Argentinien gegen Ägypten erregt die Fußballwelt. Während die ägyptische Nationalmannschaft bei der WM 2026 wieder mit frommen muslimischen Spielern antritt, die nach Toren in Sujud gehen, fehlt eine ganze Bevölkerungsgruppe fast vollständig: die Kopten.
Nach dem knappen Ausscheiden und einer bemerkenswerten Leistung (allerdings nur bis zur 80. Spielminute) von Ägypten gegen den amitierenden Weltmeister Argentinien, sprechen die Verlierer von „Manipulation“ und „Betrug“. Empörung über Schiedsrichterleistungen gehört zum Fußball offenbar weiter dazu, egal wie sehr man den Schiedsrichter an Daten und Videoüberwachung auslagert (irgendwann übernimmt den Job dann ohnehin die KI):
Doch der Artikel soll nicht die Kontroverse um Schiedsrichter behandeln, das findet man ohnehin in jedem Sportressort und Sozialen Medium. Interessant ist ein Blick auf die ägyptische Nationalmannschaft, denn als koptischer Christ in Ägypten hat man quasi keine Chance auf eine professionelle Fußballkarriere. Obwohl koptische Christen 10–15 Prozent der ägyptischen Bevölkerung stellen, gibt es in der ersten ägyptischen Liga aktuell nur sehr wenige koptische Profis. Die Nationalmannschaft besteht seit Jahrzehnten praktisch ausschließlich aus Muslimen.
Die Diskriminierung beginnt früh und ist gut dokumentiert. Viele junge Kopten berichten, dass ihre Karriere bereits bei den Auswahlspielen großer Clubs wie Al-Ahly endet. Sobald ein koptischer Name (Mena, Tony, Abanoub, Mina) fällt oder ein Kreuz-Tattoo am Handgelenk sichtbar wird, heißt es oft: „Wir rufen dich zurück.“ Der Anruf bleibt aus.
Bekannte Fälle sind gut dokumentiert. 2016 wurde der 13-jährige Mena Essam nach guten Leistungen bei Al-Ahly abgelehnt, als sein Name bekannt wurde. Ein ähnliches Schicksal erlitt Tony Atef, dessen Kreuz-Tattoo dem Trainer auffiel. Einige Talente berichten sogar von direkten Aufforderungen, den Namen zu ändern – „Spiel einfach als Mustafa Ibrahim.“
Die Benachteiligung im Fußball ist nur ein sichtbarer Ausschnitt eines breiteren Problems. Kopten gelten in vielen Bereichen als Bürger zweiter Klasse. Im öffentlichen Dienst, besonders in Sicherheitsbehörden, Justiz, Militär und höheren Verwaltungspositionen, sind sie stark unterrepräsentiert. Der Aufstieg in Führungspositionen bleibt oft versperrt.
Im Bildungswesen berichten Schüler von Diskriminierung durch Lehrer oder Mitschüler. Christliche Schüler müssen teilweise Koran-Verse auswendig lernen, während islamische Inhalte den Unterricht dominieren. Konversionen vom Islam zum Christentum sind faktisch unmöglich und werden gesellschaftlich wie rechtlich sanktioniert.
Vorwürfe der „Apartheid“ sind Ägypten deshalb nicht ausgesetzt – es gilt global als akzeptiert, dass der Islam die Gesellschaft bestimmt und dominiert. . Dennoch ist die Diskriminierung der Christen bestens dokumentiert. . FIFA-Beschwerden von Coptic Solidarity blieben bisher folgenlos.
Interessant ist der Vergleich mit dem Nachbarland und der weit weniger erfolgreichen israelischen Fußballnationalmannschaft. Diese wirkt im Vergleich zu Ägypten deutlich diverser – trotz der weltweiten Apartheids-Vorwürfe gegen Israel. Israels Team ist traditionell multi-religiös und hat auch aktuell mehrere muslimisch-arabische Spieler im Kader. Muslimische Profis sind in der israelischen Liga die Regel, nicht die Ausnahme. Teilweise ist jeder vierte Spieler muslimisch oder zumindest nicht jüdisch – was in etwa dem Anteil der arabischen Minderheit (21 %) in Israel entspricht. In einigen Mannschaften sind sie sogar Leistungsträger und Stammspieler.
Eine Ausnahme bildet der Club Beitar Jerusalem, der für seine nationalistische Ultra-Fanszene bekannt ist und noch nie einen arabisch-muslimischen Spieler verpflichtet hat – in Ägypten sind solche Clubs allerdings die Regel.
Bild „Egypt beats Italy, the world champions“ by Muhammad غفّاري is licensed under CC BY 2.0.
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13 Kommentare
Apropos Fußball und Muslime – nachdem randallierende Fußballfans seit Jahrzehnten etliche Orte in Europa unsicher machen, nicht zuletzt buntschländische Regionalzüge, hat „Zionistischer Einblick“ heute plötzlich das Thema entdeckt – da in Dortmund möglicherweise ein paar marokkanische Fans beteiligt waren. Gleich wird so getan, als ob es einzig am Islam liegen könnte.
Erschreckend, wie tendenziös manchmal diese Hasbara-Postille ist – in solchen Momenten noch tiefer als ÖRR gefallen.
@Varus
8. Juli 2026 um 20:01 Uhr
„… Fußball und Muslime … randallierende Fußballfans … hat „Zionistischer Einblick“ heute plötzlich als Thema entdeckt …“
Vielleicht sollten sich die Damen und Herrn dort noch einmal das Verhalten der Maccabi Tel Aviv – Anhänger/Hooligans am Vorabend des Fußballspiels der UEFA Europa League 2024/25 des israelischen Vereins Maccabi Tel Aviv gegen Ajax Amsterdam am 7. November 2024 in Amsterdam vergegenwärtigen, unter ihnen fanatische IDF-Angehörige, die sich zuvor im Gazastreifen austobten …
So etwas wird dort natürlich nie berichtet. Dafür gab es im Hasbara-Blog gleich mehrere Artikel über einen Vorfall in Spanien, als eine Isr-Reisegruppe das Flugzeug mit lautem Singen „beglückte“ und trotz Ansagen nicht aufhören konnte – bis der Reiseleiter verhaftet wurde. Angeblich ein Beleg für „Antisemitismus“. Wie stellt man es sich im Hasbara-Blog vor – sollte beim Start was schief gehen und schnelle Evakuierung nötig sein, wie sollte jemand das beim lauten Rumsingen hören?
Google findet zum Beispiel „Weil sie nicht aufhörte zu singen: Eine für den Grammy nominierte Sängerin wäre fast von Bord eines Flugzeugs verwiesen worden“ – darauf gab es schlechte Presse und Internet-Kommentare für die Frau. Viele Passagiere wünschen derartige Störungen im Flug nicht. Wieso sollten gerade welche aus Isr Sonderrechte haben?
Ich könnte wetten – würde man randallierende Fans von Maccabi Tel Aviv aus einem Flugzeug oder Zug werfen, bringt Hasbara-Blog gleich Dutzende Artikel ob des vermeintlichen „Antisemitismus“.
Ich sollte wohl froh sein, dass Hertzl sich nicht für Argentinien statt Palästina entschieden hat – dann würde Hasbara heute nicht gegen Muslime, sondern gegen Katholiken hetzen.
randale nach spielen mit hohem anteil an afrikanischen/arabischen „fans“ ist die regel, nicht die ausnahme.
bin gespannt wie lange frankreich nach dem spiel gegen marokko brennen wird.
„Vorwürfe der „Apartheid“ sind Ägypten deshalb nicht ausgesetzt – es gilt global als akzeptiert, dass der Islam die Gesellschaft bestimmt und dominiert“
„Global“ – außer von den westlichen Staaten – wird vor allem akzeptiert, sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen, schon gar nicht mit Waffen und Infiltration. Das verbessert auch nicht die Lage diskriminierter Minderheiten (die manchmal von außen für eigene Zwecke mißbraucht werden) und widerspricht dem Völkerrecht.
Die koptischen Christen werden nicht wie das palästinensische Volk von ihrem Land vertrieben, zu Zehntausenden massakriert und in Flüchtlings-(Konzentration-)Lagern unter unmenschlichen Bedingungen zusammengepfercht. Insofern kommt der Wunsch Israels, sich durch Zeigen auf Andere zu rechtfertigen, „global“ nicht gut an. Dass manche auch bei uns dieses Schwarze-Peter-Spiel spielen möchten, läßt auf ihre Zurechnungsfähigkeit schließen.
Wie es der Zufall will, ist der ägyptische Rekordinternationale Hany Ramzy ein Kopte. Er spielte als erster Ägypter in der deutschen Bundesliga, zusammen mit unserem Rekordinternationalen Andreas Herzog bei Werder Bremen. Beide trugen wesentlich dazu bei, dass ihre Mannschaft deutscher Vizemeister wurde …
„Wie es der Zufall will, ist der ägyptische Rekordinternationale Hany Ramzy ein Kopte.“
Vielleicht hat Herr Oysmüller deshalb geschrieben: Die Nationalmannschaft besteht seit Jahrzehnten PRAKTISCH ausschließlich aus Muslimen.
Ich habe den Eindruck, dass Herr Oysmüller manchmal keine glückliches Händchen hat für seine Artikel.
Aha. Irgendwie hindert es IDF nicht, ständig Muslime und Christen zu meucheln. Gerade plant man, in Gaza abgeschlossene K@nzentrati@nslager für Araber zu bauen.
„Gerade plant man, in Gaza abgeschlossene K@nzentrati@nslager für Araber zu bauen.“
Was wohl Joschka Fischer dazu sagt? Im völkerrechtswidrigen Kosovokrieg glänzte er mit der Aussage: Ich habe gelernt. Nie wieder Krieg, ich habe aber auch gelernt: Nie wieder Auschwitz
Obwohl es diese Konzentrationslager nie gab. Eine Kriegslüge, die Fischer als Außenminister und Vizekanzler hätte als solche erkennen müssen.
Ungeschnittene am 03.07.2026: „Palästinenser sollen in „humanitäre Schutzzonen“ im Gazastreifen gebracht werden! „Sie bauen Konzentrationslager““
„Muslimische Profis sind in der israelischen Liga die Regel, nicht die Ausnahme.“
Die USaner haben ihre Dunkelhäutigen, ihre Latinos, ihre Indigenen auch stolz herumgereicht, wenn diese sportliche, künstlerische oder intellektuelle Erfolge für „ihre“ Nation erringen konnten.
Anerkannt und völlig gleichberechtigt und gleichbehandelt waren sie deshalb noch lange nicht. — gelebte verfeinerte Doppelmoral!
Deshalb Cassius Clay/Muhammad Ali: „Kein Vietcong nannte mich jemals Nigger“
sie hätten ihn wahrscheinlich weit schlimmeres genannt.
@Toilettentieftaucher
9. Juli 2026 um 2:48 Uhr
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