
Trump kann sogar Rote Karten beim WorldCup unsichtbar machen
Der Anruf, der die Regeln aushebelte: Eine automatische Sperre, die eigentlich keinen Ermessensspielraum kennt, wurde plötzlich aufgehoben – nachdem der amerikanische Präsident persönlich beim Präsidenten des Fußball-Weltverbands anrief. Was zunächst wie eine Randnotiz aus dem laufenden Turnier wirkte, hat sich binnen weniger Tage zu einer der grundsätzlichsten Vertrauenskrisen entwickelt, die die FIFA seit Jahren erlebt hat.
Im WM-Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina sah der US-Stürmer Folarin Balogun am 1. Juli die Rote Karte, nachdem er auf dem Knöchel eines Gegenspielers gelandet war. Nach den eigenen Regeln der FIFA – Artikel 66.4 des Disziplinarreglements – zieht eine Rote Karte automatisch eine Sperre für das nächste Spiel nach sich, ein Einspruch dagegen ist eigentlich nicht vorgesehen. Balogun ist mit drei Toren in drei Spielen der bislang wichtigste Angreifer der USA.
Wie Politico und das Wall Street Journal übereinstimmend berichteten, ging der erste Impuls von Handelsminister Howard Lutnick und Trumps WM-Beauftragtem Andrew Giuliani aus, die nach dem Bosnien-Spiel mit Trump sprachen und Anwälte einschalteten. Tags darauf rief Trump persönlich FIFA-Präsident Gianni Infantino an, um sich – so ein Sprecher des Weißen Hauses – „besser zu verstehen, warum eine Rote Karte gezeigt wurde und warum es zu einer Sperre kam.“ Laut dem Guardian soll es insgesamt drei Telefonate zwischen Trump und seinem langjährigen Bekannten Infantino gegeben haben.
Am Sonntag, den 5. Juli, hob die FIFA die Sperre auf – gestützt auf Artikel 27 ihres eigenen Disziplinarreglements, der eine Aussetzung von Sanktionen zur Bewährung erlaubt. Balogun steht damit im Achtelfinale gegen Belgien zur Verfügung. Trump bedankte sich umgehend auf Truth Social bei der FIFA dafür, „das Richtige zu tun und eine große Ungerechtigkeit rückgängig zu machen„, das Weiße Haus postete auf X den Schlachtruf „USA-USA-USA.“
Der Aufschrei der Fußballwelt
Die Reaktionen aus dem Sport fielen ungewöhnlich scharf aus. Englands Trainer Thomas Tuchel fragte nach dem Achtelfinalsieg gegen Mexiko öffentlich: „Auf welcher Grundlage wird diese Entscheidung gekippt? Wie weit geht das jetzt? Es ist einfach seltsam für mich.“ Auf die Nachfrage eines Journalisten, ob man dazu vielleicht Trump befragen solle, antwortete er trocken: „Vielleicht. Das ist ein guter Startpunkt.“
Noch deutlicher wurde der designierte neue deutsche Bundestrainer Jürgen Klopp bei MagentaTV: „Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben – das ist verrückt, das stellt alles infrage. Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel. Diese beiden Menschen, die beide keine Ahnung von Fußball haben, sollten gar nichts damit zu tun haben.“
Auch der belgische Nationaltrainer Rudi Garcia, dessen Mannschaft im Achtelfinale auf die USA trifft, äußerte sich sarkastisch vor der Partie: „Ich wusste nicht, dass der 1. April für die FIFA am 5. Juli ist.“
DFB-Präsident Bernd Neuendorf forderte laut ZDF eine „lückenlose Aufklärung“ und mahnte: „Der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme der Politik auf den Sport gegeben hat, muss zügig und schlüssig ausgeräumt werden. Es geht um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der FIFA.“ Der frühere Nationaltorhüter René Adler nannte die Entscheidung das „I-Tüpfelchen“ und regte an, der US-Verband solle Balogun vorsorglich gar nicht erst einsetzen.
Auch die internationale Presse zeigte sich alarmiert: Die italienische Gazzetta dello Sport urteilte, die Entscheidung der FIFA gehe „über jede Logik hinaus und vor allem über Gerechtigkeit und die Einhaltung der Regeln„, während die Süddeutsche Zeitung von einem „FIFA-Skandal“ sprach und sich um die „Integrität des Fußballs“ sorgte.
Belgien wehrt sich – und wirft der FIFA Verfahrensfehler vor
Der Königliche Belgische Fußballverband (RBFA) reagierte nicht nur mit Empörung, sondern auch mit einem eigenen Einspruch. Nach eigenen Angaben erfuhr der Verband von der Entscheidung zunächst nur über Medienberichte und bat die FIFA schriftlich um eine Kopie des Entscheids, eine Erläuterung des Verfahrens und eine Klarstellung der angewandten Regeln. Laut einem Bericht von 20 Minuten wertete die FIFA diese Anfrage kurzerhand als formellen Einspruch, bestellte einen Einzelrichter und ließ dem RBFA nur wenige Stunden Zeit zur Stellungnahme – ohne selbst irgendeine Begründung offenzulegen. Der Verband kritisierte zudem, dass die FIFA in der Spielvorbereitungsbesprechung den sonst üblichen Hinweis auf die automatische Sperre aus ihrer Präsentation entfernt habe.
Der RBFA erklärte, er bleibe „zutiefst besorgt“ und sehe sich gezwungen, die Spielberechtigung Baloguns anzufechten, um „die legitimen Rechte aller teilnehmenden Mannschaften“ zu wahren. Laut The Athletic räumte die FIFA Belgien das Recht ein, gegen die Entscheidung vorzugehen; über den Fall soll ein Mitglied des Berufungsausschusses entscheiden, das weder einem UEFA- noch einem CONCACAF-Verband angehört. Ob eine Entscheidung noch vor dem Anpfiff am Dienstagmorgen fällt, war zuletzt offen.
Die rechtliche Dimension: Wie weit reicht die Autonomie des Sports?
Juristisch berührt der Fall eine altbekannte Grenze: die Reichweite gerichtlicher beziehungsweise politischer Kontrolle über Verbandsentscheidungen. Wie die Legal Tribune Online einordnet, stellte der Europäische Gerichtshof in der Meca-Medina-Entscheidung von 2006 (Rechtssache C-519/04 P) fest, dass Sportregeln unionsrechtlich überprüfbar sein können, sobald sie wirtschaftliche Tätigkeiten berühren – etwa Wettbewerbs- oder Grundfreiheiten. Rein disziplinarische Ermessensentscheidungen eines Weltverbands mit Sitz in der Schweiz fallen damit aber nicht automatisch in den Anwendungsbereich europäischer Gerichte; die FIFA beruft sich stattdessen auf die eigene Verbandsautonomie und auf Artikel 27 ihres Disziplinarreglements, der eine Aussetzung von Sanktionen grundsätzlich erlaubt.
Genau darin liegt der eigentliche Sprengstoff: Nicht die einzelne Regelauslegung ist das Problem, sondern der Anschein, dass eine an sich vertretbare Ermessensausübung durch politischen Druck eines Staatsoberhaupts ausgelöst wurde – ein Novum in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften.
Mögliche Folgen
Kurzfristig steht die sportliche Fairness des anstehenden Achtelfinales USA gegen Belgien infrage: Sollte Belgien mit seinem Einspruch durchdringen oder das Spiel verlieren, dürfte der Vorwurf einer politisch erkauften Entscheidung die WM auf Dauer begleiten. Sportrechtler und Verbände wie der DFB verweisen zudem auf einen möglichen Präzedenzfall: Wenn Disziplinarentscheidungen der FIFA künftig durch Anrufe von Regierungschefs verhandelbar erscheinen, stellt das die Gleichbehandlung aller teilnehmenden Nationen grundsätzlich infrage – insbesondere für Verbände ohne vergleichbaren politischen Zugang zu Infantino.
Langfristig droht ein Reputationsschaden für die FIFA selbst, die ohnehin seit Jahren mit Vorwürfen von Vetternwirtschaft und mangelnder Transparenz kämpft. Kommentatoren zogen historische Vergleiche zu autoritären Eingriffen in den Sport; einer t-online-Analyse zufolge steht Trump damit „in einer Reihe mit Mussolini und einer Militärjunta„, was das Ausmaß der Kritik verdeutlicht. Nicht zuletzt richtet sich der Blick auch auf den Schiedsrichter Raphael Claus, dessen ursprüngliche Entscheidung durch die Ermittlungen der US-Regierung nachträglich infrage gestellt wurde – ein Umstand, der Fragen nach dem Schutz von Unparteiischen vor politischem Druck aufwirft.
Ob die FIFA ihre Entscheidung revidiert, das Berufungsverfahren transparent offenlegt oder an ihrer Linie festhält, dürfte in den kommenden Tagen zum eigentlichen Prüfstein für die Glaubwürdigkeit des Weltverbands werden – unabhängig vom Ausgang des Spiels selbst.
Wird das US-Team jetzt disqualifiziert?
Nach Art. 14 der FIFA-Statuten sind Mitgliedsverbände zu institutioneller Neutralität und Unabhängigkeit von staatlicher Einflussnahme verpflichtet – Verstöße können mit Suspendierung bis zum Ausschluss geahndet werden. Die Regel richtet sich zwar primär gegen die Einmischung von Regierungen in die eigenen nationalen Verbände (etwa bei Vorstandsbesetzungen), nicht direkt gegen politischen Druck auf die FIFA selbst. Dass sie ernst gemeint ist, zeigt die laufende WM 2026 bereits: Der kongolesische Verband FECOFOOT wurde suspendiert, weil sich das dortige Sportministerium in Verbandsangelegenheiten eingemischt hatte; Pakistan traf es aus ähnlichen Gründen.
Genau dieser Doppelstandard treibt einen Teil der aktuellen Empörung an: Während afrikanische und asiatische Verbände bei Regierungseinmischung hart sanktioniert werden, blieb ein direkter Anruf des US-Präsidenten bei FIFA-Präsident Infantino – laut mehreren Medien sogar dreimal – bislang ohne jede Konsequenz für den US-Verband. Kritiker werfen der FIFA deshalb vor, ihre eigenen Neutralitätsregeln selektiv nur gegenüber schwächeren Mitgliedsverbänden durchzusetzen.
Aber der Doppelstandard geht ja noch viel weiter
Es war das karibische Team Haiti, dem die FIFA kurz vor Turnierbeginn vorschrieb, das Trikot zu ändern – wegen einer Darstellung der Schlacht von Vertières von 1803, die Haitis Unabhängigkeit sicherte. Die Illustration wurde als „politisches Statement“ eingestuft, obwohl der Hersteller Saeta betonte, es handle sich um eine Hommage an die eigene Geschichte, nicht um Politik.
Fast zeitgleich ließ die FIFA bei den Spielen der USA am 4. Juli in Houston und Philadelphia eine eigens ausgerichtete 250-Jahr-Feier zur amerikanischen Unabhängigkeit zu – mit Bannern in den US-Nationalfarben, Militärpersonal, der Nationalhymne und virtuellem Feuerwerk im Stadion. FIFA-Präsident Infantino gratulierte öffentlich per Instagram. Der Kontrast ist auffällig: Während Haitis Verweis auf die eigene Unabhängigkeitsgeschichte als unzulässiges politisches Statement kassiert wurde, inszenierte die FIFA die Unabhängigkeitsfeier des Gastgeberlandes selbst mit vollem Pomp.
Bild: Fox News Meldung
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Zitat:
José Mourinho über die Entscheidung der FIFA, die Rote Karte von Folarin Balogun nach dem Eingreifen von Donald Trump aufzuheben:
„Alle tun heute so schockiert. Alle heulen wegen Politik und Donald Trump, der Anrufe bei Gianni Infantino macht, um die Regeln zu ändern. Aber warum sind wir überrascht? Die Integrität dieses Turniers wurde schon in der ersten Woche in den Mülleimer geworfen.
Alles hat angefangen, als FIFA Lionel Messi eine klare Rote Karte für einen Tackling mit Stollen entkommen ließ. Wenn ihr entscheidet, dass die Regeln nicht für den Posterboy gelten, öffnet ihr die Tür für alle anderen. Wenn der Monitor des Schiedsrichters für den Kapitän Argentiniens ignoriert werden kann, um die Marke zu schützen, warum kann dann eine Sperre nicht für den Präsidenten der Vereinigten Staaten ignoriert werden?
Folarin Balogun bekommt eine Rote Karte, Trump macht einen Anruf, und plötzlich findet FIFA einen magischen ‚Artikel 27‘, um ihn gegen Belgien spielen zu lassen. Es ist ein Zirkus. Wir schauen nicht mehr auf eine Weltmeisterschaft, wir schauen auf eine politische Reality-Show, in der das Regelbuch nur ein Vorschlag ist, je nachdem, wer du bist und wer zuschaut.“ https://x.com/LfcNuel/status/2074191463345496254
„Sollte Belgien mit seinem Einspruch durchdringen oder das Spiel verlieren, dürfte der Vorwurf einer politisch erkauften Entscheidung die WM auf Dauer begleiten“
„Wie der Weltverband FIFA am Montagabend mitteilte, wurde ein Protest Belgiens gegen die Aussetzung der Rotsperre des Stürmers auf Bewährung abgewiesen“
(„Tiroler Tageszeitung“, 06/07/2026)
Egal, ob Sport, ob Völkerrecht: es gibt keine Regeln, es gibt kein Recht, wenn eigene Interessen auf dem Spiel stehen. Besser könnte das wahre Gesicht der westlichen Führungsmacht nicht entlarvt werden, wieder etwas dazugelernt …
Falls es Sie tröstet – es zeigt bereits deutlich Wirkung.
Ich empfehle dazu entweder die Nachdenkseiten, oder den DPI-Bericht direkt, der von den Seiten besprochen wird.
Der „Democratic Perception Index“, der kürzlich veröffentlicht wurde, legt es so offen wie noch nie: der Westen ist weniger beliebt als China & Russland (grob 3/4 der Welt sehen das so – inkl. Westen) – und der Grund ist das internationale „Benehmen“. Aus dem Bericht geht explizit hervor, dass China & Russland deshalb beliebter sind und deutlich mehr Vertrauen genießen, weil sie von internationalen Einmischungen und der Anstiftung von Unruhen absehen.
Bezeichnend an diesem Bericht ist, dass er in der EU erstellt wurde und eigentlich die Überlegenheit westlicher Demokratien unterstreichen sollte. Er sagt aber auf etlichen untersuchten Ebenen das Gegenteil aus – westliche Demokratien werden weder als frei noch als wirtschaftlich besser eingeordnet und schon gar nicht als transparent oder ehrlich. etc.
Nach der 1 : 4 Niederlage gegen Belgien: „Wen rufst du jetzt an, Donald?“
(die belgische Zeitung „Nieuwsblad:“, zitiert in der “Krone“, 7. Juli, 2026)
Die US-Fußballer können wahrscheinlich nichts dafür, dass ihnen ein Primitivling, der nicht verlieren kann, in den Rücken gefallen ist und einen (weiteren) Schandfleck in der Geschichte des (Fußball-)Sports hinterläßt …
„Sport“- Großveranstaltungen sind schon lange von der Politik und dem Finanzkapital gekapert, und korrupte Sportfunktionäre machen begeistert mit.
Man muss dem Trampel Donny dankbar sein, dass er dies mit seinem einzigartigen Talent so öffentlich zur Schau stellt.
„Man muss dem Trampel Donny dankbar sein, dass er dies mit seinem einzigartigen Talent so öffentlich zur Schau stellt.“
Da bin ich sowas von bei Ihnen!
Als Dank was zum Schmunzeln:
Rudi Völler wurde interviewt und zum Ausscheiden der Deutschen befragt. Er meinte dazu, „unsere Mannschaft von 1990 hätte Paraguay 1:0 geschlagen“.
Daraufhin fragte der Reporter „nur 1:0?“
Rudi Völler: „naja, die meisten von uns sind ja schon über 60″……..;))
😂