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Technologie

Europäische Staaten setzen auf sowjetische Luftabwehr-Raketen

7 Kommentare 26. Juli 2026 4 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Die EU-Führer sprechen dauernd von „strategischer Autonomie“, „europäischer Souveränität“ und der Notwendigkeit einer eigenständigen Verteidigungsindustrie. Bei der Technologie für Luft- und Raketenabwehr greift man aber auf ein System zurück, das tief in der sowjetischen Ära verwurzelt ist.

Laut Military Watch Magazine bildet eine Weiterentwicklung der sowjetischen 5V55-Abfangrakete – ursprünglich für das S-300P-System entwickelt – das Herzstück des neuen pan-europäischen Freya-Raketenabwehrsystems. Eine der bedeutendsten Innovationen der 5V55 war ihr Leitsystem. Die 5V55R führte die „Track-Via-Missile“-Leitung (TVM) ein, bei der die Rakete selbst Radarreflexionen vom Ziel empfing und diese Informationen zur Verarbeitung an das Einsatzradar zurücksendete. Die Bodenstation berechnete daraufhin den optimalen Abfangkurs und übermittelte aktualisierte Steuerbefehle an die Rakete. Dadurch wurden viele der Vorteile der semiaktiven Radarsuche mit der höheren Rechenleistung bodengestützter Systeme kombiniert, während die Rakete gleichzeitig wesentlich widerstandsfähiger gegen elektronische Störmaßnahmen wurde.

Die Produktion der originalen 5V55 lief ab den späten 1970er-Jahren im sowjetischen Werk Vizar in der Ukraine. Nun soll die Ukraine unter der Bezeichnung FP-7 eine modernisierte Variante herstellen. Verbesserungen an Antrieb, Lenkung und Steuerung sollen die Reichweite von ursprünglich rund 90 auf über 150 Kilometer steigern. Das ist nach fast 40 Jahren technologischer Entwicklung eher bescheiden, wird aber als kostengünstige Lösung für die Abwehr ballistischer Bedrohungen vermarktet.

Das Freya-System ist als multinationales europäisch-ukrainisches Projekt konzipiert. Die Ukraine liefert den Interceptor, europäische Partner sollen Radare, Kampfmanagement-Software, Startgeräte und weitere Komponenten beisteuern. Beteiligt sind unter anderem Deutschland, Frankreich, Großbritannien und weitere Staaten. Es ist Teil der Bemühungen um eine „Integrated Anti-Ballistic Missile Coalition“, die im Juli 2026 in Paris vorgestellt wurde.

Europa verfügt über Jahrzehnte an Forschung, milliardenschwere Rüstungsbudgets und endlose Sonntagsreden über technologische Unabhängigkeit. Dennoch bleibt die kontinentale Raketenabwehr stark von amerikanischen Patriot-Systemen abhängig. Das franco-italienische SAMP/T mit Aster-30-Raketen ist die einzige nennenswerte europäische Alternative – und selbst dessen Produktion reicht bei weitem nicht aus. Israelische Systeme wie Arrow 3 werden zugekauft. Und nun greift man auf eine modernisierte sowjetische Konstruktion zurück, die über die Ukraine kommt – dasselbe Land, dem man gleichzeitig neueste westliche Waffen liefert.

Die 5V55 war in den 1970er- und 1980er-Jahren ihrer Zeit voraus: Track-Via-Missile-Lenkung, Fähigkeit zur Bekämpfung von Zielen von wenigen Metern über dem Boden bis über 25 Kilometer Höhe. Sie legte den Grundstein für spätere russische Systeme bis hin zum S-400 und S-500. Dass Europa 2026 eine Variante davon zum Kern einer neuen kontinentalen Abwehr macht, zeigt vor allem eines: Die eigene Industrie hat in diesem kritischen Bereich über Jahrzehnte versagt.

Statt echte eigene Kapazitäten aufzubauen, setzt man auf teure US-Importe, begrenzte europäische Systeme und nun auf sowjetisches Erbe. Die „strategische Autonomie“ erweist sich erneut als leere Phrase. Während man Russlands Bedrohung maximal dramatisiert, greift man bei der eigenen Verteidigung auf Technologien zurück, die aus derselben sowjetischen Tradition stammen, gegen die man angeblich aufrüstet. Das ist keine Souveränität – das ist Abhängigkeit in neuem Gewand.

Und ein Beweis für die unglaubliche Inkompetenz der Politiker in der EU und den großen europäischen Staaten – bewiesen auch bei Covid, Impfung,  Netto-Null Wahnsinn und Zerstörung der Industrie, garniert mit Ausweitung von Zensur und Bevormundung.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇

Bild: 5V55 Launch by Ukrainian Air Force S-300PT System

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7 Kommentare

  1. cwsuisse
    Antworten

    Die Ukraine kann gar nichts liefern, weil ihre Industrie fortlaufend zerstört wird.

  2. Der Zivilist
    Antworten

    Die EU sollte mehr mit den Erben der SU kooperieren, aber weniger mit deren übelsten, der Ukraine.

  3. 1150
    Antworten

    sowjetische luftabwehrraketen?
    die gibt’s ja gar nicht, es werden wohl die steinschleudern der hinterwäldler gemeint sein

  4. Jurgen
    Antworten

    Oh je was ein Scherz, als könnte man vernetzte Systeme nicht überall entwickeln. Getreu des Artikels verwenden dann die Amis deutsche Raketen- und Flugzeugtechnik (Patenteklau 2.Wk) bis heute… und die Chinesen haben das Plagiat der USA dann nochmal neu plagiatiert und über EU verfeinert…

    1. Daisy
      Antworten

      Das ist ja witzig. Nach dem Krieg teilte man sich die dt. Techniker auf. USA bekamen zB Wernher von Braun…

  5. VerarmterAdel
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    Inkompetenz und fette Geldpakete

  6. K Kaefer
    Antworten

    Das ist 100% kongruent damit dass Rheinmetall eine Order für 1000 St rollende Särge, aka Panzer, erhalten hat, in die sich kein Ukrainer mehr freiwillig reinsetzt und Brüssel damit in den Krieg ziehen will. Ungewählte Bürokraten, deren Glanzleistung die Begradigung der Banane war und – glücklicherweise – militärische Eunuchen sind.
    In D jagt ein Beschaffungsdesaster das nächste.
    Es gibt also noch Lichtstreifen am Horizont.

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