Ein ganz normaler Mordanschlag in Monaco

10. Juli 2026von 4 Minuten Lesezeit

Mosad und CIA sind bekannt für Mordanschläge im Ausland in einer Zahl, die in die tausende geht. Wobei nur die bekannt gewordenen berücksicht wurden. Aber es scheint fast, als ob die Ukraine auch in diesem Bereich langsam zur Konkurrenz wird. Hier was wir jetzt über einen Mordanschlag in Monaco wissen.

Am 29. Juni explodierte in einem Wohnhaus in Monaco ein Rucksack mit einer Sprengladung. Mehrere Personen wurden verletzt – nach Angaben der Berichterstattung unter anderem der ukrainischstämmige Geschäftsmann Vadym Iermolaiev, seine Partnerin und ein 13‑jähriges Kind. Die Ermittler gehen von einem gezielten Anschlag aus.

Der Anschlag und die Fahndung

Monacos Justiz gab kurz darauf bekannt, dass eine 39‑jährige Ukrainerin, Anastasiia (Anastasia) Berezovska, als Hauptverdächtige identifiziert wurde. Interpol veröffentlichte eine Red‑Notice gegen sie; danach habe sie sich offenbar zu Fuß nach Frankreich abgesetzt und sei dann mit einem Mietwagen über mehrere Länder Richtung Deutschland unterwegs gewesen. Diese Informationen wurden in internationalen Pressekonferenzen Monacos genannt. (Siehe auch Titelbild)

In der Folge wurde ein europaweiter Fahndungs‑ und Ermittlungsprozess eingeleitet. Monaco, Frankreich und mehrere weitere Staaten prüften Spuren und Bildmaterial – unter anderem Aufnahmen aus Überwachungskameras, die die Beschuldigte nach Angaben der Ermittler zeigten. Schweizer Medien haben dabei die offiziellen Angaben und Pressemitteilungen zusammengefasst.

Dann die dramatische Wende

Berichte aus Kiew meldeten wenige Tage später, die gesuchte Frau sei tot in einem flachen Grab in einem Waldgebiet nahe der ukrainischen Hauptstadt aufgefunden worden. Ukrainische Ermittler sprachen von Schussverletzungen am Kopf; zwei Männer seien festgenommen worden.

Nach Angaben der ukrainischen Justiz und lokalen Medien werden zwei Tatverdächtige im Zusammenhang mit dem Tod der Frau beschuldigt: Einer soll ein aktiver Offizier des ukrainischen Militärnachrichtendienstes (HUR) sein, der andere ein ehemaliger Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes. Vor Gericht in Kiew wurde ein erster der beiden Männer vorgeführt; es laufen Ermittlungen und weitere Anhörungen. Die Kyiv Independent berichtete über die jüngsten Haftanordnungen und den Fortgang des Prozesses.

Motivlage und Hintergrund: Als mögliches Motiv wird in mehreren Berichten ein Konflikt um Sanktionen und Geschäftsbeziehungen genannt. Der verletzte Geschäftsmann Vadym Iermolaiev steht seit Dezember 2023 auf Listen ukrainischer Sanktionen – er soll weiterhin Geschäfte in der von Russland kontrollierten Krim betrieben haben. Einige Berichte verweisen darauf, dass diese Sanktionen und politische Vorwürfe den Hintergrund für die Tat bilden könnten; andere Quellen warnen, es sei zu früh, staatliche Verantwortlichkeit anzunehmen und es könne sich auch um kriminelle Verstrickungen handeln.

Offene Fragen

Wer hat die Explosion tatsächlich befohlen oder organisiert? In welchem Verhältnis stehen die Festgenommenen zur Beschuldigten, und welche Rolle spielten etwa Zahlungen oder Kontakte, die in Medienberichten erwähnt werden? Welche Beweislage liegt vor – etwa Überwachungsmaterial, Handydaten, Finanzflüsse? Die hierzu vorhandenen Informationen stammen derzeit aus Behördenmitteilungen und investigativen Presseberichten; die Gerichtsverhandlung soll weitere Klarheit bringen. Viel zu klären … oder eben nicht.

Reaktionen

Die monégassischen Ermittlungsbehörden leiten das Verfahren in Zusammenarbeit mit europäischen Partnern; die Ukraine betont nach bisherigen offiziellen Aussagen, dass es sich um strafrechtliche Handlungen Einzelner handeln könne. Beobachter und Kommentatoren verweisen jedoch auf das Problempotenzial, sobald Angehörige staatlicher Dienste in schwere Straftaten verwickelt werden – „das kann politische Spannungen und internationale Folgen nach sich ziehen.

Rückblick und Ausblick

Seltsame Todesfälle in der und „um“ die Ukraine sind seit 2014 eher die Regel als die Ausnahme. Seit 2015 gibt es immer wieder Berichte über Anschläge und unerklärliche Todesfälle die eher seltener mit dem kriminellen Milieu zu tun hatten. Oft damit verbunden wird eine „Todesliste“ im Internet, eine Seite, die Myrotworez (auch Mirotworez, ukrainisch Миротворець, deutsch „Friedensstifter“) heißt. Die von einer gleichnamigen Nichtregierungsorganisation betriebene Website versteht sich als eine Art Forschungszentrum. Sie veröffentlicht öffentlich zugängliche Daten und personenbezogene Informationen von Personen, die von den Betreibern als „Feinde der Ukraine“ oder als Sicherheitsrisiko für das Land eingestuft werden.

Mit der Tatsache, dass nicht wenige der dort gelisteten Personen im Anschluss gewaltsam zu Tode kamen, will die Organisation nichts zu tun haben. Die Betreiber selbst die Bezeichnung „Todesliste“ zurück und geben an, die Informationen für „wissenschaftliche und journalistische Zwecke“ zu sammeln und den ukrainischen Behörden zur Verfügung zu stellen.

Die Ermittlungen und die Gerichtsverhandlung in Kiew werden fortgesetzt. Wichtige Entwicklungen, auf die zu achten ist, sind: offizielle Anklagen gegen die Festgenommenen, forensische Ergebnisse zum Todesfall der Beschuldigten, internationale Rechtshilfeersuchen von Monaco und mögliche weitere Veröffentlichungen zu finanziellen Verbindungen zwischen den beteiligten Personen.

Bild: Screenshot der Pressekonferenz mit Bekanntgabe der vermutlichen Attentäterin

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