Börsenspekulation – Ein lukratives Geschäft, aber für wen

7. Juli 2026von 7,6 Minuten Lesezeit

Wie korrupt sind westliche „Demokratien“? Fragen Internetnutzer. Einige Monate nachdem das Justizministerium eine Untersuchung gegen Wall-Street-Leerverkäufer eingeleitet hatte, ging die größte Dokumentenlagerstätte, das Dokumentenlager von Access (Access Records Management Services) im Brewster Creek Business Park in Bartlett, Illinois, in Flammen auf. Das bringt uns zum Zusammenspiel von Börsen und Politik zurück.

Im Dokumentenlager in Bartlett brach „durch einen unglücklichen Unfall bei Handwerkerarbeiten“ das Feuer aus.. Die Sprinkler-Anlage war eine neuere Einrichtung, ausgestattet mit modernster Technologie zur Brandsicherung. 60 Hedgefonds, andere berichten von ca. 30 Beschuldigten, sollten wegen manipulierender Leerverkäufe untersucht werden. Hedgefonds stehen unter starker Beobachtung von Klein-Anlegern. Insbesondere von der AMC- und GME-Community nach dem „Meme-Stock“-Wahnsinn Anfang letzten Jahres, 2021 Hedgefonds haben den Kurs beider Aktien durch räuberische Leerverkaufsstrategien unterdrücken können, sagen Kritiker. Was sich weder durch offizielle Regulierungsberichte noch durch „unabhängige“ Marktanalysen „vollumfänglich(!) bestätigen“ lässt. Behörden finden kein „Fehlverhalten„. 

In einem Bloomberg-Exklusivbericht erklärt Gary Gensler, dass 90–95 % der Handelsgeschäfte des Privatanleger-Markts nicht über die offene Börse laufen, sondern über Dark Pools bzw. Großhändler. Das geschah am 4. Februar 2022. Genau wie bei allem, was mit unserer Regierung zu tun hat, ist aus der Untersuchung absolut NICHTS herausgekommen. Außer „Reformvorschläge“ die nun ausgesessen werden. Keine Anklagen. Kein Stopp für das schamlose, täglich stattfindende Leer-Verkaufen, das Klein-Anleger ausraubt. Der Hauptverantwortliche für Blank-Verkäufe ist natürlich Citadel, im Besitz von Ken Griffin. Griffin ist der Megaspender von Ron DeSantis und WEF-Mitglied. Alles natürlich nur Zufall.

Das bringt uns zurück zu einem viralen Text

Ein viraler Text über eine „KI, die den größten Insiderhandel-Skandal Amerikas aufgedeckt hat“, kursiert seit Wochen in sozialen Netzwerken. Die zugrunde liegende Plattform existiert tatsächlich, und ein Teil der Zahlen ist belastbar. Ein anderer Teil stammt jedoch ausschließlich aus einem nicht offengelegten, kommerziellen Modell – und wird im viralen Text als gesicherte Tatsache verkauft. Eine Einordnung, samt der Frage, ob ein solches System auch in Deutschland funktionieren würde.

Die Plattform GovGreed existiert tatsächlich. TKP hatte in Verbindung mit dem Irankrieg bereits berichtet. Sie wertet Aktiengeschäfte von 540 Mitgliedern des US-Kongresses mithilfe eines siebenschichtigen Modells aus – mit Komponenten wie Politiker-Profiling, Erkennung von Herdenverhalten, Abgleich von Gesetzentwürfen mit Trades sowie einem Tracker für Verstöße gegen den STOCK Act, das Offenlegungsgesetz von 2012. Diesen technischen Teil gibt der virale Text korrekt wieder.

Was der Text verschweigt: GovGreed ist ein kommerzielles Datenprodukt. Die Plattform bietet unter anderem eine kostenpflichtige API für Trading-Bots an, mit der Kunden „14 Jahre Insider-Signale des Kongresses“ direkt in den eigenen Algorithmus einspeisen können. Ein Anbieter, der mit der Dramatik seiner eigenen Kennzahlen wirbt, während er dieselben Kennzahlen gleichzeitig verkauft, ist keine neutrale Aufsichtsbehörde. Das macht die Analyse nicht per se falsch –aber es verschiebt den Fokus auf den Versuch Geld zu verdienen implizit durch Nachahmen von Politikerentscheidungen.

Die großen Zahlen: teils bestätigt, teils unüberprüfbar

Die Kernzahl – 56 Prozent bzw. 6.170 von 11.016 Käufen mit Bezug zu Gesetzentwürfen, über die der jeweilige Käufer später abstimmte – taucht mittlerweile auch außerhalb von GovGreed selbst auf, etwa in einem Bericht von 24/7 Wall St. Dort wird aber ausdrücklich klargestellt: Es handelt sich um Behauptungen aus Podcasts und von der Tracking-Plattform selbst, nicht um von einem Gericht festgestellt. Die Zahl von 343 aktiv handelnden Abgeordneten (63,8 Prozent) sowie die 752 aktuellen „Triple Signals“ stammen ausschließlich aus dem GovGreed-eigenen Modell und wurden von keiner unabhängigen Stelle nachgerechnet. Eigentlich verständlich, denn eine solche „Nachrechnung“ würde bedeuten, dass sich die Politiker und Beamten ja selbst kontrollieren würden. Gleiches gilt für die Behauptung, mit allen drei Signalen markierte Gesetzentwürfe würden 5,4-mal häufiger verabschiedet – eine Korrelation, die, wie Verteidiger der US-Politiker einwenden, auch schlicht daher rühren kann, dass Abgeordnete mit Rüstungs- oder Tech-Spenden ohnehin überproportional in genau diesen Branchen investieren.

Die Einzelfälle im Check

Nancy Pelosi: Der genannte Portfoliowert von 194 Millionen Dollar liegt im Bereich konkurrierender Schätzungen – InsiderFinance beziffert ihr Vermögen mit rund 638 Millionen Dollar, Quiver Quantitative mit etwa 261 Millionen. Der im Text zitierte „Gier-Score“ von 98,1 ist eine proprietäre GovGreed-Kennzahl ohne „unabhängige Validierung„, wie westliche Medien so schön sagen. Entscheidend, so die Behauptung, fehle in den viralen Textenh fast immer ein Kontext: Die Trades werden nicht von Nancy Pelosi selbst, sondern von ihrem Ehemann Paul Pelosi getätigt – die STOCK-Act-Offenlegungspflicht erfasst Ehepartner ausdrücklich mit. Dabei weiß doch jeder, dass Ehepartner nicht über Politik sprechen, könnte man ironisch bestätigen.

Ro Khanna: 13.231 Trades liegen im plausiblen Bereich – Amsflow zählt 12.460, Capitol Trades rund 13.461. Bemerkenswert, und im viralen Text unerwähnt: Khanna gehört selbst zu den prominentesten Befürwortern eines Handelsverbots für Abgeordnete – handelt aber währenddessen weiter aktiv. Dabei sollte man doch eigentlich erkennen, dass wenn ein Insider es anprangert, etwas dran sein muss.

Michael McCaul und Thomas Suozzi: Die genannten Zahlen (32.302 bzw. 6.670 verspätete Meldungen bei McCaul; 86,4 Prozent verspätete Meldungen mit durchschnittlich 396 Tagen Verzug bei Suozzi) ließen sich „in unabhängigen Quellen nicht bestätigen oder widerlegen„, sagen Mainstreammedien. Sie stammen, soweit nachvollziehbar, ausschließlich aus dem GovGreed-Datensatz. Ein Versuch, den Datensatz zu widerlegen, gibt es jedoch nicht.

Lisa McClain: Hier ist der Kern tatsächlich belegt. Ihr Ehemann kaufte im Dezember 2025 xAI-Anteile im Wert von 100.000 bis 250.000 Dollar. Im Februar 2026 fusionierte xAI mit SpaceX zu einer gemeinsamen Bewertung von 1,25 Billionen Dollar, und Mitte Juni 2026 ging SpaceX mit einer Marktkapitalisierung von über zwei Billionen Dollar an die Nasdaq. Was der virale Text als offensichtlichen Insiderhandel darstellt, „bleibe jedoch unbelegt„: McClain sitze in keinem Ausschuss mit Zuständigkeit für Verteidigung oder Technologie, und es gebe keinen „öffentlichen Beleg“ dafür, dass sie vorab von relevanten Regierungsplänen wusste. Und ganz sicher hatte sie keine Ahnung, was da ablief, könnte man hinzufügen.

Straflosigkeit: der stichhaltigste Teil der Geschichte

Zwei Kernbehauptungen des viralen Textes sind unstrittig zutreffend: Die Strafe für eine verspätete STOCK-Act-Meldung beträgt tatsächlich pauschal 200 Dollar, und seit Inkrafttreten des Gesetzes 2012 wurde deswegen kein einziges Kongressmitglied strafrechtlich verfolgt. Ebenso real ist der überparteiliche „Restore Trust in Congress Act“, den die Senatorinnen Ashley Moody (R) und Kirsten Gillibrand (D) am 15. Januar 2026 einbrachten und der Abgeordneten sowie ihren Familien den Handel mit Einzelaktien komplett verbieten würde. Laut einer in diesem Zusammenhang zitierten Umfrage befürworten 86 Prozent der Amerikaner ein solches Verbot – der virale Text spricht von „über 80 Prozent“, was sogar eher konservativ formuliert ist. Der Gesetzentwurf liegt trotzdem seit einem halben Jahr auf Eis.

Ließe sich so ein System auch in Deutschland bauen?

Technisch: ja. Rechtlich und praktisch: kaum, weil die Rohdaten fehlen, auf denen ein GovGreed-Modell überhaupt aufsetzen könnte. In den USA müssen Abgeordnete jede private Transaktion über 1.000 Dollar innerhalb von 45 Tagen einzeln offenlegen – genau diese granularen Daten füttern das Modell. In Deutschland gilt nichts Vergleichbares. Bundestagsabgeordnete müssen Unternehmensbeteiligungen erst ab einer Schwelle von fünf Prozent der Stimmrechte oder des Kapitals offenlegen, eine Grenze, die bei Streubesitz an DAX-Werten praktisch nie erreicht wird.

Für Bundeskanzler und Bundesminister existiert keinerlei Offenlegungspflicht für privates Vermögen, auch nicht bei erheblichen Beteiligungen.

Der Europarat (GRECO) forderte bereits 2020 substanziell mehr Transparenz in Deutschland, bislang ohne durchgreifende Wirkung; auch Lobbycontrol und Transparency International Deutschland kritisieren die Lücke seit Jahren erfolglos.

In der Schweiz sieht es ähnlich aus: Parlamentarier müssen keine Aktientransaktionen offenlegen, sondern nur berufliche Tätigkeiten und Mandate. Bundesräte könnten während ihrer Amtszeit theoretisch unbemerkt handeln – die NZZ verwies dazu jüngst auf die Beratungen des Bundesrats zu Beginn der Covid-Pandemie. In Österreich erfasst das Unvereinbarkeits- und Transparenz-Gesetz nur leitende Positionen und dauerhafte Vermögensvorteile, nicht aber einzelne Aktientransaktionen.

Das paradoxe Ergebnis: Das US-System, das der virale Text als Skandal präsentiert, ist im internationalen Vergleich das transparenteste der vier Länder – weil es überhaupt Daten erzeugt, an denen sich ein Missstand öffentlich nachweisen lässt. Ein GovGreed für Deutschland, Österreich oder die Schweiz würde heute mangels Datengrundlage weitgehend im Leeren laufen.

Der eigentliche erste Schritt wäre nicht die KI, sondern eine Offenlegungspflicht nach US-Vorbild.

Was man fragen sollte

Warum ein Verbot mit 86 Prozent Zustimmung und bipartisaner Unterstützung seit einem halben Jahr nicht zur Abstimmung kommt; warum die Strafe für Gesetzesverstöße seit 2012 unverändert bei 200 Dollar liegt; und warum Deutschland, Österreich und die Schweiz nicht einmal die Datengrundlage schaffen, um dieselbe Frage für die eigenen Abgeordneten überhaupt stellen zu können.

Der blinde Fleck

Die Debatte, ob DACH-Länder ein GovGreed brauchen, verdeckt die eigentliche Leerstelle: Man kann dort noch nicht einmal die Datenbasis nachweisen, weil es sie schlicht nicht gibt. Intransparenz ist kein Naturzustand, sondern eine politische Entscheidung – getroffen von denselben Personen, die von ihr profitieren würden.

Bild: Screenshot der Homepage von GovGreed

Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge uns auf Telegram und GETTR



Gibt es massive Insideraktivitäten im politischen System?

Insider Robert Barnes: So ticken Trump und seine Regierung wirklich

Milliarden-Trades vor Trumps Iran-Ankündigung

Korruption in der Politik?

Dr. Wodarg’s „Paketchen“

Soros größter Investor in US-Politik

Ein Kommentar

  1. VerarmterAdel 7. Juli 2026 um 15:03 Uhr - Antworten

    YT-Video: „How Polymarket Whales Rigged $400 Million in Bets and Got Away With It“

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Aktuelle Beiträge