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Politik

Die Vorgeschichte des 7. Oktober: Gaza seit 1948

17 Kommentare 7. Oktober 2026 11 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Eine Chronologie der Vertreibung, der gebrochenen Waffenstillstände und der Frage, die der Westen jahrzehntelang nicht stellen wollte.

Der 7. Oktober 2023 wird im westlichen Diskurs meist als Anfang erzählt — als ein Bruch, ein plötzliches Ereignis, das eine zuvor bestehende Ordnung zerstörte. Diese Erzählung hat eine Funktion: Sie verlegt den Ursprung des Konflikts in die Gegenwart und erspart die Frage nach dem, was davor lag.

Wer die Vorgeschichte kennt, weiß, dass Gaza keine isolierte Enklave am Rand einer friedlichen Region war, sondern das Endprodukt einer Kette von Ereignissen, die bis in die Mandatszeit und das Jahr 1948 zurückreichen. Wer diese Kette ignoriert, kann jeden Ausbruch von Gewalt nur als irrationalen Akt deuten — und muss sich nie mit den strukturellen Ursachen befassen.

Die folgenden Quellen dokumentieren diese Vorgeschichte im Detail. Sie sind unbequem, weil sie nicht mit der vertrauten Erzählung vom „Unabhängigkeitskrieg“ zusammenpassen.

Der Balfour-Brief und seine zweite Hälfte

Am 2. November 1917 versprach der britische Außenminister Arthur Balfour in einem Brief an Lord Rothschild, die Regierung Seiner Majestät werde „die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“ begünstigen. Dieser eine Satz ist weltbekannt.

Weit weniger bekannt ist der unmittelbar folgende Satz — jene Klausel, die ausdrücklich festhielt, dass „nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina beeinträchtigen könnte“. Die palästinensische Bevölkerung, damals die überwältigende Mehrheit, wurde in diesem Dokument nicht einmal beim Namen genannt. Sie erschien nur als „bestehende nichtjüdische Gemeinschaften“ — in ihrer eigenen Heimat.

Der vollständige Text der Balfour-Deklaration findet sich in der Jewish Virtual Library. In einem Middle East Eye-Artikel wird, argumentiert, dass genau diese zweite Hälfte der Seite nun zum ersten Mal ernsthaft gelesen werde.

Ein Imperium versprach einem Volk eine nationale Heimstätte in einem Land, das überwiegend von einem anderen bewohnt war, und sicherte diesem anderen gleichzeitig zu, seine Rechte würden unangetastet bleiben. Die Geschichte lieferte 1948 ihr Urteil über diesen Widerspruch.

1948: Nakba statt „Unabhängigkeit“

Für Israelis war 1948 das Jahr der Staatsgründung. Für Palästinenser war es die Nakba — wörtlich: die Katastrophe. Rund 750.000 Menschen flohen oder wurden vertrieben; hunderte Städte und Dörfer wurden entvölkert oder zerstört. Die detaillierte Chronologie der Ereignisse vom 15. Mai 1948 bis zum 20. Juli 1949 ist in der ICAH-Dokumentation nachlesbar, die ihrerseits auf der Interactive Encyclopedia of the Palestinian Question basiert.

Die Chronologie zeigt ein Muster, das in der öffentlichen Debatte kaum vorkommt: Die israelischen Streitkräfte nutzten die von der UNO vermittelten Waffenstillstände systematisch, um genau jene Operationen durchzuführen, die diese Waffenstillstände hätten verhindern sollen.

Der erste Waffenstillstand als Deckmantel

Der erste Waffenstillstand dauerte vom 11. Juni bis zum 8. Juli 1948. Laut der Chronologie nutzten die israelischen Streitkräfte genau diese vier Wochen, um „mit der massiven Zerstörung von Dörfern von Vertriebenen zu beginnen“ — darunter al-Mazar im Unterbezirk Haifa, Fajja bei Petah Tikva, Biyar Adas, Miska, Hawsha und al-Manshiyya bei Akko.

Der zweite Waffenstillstand und die „Säuberung“

Noch deutlicher wird das Muster während des zweiten Waffenstillstands (18. Juli bis 15. Oktober 1948). Die Chronologie dokumentiert, dass die israelische Armee unter Verletzung dieses Waffenstillstands Militäroperationen innerhalb oder nahe der Waffenstillstandslinien durchführte, um palästinensische Dörfer zu zerstören und ihre Bewohner zu vertreiben:

  • Operation Shoter (24.–26. Juli): Angriff und Einnahme der Dörfer Ayn Ghazal, Jaba‘ und Ijzim im „Kleinen Dreieck“ südlich von Haifa
  • Operation Nikayon — zu Deutsch: „Säuberung“ (24.–28. August): Besetzung des Küstengebiets westlich von Yibna und nördlich von Isdud
  • Vertreibung der Beduinen im Negev von Ende August bis Mitte Oktober

Der Name der Operation ist keine Interpretation, sondern der historische Terminus technicus. Wer von „ethnischen Säuberungen“ spricht, verwendet keine politische Kampfvokabel, sondern die wörtliche Übersetzung einer militärischen Bezeichnung.

Die Operationen Yoav und Hiram: Waffenstillstand gebrochen, Gebiet erobert

Am 15. Oktober 1948 brach die israelische Armee den zweiten Waffenstillstand und startete die Operation Yoav (auch „Operation Zehn Plagen“) gegen die ägyptischen Streitkräfte. Die Chronologie beschreibt sie als die bis dahin intensivste Luftoffensive des Palästinakriegs, begleitet von Beschuss von See und Bodenangriffen an einer breiten Front.

Das Ergebnis war die Vertreibung Zehntausender Palästinenser nach Hebron oder Gaza sowie die Eroberung von:

  • Bir al-Sabi‘ (21. Oktober)
  • Bayt Jibrin (27. Oktober)
  • Isdud (28. Oktober)
  • al-Dawayima (29. Oktober) — wo laut Chronologie „ein Massaker verübt wird, um die Bewohner zum Verlassen zu bewegen“
  • al-Majdal (4. November)

Parallel dazu startete die israelische Armee vom 28. bis 31. Oktober die Operation Hiram im Norden, besetzte Mittel- und Obergaliläa und vertrieb zwischen 50.000 und 60.000 Palästinenser. Israelische Truppen drangen dabei in den Libanon ein und besetzten mehrere libanesische Dörfer.

Am 4. November 1948 forderte die UN-Sicherheitsratsresolution 61 den Rückzug der Truppen auf die Stellungen vor dem 14. Oktober — also auf die Linien, die vor dem Bruch des Waffenstillstands gegolten hatten. Die Resolution 62 vom 16. November verlangte einen Waffenstillstand in allen Teilen Palästinas. Beide Resolutionen wurden durch die militärischen Fakten überholt.

Lidd, Deir Yassin und die Schlüssel der Großeltern

Der Middle East Eye-Artikel erinnert an zwei Orte, die zu Symbolen wurden:

  • Deir Yassin — Monate vor der Staatsgründung wurde das Dorf zum Synonym für ein Massaker, das die Fluchtwelle maßgeblich beschleunigte. Eine Karte der zerstörten palästinensischen Dörfer bietet Al Jazeera.
  • Lidd — im Juli 1948 wurden die Einwohner, deren Zahl durch Flüchtlinge aus umliegenden Dörfern angeschwollen war, zu Fuß durch die Sommersonne getrieben (dokumentiert bei Salon).

Als die Kämpfe endeten, durfte die große Mehrheit der Flüchtlinge nicht zurückkehren. Viele bewahrten die Schlüssel zu Häusern auf, die sie nie wiedersehen würden — und gaben sie an ihre Kinder weiter. Diese Schlüssel sind das materiellste Argument gegen die These, die Vertreibung sei ein bloßer Kollateralschaden gewesen. Wer einen Schlüssel aufbewahrt, geht davon aus, dass er ihn noch brauchen wird.

Die Faluja-Tasche: Waffenstillstand gebrochen, Dörfer geräumt

Ein besonders lehrreiches Kapitel liefert die sogenannte „Faluja-Tasche“. Das ägyptisch-israelische Waffenstillstandsabkommen vom 24. Februar 1949, unterzeichnet auf Rhodos, sah ausdrücklich die Rückkehr der in der Faluja-Tasche eingekesselten Truppen nach Ägypten vor. Die ägyptischen Einheiten — unter ihnen ein gewisser Gamal Abdel Nasser — hatten dort bis Kriegsende Widerstand geleistet.

Doch laut der ICAH-Chronologie zwangen israelische Einheiten zwischen dem 1. März und dem 21. April 1949 „2.000 bis 3.000 Dorfbewohner, die Faluja-Tasche unter Verletzung des israelisch-ägyptischen Waffenstillstandsabkommens zu verlassen“. Gleichzeitig schloss Israel die Besetzung des Negev bis nach Umm Rashrash (Eilat) ab.

Das Muster wiederholt sich: Ein Abkommen wird unterzeichnet, und die militärischen Fakten, die es eigentlich einfrieren sollte, werden unmittelbar danach zu Lasten der palästinensischen Zivilbevölkerung verändert.

Von 1949 nach Gaza: Wie aus einer Chronologie eine Enklave wurde

Die Waffenstillstandsabkommen von 1949 — mit Ägypten (24. Februar), Libanon (23. März), Jordanien (3. April) und Syrien (20. Juli) — schufen keine Friedensgrenzen, sondern militärische Waffenstillstandslinien. Das ägyptisch-israelische Abkommen stellte offiziell einen Streifen Palästinas „unter ägyptische Militär- und Verwaltungshoheit“ — den heutigen Gazastreifen.

Damit war Gaza von Anfang an kein normales Territorium, sondern das Produkt eines militärischen Arrangements. Die Flüchtlingsbevölkerung, die dorthin getrieben worden war, wurde nie in eine politische Lösung integriert. Aus dem Provisorium wurde ein Dauerzustand — über Jahrzehnte, über Besatzung, Blockade und wiederholte Kriege hinweg.

Wer den 7. Oktober verstehen will, muss diese Kontinuität sehen: Gaza ist nicht 2007 oder 1967 entstanden, sondern 1948/49 — als Auffangbecken für die Vertriebenen einer Katastrophe, die nie anerkannt, nie wiedergutgemacht und nie beendet wurde.

Der Green-Party-Beschluss: Die Grenze verschiebt sich

Ein aktuelles Ereignis markiert, wie sehr sich der Auffassungen der Realität verschoben haben. Auf ihrer Jahreskonferenz stimmte die Green Party of England and Wales mit 1.022 zu 813 Stimmen dafür, sich formell als antizionistisch zu positionieren. Der angenommene Antrag definiert Zionismus als ethno-nationalistisches Projekt, lehnt die Gleichsetzung von Antizionismus mit Antisemitismus ab und bekräftigt die Unterstützung für die palästinensische Befreiung, das Rückkehrrecht und einen einzigen demokratischen Staat auf dem gesamten historischen Palästina.

Britische Parteien haben Benjamin Netanyahu schon oft kritisiert. Sie haben die Zerstörung Gazas verurteilt, den Siedlungsausbau beklagt und ein Ende der Besatzung gefordert. Die Grünen haben eine andere Grenze überschritten: Sie stellen nicht mehr das Verhalten einer israelischen Regierung infrage, sondern die Ideologie, auf der der Staat errichtet wurde.

Dass dies ausgerechnet in Großbritannien geschieht, verleiht dem Moment sein historisches Gewicht. Großbritannien war kein Zuschauer bei der Geburt des zionistischen Projekts in Palästina — es war einer seiner wichtigsten imperialen Sponsoren. Das Mandat, unter dem Großbritannien das Land durch die entscheidenden Jahrzehnte regierte, in denen zionistische Einwanderung, Siedlung und Institutionen die Grundlagen des künftigen Staates legten, folgte direkt auf die Balfour-Deklaration. Diese folgte wiederum der Eroberung von Gaza durch britische Truppen am 7. November 1917. Im Ersten Weltkrieg wurde die Stadt in drei Schlachten um Gaza durch britisches Bombardement erheblich zerstört.

Die Meinungsverschiebung in Zahlen

Die Gaza-Kriege haben diesen Konsens zerbrochen. Nach YouGov sagten in den Wochen nach dem 7. Oktober 2023 je 19 Prozent der Briten, sie sympathisierten mehr mit Israel bzw. mit den Palästinensern.

Bis September 2025 hatte sich die Sympathie für die Palästinenser auf 38 Prozent verdoppelt — der höchste Wert im YouGov-Tracking — während die Sympathie für Israel auf 12 Prozent fiel. In zwei Jahren wurde aus einer gleichmäßig geteilten Öffentlichkeit eine, die drei zu eins für die Palästinenser Partei ergreift.

Die Definition des Staates

Der eigentliche Streitpunkt liegt tiefer als bei jeder einzelnen Regierung. Israels Nationalstaatsgesetz von 2018 erklärt Israel zum Nationalstaat des jüdischen Volkes, hält fest, dass nationale Selbstbestimmung im Land „einzigartig für das jüdische Volk“ sei, und erklärt jüdische Siedlung zum nationalen Wert, der gefördert werden soll.

In einem Land, dessen indigene Bevölkerung Vertreibung, Exil, Besatzung und den stetigen Verlust ihres Landes erlitten hat, reserviert der Staat das Selbstbestimmungsrecht für ein einziges Volk und macht die Besiedlung dieses Landes zum nationalen Wert. Kein Regierungswechsel kann das hinwegerklären. Es steht in der Definition des Staates.

Ein Staat, der Selbstbestimmung für ein Volk reserviert, baut Ungleichheit in seine Fundamente ein. Ein Staat gleicher Bürger — palästinensischer und jüdischer — beseitigt sie.

Eine notwendige Unterscheidung

Um diese Definition infrage zu stellen, braucht es eine Unterscheidung, die zu oft verwischt wird: Das Judentum ist eine alte Religion und Zivilisation. Jüdischsein ist eine Identität von außerordentlicher Vielfalt. Der Zionismus ist eine moderne politische Bewegung. Israel ist ein Staat.

Sie sind nicht austauschbar. Ein Staat ist keine Religion, eine Ideologie ist kein Volk, und kein Staat erwirbt Immunität vor Prüfung, weil er beansprucht, für ein Volk zu sprechen, das Jahrhunderte der Verfolgung erlitten hat.

Zu behaupten, Antizionismus sei inhärent judenfeindlich, begeht genau die Gleichsetzung, die sie angeblich ablehnt: Sie presst Millionen vielfältiger jüdischer Menschen in eine einzige Ideologie und macht sie kollektiv für die Handlungen eines Staates verantwortlich. Viele Juden lehnen diese Gleichung ab, und jüdischer Widerstand gegen den Zionismus ist keineswegs neu.

Die Unterscheidung ist wichtig, weil Antisemitismus real ist und seine Geschichte in Nazi-Deutschland monströs. Genau deshalb sollte er weder verharmlost noch dazu benutzt werden, eine Ideologie jenseits jeder Prüfung zu stellen. Aber er darf auch nicht gegen die Palästinenser gerichtet werden, die selbst Semiten sind, so wie alle araber.

Was das für den 7. Oktober bedeutet

Die Vorgeschichte ist keine Entschuldigung für Gewalt — sie ist die Bedingung, unter der Gewalt überhaupt verständlich wird. Wer den 7. Oktober als isoliertes Ereignis behandelt, betreibt keine Analyse, sondern Geschichtslöschung. Er blendet aus, dass:

  • Gaza 1948/49 als Auffangbecken für Vertriebene entstand,
  • die Waffenstillstände von 1948/49 wiederholt gebrochen wurden, um palästinensisches Gebiet zu erobern und Dörfer zu räumen,
  • die Flüchtlinge nie zurückkehren durften,
  • und der Staat sich 2018 per Gesetz die Selbstbestimmung für ein einziges Volk reservierte.

Die Green-Party-Abstimmung zeigt, dass die Grenze des Sagbaren sich verschiebt. Zum ersten Mal wird in der westlichen Politik nicht nur die Regierung, sondern die Gründungsideologie selbst zum Gegenstand der Debatte. Damit wandert die Frage dorthin, wo sie hingehört: zurück nach 1948 — und zu der Frage, die westliche Politiker jahrzehntelang vermieden haben, ob die palästinensische Vertreibung eine tragische Folge der Staatsgründung war oder von der Art, wie diese Gründung geschah, nicht zu trennen ist.

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17 Kommentare

  1. palman
    Antworten

    … und von Mir der „aller-passendste“ LeseTipp dazu: – > Israel und die ewige Kriegslust der Khasaren < (so ins Suchfeld o.l. / 01-12-25) von Peter Haisenko auf „anderweltonline.com“ !?! – in seinem Autoren-Archiv stößt man auf weitere „AugenÖffner“ – u.a. zu seinem Buch-Thema „England – die Deutschen – die Juden und das 20. Jahrhundert“ !?! ;-)

  2. Fritz Madersbacher
    Antworten

    „Wer den 7. Oktober verstehen will, muss diese Kontinuität sehen: Gaza ist nicht 2007 oder 1967 entstanden, sondern 1948/49 — als Auffangbecken für die Vertriebenen einer Katastrophe, die nie anerkannt, nie wiedergutgemacht und nie beendet wurde“

    Wer wissen will, was am 7. Oktober 2023 wirklich geschah, muß das Dossier von Max Blumenthal in „The Greyzone“ vom 27. Oktober desselben Jahres lesen, in dem dieser alle zum damaligen Zeitpunkt bekannten Informationen zusammengetragen hat. Seine minutiöse Zusammenstellung entlarvt die israelische Darstellung bis ins Detail als Lüge und übelste Propaganda. Ihm wird weltweit wesentlich mehr Glauben geschenkt als den israelischen Kriegsverbrechern, die die Folgen des Einsatzes von schwerer Artillerie für ihre eigenen Leute, Dörfer und Häuser zur Umsetzung ihrer „Hannibal-Doktrin“ verschleiern müssen. Nur bei uns und im Westen werden die von ihnen fabrizierten Lügen immer noch dazu benutzt, ihre ungeheuerlichen Kriegsverbrechen zu legitimieren und zu relativieren …
    (Max Blumenthal, „October 7 testimonies reveal Israel’s military ‘shelling’ Israeli citizens with tanks, missiles“, October 27, 2023)
    https://thegrayzone.com/2023/10/27/israels-military-shelled-burning-tanks-helicopters/

  3. Der alte Marxist
    Antworten

    Und dennoch ist es völliger Unsinn, Judentum und Zionismus zu trennen. „Das Judentum ist eine alte Religion und Zivilisation. Jüdischsein ist eine Identität von außerordentlicher Vielfalt. Der Zionismus ist eine moderne politische Bewegung. Israel ist ein Staat“. Das ist komplett falsch! Der Zionismus basiert auf dem Judentum!!! Der Zionismus geht davon aus, dass der Gott der Juden dem „auserwählten Volk“ Palästina geschenkt hat – und daher ein Recht hat, die dortige Bevölkerung zu vertreiben und zu vernichten. Ganz genauso, wie es während der biblischen Landnahme auf Geheiß ihres Gottes geschah.

    Unter Anleitung ihres HERREN mussten sie immer wieder ganze Völker, die im gelobten Land lebten, ausrotten („den Bann vollstrecken“) – Frauen und Kinder durften dabei keinesfalls geschont werden. Eines von vielen Beispielen: die Amalekiter. So sprach der HERR: „Darum zieh gegen sie ins Feld und vernichte sie! Alles, was zu ihnen gehört, steht unter dem Bann. Darum töte ohne Erbarmen Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge, Rinder, Schafe, Kamele und Esel“ (1.Samuel 15,3). Selbst die Tiere fanden keine Gnade. Sie gehörten eben nicht dem auserwählten Volk, das über alle Völker erhoben wurde, waren also so minderwertig wie ihre Besitzer. König Saul (der den Auftrag erhielt) wollte aber zumindest das gesunde Vieh retten. Das bekam ihm ganz schlecht – er wurde vom HERRN verstoßen, weil er nur halbherzig gehorsam war. So wurde er schließlich beseitigt.

    Dazu ein Zitat von Israel Shahak („Jüdische Geschichte, Jüdische Religion – Der Einfluß von 3000 Jahren“): „Die unveränderten Einstellungen des klassischen Judentums gegenüber Nichtjuden prägen noch immer stark seine Anhänger, die orthodoxen Juden und jene, die seine Tradition offensichtlich fortsetzen, nämlich die Zionisten mit ihrem großen Einfluß auf die Politik des Staates Israel. Seit dem Jahre 1967 wird Israel immer jüdischer, so daß mehr jüdisch‐ideologische Erwägungen als kalt berechnete imperialistische Interessen die Politik bestimmen. Ausländische Experten bemerken in der Regel diesen Einfluß nicht. Sie neigen dazu, den Einfluß der jüdischen Religion auf die israelische Politik nicht zur Kenntnis zu nehmen oder herunterzuspielen“.

    Ein weiteres Zitat von Shahak: „Der historische Judaismus und seine beiden Nachfolger, die jüdische Orthodoxie und der Zionismus, sind beide eingeschworene Feinde des Konzepts einer Offenen Gesellschaft, soweit es auf Israel angewandt wird. Ein Judenstaat kann nie eine Offene Gesellschaft sein, gleichgültig, ob er sich auf der derzeitigen jüdischen Ideologie oder, falls er dem Charakter nach jüdischer wird, als er jetzt ist, auf den Prinzipien der jüdischen Orthodoxie gründet“.

    Ein weiteres Zitat von Shahak: „Ich besann mich auf mein in der Jugend erworbenes Wissen und begann, jene talmudischen Gesetze zu studieren, die die Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden regeln. Dabei wurde mir klar, daß sowohl der angeblich vorwiegend areligiöse Zionismus als auch die seit der Staatsgründung betriebene israelische Politik und ganz besonders die Israel unterstützende Politik der jüdischen Diaspora nur zu verstehen ist, wenn man den starken Einfluß dieser Gesetze und die dafür verantwortliche Ideologie berücksichtigt“.

    Der Autor behauptet: „Jüdischsein ist eine Identität von außerordentlicher Vielfalt“. Wahr ist: Alles nicht-jüdische gilt dem Juden als minderwertig. Ein weiteres Zitat: Zitat Shahak: „In diesen Ausführungen kann ich nicht alle Aspekte behandeln, die ich, sei es in Jerusalem oder einem anderen Teil Palästinas einschließlich Israel, als israelische Apartheid‐Politik betrachte. Doch die Apartheid‐Politik gründet sich meiner Meinung nach letztlich auf der Vorstellung, daß im Idealfall nur Juden auf jüdischem Land in einem jüdischen Staat leben sollten. Wie schon alle Gründerväter des Zionismus sagten und was bisher noch kein einziger zionistischer Führer bis zum heutigen Tag zurückgewiesen hat, können die Juden nur in einer vollständig jüdischen Gesellschaft, d.h. in einer Gesellschaft, zu der nur die Juden gehören, „normal“ werden und alle Arten von „schlechten Eigenschaften“ loswerden, die mit der Phrase der „Diaspora‐Mentalität“ beschrieben wird“.

    1. Varus
      Antworten

      @“Wahr ist: Alles nicht-jüdische gilt dem Juden als minderwertig.“

      8 Milliarden Leute müssen doch Wege finden können, sich 15 Millionen Auserwählten Oberen Menschen nicht unterjochen zu lassen? Schalom!

      Ach so – Podoljaka schreibt auf Telegram, Nordjemen habe Taiz erobert. Könnten sich Muslime gemeinsam gegen die Yoden erheben?

    2. Fritz Madersbacher
      Antworten

      @Der alte Marxist
      „Das Judentum ist eine alte Religion und Zivilisation. Jüdischsein ist eine Identität von außerordentlicher Vielfalt. Der Zionismus ist eine moderne politische Bewegung. Israel ist ein Staat“. Das ist komplett falsch! Der Zionismus basiert auf dem Judentum!!!“

      Das ist nicht falsch. Natürlich basiert der Zionismus auf dem Judentum, ähnlich wie der Antisemitismus der christlich geprägten Kultur zuzuordnen ist. Der Zionismus ist im 19. Jahrhundert als Gegenbewegung zum Antisemitismus entstanden und hat, darin seinem Gegner ähnlich, sehr schnell rassistische Züge angenommen. Rassismus galt damals als „wissenschaftlich begründete“ Unterscheidung der Völker und Menschen, natürlich unter Annahme der eigenen Überlegenheit: die eigenen (angeborenen) Fähigkeiten übertreffen die (intellektuellen) Fähigkeiten der anderen Rassen.

      Religionen erzeugen „Kulturen“, die auch jene Menschen prägen, die ihre Religion abgelegt haben. Wir leben in einem säkularen Land mit jahrhundertelanger christlicher Kulturgeschichte. Das hat auch Einfluß auf jene von uns, die nicht Christen sind, egal ob wir uns dessen bewußt sind oder nicht. Der Zionismus ist in jüdischen Milieus entstanden, aber keine religiöse Bewegung, auch wenn er sich auf die biblischen Bücher beruft, um Autorität zu erlangen und auszuüben.

      Es bleibt aber dabei: Judentum ist wie Christentum eine Religion, keine Ethnie, beruht nicht auf einer Volkszugehörigkeit und begründet auch keine. Die Bibel ist kein Geschichtebuch, ebensowenig wie die Epen Homers. Es hat einen Saul, der bei der „amalekitischen Rache“ versagt habe, genausowenig gegeben wie seine angeblichen Nachfolger David und Salomon. Die archäologischen Ausgrabungen ergeben ein völlig anderes Bild des Gebietes des heutigen Palästina, ähnlich wie beim Troja Homers. Das Judentum ist wie das Christentum aus der Tempelreligion Jerusalems entstanden, es ist aber falsch, es dieser gleichzusetzen und von 3000 Jahren Judentum zu sprechen. Strenggenommen ist das Judentum jünger als das Christentum, aber das überstrapaziert jeden, der von den eingebürgerten Annahmen ausgeht und führt hier zu weit.

      Die Anhänger des Judentums und seiner verschiedenen Strömungen wurden im christlichen Mittelalter und später immer wieder schwerstens verfolgt und diskriminieert. In der Nazizeit wurden alle Menschen aus jüdischen Milieus, egal ob gläubige Juden und egal welcher ethnischer Herkunft zu „Juden“ und somit Angehörigen der semitischen Untermenschenrasse deklariert, zur Kennzeichnung nach außen verpflichtet und massenweise ermordet.

      Der heutige kolonialistische Terrorstaat Israel ist ein Produkt dieser europäischen Geschichte mit entsetzlichen Folgen für die Bevölkerung Palästinas. Dieser Staat nennt sich „jüdisch“, beruft sich auf die Bibel, und tritt dadurch Judentum wie Bibel in den Schmutz. Er wird ein ähnliches Ende nehmen wie der rassistische Apartheidsstaat „Südafrikanische Union“, der in einer durch die afrikanische Bevölkerung herbeigeführten Einstaatenlösung durch die „Republik Südafrika“ abgelöst wurde, in der viele Weiße weiterhin bleiben – nicht mehr privilegiert wie früher …

    3. rudifluegl
      Antworten

      I haß Kolaric, du haßt Kolaric – warum sogens zu dir Tschusch?
      Wer hat wohl die Xenophobie erfunden. Die Babys?
      Ich verdächtige eher die hiesigen! Und zwar des “ Xenoodiums“!
      Neben der Erfindung des Delirium tremens.

  4. Roellchen
    Antworten

    Ich denke dass es sich bei Churchill, Adolf H., Merkel, Trueman, Bush, Biden, Trump und Corona… immer nur um Marionetten der zionistischen Hochfinanz gehandelt hat.

    Menschen die im Reichtum baden, aber trotzdem ihren Hals nicht voll bekommen können.

    Ich denke die Zionisten sind nicht Freunde sondern die schlimmsten Feinde der Juden. Sie nutzen sie nur aus, sie treiben sie, sie bringen sie zur Schlachtbank wie Deutsche und Russen für ihre eigenen Zwecke für ihre Hegenomie.

    1. Varus
      Antworten

      Die wichtigste Frage wäre jetzt wohl, wie und wann man Mileikowski & Co stoppen kann?

      Aus dem Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Christlicher_Zionismus – „… Die Gründung des Staates Israel 1948 wird hier als das bedeutendste Zeichen der Endzeit gesehen …“. Bei etwas Pech wird der Typ mit Nuklearwaffen tatsächlich das Weltende einleiten…

      1. Jochen Mitschka

        Die Opposition wird möglicherweise noch schlimmer. Die Bewerber übertreffen sich mit Vernichtungsfantasien im Wahlkampf. Netanjahu ist nur ein Blüte, die aus einer jahrzehntelangen Indoktrination entstanden ist. Es ist Mehrheit der Gesellschaft. Das hat ein israelischer Journalist schon vor Jahren beschrieben, als er fragte, warum die Fakten im Westen unbekannt sind. Aber ist ein Video.

  5. Roellchen
    Antworten

    Ich denke dass es sich bei Churchill, Adolf H., Merkel, Trueman, Bush, Biden, Trump und Corona… immer nur um Marionetten der zionistischen Hochfinanz gehandelt hat.

    Menschen die im Reichtum baden, aber trotzdem ihren Hals nicht voll bekommen können.

    Ich denke die Zionisten sind nicht Freunde sondern die schlimmsten Feinde der Juden. Sie nutzen sie nur aus, sie treiben sie, sie bringen sie zur Schlachtbank wie Deutsche und Russen für ihre eigenen Zwecke für ihre Hegenomie.

  6. therMOnukular
    Antworten

    Noch bevor ich den Artikel gelesen habe, ein riesengroßes Danke dafür…..

    Ich „komme“ gerade von den blauen Seiten des ORF bzw meinem Mail-Account, weil ich dem ORF wieder einmal etwas pfeifen musste. Dort ist nämlich gerade eben ein „Artikel“ online, der sich mit der Tragödie des 7. Oktober befasst und wörtlich von „Schuldumkehr“ spricht, weil das Leid und Trauma der Israelis von gehnoziedalen Vorwürfen aus der Diskussion verdrängt würden.
    Man möge sich doch also bitte wieder daran erinnern, wer die wahren Opfer sind: die 1000 hauptsächlich von der IeDeEff „geopferten“ Israhellis – und nicht die nach aktueller Schätzung grob 600.000 Palästinenser.

    Dieser ORF-„Artikel“ ist so unfassbar, dass ich einfach nur froh bin, hier auf das Gegenteil zu stoßen.

    Wer es selber lesen will, braucht starke Nerven. Mir bereitet so viel und so perfide Lüge tatsächlich körperlichen Schmerz….

  7. cwsuisse
    Antworten

    Was bei mir vom 7. Oktober hängenblieb: 1. Stück 31 geköpfte Babies und Kleinkinder, von Staatschefs rund um den Globus beweint. Später fand sich kein einziges auf der offiziellen Todesliste 2. Auf eine Autopsie der Ermordeten wurde verzichtet (weil man offensichtlich vertuschen wollte, wieviele Israelis von Kampfhubschraubern niedergemäht wurden). Die ganze Sache stinkt gewaltig zum Himmel.

    1. therMOnukular
      Antworten

      Dazu gibt es einen Bericht von „selfhating Chuh“ Max Blumenthal, dass Israhell alle Wracks der Fahrzeuge, die man an diesem Tag zerstörte, einsammelte und tatsächlich in der Erde vergrub – weil die Explosionsmerkmale eindeutig Hellfire-Raketen nachgewiesen hätten, die nur von isr. Kampfhubschraubern kommen konnten.

      Mir fällt auch noch die „Story“ der Kinder ein, die angeblich in Öfen verbrannt wurden. Wie sich herausgestellt hat, waren auch das Opfer der IeDeEff und die Mütter hatten versucht, das Kind vor den Kugeln zu schützen, aber die IeDeEff hat mit Panzern auf diese Häuser geschossen und sie abgefackelt….

      Das stinkt nicht nur, das ist radioaktiv verseucht!

  8. VerarmterAdel
    Antworten

    „Wer die Vorgeschichte kennt, weiß, dass Gaza keine isolierte Enklave am Rand einer friedlichen Region war, sondern das Endprodukt einer Kette von Ereignissen, die bis in die Mandatszeit und das Jahr 1948“ und sogar in die Zeit davor „zurückreichen.“
    Schon vorher haben zionistische Terrorgruppierungen die Region in Angst und Schrecken versetzt, Morde verübt, gebrandschatzt, d. h. im Grunde das gemacht, was ISrahellis am besten können und immer noch tun.

      1. peru3232

        Der Zionismus begann früher – im 19.Jahrhundert wanderten darauf aufbauend die ersten Juden ein – auch überall aus der welt und wohl Chasaren und keine Semiten. Wirklich schlimm für die einheimischen Semiten, also die Palästinenser, wurde es aber erst nach der Eroberung des Landstichs im ersten Weltkrieg durch die Briten…

  9. Leontinger
    Antworten

    Danke Dr. Peter F. Mayer für eine weitere chronologische Darstellung nach Jochen Mitschka!

    Diese Artikel tragen sehr zum Verständnis der verworrenen Lage Palästinas und Israels bei!

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