Studie entlastet Testosteron-Ersatztherapie – Lebensstil bleibt entscheidende Faktor

12. Juli 2026von 4,4 Minuten Lesezeit

Die Ergebnisse einer Studie liefern endlich wieder etwas Klarheit für Männer mit nachgewiesenem Testosteronmangel: Die kardiovaskuläre Sicherheit der topischen Therapie scheint gegeben – zumindest bei sorgfältig ausgewählten Patienten.

In einem aktuellen Beitrag auf TheFocalPoints nimmt Dr. Peter A. McCullough die Lage nach der TRAVERSE-Studie unter die Lupe. Er warnt McCullough vor voreiliger Euphorie und plädiert klar für Lebensstilmaßnahmen als Basis jeder Therapie. Testosteronspiegel bei Männern sinken altersbedingt etwa um 1 Prozent pro Jahr ab den Dreißigern. Das ist kein neues Phänomen, aber die Auswirkungen werden durch die moderne Lebensweise massiv verstärkt, wie hier berichtet.

Schätzungen gehen davon aus, dass rund 20 Prozent der Männer über 45 Jahre einen relevanten Mangel aufweisen – bei den 40- bis 79-Jährigen sogar bis zu 30 Prozent, besonders bei Übergewicht, Diabetes und metabolischem Syndrom. Viele dieser Fälle sind nicht rein „altersbedingt“, sondern Folge von Adipositas, Bewegungsmangel, schlechtem Schlaf und anderen vermeidbaren Faktoren. Hier setzt die Kritik an: Statt die Wurzeln anzugehen, wird schnell zur Hormonersatztherapie gegriffen.

Vom Boom zur FDA-Warnung und zurück

In den 2000er-Jahren erlebte die Testosteron-Ersatztherapie (TRT) einen regelrechten Boom – getrieben durch aggressive Werbung. Schnell kamen Bedenken wegen möglicher kardiovaskulärer Risiken auf. 2015 verhängte die FDA Warnungen und verlangte eine große Sicherheitsstudie. Die Folge war eine restriktive Haltung, die vielen Männern mit echten Beschwerden den Zugang erschwerte.

Die TRAVERSE-Studie (2023 im New England Journal of Medicine publiziert) sollte diese Frage klären. Über 5.200 Männer im Alter von 45 bis 80 Jahren mit Symptomen eines Hypogonadismus und erhöhtem kardiovaskulären Risiko wurden randomisiert. Sie erhielten entweder topisches Testosteron-Gel (AndroGel) oder Placebo. Die durchschnittliche Beobachtungszeit betrug 33 Monate.

Die zentralen Ergebnisse der TRAVERSE-Studie

Der primäre Endpunkt war eindeutig: Kein Anstieg schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall, kardiovaskulärer Tod) unter Testosteron-Gel im Vergleich zu Placebo. Das ist eine klare Entlastung für die topische Anwendung bei sorgfältig ausgewählten Patienten.

Allerdings zeigten sich in sekundären Analysen erhöhte Raten von:

  • Vorhofflimmern
  • Lungenembolie
  • akutem Nierenversagen
  • Frakturen

Diese Signale dürfen nicht ignoriert werden. Zudem war die Studie auf topisches Gel beschränkt – Injektionen oder andere Formen wurden nicht untersucht. Männer mit hohem Prostatakrebs-Risiko waren ausgeschlossen. Die Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich 33 Monaten ist für eine Hormontherapie, die oft über Jahre oder Jahrzehnte läuft, relativ kurz.

Was die Therapie wirklich bringt – und was nicht

Die Nutzen sind bescheiden, aber real: Verbesserungen bei sexueller Lust und Aktivität, leichte bis moderate Effekte auf Stimmung und Energie, Zunahme der fettfreien Masse und Abnahme des Fettgewebes sowie teilweise günstige metabolische Effekte. Bei Vitalität, kognitiver Leistung oder sportlicher Performance sind die Effekte hingegen inkonsistent.

Entscheidend ist die korrekte Indikationsstellung: TRT darf nicht allein aufgrund von Symptomen verordnet werden. Es braucht wiederholte, bestätigte niedrige Testosteronwerte plus klinische Symptome und den Ausschluss anderer Ursachen (Übergewicht, Medikamente, Schlafapnoe etc.). Ohne diese Abklärung wird aus einer sinnvollen Therapie schnell eine unnötige Hormongabe.

Lebensstil zuerst – immer

McCullough betont klar: Vor oder begleitend zur TRT stehen nicht-pharmakologische Maßnahmen im Vordergrund. Gewichtsreduktion, regelmäßige Bewegung, optimierter Schlaf, Alkoholreduktion und die Behandlung metabolischer Störungen können den Testosteronspiegel oft schon deutlich anheben. Diese Maßnahmen sind nicht nur nebenwirkungsfrei, sondern verbessern gleichzeitig die Gesamtgesundheit.

Botanische Präparate (wie das im Artikel erwähnte Zeus) werden als mögliche Ergänzung genannt, verfügen aber nicht über die robuste Evidenz wie die TRAVERSE-Studie.

Vorgeschlagene Label-Änderungen und Ausblick

Am 10. Juli 2026 erschien ein Artikel in JAMA Medical News zur aktuellen Debatte mit dem Titel „Testosterone Therapy: Does New Evidence Warrant Broader Prescribing?“ Aktuell werden von Seiten des US-Gesundheitsministeriums Anpassungen der Zulassungsunterlagen diskutiert: Die Einschränkung auf „altersbedingten“ Hypogonadismus soll fallen, die Kontraindikation bei Prostatakrebs auf metastasierte Fälle eingegrenzt und die Warnungen zu gutartiger Prostatavergrößerung (BPH) aktualisiert werden – mit Hinweis auf minimalen Einfluss bei guter Überwachung.

Das könnte den Zugang für mehr betroffene Männer erleichtern. Gleichzeitig mahnt McCullough zur Vorsicht: Eine breitere Verordnung muss mit strenger Diagnostik und engmaschigem Monitoring (Hämatokrit, PSA, Prostata, Blutdruck etc.) einhergehen.

Fazit: Fortschritt, aber keine Freifahrkarte

Die TRAVERSE-Studie sei eine gute Nachricht für Männer mit nachgewiesenem, symptomatischem Testosteronmangel. Sie entlastet die topische Therapie hinsichtlich schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse und korrigiert damit die übertriebene Vorsicht der letzten Jahre. Dennoch bleibt TRT keine harmlose „Anti-Aging-Pille“. Die Risiken in den sekundären Endpunkten, die begrenzte Studiendauer und die Notwendigkeit einer präzisen Diagnostik dürfen nicht unterschätzt werden.

Der klügste Weg bleibt: Zuerst die Lebensweise optimieren, dann – bei weiter bestehendem, laborbestätigtem Mangel – die Therapie unter ärztlicher Aufsicht erwägen. Alles andere wäre wieder der alte Fehler: Symptome mit Hormonen übertünchen, statt die Ursachen anzugehen.

Andere Methoden

TKP hat bereits über Studien zu „Testosteron-Boostern” berichtet – Verbindungen, die vermarktet werden, um diesen Hormonrückgang zu verlangsamen oder umzukehren.

Die Studie stellte die Frage „Erhöhen „Testosteron-Booster“ wirklich den Gesamt-Testosteronspiegel im Serum?“ Es wurden insgesamt 52 Studien überprüft um funktionierende Testosteron Booster zu finden. Mehr dazu hier in diesem Bericht.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇

Image by Bruno from Pixabay

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