Italien bereitet Rückkehr zur Kernenergie vor

1. Juni 2026von 2 Minuten Lesezeit

Nach fast 40 Jahren Abstinenz plant Italien unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni die Wiederaufnahme der Kernenergie. Im Sommer soll bereits der rechtlichen Rahmen für neue Atomkraftwerke geschaffen werden.

Italien hatte 1987 nach der Katastrophe von Tschernobyl in einem Referendum für den Ausstieg aus der Kernenergie gestimmt. Die letzten Reaktoren wurden stillgelegt, stattdessen importierte man künftige Strom (der auch aus Kernenergie kommt), Gas aus Russland und die Energiepreise wurden höher. Jetzt kommt es in Rom zur Wende. Meloni argumentiert, Kernenergie sei notwendig für Versorgungssicherheit, sowie auch für die Klimaziele.

Geplant ist ein Fokus auf moderne Kleinstreaktoren (Small Modular Reactors, SMR) und fortschrittlichen Modulreaktoren (AMR) der Generation 3+ und 4. Diese gelten als deutlich sicherer: Das Risiko eines schweren Unfalls soll um den Faktor 50 bis 100 geringer sein als bei alten Anlagen. Im schlimmsten Fall bliebe eine mögliche radioaktive Freisetzung auf das Kraftwerksgelände beschränkt.

Die Atomwende braucht aber Zeit: Bis 2050 strebt Rom eine Kapazität von zunächst acht Gigawatt (GWe) an – das entspräche rund elf Prozent des Strombedarfs. Bei voller Ausschöpfung könnten es bis zu 16 GWe und über 20 Prozent werden. Erste Anlagen könnten ab Mitte der 2030er-Jahre ans Netz gehen.

Bereits 2025 hatte Italien der European Nuclear Alliance beigetreten und einen ersten Gesetzentwurf im Kabinett verabschiedet. Umfragen zeigen etwa 50 Prozent Zustimmung in der Bevölkerung. Von Wind- und Solarkraft will sich Italien deshalb aber nicht gänzlich verabschieden, im Vergleich zu Deutschland hält man sich aber vor allem bei Windkraft deutlich zurück.

Doch die Entscheidung bringt erhebliche politische Risiken für Meloni. Italien hat Kernenergie 1987 und 2011 per Volksabstimmung abgelehnt, wenn die Atomkraftgegner erneut mobilisieren, könnte es wieder zu einer solchen Entscheidung kommen, die Regierung in Rom hätte eine Niederlage einzustecken.

Aktuell markiert die Entscheidung eine historische Wende in Italien, das Land schließt sich einem Trend in Europa an. Viele Länder investieren massiv in moderne Kernenergie, Österreich und Deutschland halten dagegen an der Linie fest: keine AKWs, stattdessen Windräder und Solaranlagen.


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Ein Kommentar

  1. VerarmterAdel 1. Juni 2026 um 12:43 Uhr - Antworten

    Problem: Mitte der 2030er Jahre gibt es das Land nicht mehr. Genau wie Saublödistan. Wie clever und smart unsere Politiker:innen doch sind.

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