Ägyptens Nationalelf: muslimisch und sonst nichts

8. Juli 2026von 3 Minuten Lesezeit

Argentinien gegen Ägypten erregt die Fußballwelt. Während die ägyptische Nationalmannschaft bei der WM 2026 wieder mit frommen muslimischen Spielern antritt, die nach Toren in Sujud gehen, fehlt eine ganze Bevölkerungsgruppe fast vollständig: die Kopten.

Nach dem knappen Ausscheiden und einer bemerkenswerten Leistung (allerdings nur bis zur 80. Spielminute) von Ägypten gegen den amitierenden Weltmeister Argentinien, sprechen die Verlierer von „Manipulation“ und „Betrug“. Empörung über Schiedsrichterleistungen gehört zum Fußball offenbar weiter dazu, egal wie sehr man den Schiedsrichter an Daten und Videoüberwachung auslagert (irgendwann übernimmt den Job dann ohnehin die KI):

Doch der Artikel soll nicht die Kontroverse um Schiedsrichter behandeln, das findet man ohnehin in jedem Sportressort und Sozialen Medium. Interessant ist ein Blick auf die ägyptische Nationalmannschaft, denn als koptischer Christ in Ägypten hat man quasi keine Chance auf eine professionelle Fußballkarriere. Obwohl koptische Christen 10–15 Prozent der ägyptischen Bevölkerung stellen, gibt es in der ersten ägyptischen Liga aktuell nur sehr wenige koptische Profis. Die Nationalmannschaft besteht seit Jahrzehnten praktisch ausschließlich aus Muslimen.

Die Diskriminierung beginnt früh und ist gut dokumentiert. Viele junge Kopten berichten, dass ihre Karriere bereits bei den Auswahlspielen großer Clubs wie Al-Ahly endet. Sobald ein koptischer Name (Mena, Tony, Abanoub, Mina) fällt oder ein Kreuz-Tattoo am Handgelenk sichtbar wird, heißt es oft: „Wir rufen dich zurück.“ Der Anruf bleibt aus.

Bekannte Fälle sind gut dokumentiert. 2016 wurde der 13-jährige Mena Essam nach guten Leistungen bei Al-Ahly abgelehnt, als sein Name bekannt wurde. Ein ähnliches Schicksal erlitt Tony Atef, dessen Kreuz-Tattoo dem Trainer auffiel. Einige Talente berichten sogar von direkten Aufforderungen, den Namen zu ändern – „Spiel einfach als Mustafa Ibrahim.“

Die Benachteiligung im Fußball ist nur ein sichtbarer Ausschnitt eines breiteren Problems. Kopten gelten in vielen Bereichen als Bürger zweiter Klasse. Im öffentlichen Dienst, besonders in Sicherheitsbehörden, Justiz, Militär und höheren Verwaltungspositionen, sind sie stark unterrepräsentiert. Der Aufstieg in Führungspositionen bleibt oft versperrt.

Im Bildungswesen berichten Schüler von Diskriminierung durch Lehrer oder Mitschüler. Christliche Schüler müssen teilweise Koran-Verse auswendig lernen, während islamische Inhalte den Unterricht dominieren. Konversionen vom Islam zum Christentum sind faktisch unmöglich und werden gesellschaftlich wie rechtlich sanktioniert.

Vorwürfe der „Apartheid“ sind Ägypten deshalb nicht ausgesetzt – es gilt global als akzeptiert, dass der Islam die Gesellschaft bestimmt und dominiert. . Dennoch ist die Diskriminierung der Christen bestens dokumentiert. . FIFA-Beschwerden von Coptic Solidarity blieben bisher folgenlos.

Interessant ist der Vergleich mit dem Nachbarland und der weit weniger erfolgreichen israelischen Fußballnationalmannschaft. Diese wirkt im Vergleich zu Ägypten deutlich diverser – trotz der weltweiten Apartheids-Vorwürfe gegen Israel. Israels Team ist traditionell multi-religiös und hat auch aktuell mehrere muslimisch-arabische Spieler im Kader. Muslimische Profis sind in der israelischen Liga die Regel, nicht die Ausnahme. Teilweise ist jeder vierte Spieler muslimisch oder zumindest nicht jüdisch – was in etwa dem Anteil der arabischen Minderheit (21 %) in Israel entspricht. In einigen Mannschaften sind sie sogar Leistungsträger und Stammspieler.

Eine Ausnahme bildet der Club Beitar Jerusalem, der für seine nationalistische Ultra-Fanszene bekannt ist und noch nie einen arabisch-muslimischen Spieler verpflichtet hat – in Ägypten sind solche Clubs allerdings die Regel.

Bild „Egypt beats Italy, the world champions“ by Muhammad غفّاري is licensed under CC BY 2.0.

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Ein Kommentar

  1. Jakob 8. Juli 2026 um 14:46 Uhr - Antworten

    „Muslimische Profis sind in der israelischen Liga die Regel, nicht die Ausnahme.“

    Die USaner haben ihre Dunkelhäutigen, ihre Latinos, ihre Indigenen auch stolz herumgereicht, wenn diese sportliche, künstlerische oder intellektuelle Erfolge für „ihre“ Nation erringen konnten.
    Anerkannt und völlig gleichberechtigt und gleichbehandelt waren sie deshalb noch lange nicht. — gelebte verfeinerte Doppelmoral!

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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