
Syrien bereit, russische Ölimporte drastisch zu kürzen
Im Austausch für bessere US-Beziehungen will das neue syrische Regime, die Importe von russischem Rohöl erheblich reduzieren. Der Schritt würde einen deutlichen Kurswechsel in der Energiepolitik des Landes bedeuten. Trotz der politischen Annäherung an den Westen ist Syrien stark von russischem Öl abhängig geworden.
Damaskus hat den Vereinigten Staaten signalisiert, die Importe von russischem Rohöl erheblich zu reduzieren. Das geschieht im Rahmen der Gespräche über die Streichung Syriens von der US-Liste der Staaten, die den Terrorismus unterstützen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf drei mit den Gesprächen vertraute Quellen.
Nach dem Sturz von Bashar al-Assad im Dezember 2024 übernahm Russland die Rolle des wichtigsten Rohöllieferanten. Die Lieferungen stiegen in diesem Jahr um 75 Prozent auf rund 60.000 Barrel pro Tag. Das ist nur ein winziger Anteil der globalen russischen Ölexporte, macht Moskau aber zum dominierenden Lieferanten für Syrien.
Zuvor hatte der Iran den Großteil des importierten Öls geliefert. Nach dem Regimewechsel stellte Teheran die Lieferungen weitgehend ein. Die heimische Produktion liegt weit unter dem Bedarf: 2025 lag sie bei etwa 35.000 Barrel pro Tag (vor dem Krieg waren es rund 350.000), der tägliche Verbrauch wird auf 120.000 bis 150.000 Barrel geschätzt.
Ein syrischer Energiebeamter erklärte Reuters, Damaskus suche bereits nach neuen Lieferanten und erwarte eine „radikale Veränderung“. Im Juni schloss Syrien ein Gas-Abkommen mit ConocoPhillips und Novaterra; im Juli gab es Gespräche mit TotalEnergies über Offshore-Exploration.
Die Terror-Einstufung SST besteht seit 1979 und ist nach dem Wegfall der meisten anderen westlichen Sanktionen die letzte große US-Sanktionsmaßnahme gegen Syrien. Präsident Donald Trump informierte den Kongress am 8. Juli 2026 über seine Absicht, Syrien von der Liste zu streichen. Damit begann eine 45-tägige Prüfungsfrist.
Nach Angaben der Quellen haben hochrangige syrische Vertreter in den vergangenen Monaten signalisiert, die russischen Ölimporte senken zu wollen. Die USA hätten dies erbeten und eine entsprechende Zusage erhalten – ohne es jedoch explizit als Vorbedingung zu formulieren. Ein syrischer Informant zitierte US-Vertreter mit den Worten, der Verzicht auf russisches Öl würde „die Chancen auf eine schnelle und komplikationslose Aufhebung der SST-Einstufung verbessern“.
Ein syrischer Gesprächspartner betonte gegenüber Reuters: „Heute ist Syrien aus Notwendigkeit auf russisches Öl angewiesen, nicht aus Vorliebe.“ Die Beamten argumentierten häufig: „Hebt die SST-Einstufung auf, dann kaufen wir Öl woanders. Wir haben derzeit einfach keine Alternativen.“
Unter dem neuen Regime des ehemaligen Al-Kaida-Islamisten Jolani hat Syrien die Beziehungen zu Russland pragmatisch fortgeführt. Er besuchte Moskau, wo sich mutmaßlich auch Assad aufhält, mehrmals. Die beiden russischen Militärstützpunkte in Tartus und Hmeimim bestehen weiter, wenn auch in verkleinerter Form und mit Diskussionen über eine teilweise Umwandlung in zivile oder Ausbildungsnutzung. Gleichzeitig pflegt Damaskus intensive Kontakte zum Westen.
Der Kongress hat das Pentagon angewiesen, Optionen zur Reduzierung des russischen Einflusses in Syrien zu prüfen, einschließlich eines möglichen Abzugs von den Stützpunkten.
SouthFront interpretiert die Öl-Zusage als Versuch Damaskus’, Washington zu besänftigen und die eigenen Beziehungen zu Russland als taktischen Hebel zu nutzen.
Analysten wie Navvar Saban vom Arab Center for Contemporary Studies warnen, dass der Ersatz der russischen Mengen nicht über Nacht möglich sei, ohne das Risiko von Treibstoffengpässen oder höheren Kosten. Die langfristigen Auswirkungen hingen davon ab, ob Washington gleichzeitig Alternativen anbiete.
Und das Bakschisch fließt an die ehemaligen Terroristen im CIA Auftrag…