
Dem Zionismus laufen die Juden davon
In den USA leben ungefähr soviel jüdische US-Amerikaner, wie jüdische Bürger in Israel. War noch vor wenigen Jahren die überwiegende Mehrheit in den USA eindeutig Unterstützer Israels, so hat sich die Situation seit 2023 deutlich gewandelt. Das zeigt sich u.a. darin, dass trotz der härteren Unterstützung durch die Republikaner, die Mehrheit die Konkurrenz wählen. Aber das ist nicht alles. Die Jugend läuft dem Zionismus ganz deutlich weg.
Die Debatte über das Verhältnis der rund 7,5 Millionen jüdischen US-Amerikaner zu Israel wird oft von Emotionen und politischen Parolen dominiert. Doch blickt man rein auf die statistischen Daten der großen Umfragen von 2025 und 2026, zeigt sich ein weitaus differenzierteres Bild. Unabhängige Institute und jüdische Organisationen zeichnen das Porträt einer Gemeinschaft, die sich in einem tiefgreifenden demografischen und ideologischen Wandel befindet. Das Label „Zionist“ verliert rasant an Zustimmung, während das grundsätzliche „Existenzrecht Israels“ aber für eine überwältigende Mehrheit unumstößlich bleibt, auch wenn die aktuelle Politik der rechtsextremen Regierung abgelehnt wird.
Israel versucht mit immer mehr Druck den Anschein zu zementieren, dass „zionistisch“ gleichbedeutend mit „jüdische“ sei. Aber das ist grundlegend falsch, das der Zionismus gegen einige der grundlegenden klassischen jüdischen Werte verstößt, ja sogar das Gegenteil darstellt. Aber das ist ein separates Thema. Um die Prozentwerte dieser Studien greifbar zu machen, lohnt sich der Blick auf die absoluten Zahlen der jüdischen Gesamtbevölkerung in den Vereinigten Staaten.
Nur eine Minderheit nennt sich „Zionist“
Die wohl meistdiskutierte Erhebung der letzten Jahre stammt von den Jewish Federations of North America (JFNA). Veröffentlicht im Februar 2026 (erhoben im März 2025), offenbarte der JFNA Survey Insights Report eine historische Verschiebung bei der politischen Selbstdefinition.
Nur 37 % der jüdisch-amerikanischen Bevölkerung bezeichnen sich selbst explizit als Zionisten. Bezogen auf die rund 7,5 Millionen jüdischen Amerikaner entspricht dies einer absoluten Zahl von rund 2,78 Millionen Menschen. Die verbleibende Mehrheit von 63 % – umgerechnet etwa 4,73 Millionen Menschen – definiert sich stattdessen entweder als Nicht-Zionisten oder als Anti-Zionisten.
Dass es sich hierbei nicht um eine statistische Eintagsfliege handelt, bestätigte kurz darauf die Folgestudie des Jewish Electorate Institute im Frühjahr 2026. Der aktuelle JEI Spring 2026 Poll verzeichnete einen fast identischen Wert: Auch hier identifizierte sich lediglich rund ein Drittel der Befragten mit dem Begriff. Als Hauptgrund gaben viele Studienteilnehmer an, dass der Begriff „Zionismus“ in den heutigen politischen Diskursen extrem vorbelastet sei und oft nicht mehr das bedeute, was sie persönlich empfinden.
Existenzrecht vs. Label: Die schweigende Mehrheit
Trotz der zunehmenden Distanzierung vom Begriff „Zionismus“ wäre es ein Trugschluss zu glauben, dass die Mehrheit der jüdischen US-Amerikaner Israel schon total den Rücken kehrt. Hier zeigt sich eine tiefe Entkopplung zwischen der politischen Vokabel und der inhaltlichen Unterstützung für das Land. Der von einer allerdings zionistischen Organisation stark beeinflusste JEI Spring 2026 Poll legte hierzu klare Zahlen vor:
- 87 % der jüdischen Amerikaner unterstützen das Recht Israels, als jüdisches Heimatland zu existieren. In absoluten Zahlen ausgedrückt sind das rund 6,53 Millionen Menschen.
- 70 % (ca. 5,25 Millionen Menschen) pflegen eine grundsätzlich positive emotionale oder kulturelle Haltung gegenüber dem Staat Israel.
Diese enorme Diskrepanz – rund 6,5 Millionen Befürworter des Existenzrechts gegenüber nur 2,8 Millionen Selbstbezeichnungen als Zionist – verdeutlicht, dass das Label „Zionist“ im modernen amerikanischen Sprachgebrauch stark an Bindungskraft verloren hat, obwohl das Kernanliegen des Zionismus (ein jüdischer Heimatstaat) von der breiten Masse weiterhin getragen wird. Dies ist zumindest die Interpretation des Mainstreams. Es könnte natürlich auch sein, dass die Zustimmung lediglich aus Furcht vor einem neuen Holocaust in Israel noch so groß ist. Denn diese Propaganda ist immer noch ungebrochen.
Der tiefe Graben zwischen Religion und Säkularismus
Einen noch detaillierteren Einblick in das Innenleben der Gemeinschaft lieferte im Juli 2026 das unabhängige AP-NORC Center for Public Affairs Research. Angesichts des lang anhaltenden Gaza-Konflikts untersuchte das Institut, wie stark die Bindung zu Israel vom persönlichen Grad der Religiosität abhängt. Die Ergebnisse im AP-NORC Project Report zeigen eine jüdische Gemeinschaft, die entlang dieser Trennlinie tief gespalten ist.
Von den rund 7,5 Millionen jüdischen Amerikanern identifizieren sich schätzungsweise 4,8 Millionen als religiös gebunden (orthodox, konservativ oder reformjüdisch), während rund 2,7 Millionen als säkular gelten („Jews of no religion“).
Laut AP-NORC sieht die Verteilung der Israel-Bindung wie folgt aus:

In der Praxis bedeutet dies: Während fast die Hälfte der religiösen Juden die Unterstützung Israels noch als essenziell für ihr jüdisches Selbstverständnis begreift, tut dies unter den säkularen Juden nur eine kleine Minderheit von rund 324.000 Menschen. Die restlichen knapp 2,38 Millionen säkularen jüdischen Amerikaner sehen ihre Identität weitgehend entkoppelt von der Politik und dem Schicksal des Staates Israel. Diese Gruppe äußert laut Bericht zudem die schärfste Kritik am militärischen Vorgehen der israelischen Regierung.
Der Generationskonflikt: Das Erbe schwindet
Ergänzt werden diese aktuellen Erhebungen durch die langfristigen Daten des renommierten Pew Research Center. In seinen umfassenden demografischen Analysen, wie dem wegweisenden Pew Report zu jüdischen US-Amerikanern, warnt das Institut seit Jahren vor einer schleichenden Entfremdung, die vor allem ein demografisches Problem ist.
Während unter den über 65-jährigen jüdischen Amerikanern die emotionale Bindung zu Israel historisch tief verwurzelt ist, bricht diese Brücke bei den unter 30-Jährigen zunehmend ein. Unabhängige Institute wie Gallup bestätigen in ihren fortlaufenden Gesellschaftsanalysen, dass die Generation der „Gen Z“ und der jüngeren Millennials traditionelle Bindungen – sei es der klassische US-Patriotismus oder eben die Solidarität mit Israel – immer seltener ungefragt übernimmt.
Gleichzeitig wächst die politische Unzufriedenheit. Unabhängig vom Alter stellen rund zwei Drittel der jüdischen Amerikaner – das entspricht einer absoluten Mehrheit von 5 Millionen Menschen – der israelischen Regierungsführung unter Benjamin Netanjahu ein schlechtes Zeugnis aus.
Zusammenfassung: Eine neue Definition jüdisch-amerikanischer Identität
Die statistischen Daten der Jahre 2025 und 2026 zeigen unmissverständlich: Die jüdische Gemeinschaft in den USA ist kein monolithischer Block.
Zwar stehen rund 6,53 Millionen jüdische Amerikaner immer noch hinter dem „Existenzrecht“ Israels, doch die Bereitschaft, sich im klassischen Sinne als „Zionist“ zu deklarieren, ist auf ein historisches Tief von rund 2,78 Millionen Menschen geschrumpft. An ihre Stelle tritt eine neue Generation und eine wachsende säkulare Mehrheit, die ihr Judentum über universelle Werte, Kultur oder lokale Gemeinschaft in den USA definiert – und die Politik der israelischen Regierung so kritisch hinterfragt wie nie zuvor.
Warum Israel und Kolonialländer verzweifelt versuchen Zionismus mit Judaismus gleich zu setzen
Wenn klar wird, dass es einen Unterschied gibt zwischen einem jüdischen Menschen und einem Vertreter des Zionismus bricht die Propaganda Israels und vieler Kolonialländer zusammen, welche z.B. Kritik am Staat Israel unter Strafe stellen wollen, und behaupten, dass Israel alle Menschen jüdischen Glaubens weltweit vertrete. Was nur das Ziel hat, die von IGH und IStGH untersuchten staatlichen Verbrechen allen Juden der Welt anzulasten, um dann bei Angriffen gegen diese den Anstieg des „Antisemitismus“ zum Anlass zu nehmen, um Israel noch stärker zu unterstützen. Aber das wäre eigentlich noch ein eigenes Thema.
Bild: Wikipedia, Alljährliche Chanukkah-Zeremonie im Weißen Haus, Präsident Barack Obama, 2009
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Judentum mit Zionismus gleichsetzen ist Antisemitismus?
Israels Medien über eine „Phase der Barbarei“ und den „neuen gewalttätigen Zionismus“
US-Presbyterianische Kirche trennt sich von Israel-Anleihen und verurteilt christlichen Zionismus
Das, worüber man nicht diskutieren darf …
BenJadolfi NetanJahitler! Gehts noch kürzer?
Zionisten sind keine Juden, sie sind sogar antijüdisch. Judentum ist eine Religion, darum ist auch der Vorwurf des Antisemitismus so absurd. Sogar Trumps Tochter kann jüdisch werden.
Ich hoffe für die USA, daß die US Juden Patrioten sind, ihre Loyalität den US gehört und nicht dem ‚Staat der Juden‘, der sie dreist fordert.
Es ist eigentlich nicht besonders bedeutend, ob sich amerikanische Juden als Zionisten einstufen oder nicht. Wer weiß, was die überhaupt unter Zionismus verstehen. Wenn man den Staat Israel unterstützt, dann ist man per definitionem Unterstützer des Zionismus, dessen wesentliches Ziel ja die Gründung des Staates Israel war – ob man nun das Label mag oder nicht. 87 % der jüdischen Amerikaner unterstützen offenbar diesen zionistischen Staat. Damit also auch eine Mehrheit der säkularen Juden. Und damit unterstützt die überwiegende Mehrheit der amerikanischen Juden einen Apartheitsstaat, in dem es für arabische Bevölkerung keine Rechte gibt oder diese mit Füßen getreten werden. Die Unzufriedenheit mit Netanjahu bedeutet keine grundsätzliche Kritik an der israelischen faschistischen, rassistischen Politik – die existiert seit der Gründung Israels. Netanjahu treibt es nur besonders bunt.
Das Jüdische klebt an einem, wie das Islamische. Man wird es nie wieder los, angeblich. Bis dass der Tod euch scheidet? Aus christlichen Kirchen kann man dagegen einfach austreten…
Aber das Deutsche klebt bald nicht mehr – nur noch 7 Jahre…
Ups…“Graham verstarb am Samstagabend „nach kurzer und plötzlicher Krankheit“, wie eine Erklärung des Büros des Senators am Sonntag mitteilte.“
Und zw. Iran und US schepperts grad wieder. Hormus ist erneut geschlossen. Die Kurse schießen in die Höhe. Auf zu auf zu…
Ja, es gibt sicherlich jede Menge amerikanischer J., denen Pipiii eher peinlich ist, zumal das Vorgehen des Gummizellenanwärters natürlich zu vermehrtem Anitsemitismus führt.
So, wie es immer mehr Konservative gibt, denen die „eigenen“ Politiker eher peinlich sind:
Laura Loomer weiß schon wieder mehr und behauptet, Putin hätte Graham vergiften lassen.
Hüben wie drüben nur noch Geistesgestörte in den vorderen Reihen….
Viel Artikel, wenig „Konzentrat“ der Kernaussage: es ist ein Generationen-Wandel.
Warum ausgerechnet zur Jugend keine Zahlen?
Schon klar, dass diese Evaluierungen versuchen, den Elephant im Raum zu verstecken (siehe Urheberschaft) – Aufgabe des Autors wäre es amS gewesen, das freizulegen und den Finger in die Wunde zu legen…
Man hätte zB diese Evaluierungen auch um die Frage ergänzen können/müssen, wie viele Juxen in den USA auch das Existenzrecht Palästinas anerkennen – ebenfalls nach Generationen aufgeschlüsselt.
Fazit: die Katze ist aus dem Sack, die Opferrolle wird nicht mehr gekauft. Nur wie immer die, die sie bereits seit/vor Jahren kauf(t)en, können und wollen diese Dummheit weder bewusst noch unbewusst anerkennen und würden eine Änderung ihrer Haltung als peinliche Niederlage empfinden.
(Weil sich der Autor gerne fragt, warum die Menschen….)
Pers. Anm: für mich scheint es so, als hätten die „Schneeflocken“ von Helikopter-Eltern wenigstens den Vorteil, diese heile Welt nicht aufgeben zu wollen und somit „intuitiv“ für friedlichen Ausgleich zu stehen. Wenigstens in diesem Fall, aber auch neulich sichtbar in D mit 0,18% Bundeswehr-Willen.
„Von den rund 7,5 Millionen jüdischen Amerikanern identifizieren sich schätzungsweise 4,8 Millionen als religiös gebunden (orthodox, konservativ oder reformjüdisch), während rund 2,7 Millionen als säkular gelten („Jews of no religion“).“
Sehe nur ich den Widerspruch?
Das „Judentum“ ist die Religion, die „Juden“ ihre Mitglieder, Gläubigen, Teil des Judentums.
Säkulare Juden ist ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich, denn „säkular“ bedeutet ja gerade, daß man NICHT Teil einer Glaubensgemeinschaft wie Christen- oder Judentum ist. Niemand käme auf die Idee, von „säkularen Christen“ zu sprechen — weil Christen ohne Glaube eben keine Christen sind.
Ich stimme Ihnen zu, guter Punkt.
Ich denke aber, es ist einfach anders gemeint bzw zu verstehen. Die orthodoxen Juden waren mIn bislang vom Militärdienst ausgenommen – und dort würde ich auch die gedankliche Trennlinie ziehen, was mit „säkular“ gemeint ist. So, wie „säkulare Christen“ die sind, die halt am Sonntag ab und zu in die Kirche gehen, auf Beerdigungen usw., weil es sich halt „so gehört“ – aber der Priester es zu seinem Lebensinhalt gemacht hat. Christen sind aber amS definitiv beide. Wie „tief im Herzen“ spielt dabei amS keine Rolle.
Wenn es anders gemeint war, dann wurde es sehr wahrscheinlich falsch formuliert. „Säkular“ kommt aus dem lateinischen „saecularis“, das so viel bedeutet wie „weltlich“ oder auch „heidnisch“. Letzteres, „heidnisch“, bezeichnet einen Menschen, der nicht der christlichen, jüdischen oder muslimischen Religion angehört oder auch als jemanden, der nicht an (einen) Gott glaubt. Ein gutes Wörterbuch kann so manches Mißverständnis sogar beseitigen, noch ehe es entsteht.
Mir ist außerdem bewußt, daß es auch innerhalb der Religionen und ihren Glaubensgemeinschaften feine Abstufungen gibt. So ist aber nicht automatisch jemand ein Christ, nur weil „evangelisch“ oder „katholisch“ in seiner Steuererklärung drin steht. Und die Juden, die außerhalb Israels leben, haben sich schon mehrfach davon distanziert, daß sie mit der israelischen Politik, seinem Militär und das, was sie „Zion“ nennen, nicht einverstanden sind — ausgerechnet Menschen jüdischen Glaubens treten dafür ein, daß man NICHT die folgende Formel verwendet: Israel = Juden(tum)
Judentum ist eine Ethnie, die sich zwar lange Zeit ausschließlich religiös definiert hat, aber das ist nicht mehr der Fall. In diesem Sinn gibt es Juden – wie Deutsche oder Chinesen – religiöse oder säkulare.. Bruno Kreisky war ein Jude, der mit dem religiösen Judentum sicher nichts am Hut hatte.
Dafür gibt es in den USA ein anderes nicht zu unterschätzendes Problem:
die radikalen fundamentalistischen Evangelikalen.
Bezeichnen sich als Christen.
Haben aber eine Vorliebe für das Alte Testament und sind bedingungslose Unterstützer Israels, samt seiner Verbrechen.
Keine Ahnung, aber vielleicht sind diese im Geist genau derartige Zionisten ohne Juden zu sein.
Inzwischen gibt es tatsächlich wohl mehr Evangelikalen die sich Zionisten nennen, als Juden die sich so bezeichnen, zumindest innerhalb der USA. Und interessanterweise ist das eigentlich Antisemitismus. https://tkp.at/2026/01/21/warum-aus-antisemitismus-israelunterstuetzung-waechst/
Ja, die christlichen Zionisten werden gerne übersehen, haben wir in D auch, der bekannteste war Adenauer.
@ Jakob
Die gibt es schon sehr lange. Die Extremsten unter ihnen waren auch schon mehrfach so freundlich, das „Problem“ selbst zu „lösen“ und sich im religiösen Wahn selbst zu Gruppen-terminieren.
Andererseits haben sie es bereits lokal immer wieder geschafft, den Evolutions-Gedanken aus den Schulen zu verbannen. Sie dürften also einen gewissen Anteil an der Verdummung der USA haben – das sollte man tatsächlich nicht unterschätzen. Hat aber in Summe mehr mit Psychose zu tun, als mit Religion, eigentlich. (Wobei streng genommen jeder religiöser Glaube auch als Psychose betrachtet werden kann, aber das ist ein anderes Thema)
Der Evolutionismus ist eine erbärmlich primitive Ideologie., die weder Hand noch Fuß hat.
Bitte widerlegen.
Na, da braucht es eine große (selbstgemachte) Bedrohung, um die alle bei der Stange zu halten. Sehen wir einen neuen Herrn H., das das Unmögliche für sie ermöglicht?