus, um die empfindlichen PIEZO1-Kanäle zu aktivieren. Die Folge: Calcium strömt unkontrolliert ein, die fein abgestimmte Steuerung der Gefäßweite gerät aus dem Takt.
Das passt zu dem, was wir bereits wissen: Frühere Studien – etwa von Liu et al. (2012) und Shi et al. (2013) – haben gezeigt, dass Infraschall Calcium-Kanäle in Nervenzellen öffnet und Entzündungen im Gehirn auslöst. Die neue Studie zeigt jetzt: Derselbe Mechanismus läuft auch in den Blutgefäßen ab
Die vorsichtige Sprache der Wissenschaft – und was sie bedeutet
Die Autoren formulieren, wie in der akademischen Literatur üblich, zurückhaltend: „Die Daten stützen die Theorie, dass Infraschall als biologisch relevanter mechanischer Reiz auf die Mikrozirkulation wirkt.“ Und: „Die nach chronischer Infraschall-Exposition beobachtete erhöhte Vasomotion könnte ein frühes Anzeichen gestörter Gefäßregulation darstellen und nicht etwa eine unkomplizierte physiologische Verbesserung.“
In Klartext übersetzt: Infraschall ist kein harmloses Hintergrundrauschen. Er ist ein biologisch relevanter Stressor für die Blutgefäße. Die beobachteten Veränderungen sind kein Zeichen von Gesundheit, sondern ein Warnsignal.
Bemerkenswert ist auch, was die Studie nicht untersuchte – und was die Autoren als dringenden Forschungsbedarf benennen: direkte PIEZO1-Kanal-Messungen, intrazelluläre Calcium-Bildgebung, endotheliale Funktionstests und histopathologische Untersuchungen des Gefäßgewebes nach Langzeitexposition. Dass diese Untersuchungen nicht durchgeführt wurden, liegt nicht an mangelnder wissenschaftlicher Neugier, sondern an mangelnder Finanzierung. Die DSGS hat die Studie aus eigenen Mitteln bezahlt – ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts der Milliardensubventionen, die in den Windkraftausbau fließen.
Was sagen uns die Ergebnisse?
Die Dastan-Studie fügt dem sich verdichtenden Gesamtbild ein weiteres Mosaiksteinchen hinzu. Die Kausalkette wird zusehends lückenlos:
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Windräder erzeugen gepulsten Infraschall mit extrem niedrigen Frequenzen und hohen Schalldruckpegeln – dokumentiert unter anderem durch Mattsson et al. (2026) in Applied Acoustics (TKP-Bericht) und die Arbeiten von Flemmer & Flemmer (2023) in Sustainable Cities and Society.
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Dieser Infraschall dringt über Luft- und Bodenschall in Gebäude und biologische Gewebe ein.
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Im Körper aktiviert er mechanosensitive Ionenkanäle (PIEZO1, TRPV4) und spannungsgesteuerte Calciumkanäle (VGCCs), was zu Calcium-Überladung und oxidativem Stress führt – wie Liu et al. (2012) in Molecular Medicine Reports und Shi et al. (2013) in Acta Neuropathologica bereits vor Jahren nachgewiesen haben.
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Am Herzen schwächt dies die Kontraktionskraft und erhöht das Risiko für Herzinsuffizienz und Rhythmusstörungen – belegt durch die Mainzer In-vitro-Studie von Chaban et al. (2021) und die epidemiologischen Daten von Vahl & Dietz (2026).
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In der Mikrozirkulation stört es die präzise abgestimmte Vasomotion in einem Ausmaß, das mit der Expositionsdauer zunimmt – wie die hier vorgestellte Studie von Dastan et al. (2026) erstmals direkt belegt.
Dass die EU-Kommission, das Umweltbundesamt und die Windlobby weiterhin behaupten, von Windkraftanlagen gehe keine Gesundheitsgefahr aus, ist vor diesem Hintergrund nicht nur wissenschaftlich unhaltbar. Es ist angesichts der sich verdichtenden Evidenz – von epidemiologischen Daten über In-vitro-Experimente bis hin zu kontrollierten Tierversuchen – ein Fall von institutioneller Realitätsverweigerung, der an die jahrzehntelange Leugnung der Asbest-Gefahren erinnert.
Die Natur macht keine Kompromisse. Wer täglich stundenlang Infraschall ausgesetzt ist, dessen Blutgefäße reagieren – ob die Politik das wahrhaben will oder nicht.
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
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