
US-Krieg gegen Iran geht weiter
Der ehemalige US-Marine-Geheimdienstoffizier und geopolitische Analyst Brian Berletic hat in einem aktuellen Beitrag dargelegt, dass die Vereinigten Staaten ihren Krieg gegen Iran keineswegs beendet haben. Vielmehr diene die Diplomatie lediglich als Vorwand, um das Schlachtfeld für künftige Eskalationen vorzubereiten und Irans regionale Allianzen systematisch zu schwächen.
Berletic argumentiert, dass Washington seit über zwei Jahrzehnten eine Politik der Einkreisung, der Proxy-Kriege sowie indirekter und direkter Angriffe gegen Iran und seine Partner betreibt. Die jüngsten Entwicklungen – von den Verhandlungen über ein Memorandum of Understanding bis hin zu gezielten Schlägen gegen Hisbollah, Ansar Allah und irakische Milizen – seien Teil einer kohärenten Strategie, Irans asymmetrische Verteidigungsfähigkeit zu zerstören.
Die RAND-Studie als Beleg für US-Kenntnis
Besonders aufschlussreich ist für Berletic eine bereits 2009 veröffentlichte Studie der RAND Corporation mit dem Titel „Dangerous But Not Omnipotent: Exploring the Reach and Limitations of Iranian Power in the Middle East“. Die Autoren beschreiben darin Irans Strategie als vorwiegend defensiv:
„Iran verfügt über eine schwache konventionelle Streitmacht. Die iranischen Führer haben seit langem ihre Hinwendung zu einer asymmetrischen Strategie der Heimatverteidigung propagiert, die einem Eindringling unerträgliche Kosten zufügen würde. Ein Großteil davon beruht auf Vorstellungen von ‚Mosaik-Verteidigung‘, Partisanenkrieg und der Volksmobilisierung von Basidschi-Hilfskräften.“
Ein weiteres Zitat aus derselben Studie lautet:
„Der Iran hat nur begrenzten Einfluss auf sogenannte Proxy-Gruppen. Um seine konventionelle Unterlegenheit auszugleichen, hat der Iran seit langem finanziellen und militärischen Support an eine Vielzahl nichtstaatlicher islamistischer Gruppen geleistet. Gemäß der Doktrin der Revolutionsgarden soll diese ‚periphere Strategie‘ der iranischen Heimatverteidigung strategische Tiefe verleihen, indem der Kampf tief ins feindliche Lager getragen wird. Im Fall von Hamas und Hisbollah kauft diese Strategie dem Iran auch Legitimität unter arabischen Öffentlichkeiten, die frustriert sind über den scheinbar status-quo-orientierten Ansatz ihrer Regime. Effektiv ist Teheran ‚arabischer als die Araber‘ in Fragen wie Palästina. Bei der Unterstützung wichtiger schiitischer militanter Gruppen im Irak und im Libanon mag Teheran ein gewisses Maß an Gegenseitigkeit erwarten. Dies gilt insbesondere im Falle eines US-Angriffs, in dem Iran erwarten könnte, dass diese Gruppen als Vergeltungsagenten unerschrocken handeln.“
Diese Passagen zeigen nach Berletic, dass die USA schon lange wussten, dass Irans Bündnisse primär der eigenen Verteidigung dienen und nicht als Instrumente globaler Aggression.
Diplomatie als Kriegsvorbereitung
Berletic kritisiert scharf, dass die USA wiederholt diplomatische Vereinbarungen – vom JCPOA bis zu neueren Verständigungen – gebrochen oder instrumentalisiert haben, um Iran und seine Partner militärisch zu schwächen. Die jüngsten Angriffe auf libanesische, jemenitische und irakische Kräfte dienten dem Ziel, Irans „strategische Tiefe“ zu beseitigen und es auf das eigene Territorium zurückzudrängen.
Gleichzeitig werde der Konflikt genutzt, um die Energieversorgung Asiens – insbesondere Chinas – zu stören. Durch die Kontrolle über westasiatische Energieressourcen und die künstliche Verknappung von Öl- und Gaslieferungen sollen wirtschaftliche Deindustrialisierungsprozesse in Konkurrenzländern ausgelöst werden.
Die Grenzen der US-Strategie
Trotz der massiven Anstrengungen sieht Berletic deutliche Grenzen der amerikanischen Vormachtstellung. Irans Widerstand und die Weigerung, sich vollständig isolieren zu lassen, zeigten, dass die US-Politik des „maximum pressure“ nicht die erhofften Ergebnisse bringt. Die Welt stehe an einem Scheideweg: Entweder akzeptiere sie weiterhin die US-amerikanische Vorherrschaft mit all ihren destabilisierenden Folgen, oder sie entwickle kollektive Mechanismen, um solche Aggressionen einzudämmen.
Berletic betont, dass es sich bei der aktuellen Auseinandersetzung nicht um einen isolierten Konflikt handelt, sondern um einen zentralen Testfall für den Übergang zu einer multipolaren Weltordnung.
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
„Kollektive Mechanismen“ können Israel und die USA in die Defensive zwingen. Ich frage mich, warum das nicht längst geschehen ist.
Prediction: Eventually U.S. Forces Will Openly Attack States such as Kuwait, UAE, Saudi Arabia, Qatar, and Regional Others — but when? – https://michaelyon.substack.com/p/prediction-eventually-us-forces-will