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Wissenschaft

Die Ozeane waren zuerst wach: Was eine 2007er Science-Studie über CO₂ und Meerestemperatur wirklich verrät

0 Kommentare 22. Oktober 2026 5 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Es gibt kaum ein Dogma, das so unbeirrt verteidigt wird wie die Behauptung, die CO₂-Konzentration der Atmosphäre sei der zentrale Regler der globalen Temperatur. Wer wissen will, wie belastbar dieses Narrativ tatsächlich ist, sollte einen Blick auf genau jene Arbeiten werfen, die früher publiziert wurden, als Akademia noch nicht völlig korrumpiert war.

Ein besonders sprechendes Beispiel liefert eine Studie, die 2007 in Science erschien: „Southern Hemisphere and Deep-Sea Warming Led Deglacial Atmospheric CO₂ Rise and Tropical Warming“ von Lowell Stott, Axel Timmermann und Robert Thunell. (Die Erwärmung der südlichen Hemisphäre und der Tiefsee führte zu einem Anstieg des atmosphärischen CO₂-Gehalts und einer Erwärmung der Tropen während der Deglaziation.)

Das Team untersuchte einen marinen Sedimentkern aus dem Morotai-Becken im westlichen tropischen Pazifik (Kern MD98-2181, ca. 2100 m Wassertiefe) und datierte darin sowohl benthische (am Meeresboden lebende) als auch planktonische (an der Oberfläche treibende) Foraminiferen (Bild oben) mittels Radiokarbon.

  • Die Tiefsee begann sich bereits zwischen 19.000 und 17.000 Jahren vor heute zu erwärmen – um rund 2 °C.
  • Diese Erwärmung war der Atmosphäre und der tropischen Meeresoberfläche um etwa 1.000 Jahre voraus.
  • Das atmosphärische CO₂ begann erst nach etwa 18.000 Jahren vor heute zu steigen.

Die Autoren formulieren die Schlussfolgerung unmissverständlich: Die Ursache der deglazialen Tiefwassererwärmung „liegt nicht in den Tropen“, und ihr früher Beginn „kann nicht der CO₂-Forcing zugeschrieben werden“. Stattdessen nennen sie die zunehmende Süd-Frühjahrssonneneinstrahlung in Kombination mit Meereis-Albedo-Rückkopplungen als treibende Faktoren.

Das entscheidende Faktum: die zeitliche Abfolge

Wer die Klimadebatte verfolgt, kennt das Muster: Die offizielle Linie lautet, CO₂ steigt, dann folgt die Temperatur. Die Stott-Arbeit dreht diese Kausalitätskette für die letzte Deglaziation um – zumindest für einen gewichtigen Teil des Systems.

Die Autoren gehen sogar noch weiter und demontieren frühere Versuche, CO₂ als alleinigen Antrieb zu etablieren. Sie weisen darauf hin, dass viele frühere Rekonstruktionen – etwa von Martin et al. – ihre Kernchronologien an die Orbital-Einstrahlung „getunt“ hatten. Mit anderen Worten: Man hatte den Datensatz so ausgerichtet, dass die gewünschte Phasenbeziehung herauskommt. Stott und Kollegen umgingen genau diese Annahme, indem sie die Foraminiferen unabhängig datierten.

Wer die Chronologie nach dem gewünschten Ergebnis justiert, produziert Zirkularität, keine Erkenntnis.

Die Südhemisphäre als Schrittmacher

Ein weiterer Befund verdient Beachtung: Die Meeresoberflächentemperaturen mittlerer Südbreiten erwärmten sich ebenfalls um etwa 2 °C zwischen 19.000 und 17.000 Jahren vor heute – also rund 1.000 Jahre vor der tropischen Erwärmung. Die Autoren zitieren dazu die Arbeit von Kaiser, Lamy und Hebbeln.

Parallel dazu passt der Beginn der deglazialen Erwärmung über dem antarktischen Kontinent – dokumentiert in der Arbeit von Kawamura et al. – zeitlich zum Tiefsee-Rekord. Der synchrone Rückzug mittel-südlicher Gletscher, beschrieben von Schaefer et al., rundet das Bild ab.

Das Muster ist konsistent: Der Süden wurde zuerst warm, nicht die Tropen, und nicht wegen CO₂.

Der Ozean als Wärmespeicher – und warum das die These untergräbt

Bemerkenswert ist auch die Begründung, weshalb die Autoren ausgerechnet Tiefseetemperaturen als globales Signal nutzen. Sie argumentieren, dass die große Wärmekapazität des Ozeans und die lange Verweilzeit der Tiefenwässer dafür sorgen, dass diese Temperaturen ein global gemitteltes Abbild der Strahlungsbilanz der Erde liefern. Das ist eine methodisch starke Wahl – gerade weil sie das CO₂-Forcing eigentlich begünstigen würde, wenn es denn stimmte.

Umso schwerer wiegt, dass die Daten genau das nicht zeigen.

Die Autoren rechnen vor: Am Kern MD98-2181 lagen die maximalen benthischen δ¹⁸O-Werte zwischen 20.000 und 19.000 Jahren vor heute bei etwa 4,8 ‰ – rund 1,8 ‰ höher als moderne Werte. Unter Berücksichtigung der mittleren glazial-interglazialen δ¹⁸O-Verschiebung von etwa 1 ‰ ergibt sich, dass die Temperaturen in 2100 m Tiefe um rund 2,5 °C kälter waren – und zwar bevor CO₂ und tropische Oberflächentemperaturen sich überhaupt zu bewegen begannen.

Was das für die Klimadebatte bedeutet

Diese Arbeit stammt aus dem Establishment, wurde von der National Science Foundation gefördert und in Science veröffentlicht.

Ihre Kernaussagen lauten:

  1. Die Erwärmung des Ozeans war nicht das Resultat steigenden CO₂, sondern ging ihm voraus.
  2. Die Tropen waren nicht der Auslöser der deglazialen Ereignisse.
  3. Die solare Einstrahlung über dem Südpolarmeer und die Meereis-Albedo-Rückkopplung waren die entscheidenden Faktoren.

Die Arbeit behandelt die natürliche Enteisung vor rund 18.000 Jahren, nicht die industrielle Ära. Aber sie liefert einen entscheidenden Hinweis darauf, wie wenig robust die Behauptung ist, CO₂ sei der „Regler“ des Klimasystems. Wenn die Natur selbst bei einem der größten Klimaumschwünge der Erdgeschichte mit der Temperatur voranging und das CO₂ nachfolgte, dann ist die einfache Kausalitätserzählung, die uns täglich präsentiert wird, zumindest unvollständig.

Fazit

Die Stott-Studie ist ein Musterbeispiel dafür, wie die Mainstream-Literatur selbst Belege produzierte, die dem offiziellen Narrativ widersprechen – als die  Akademie noch nicht völlig korrumpiert war, wie heute. Siehe dazu die Analysen beim Omniwar-4-Symposium im Oktober 2026: Die strukturelle Korruption der modernen Universität.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇

Bild: Doc. RNDr. Josef Reischig, CSc., CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

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