Der Norddeutsche Rundfunk hat Polens erstes Kernkraftwerk an der Ostsee so ins Bild gesetzt, als zahle Warschau 45 Milliarden Euro für etwas, das ein Windpark für fünf Milliarden erledige. Der Verein Nuklearia hat dagegen Programmbeschwerde eingelegt.
Der Vorwurf von Nuklearia: Der Sender vergleicht Äpfel mit Birnen – und zwar so, dass Kernkraft teuer und Wind billig erscheint. Am 23. August berichtete das NDR-Nordmagazin über die Übergabe des Baufelds Lubiatowo-Kopalino an den US-Konzern Bechtel. Drei Westinghouse-AP1000-Reaktoren, zusammen 3750 Megawatt, geschätzte 45 Milliarden Euro, „größte Einzelinvestition seit 1989“. Direkt daneben der Offshore-Park Baltic Power: 76 Anlagen, 1140 Megawatt, rund fünf Milliarden Euro, „ungefähr die Leistung eines Reaktors“. Bauzeit Wind drei Jahre, Kernkraft zehn. So steht es beim NDR.
Nuklearia zerlegt die Rechnung. Leistung eines Reaktors, Kosten aller drei: Das ist der Kerntrick. Wer Nennleistung mit Nennleistung vergleicht, braucht drei Baltic-Power-Parks, also rund 15 Milliarden, um auf 3750 Megawatt zu kommen. Wer Jahresarbeit vergleicht, wird der Abstand größer. Ein AP1000 ist auf hohe Volllaststunden ausgelegt, modern oft um 90 Prozent. Drei Blöcke liefern in der Größenordnung 30 Terawattstunden im Jahr. Baltic Power mit gut 40 Prozent Auslastung kommt auf etwa vier bis fünf. Wind weht nicht auf Bestellung. Netze, Reserve, Speicher und Ersatz nach 30 Jahren stehen in der NDR-Stückrechnung nicht. Über 60 Jahre Betriebsdauer des Kernkraftwerks müsste der Windpark zweimal komplett erneuert werden – Nuklearia kommt dann auf rund 65 gegen 45 Milliarden, noch ohne Systemkosten.
Polen baut, Deutschland erklärt. Das Baufeld ist frei, Erdarbeiten laufen, erster nuklearer Beton ist für Ende 2028 vorgesehen, kommerzieller Betrieb des ersten Blocks inzwischen eher 2036. Während in Deutschland abgeschaltete Meiler als moralischer Sieg gelten, sichert sich Warschau grundlastfähigen Strom und weniger Abhängigkeit von Gas und Kohle. Öffentlich-rechtlicher Journalismus, der Nennleistung eines Windparks mit den Vollkosten dreier Reaktoren verrechnet, bedient nicht die Physik, sondern die Erzählung.
Eine Programmbeschwerde erzwingt keine Korrektur. Sie macht sichtbar, wie der Vergleich gebaut ist: ein Reaktor in der Leistungszeile, drei Reaktoren in der Kostenzelle, Systemkosten unsichtbar. Wer so rechnet, kann jede grundlastfähige Technik totrechnen – und jeden Windpark als Schnäppchen verkaufen.
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3 Kommentare
Kernenergie und Erneuerbare haben in Mitteleuropa gemeinsam, dass sie ohne Subventionen wirtschaftlich nicht tragfähig sind. Während die Probleme der Erneuerbaren ausgiebig diskutiert werden und allgemain bekannt sind, werden die Schwächen der Kernenergie gerne unter den Tisch gekehrt. Angefangen bei den oft explodierenden Baukosten (Olkiluoto, Flamanvile, etc.), der Subvention von Versicherungskosten per Haftungsübernahme durch den Staat, bis hin zu den Kosten für Endlagerung (in Deutschland ungeklärt, daher laufende Kosten für Zwischenlagerung) und den Rückbau, welcher beim Containment erst nach Jahrzehnten erfolgen kann, wenn die Strahlung abgeklungen ist. So wird der Rückbau des Pannenreaktors in Hamm-Uentrop, der 1988 nach nur 5 Jahren Betriebszeit stillgelegt wurde, erst 2028 in Angriff genommen und vom Steuerzahler getragen werden müssen, weil die Rückstellungen nicht reichen. Die Frage was Atomstrom wirklich kostet, kann aus diesem Grund niemand seriös beantworten, denn die Kosten laufen weiter, selbst wenn der Reaktor längst stillgelegt wurde.
„NDR rechnet“? Seit wann können die rechnen?
Bei einer Ideologie muss man eben alles so hinbiegen, dass man die Ideologie nie in Frage stellen muss! Die Lüge ist das beste Haupt-Werkzeug einer Ideologie! Es ist sogar verboten, die selbst Ideologie zu hinterfragen! Jeder, der diese Ideologie angreift, macht sich automatisch zum Feind der Ideologie und muss mit allen Mitteln bekämpft werden! Und der Name der größten Ideologie des Jahrhunderts ist … der Klimawahn!
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