Das EU-Parlament hat am 22. Oktober 2026 mit klarer Mehrheit eine Verzögerung der Methan-Emissionsvorschriften für Importeure von Erdgas, Rohöl und Kohle um drei Jahre beschlossen.
Mit 341 Stimmen dafür, 225 dagegen und sechs Enthaltungen ging das Parlament sogar über den von der EU-Kommission vorgeschlagenen Aufschub von einem Jahr hinaus. Die Entscheidung erfolgte im Dringlichkeitsverfahren. Importeure müssen nun erst bis 31. Mai 2031 nachweisen, dass Lieferverträge, die seit dem 4. August 2024 abgeschlossen oder erneuert wurden, nur Brennstoffe abdecken, die Monitoring-, Berichts- und Verifizierungsmaßnahmen entsprechen, die den EU-Regeln gleichwertig sind.
Auch die ersten Berichte über den Methangehalt der verkauften Brennstoffe werden auf August 2031 verschoben. Europäische Öl- und Gasbetreiber erhalten ebenfalls zusätzliche Zeit für verifizierte Emissionsberichte – bis Februar 2030 für selbst betriebene Anlagen und bis August 2031 für fremdbetriebene.
Energieversorgung vor „Klimazielen“
Die Kommission hatte den einjährigen Aufschub am 14. Oktober mit dem Konflikt im Nahen Osten und dem daraus resultierenden Druck auf Brennstofflieferungen und Preise begründet. Mehrere Mitgliedstaaten, darunter Frankreich, sowie die USA und Energielieferanten wie Katar, Algerien und Nigeria hatten auf eine Entschärfung gedrängt. Die USA als größter LNG-Lieferant Europas hatten bereits im Juni vor Lieferstörungen gewarnt.
Hier sind offenbar widersprüchliche Interessen von Lobbyisten am Werk. Und natürlich die USA, die ohnehin den entscheidenden Einfluss auf die Handlungen der EU-Kommission haben – siehe USA droht EU mit LNG-Lieferstopp wegen Methan-Emissionsregeln.
Parlamentspräsidentin Roberta Metsola sprach von einer Stärkung der europäischen Energiesicherheit. Die EVP-Fraktion, die den längeren Aufschub vorangetrieben hatte, argumentierte mit Rechtssicherheit und der Notwendigkeit, Verifizierungssysteme funktionsfähig zu machen. Die Regelungen für Lieferungen aus sanktionierten Ländern (vor allem Russland) bleiben unberührt – hier gelten weiterhin die ursprünglichen Fristen.
Auch das zeigt, wer in der EU das Sagen hat – die US-Interessen und Anordnungen gehen allemal vor denen der Bürger.
Kritik von Grünen und Umweltverbänden
Die Grünen-Verhandlungsführerin Jutta Paulus nannte die dreijährige Verzögerung einen „absoluten Skandal“. Umweltgruppen warfen dem Parlament vor, der „fossilen“ Industrie zu dienen statt den Haushalten, die unter hohen Energiepreisen leiden. Die ursprüngliche Methan-Verordnung von 2024 sollte ab 1. Januar 2027 für Importeure greifen und sah Bußgelder von bis zu 20 Prozent des Jahresumsatzes vor.
Das Parlament verlangt von der Kommission bis zum 1. Juli 2029 einen Bericht über die Umsetzung der Regeln und mögliche Risiken für die Versorgungssicherheit. Sollten die Schwierigkeiten anhalten, sollen weitere Anpassungen vorgeschlagen werden.
Zur Bedeutung von Methan für das Klima
Die Aufregung um Methan-Regeln für Öl- und Gasimporte steht in einem bemerkenswerten Kontrast zur tatsächlichen klimatischen Relevanz des Gases. Wie bereits im Mai 2026 auf TKP dargelegt, wird Methan – insbesondere aus der Landwirtschaft – systematisch übertrieben dargestellt, um die politische Agenda durchzusetzen – siehe dazu Die große Methan-Lüge.
Eine Analyse der CO₂ Coalition zeigt: Selbst die vollständige Eliminierung aller 1,6 Milliarden Rinder weltweit würde die globale Erwärmung lediglich um 0,04 Grad Celsius reduzieren. Bei Schafen ist der Effekt noch um den Faktor zehn geringer. Nationale Ziele wie in Neuseeland, die Methanemissionen von Rindern und Schafen zu senken, würden die globale Temperatur maximal um 0,000008 Grad Celsius beeinflussen – also acht Millionstel Grad. Physiker wie William Happer stellen klar: Kein vernünftiger Mensch würde auch nur einen Dollar investieren, um derart insignifikante Temperaturveränderungen zu erzielen.
Zudem wird der natürliche Kohlenstoffkreislauf ausgeblendet. Wiederkäuer wandeln für den Menschen unverdauliche Zellulose in hochwertiges Protein, Milch, Leder und Wolle um. Wasser-Dampf mit bis zu 50.000 ppm hat den mit Abstand größten Einfluss auf die Temperatur, während Methan bei weniger als 2 ppm als Bedrohung inszeniert wird. Die Kampagne gegen landwirtschaftliches Methan dient weniger dem Klima als der Kontrolle und Verteuerung von Grundnahrungsmitteln.
Im Lichte dieser Fakten wirkt die nun beschlossene Verzögerung der Importregeln für Energieträger aus Kohlenwasserstoffen wie ein pragmatisches Eingeständnis: Wenn selbst massive Eingriffe in die Landwirtschaft klimatisch irrelevant sind, dann sollte man bei den Importregeln für Öl und Gas erst recht nicht die Energieversorgung Europas riskieren. Die USA und die Industrie hat ihren Wunsch nach mehr Zeit durchgesetzt – und das ausgerechnet bei einem Gas, dessen klimatische Bedeutung systematisch aufgebläht wird.
Der Text muss nun mit dem Rat der EU verhandelt werden. Die Abstimmung zeigt, wie schnell Klimaziele relativiert werden, sobald reale Versorgungsängste und hohe Preise auf dem Spiel stehen.
Methan entsteht laufend im Erdmantel
Methan und Erdöl werden gerne fälschlich als „fossil“ bezeichnet. Methan entsteht jedoch laufend im Erdmantel aus anorganischen Bestandteilen:
- Calciumcarbonat (CaCO₃): kommt in Sedimentgesteinen vor und wird mit abtauchenden ozeanischen Platten in den Mantel transportiert.
- Eisenoxid (z. B. FeO oder Fe₃O₄): Bestandteil magmatischer/eruptiver Gesteine im Mantel.
- Wasser (H₂O): ebenfalls in subduzierten Platten vorhanden (als freies Wasser, in Mineralen gebunden oder als Fluid).
Diese drei Komponenten treffen unter Mantelbedingungen aufeinander und produzieren Methan, das dann entweder durch Bohrungen aufgeschlossen werden kann oder aber in geringen Mengen entweicht. Wie die genauen geologischen und chemischen Mechanismen funktionieren ist hier erklärt:
Die Chemie der abiogenen Methanbildung – Erdöl abseits von Hormuz und Schutz des Klimas
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.
Sie müssen angemeldet sein um Kommentare zu posten. Noch kein Konto? Jetzt registrieren.