Am 28. Februar 2026 tötete ein gemeinsamer israelisch-amerikanischer Luftschlag den Revolutionsführer der Islamischen Republik Iran, Ali Khamenei, in seiner Residenz in Teheran – zusammen mit mehreren Familienangehörigen, darunter seine Enkelin, seine Tochter, sein Schwiegersohn und seine Schwiegertochter. Der Angriff markierte den Auftakt eines mehrwöchigen unprovozierten Angriffskriegs der USA und Israels gegen den Iran: ein nicht deklarierter Erstschlag, der mit der gezielten Tötung des Staatsoberhaupts begann. Vier Monate später, vom 3. bis 9. Juli, hat Teheran seinen 86-jährigen Führer nun in dem vermutlich größten Staatsbegräbnis der jüngeren Geschichte beigesetzt.
Für die iranische Führung ist die Art von Khameneis Tod selbst zur zentralen politischen Ressource geworden. Die offizielle Sprachregelung spricht nicht von einem Attentat, sondern von einer „Märtyrerschaft“ – ein Begriff, der im schiitischen Islam eine besondere Bedeutung trägt. Die Erinnerung, dass historisch verehrte Figuren des Schiitentums durch Feindeshand fielen, verleiht dem Ereignis eine religiöse Aufladung, die weit über eine gewöhnliche Trauerfeier hinausgeht. Nicht wenige Iraner erklären, dass diese Art des Todes, noch dazu gemeinsam mit unbeteiligten Familienmitgliedern, ihn zu einem quasi-Heiligen gemacht habe, der nun neben den Propheten der Schiiten einzuordnen sei.
Warum das für den Globalen Süden zählt
Aus der Perspektive vieler Staaten des Globalen Südens ist die Trauerfeier weit mehr als ein religiöses Ritual. Sie fungiert als Bühne, auf der eine im Entstehen begriffene multipolare Ordnung sichtbar wird – eine Ordnung, in der sich Staaten zunehmend weigern, sich in einem binären Freund-Feind-Schema zwischen Washington und seinen Gegnern einordnen zu lassen. Und wenn man sieht, wie selbst verfeindete Länder fast nebeneinander mit Delegationen ehren, wie z.B. aus Afghanistan, erkennt man, dass diese Morde nicht nur den Iran, sondern auch die Glaubensgemeinschaft der Muslime insgesamt, nicht nur der Schiiten, zusammen gebracht hat.
Die Liste der Reaktionen macht diese Gemengelage sichtbar: Russlands Präsident Putin verurteilte die Tötung als zynischen Mord und Verstoß gegen Völkerrecht und moralische Standards, während Chinas Zensurbehörden gleichzeitig Feierbekundungen gegen Khamenei im eigenen Land unterdrückten. Malaysias Premier Anwar Ibrahim verurteilte das Attentat, mahnte aber zugleich den Iran zur Zurückhaltung. Nordkorea sprach von einem rechtswidrigen Akt hegemonialer Gewalt, ohne Khamenei selbst zu erwähnen. In Pakistan eskalierten Solidaritätsproteste in Karatschi und Gilgit-Baltistan teils in gewaltsame Zusammenstöße mit Sicherheitskräften.
Was danach kommt
Für Beobachter aus dem Globalen Süden bleibt die zentrale Lehre dieser Woche, dass die gezielte Tötung eines Staatschefs ihn im Tod machtvoller gemacht hat, als er es zuletzt im Leben war – und dass die Weigerung großer Teile der Welt, sich an dieser Erzählung zu beteiligen oder sie zu verurteilen, selbst zu einem politischen Signal geworden ist: dem einer Weltordnung, die sich nicht mehr eindeutig entlang der alten Blockgrenzen sortieren lässt.
Der investigative Journalist Max Blumenthal war vor Ort und berichtet in x.com:
Ich habe gerade den größten Trauerzug der Geschichte besucht, bei dem Millionen um Sayyed Ali Khamenei trauerten, den iranischen Führer, der von der US-israelischen Koalition zusammen mit Mitgliedern seiner Familie ermordet wurde.
Es ist praktisch unmöglich zu verstehen, wie diese Szene ist oder was sie bedeutet, es sei denn, man ist hier. Ich habe Menschen aus aller Welt getroffen, die gekommen sind, um ihre Ehrerbietung zu erweisen, darunter viele aus dem Westen. Die hereinströmenden Massen sind endlos und werden in der Nacht größer und intensiver.
Vom Teheraner Mosala aus gibt es empörte Rufe nach Rache, Ausdrücke von Trauer und Trotz, Proteste, Lieder und Marathonvorführungen von Poesie. Diese Trauertage werden zu einem der resonantesten Momente in der Geschichte der antiimperialistischen Bewegungen werden.
Jeder, mit dem ich gesprochen habe, glaubt, dass der Krieg bald nach Iran zurückkehren wird, und niemand vertraut dem MOU mit den USA. Aber sie sind zuversichtlich, dass ihr Land einen weiteren Angriff abwehren kann. Sie sehen die Mobilisierung ihrer eigenen Bürger als integralen Bestandteil des Überlebens Irans.
Wenn die Ermordung Khameneis darauf abzielte, einen Regimewechsel anzustoßen, zeigt seine Beerdigung, wie sehr es nach hinten losgegangen ist. Und das Verbrechen könnte auf Weisen zurückschlagen, die seine historisch leseunfähigen Urheber sich nie hätten vorstellen können.
Was wir im Mosala erleben, festigt die Islamische Republik und ihre revolutionäre Gesellschaft als politische Realität, die durch Regimewechselkriege oder Sanktionen nicht ausgelöscht werden kann. Dies ist ein Wendepunkt in der Region, der eine Generation lang nachhallen wird.
I’ve just visited the largest funeral in history, where millions mourned Sayyed Ali Khamenei, the Iranian leader who was assassinated by the US-Israeli coalition along with members of his family
It is practically impossible to understand what this scene is like, or what it… pic.twitter.com/37Hzc0NFN8
— Max Blumenthal (@MaxBlumenthal) July 5, 2026
Kein westlicher Staatschef hatte jemals eine solche Menschenmenge bei seiner Trauerfeier mobilisieren können. Sie dauert noch bis zum 9. Juli. Sollten die USA oder Israel es wagen, gegen Ende der Feierlichkeiten doch noch einen Anschlag durchzuführen, will man sich nicht vorstellen, was das für die Aggressoren bedeuten könnte. Der Mord an einem religiösen Führer, der mit seiner Fatwa verhinderte, dass der Iran Kernwaffen entwickelte, und seinen Familienmitgliedern, wird die Weltpolitik der nächsten Jahre stark verändern.
Bild: x.com-Tweet von Max Blumenthal
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.
Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.
Khameneis Beerdigung: Wer kam, wer fehlte – und was Berlins „Drecksarbeit“-Satz damit zu tun hat
Hormus: Der Poker geht weiter – während Teheran trauert, wird in Doha gefeilscht
Iran – USA: Bomben und Verhandlungen
5 Kommentare
Um einen Papst gäbe es auch bei einer Ermordung nie so einen Rummel…
Trauerwoche im Iran – Millionen nehmen Abschied von Ali Khamenei
Ein Artikel von Karin Leukefeld 07. Juli 2026 um 10:00
Auf NachDenkSeiten
Unbedingt lesenswert
Eine Antwort auf die Größe der Ereignisse könnte eben auch sein, dass er nicht „nur“ Politiker war, sondern besonders religiöses Oberhaupt. Beim Papst strömen auch alle herbei, auch Nicht-Christen.
Ist aber auch ok für mich, wenn der Wertewesten das wieder einmal falsch einordnet und sich dadurch quälend fragt, wie so ein angeblicher Tyrann so beliebt sein kann und man selbst so unbeliebt.
Mögen sie vom Neid aufgefressen werden.
Das kommt hier nicht an. Es scheint immer mehr Menschen aus aller Welt zu kommen.
Zitat:
Ich glaube nicht, dass die Menschen erkennen, was wir gerade miterleben. Vielleicht werden diejenigen, die hinter ihren Handys sitzen und nicht in Teheran sind, es nie verstehen, aber die Stimmung hier ist verrückt.
Menschen strömen aus aller Welt nach Teheran; aus Russland, Brasilien, Norwegen, Deutschland, … um an der Abschiedszeremonie für Ajatollah Ali Chamenei teilzunehmen, den gemarterten Führer Irans.
Viele aus Teheran haben ihre Häuser für Besucher geöffnet, und viele sind mit ihrem eigenen Geld auf den Straßen unterwegs und bieten den Leuten Dienste wie kostenlosen Tee, Essen, … an; viele engagieren sich ehrenamtlich.
Millionen, und ich sage wirklich MILLIONEN kommen hinein und hinaus in den Gebetssaal, um dem gemarterten Führer ihre Reverenz zu erweisen.
Die umliegenden Bereiche AUßERHALB des Gebetsaals waren GEPACKT und voller Menschen heute Morgen während der Gebete, glücklicherweise ohne Zwischenfälle.
Ein Familienmitglied von mir ist unter den Freiwilligen im Gebetssaal, die helfen; es schläft seit Freitag dort und hat den Bereich nicht verlassen.
Viele Menschen (die ich persönlich auch kenne), die nie an einem öffentlichen Marsch teilgenommen haben, haben sich entschieden, an diesem teilzunehmen, aus Liebe zu ihrem Führer.
Die Größe dieses Ereignisses geht ehrlich gesagt über jedes Wort hinaus.Zitat Ende https://x.com/AryJeayBackup/status/2073749974391615893
Wer würde beispielsweise zur Beerdigung eines Friedrich Merz gehen? Vielleicht sein Hund. Aber nicht einmal Selenskyj.
Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.
Sie müssen angemeldet sein um Kommentare zu posten. Noch kein Konto? Jetzt registrieren.