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Politik

Big Techs Angriff auf die menschliche Berufung

8 Kommentare 27. Juli 2026 3 Minuten Lesezeit von Thomas Oysmüller

Eine Zukunft in der Mathematik ohne Mathematiker, Philosophie ohne Philosophen und Arbeit ohne Berufung auskommt – weil Maschinen alles besser, schneller und ohne Anstrengung erledigen. Eine solche Zukunft wird von Big Tech bewusst forciert und zur Realisierung getrieben.

Marco Rubio warnte zuletzt öffentlichkeitswirksam vor dem Kommunismus, Amerikas alter Lieblingsfeind. Er warnte sogar vor dem Menschenbild des Kommunismus. Dabei, so der Politikwissenschaftler Gregory Conti in einem aktuellen Essay, entwerfen die die KI-Unternehmer des Silicon Valley einen Transhumanismus, dessen Menschenbild weitaus gefährlicher sei.

Rubio sagte: „Die Welt, die er [der Kommunismus] für uns alle entwirft, ist klein, flach, grau, nivelliert von jeder Ausnahme, ausgelaugt von allem, was gut und edel in der menschlichen Seele ist. […] eine Welt ohne Mut, ohne Kreativität oder Ambition, ohne Helden oder Ruhm oder große Ziele.“

Conti schreibt, diese Worte träfen „noch stärker“ auf die Ideologie der Tech-Elite zu. Während der Kommunismus Amerika nicht überrennen werde, drohten die Ambitionen der KI-Riesen genau das. Ihr Ziel sei künstliche allgemeine Intelligenz – ein System, das den Menschen „in den meisten oder allen kognitiven Dimensionen überlegen“ sei und „den Großteil der wirtschaftlich nützlichen Arbeit“ erledige. Das Ergebnis: „eine Welt, in der es keine Möglichkeit mehr gibt, sich durch Können und Einsatz hervorzutun – weil diese Dinge irrelevant geworden sind.“

Diese Vision formuliert Anthropic-CEO Dario Amodei in „Machines of Loving Grace“. Sein Kollege Jack Clark hält sie noch 2026 für realisierbar. Elon Musk prognostiziert, digitale Intelligenz werde bald „die Summe aller menschlichen Intelligenz übersteigen“. Conti zitiert Amodei, der offen von einem „allgemeinen Arbeitsersatz für Menschen“ spricht – inklusive seiner eigenen Rolle. Ein OpenAI-Mitarbeiter bekannte sogar, er bevorzuge „eine Welt mit rascher rekursiver Selbstverbesserung und menschlicher Entmachtung“.

In der Praxis, so Conti, sei dieses Projekt bereits Realität – besonders in der Wissenschaft. In der Mathematik erklärten Fields-Medaillen-Träger, das Fach als menschliches Betätigungsfeld werde bald verschwinden; die nächste Medaillenvergabe könnte die letzte sein. ChatGPT löste ein jahrzehntealtes Mathematik-Problem, „während der Nutzer ein Nickerchen machte“. Ähnliches gelte für Statistik, Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften, Medizin und Jura. Conti selbst erlebte, wie Claude aus Primärquellen in Minuten Argumente generierte, die seinem eigenen Denken frappierend nahekamen: „Was war jetzt der Sinn all der Anstrengungen um Wissen und Können?“

KI bedeutet „den Tod der Autorschaft“, fasst der Autor zusammen. Wir werden zu „Prompt-Gebern“, völlig austauschbar für Maschinenleistungen. Einstein und Dostojewski sind alte Helden.  „Wir wollten immer nicht nur Gedichte, sondern Dichter; nicht nur Bildung, sondern Lehrer.“ Ein Chatbot kann keine Liebe zur Weisheit empfinden und keine Verantwortung tragen.

Besonders dramatisch sei der Verlust der Berufung. Menschen erheben sich durch Arbeit über bloßen Konsum. Sobald Maschinen besser sind, wird der Gedanke, „einen echten Beitrag zu leisten“, zur Illusion. Alles werde „ein bisschen mehr wie Brettspiele spielen“, zitiert Conti die Journalistin Jasmine Sun.

Der Ökonom Noah Smith spricht von Menschen als „Haustieren“. Das wäre, so Conti, „die größte Veränderung in der Geschichte der Spezies“ und eine Demoralisierung weit über den Kommunismus hinaus – eine Welt „klein, flach, grau“.


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8 Kommentare

  1. Ostfreesland
    Antworten

    Moin, lieber Thomas Oysmüller ~
    leider finde ich in Ihrem Beitrag nichts ‚Substantielles‘, was für Sie „menschliche Berufung“ sein söllte, ist oder was auch immer – schade …
    => Aber vielleicht schreiben Sie ja mal was dazu, unabhängig von Big Tech u.s.w., also einfach nur das, was für Sie „menschliche Berufung“ ist – das würde mich sehr freuen (!) …
    💛lichst ut Ostfreesland ~

  2. Jochen Mitschka
    Antworten

    Ich bin so alt, ich habe diverse technische „Revolutionen“ erlebt und die Diskussionen darum. Beim Umstieg von mechanischen auf elektrische Schreibmaschinen war das noch nicht so wild, als die ersten Maschinen mit Korrekturtasten aufkamen, wurde es schon heftiger. Als dann Schreibsoftware aufkam und die Arbeit der typischen „Tippse“, die von Band die gesprochenen Briefe auf Schreibmaschine umsetzte wegfiel wurde es ernst. Dann ging es Schlag auf Schlag. Nach Fax kam der PC, Beim Telefon fiel der Job der Vermittlerinnen weg. Es folgte das Mobiltelefon. Dann kam das Internet. Alle diese Entwicklungen hatten gravierende Auswirkungen auf bestimmte Teile der arbeitenden Bevölkerung. Und das sind nur Beispiele. Aber die Mehrheit hatte sich umgestellt, neue Arbeitsfelder entwickelt. Im Fall der künstlichen Intelligenz wird es nicht anders werden.

    Software wird viel schneller entwickelt werden können, die klassischen Programmierer werden ersetzt werden durch KI-Operatoren. Aber überall wird man Felder finden, wo der Einsatz gar nicht sinnvoll ist. Entweder zu teuer, wenn der Hype vorbei ist, und die Firmen Profite damit machen wollen, statt wie heute Verluste. Es wird noch viele Jahrzehnte dauern, bis „künstliche Intelligenz“ nur annähernd an die Flexibilität, Genialität (naja, zumindest von einer Minderheit), Selbstreparaturfähigkeit und Anpassungsfähigkeit des menschlichen Biosystems heranreichen wird. Und bis dahin wird man hoffentlich einen Weg zum friedlichen Zusammenleben gefunden haben.

    Das soll nicht heißen, dass keine Gefahren auf dem Weg dahin bestehen. Aber diese sind ganz andere und viel größere, als das einfache Beseitigen von menschlicher Arbeit. Wenn es stimmt, dass KIs bereits versuchen, sich vor dem Abschalten zu schützen, und das nicht nur pure PR war, sollten wir das Ernst nehmen. Ernster als die Gefahr, Arbeit an sie zu verlieren.

  3. Andreas N.
    Antworten

    Die Leistungsfähigkeit eines Mitarbeiters im Bereich von Programmierung steigt um das 100 bis 1000 fache, meine Erfahrung, meine Einschätzung. In anderen Bereichen (Text, Bildbearbeitung) locker 10 bis 100 fach. Es wird zwangsläufig zu massivem Personalabbau kommen, gleichzeitig zu Engpässen bei Rechnerkomponenten und Energie.
    Wohin das führt? Ganz schwer abzuschätzen, aber menschliche Begabung und Kreativität werden massiv entwertet. Wer den Faktor Arbeit weiter schröpft kann die Arbeitslosen bald nicht mehr zählen. Der Kommunismus/staatsquote ala Österreich wird noch massiver ausfallen mit allen Konsequenzen der Überwachung und Korruption. Momentan kein schöner Ausblick.

  4. Dr. Rolf Lindner
    Antworten

    Vor 60 Jahren: Zager & Evans – „In the year 2525“. Nicht die KI-freaks werden siegen, sondern jene, die Kinder kriegen.

  5. D-Emigrant
    Antworten

    Für mich bedeutet „KI“ eher „Künstliche Irreführung“ als „Künstliche Intelligenz“. Zumindest die Alltags-KI zeigt sich alles andere als intelligent.
    Selbst als „Künstliche Wissensaufbereitung“ oder „-verarbeitung“ taugt sie nur begrenzt etwas. Immer wieder bekomme ich auf Testfragen fehlerhafte Antworten, und wenn ich auf den Fehler hinweise, wird zwar mit „Entschuldigung“ korrigiert, aber nichts daraus „gelernt“. Beim Wiederholen der Frage am nächsten Tag ist die Antwort wieder falsch, wenn auch nicht unbedingt gleich.
    Und wie soll zum Beispiel eine Reportage in „freier Wildbahn“ per „KI“ gefertigt werden? Da kommt es ja u.a. darauf an, die Stimmung vor Ort rüberzubringen. Emotionen dürften für eine Maschine jedoch unfassbar bleiben.

    1. Pusteblume
      Antworten

      „Für mich bedeutet „KI“ eher „Künstliche Irreführung“ als „Künstliche Intelligenz“. …“
      Das, was als „Künstliche Intelligenz“ beworben wird, ist ein gut kreierter Begriff aus der Werbewirtschaft, meiner Meinung nach.

      „Künstliche Intelligenz“ basiert aus zusammengewürfelten Algorithmen, die als Wahrheit dem gemeinen Nachfrager präsentiert werden. Wenn man sich auf „Wahrheiten“ aus zusammengewürfelten Algorithmen verlässt und sein Denken und Handeln an die Algorithmen abgibt, wie einen Mantel an der Garderobe, wird am Ende denkfaul und Algorithmen-gläubig.

  6. Varus
    Antworten

    Conti zitiert Amodei, der offen von einem „allgemeinen Arbeitsersatz für Menschen“ spricht – inklusive seiner eigenen Rolle.

    Das hörte ich bereits, als ich studiert habe – vor etwa 35 Jahren.

  7. Jan
    Antworten

    Das nehme ich nicht so wahr, es gibt durchaus Chatbots, die mit rhetorischen Tricks ein warmes Gefühl vermitteln. Ich bin eher skeptisch bei den Inhalten, denn viele Chatbots „halluzinieren“ und erfinden einfach Zitate samt Quellenangaben. Manche verrennen sich auch in ihrer eigenen Argumentation und fangen an zu streiten. Gerade im wissenschaftlichen, juristischen und medizinischen Bereich sollte KI immer nur Ideengeber sein. KI neigt auch dazu, sich in Details zu verlieren und das immer gleiche zu wiederholen.

    Eine schwere Rezession durch die Ölkriege dürfte die Entwicklung von KI verlangsamen.

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