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Politik

Elon Musk und der Traum ohne Geld

6 Kommentare 26. Juli 2026 7 Minuten Lesezeit von Jochen Mitschka

Der reichste Mann der Welt verbreitet das Märchen, Roboter wären so billig, sie würden bald die menschliche Arbeitskraft ersetzen und niemand müsste sich mehr um Geld Sorgen machen. Da ich nicht glaube, dass er dumm ist, muss etwas Anderes hinter diesem Quatsch stecken.

Elon Musk sagte, dass das Sparen für den Ruhestand in 10 bis 20 Jahren sinnlos sein wird. Keine Spekulation. Mathematik. Musk: „Macht euch in etwa 10 oder 20 Jahren keine Sorgen um das Sparen von Geld für den Ruhestand. Es wird keine Rolle spielen.“ „Wir haben den Ereignishorizont überschritten. Die Altersvorsorge geht davon aus, dass der Mangel anhält. Das wird er nicht. KI und Robotik senken die Arbeitskosten auf null. Die Lebenshaltungskosten folgen. Man spart nicht für Sicherheit. Man spart für eine Welt, die aufhört zu existieren.“ Musk: „Falls irgendetwas von dem, was wir gesagt haben, wahr ist, wird das Sparen für den Ruhestand irrelevant sein.“ (Quelle)

Roboter teurer als die meisten ahnen

Die wohl präziseste und am häufigsten zitierte Antwort liefert eine Untersuchung des Massachusetts Institute of Technology (MIT) aus dem Jahr 2024 (unter der Leitung von Daron Acemoglu und Matt Beane), ergänzt durch Daten der International Federation of Robotics (IFR) sowie aktuelle Wirtschaftsberechnungen aus dem Jahr 2026. Die Kernbotschaft der Forschung lautet: Menschliche Arbeit ist in überraschend vielen Bereichen nach wie vor deutlich billiger als Maschinen, weil die „wahren Gesamtkosten“ (Total Cost of Ownership) von Robotern oft unterschätzt werden.

Hier sind die konkreten wissenschaftlichen Zahlen und Grenzwerte, ab wann menschliche Arbeit mit Robotern konkurrieren kann.

  1. Die MIT-Studie: Die 23-Prozent-Grenze

Die Forscher des MIT untersuchten am Beispiel von computergestützten Sehaufgaben (Computer Vision) in Unternehmen, wie viele Arbeitsplätze rein wirtschaftlich sofort durch Automatisierung ersetzt werden könnten.

  • Das Ergebnis: Nur bei 23 % der menschlichen Arbeitskräfte wäre es für die Unternehmen finanziell profitabel, sie durch KI oder Roboter zu ersetzen.
  • Der Grund: Bei den restlichen 77 % der Jobs sind die menschlichen Löhne schlicht zu niedrig, als dass sich die enormen Installations-, Wartungs- und Betriebskosten einer Maschine amortisieren würden.
  1. Die konkrete Kostenrechnung: Roboter vs. Mensch

Um zu verstehen, wie billig ein Mensch sein muss, um zu konkurrieren, betrachten Ökonomen die Kosten pro Betriebsstunde. Aktuelle Analysen aus der Logistik- und Automobilbranche (z. B. bei BMW oder in US-Warenhäusern) zeigen folgende Struktur:

Wann muss der Mensch billiger sein?

Ein hochentwickelter Roboter (wie ein humanoider Lagerhelfer) operiert bei optimaler Auslastung rechnerisch zu einem umgelegten „Stundenlohn“ von etwa 10 bis 14 Euro.

Die 10 bis 14 Euro pro Stunde sind die sogenannten TCO-Kosten (Total Cost of Ownership). Das bedeutet, in dieser Kalkulation sind Wartung, Updates und Energie bereits anteilig enthalten – es sind nicht nur die reinen Anschaffungskosten.

Allerdings gibt es bei dieser rein mathematischen Schönrechnung einen gewaltigen Haken, den wissenschaftliche und praxisnahe Studien (wie vom MIT oder Fraunhofer-Instituten) immer wieder betonen.

Hier ist die genaue Aufschlüsselung, wie sich diese 10 bis 14 Euro zusammensetzen und was oft vergessen wird:

  1. Was in den 10 bis 14 Euro enthalten ist

Diese Zahl entsteht durch eine klassische Amortisations-Rechnung über die Lebensdauer des Roboters (meist kalkuliert auf 5 bis 7 Jahre bei einem Drei-Schicht-Betrieb, also ca. 4.000 bis 5.000 Betriebsstunden pro Jahr):

  • Anschaffung (Hardware): Ein humanoider Roboter (wie Digit von Agility Robotics oder Apollo von Apptronik) wird aktuell mit ca. 50.000 bis 80.000 € kalkuliert. Auf die Laufzeit umgelegt macht das ca. 3 bis 4 € pro Stunde.
  • Wartung & Ersatzteile: Mechanische Abnutzung, Gelenktausch, Akku-Wechsel nach ein paar tausend Ladezyklen. Das schlägt mit etwa 2 bis 3 € pro Stunde zu Buche.
  • Software & Lizenzen: Viele Hersteller gehen auf das RaaS-Modell (Robotics-as-a-Service) über. Die KI-Steuerung und regelmäßige Cloud-Updates kosten monatliche Gebühren, umgelegt ca. 3 bis 4 € pro Stunde.
  • Strom/Energie: Erstaunlicherweise der kleinste Posten. Ein humanoider Roboter verbraucht im Betrieb oft nicht mehr Strom als ein starker Gaming-PC oder ein Mikrowellenherd. Das kostet ca. 0,50 € bis 1 € pro Stunde.
  1. Was in den 10 bis 14 Euro NICHT enthalten ist (Die versteckten Kosten)

Die theoretischen 12 Euro pro Stunde funktionieren nur unter Laborbedingungen bei 100 % Auslastung ohne Stillstand. In der realen Wirtschaft kommen erhebliche Kosten hinzu, die den effektiven Stundenlohn des Roboters massiv in die Höhe treiben:

  • Die menschliche Aufsicht (Supervisor): Ein humanoider Roboter arbeitet (noch) nicht völlig autark. Bleibt er stecken, verliert er die Orientierung oder stürzt er, muss ein Mensch eingreifen. Teilt sich eine Fachkraft (Stundenlohn ca. 40 € inkl. Nebenkosten) die Aufsicht über vier Roboter, wandern automatisch 10 € pro Stunde auf das Cent-Konto jedes einzelnen Roboters.
  • Die Integrationskosten (Der größte Brocken): Den Roboter aus der Kiste zu holen reicht nicht. Die Fabrikhalle muss angepasst werden (Sicherheitszonen, Ladestationen, WLAN-Abdeckung). Die Software muss mit dem bestehenden Lagerverwaltungssystem (z. B. SAP) verknüpft werden. Diese Einmalkosten verdoppeln oft den reinen Anschaffungspreis der Hardware.
  • Ausfallzeiten (Downtime): Wenn ein menschlicher Mitarbeiter krank wird, besetzt man die Position um oder arbeitet langsamer. Wenn ein Software-Bug oder ein Serverausfall eine Roboter-Flotte lahmlegt, steht das gesamte Werk still. Die Kosten für diesen Produktionsausfall müssen betriebswirtschaftlich auf die Betriebsstunden des Roboters draufgerechnet werden.

Daraus ergibt sich eine Wettbewerbsfähigkeit der menschlichen Arbeit wie folgt:

  • Die Schwelle: Damit menschliche Arbeitskraft in standardisierten, repetitiven Aufgaben (wie Kisten stapeln) rein wirtschaftlich konkurrenzfähig bleibt, müsste der reale Bruttostundenlohn (inklusive aller Arbeitgeber-Nebenkosten) unter ca. 12 bis 15 Euro fallen.
  • Da dies in westlichen Ländern aufgrund von Mindestlöhnen rechtlich unmöglich ist, lohnt sich die Automatisierung hier zuerst. In Schwellenländern mit extrem niedrigen Löhnen hingegen bleibt der Mensch auf absehbare Zeit die „günstigere“ Option.
  1. Der „Hidden Cost„-Faktor der Wissenschaft

Wissenschaftliche Arbeiten von Ökonomen wie Daron Acemoglu („Robots and Jobs“) betonen, dass Unternehmen oft den Fehler machen, nur den Anschaffungspreis eines Roboters mit dem Jahresgehalt eines Angestellten zu vergleichen. Die Forschung zeigt, dass Roboter versteckte Kosten verursachen, die die menschliche Arbeitskraft schützen:

  1. Flexibilitäts-Prämie: Ein Mensch kann heute im Lager helfen, morgen den LKW entladen und übermorgen Formulare ausfüllen. Ein Roboter erfordert bei jeder neuen Aufgabe teure Programmierarbeit (Integration).
  2. Die Fehler-Kaskade: Wenn ein Mensch einen Fehler macht, korrigiert er ihn meist selbst. Ein Systemfehler bei Robotern kann die gesamte Produktionslinie lahmlegen, was immense Ausfallkosten nach sich zieht.

Und wenn die weitere Entwicklung diese zwei Probleme löst, gibt es ein Neues:

Was wenn der vollständig selbst lernende Roboter plötzlich beginnt Dinge zu lernen, die er nicht soll, oder die falschen Dinge lernt?

Fazit der Forschung

Ein Mensch muss in hochentwickelten Ländern gar nicht „billiger“ als ein Roboter sein, um zu überleben – er muss nur flexibler und fehlerresistenter in unstrukturierten Umgebungen sein. Wo Arbeit jedoch streng repetitiv ist (Fließband, einfaches Sortieren), liegt die wirtschaftliche Schmerzgrenze, unter die ein menschlicher Stundenlohn fallen müsste, bei etwa 10 bis 15 Euro. Da dies utopisch ist, treiben hohe Mindestlöhne die Roboter-Adaption massiv voran.

Ein ganz anderes Thema wird dabei überhaupt nicht berücksichtigt. Der Autobauer Ford hatte einmal das Ziel, seine Autos so günstig zu machen, damit jeder Arbeiter eines kaufen konnte. Dahinter steckt die Idee, dass die Löhne an die Arbeiter wiederum für Nachfrage nach den produzierten Güter und die Möglichkeit generieren, diese zu verkaufen. Wer aber kauft die Güter, welche von Robotern gebaut werden, ohne dass diese mehr Geld als die Kosten bekommen, damit sie die Güter kaufen können? Oder anders gesagt, wenn die Roboter arbeiten, muss der Unternehmer Geld irgendwie verteilen, damit jemand seine Güter kaufen kann. Naja, es sei denn, man schafft ein Geldsystem grundsätzlich ab. Aber dann entstehen ganz andere Fragen.

Also fragen wir uns, was Elon Musk wirklich aussagen wollte? Werbung für seine Roboter?

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6 Kommentare

  1. local.man
    Antworten

    Ich bin da eher bei der Ansage von Musk, aber auch nur dann, wenn den Besitzenden keine weiteren Optionen mehr einfallen, uns unfrei von Arbeit und Geld zu halten. Geplante Obsoleszenz und diese ganzen Sinnlosjobs/Überbürokratie und Vernichtung von Ressourcen, Technologie-Unterdrückung uvm., sind ja schon Teil der Bewahrung des Status Quo, nur deswegen gibt es das, damit sich genau da nichts ändern muss, wo es sich längst ändern müsste.

    Im Grunde ist das ja auch die ganze Debatte die geführt werden muss. Eine Systemänderung, aber im Sinne der Freiheit der Menschen von vielen Zwängen und die Verteilung der Werte, statt für die Mülltonne zu produzieren, oder sich 100 Wege einfallen zu lassen, uns stetig niederzuhalten.

    Genau deswegen durchleben wir den Großangriff der Machtsekte, den Great Reset, eben weil genau dieses Konzept ja das Kernproblem ist.
    Und diese Leute brauchen für die Bewahrung des Status Quo, eben neue Methoden der Kontrolle und Fremdbestimmung. Was anderes steckt in diesem ganzen Theaterstückchen ja nicht.

    Und man bedenke dass die Robotersache erst grad los geht, ebenso die KI.
    Was in 20 Jahren sein wird.. Wenn dies alles exponentiell ist, also sich stetig weiter beschleunigt, wird sich die Frage sehr schnell stellen, was tun mit all den „nutzlosen“ Menschen.. Aus Sicht der Herrschenden natürlich.

    Ich sehe das natürlich völlig anders, nämlich aus der Sicht der Freiheit, der Chancen und meiner persönlichen Maximierung meiner Selbstbestimmtheit, eben weil ich für die grundlegenden Dinge die Technik habe, wir alle, und unser Lebenssinn und Lebenswege sich völlig anders gestalten.. Aber bitte nicht in den 15 Min Freiluftgefängnissen der Machtsekte in digitalen Ketten gelegt und von Drohnen und Kameras und Roboter drangsaliert.
    Aus Sicht der Machtsekte und deren Anspruch auf Herrschaft, ist das aber unumgänglich, weil sie sonst abtreten.

    Auch die Rechnung die hier aufgestellt wurde, zeigt eher das der Mensch zum Glück, nicht mehr so viel von seiner Lebenszeit opfern muss.. Aber ein gesundes Modell für die Zukunft, braucht Reichtumsgrenzen, Machtverteilung auf alle, Ende der pyramidalen Ordnung und Verteilung der Werte.
    Ansonsten gibt es Dystopie.. Und darauf kann ich gerne verzichten, da ist ja das aktuelle System noch Urlaub dagegen und dies ist schon scheußlich…

  2. McAviti
    Antworten

    Um hier weiterzukommen, muss man wie ein Transhumanist denken.

    .) Flexibilität, Softwarekosten, Lizenzen – das ist mit einer „Singularität“ tatsächlich obsolet.
    .) Was bleibt sind physische Ressourcen:
    .) TCO – wenn man sich auf diese Diskussion einlässt, dann muss man auch die „TCO“ des Menschen mit einrechnen, nicht nur von einem Einstellungsverhältnis an: Menschen werden derzeit viele Jahre ausgebildet (ramp-up, Kindheit) und verursachen auch nach ihrer produktiven Zeit jahrelang Kosten (ramp-down, Ruhestand).
    .) Was Menschen (und biologisches Leben im allgemeinen) noch auszeichnet, ist die Kohlstenstoffchemie und das darauf aufgebaute ausgefeilte Recyclingsystem, aber auch auf diesen Vorteil würd ich mich nicht verlassen.

    Aus diesem Blickwinkel kann ich die Aussagen von Musk nachvollziehen. Sympathisch ist aber was anderes.

  3. Lutz Herzer
    Antworten

    Ja, man fragt sich schon, wieso Elon Musk Versprechungen macht, die wohl kaum zu halten sein werden.

    Möglicherweise sagt er das im Auftrag mächtiger Banker, die etwas im Schilde führen. Es könnte ja sein, dass sich in absehbarer Zeit Millionen von Sparguthaben und Wertpapierdepots in Luft auflösen werden, zugunsten geschützter Gläubiger, bei denen es sich um diese mächtigen Banker handelt. Dann ist es gut, wenn jemand mit Reichweite schon zuvor den Sparern eingeredet hat, sie bräuchten das Geld bald eh nicht mehr.

    In diesem Sinne: Holzauge sei wachsam!

    1. Pusteblume
      Antworten

      Versprechen eines Leichtmatrosen (Elon Musk), damit die Aktienkurse seiner Unternehmen steigen.

  4. triple-delta
    Antworten

    Oder wir stellen alle Rentner der Soylent Green Produktion zur Verfügung. Der Trend geht ja sowieso zum Proteinkeks.

  5. Jan
    Antworten

    Einmal angenommen, wir würden das völlig unwahrscheinliche Szenario einer Pandemie durchspielen wollen, in der 30% der Weltbevölkerung versterben – weil sie Kalle Nebenwirkungsfrei nicht gehorchen – und dies auch nicht durch mehr Kinder ausgeglichen werden kann.

    Dann würde das BIP 30% fallen. Natürlich nur in einigen Modellierungen. Es gibt Rechenmodelle, die nur minus i% annehmen. Unternehmen würden versuchen, auf Robotik und KI zu setzen – so die Theorie.

    Dagegen spricht, dass in einem solchen Szenario möglicherweise die Halbleiterindustrie Kapazitäten und auch technische Fähigkeiten verliert. Dem bauen EU und USA mit dem Aufbau eigener Kapazitäten vor. Das steht auch im Zusammenhang mit digital ID und CBDC. Man will die Kontrolle behalten und möglicherweise auch die Nachfrage erhöhen, um Skalierungseffekte zu schaffen.

    Was passieren wird, hängt davon ab, wie gut unsere Kapazunder das umsetzen. Läufts wie bei der Solarindustrie, gibts eher keine Robotik. Dann wärmen wir unsere Höhlen mit Scheiten, die Junior mit einer Axt zerhauen hat, die er selbst aus einem zerschmissenen Stein und einem Wurzelstock und ein paar Waldreben zusammenbinden konnte.

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