
81 Jahre Hiroshima und Nagasaki und die Rückkehr der Atomkriegsplaner
Vor 81 Jahren, am 6. August 1945 um 8:15 Uhr Ortszeit, detonierte über dem Zentrum von Hiroshima die Uranbombe mit dem zynischen Codenamen Little Boy. Etwa 78.000 Menschen wurden in einem einzigen Augenblick ausgelöscht — verdampft, zerfetzt, verbrannt.
Drei Tage später folgte Fat Man über Nagasaki, eine Plutoniumbombe, die weitere 40.000 Menschen sofort tötete. Bis zum Jahresende starben Zehntausende weitere an akuter Strahlenkrankheit, Verbrennungen und Verletzungen. Die Gesamtopferzahl wird heute auf über 200.000 geschätzt.
Es war ein Kriegsverbrechen von unvorstellbarem Ausmaß, begangen an einer wehrlosen Zivilbevölkerung. Und es war, wie die historische Forschung längst belegt hat, militärisch vollkommen unnötig. Japan stand unmittelbar vor der Kapitulation, was der US-Führung bekannt war. Der eigentliche Zweck der Bombenabwürfe war ein doppelter: eine Machtdemonstration gegenüber der Sowjetunion und die Gewinnung wissenschaftlicher Daten über die Wirkung von Gammastrahlung auf menschliche Körper.

Die Menschen von Hiroshima als amerikanische Laborratten
Was in den Jahrzehnten danach geschah, ist vielleicht das empörendste Kapitel dieser ohnehin abscheulichen Geschichte — und es ist eines, das in den etablierten Medien bis heute konsequent unter den Teppich gekehrt wird.
Die Atomic Bomb Casualty Commission (ABCC), eine von den US-Streitkräften eingerichtete Forschungseinrichtung, wurde unmittelbar nach dem Krieg in Hiroshima und Nagasaki aktiv. Ihre Aufgabe war nicht etwa die Behandlung der Überlebenden, der Hibakusha. Das Gegenteil war der Fall: Den amerikanischen und mit ihnen kooperierenden japanischen Ärzten war es strengstens untersagt, die Opfer zu behandeln oder Informationen über ihre Erkenntnisse weiterzugeben, die zu deren Behandlung hätten beitragen können.
Die Anweisung war glasklar — und sie enthielt kein Wort über Therapie, Schmerzlinderung oder Lebensverlängerung. Die verstrahlten japanischen Zivilisten, Männer, Frauen, Kinder, Säuglinge, dienten als Versuchskaninchen der US-Militärforschung. Ob sie lebten oder starben, ob sich ihr Zustand verbesserte oder verschlechterte, ob sie an Krebs erkrankten oder diesen an ihre Kinder weitergaben — all das waren Fragen kalter wissenschaftlicher Forschung. Die ABCC-Ärzte durchsuchten Friedhöfe nach Überresten, dokumentierten akribisch den Verfall lebendiger Körper, aber sie hoben keinen Finger zur Hilfe.
Darin lag, wie die US-Planer sehr genau kalkuliert hatten, der spezifische Vorteil des Abwurfs auf bewohnte Städte: die Gewinnung wissenschaftlicher Daten unter realen Bedingungen. Ein Test in der Wüste von New Mexico mochte die Sprengkraft messen — aber nur eine Stadt voller Menschen lieferte Daten über die Wirkung ionisierender Strahlung auf menschliches Gewebe, auf Knochenmark, auf ungeborenes Leben.

Die USA mussten schon vor dem Abwurf genau gewusst haben, dass schwerste Schäden durch die freigesetzte Radioaktivität entstehen würden. Die nachträgliche Behauptung, man habe die Strahlenfolgen nicht gekannt, ist eine dreiste Lüge. Das Manhattan Project hatte die besten Physiker der Welt versammelt. Die Wirkung von Gammastrahlung war ihnen bestens bekannt.
Zur Vertiefung dieser historischen Zusammenhänge sei auf den TKP-Artikel vom August 2025 verwiesen: 80ster Jahrestag der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki und das Verhalten der USA danach sowie auf die detaillierte Analyse der historischen Faktenlage: Warfen die USA 1945 Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki ab?
Die Mär von der „notwendigen Entscheidung“
Bis heute wird in westlichen Schulbüchern und Leitmedien die Legende kolportiert, die Bomben hätten „hunderttausende amerikanische Soldatenleben gerettet“, weil eine Invasion Japans sonst unvermeidlich gewesen wäre. Diese Darstellung ist Geschichtsfälschung.
Japan war im August 1945 militärisch am Ende. Die Kaiserliche Marine existierte nicht mehr. Die Städte wurden seit Monaten durch konventionelle Bombardements in Schutt und Asche gelegt — der Feuersturm auf Tokio am 9./10. März 1945 hatte bereits über 100.000 Menschen getötet, mehr als die unmittelbaren Opfer von Hiroshima. Die sowjetische Kriegserklärung am 8. August 1945, einen Tag vor Nagasaki, beseitigte die letzte Hoffnung Japans auf eine Vermittlung durch Moskau. Die Kapitulation war beschlossene Sache.
Die Bomben dienten nicht der Beendigung des Krieges. Sie dienten der Eröffnung des Kalten Krieges. Truman wollte Stalin zeigen, wer das Sagen hat. Und er wollte die einmalige Gelegenheit nutzen, die Wirkung dieser neuen Waffe an lebenden Menschen zu studieren, bevor der Krieg endete und sich diese Gelegenheit für immer verschloss. Die Einwohner von Hiroshima und Nagasaki wurden geopfert — nicht für den Frieden, sondern für die geopolitische Machtprojektion und den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn des US-Militärs.
2026: Die Rückkehr der atomaren Brandstifter
Und nun, 81 Jahre danach, geschieht das Unfassbare: Die NATO bereitet offen die Ausweitung ihrer nuklearen Aufrüstung in Europa vor.
Nach Recherchen der dpa vom 31. Juli 2026 arbeitet das Bündnis an Plänen für einen massiven Ausbau der atomaren Abschreckung. Wie Die Zeit berichtet, erklärte Nato-Generalsekretär Mark Rutte in einem Interview Mitte Juli wörtlich: „Wo immer wir Anpassungen vornehmen müssen, werden wir dies tun. Wir müssen sicherstellen, dass uns niemand mit Atomwaffen angreifen kann, ohne dass wir in der Lage wären, darauf zu antworten.“ Auch Die Welt und T-Online bestätigen die brisanten Planungen.
Der US-Nuklearwaffenexperte Robert Peters spricht bereits ganz unverhohlen von der Stationierung zusätzlicher 100 bis 150 nichtstrategischer US-Atomwaffen in Europa — möglicherweise in Polen, Finnland und sogar Litauen, also direkt an der russischen Grenze. Experten halten es für möglich, dass bereits Bomben vom Typ B61-12 auf den Luftwaffenstützpunkt Lakenheath in Großbritannien verlegt wurden.
TKP hat diese Entwicklungen bereits Anfang August 2026 berichtet: Irre: Bereitet die NATO einen Atomkrieg in Europa vor?
Die tödliche Illusion der „taktischen“ Atomwaffen
Hier liegt eine Gefahr, die in ihrer Tragweite kaum zu überschätzen ist: die Verharmlosung sogenannter „taktischer“ oder „nichtstrategischer“ Gefechtsfeldwaffen.
Das Wort „taktisch“ suggeriert Begrenztheit, Kontrollierbarkeit, irgendetwas zwischen konventioneller Artillerie und „richtiger“ Atomwaffe. Nichts davon entspricht der Realität.
Die in Europa stationierten B61-12-Bomben haben wählbare Sprengkraft zwischen 0,3 und 50 Kilotonnen. Zur Einordnung: Die Hiroshima-Bombe hatte etwa 15 Kilotonnen. Eine einzige B61-12 in maximaler Einstellung entspricht also mehr als dem Dreifachen der Zerstörungskraft von Hiroshima. Und davon liegen bereits etwa 100 Stück in Europa, weitere 100 bis 150 sind im Gespräch.
Was „taktisch“ bedeutet, ist in Wahrheit: geeignet für den Einsatz auf dem europäischen Gefechtsfeld. Die Schwelle zum Einsatz wird dadurch abgesenkt — psychologisch, politisch, militärisch. Ein General, der zögern würde, eine strategische Interkontinentalrakete zu befehlen, könnte eine „kleine“ taktische Bombe als vertretbar einschätzen.
Selbst der Einsatz einer einzigen taktischen Atomwaffe würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine nicht mehr kontrollierbare Eskalationsspirale auslösen. Sobald irgendwo in Europa eine Atombombe detoniert, ist der Rubikon überschritten. Es gibt dann kein Zurück mehr.
Die unterschätzten Folgen selbst „kleiner“ Atomexplosionen
Die Wirkung einer nuklearen Detonation geht weit über den unmittelbaren Explosionsradius hinaus. Selbst eine einzelne Gefechtsfeldwaffe von 10 Kilotonnen würde:
- Feuerstürme entfachen, die alles Leben im Umkreis von Kilometern verbrennen
- Elektromagnetische Impulse (EMP) freisetzen, die sämtliche Elektronik im weiten Umkreis zerstören — Kommunikation, Krankenhäuser, Verkehr, Stromnetze: alles tot
- Radioaktiven Fallout erzeugen, der je nach Windrichtung Hunderte Kilometer weit getragen wird und Landstriche für Generationen unbewohnbar macht
- Nuklearen Winter auch bei begrenztem Einsatz: Schon ein regionaler Atomkrieg mit 100 Sprengkörpern vom Hiroshima-Typ würde, so die Berechnungen von Klimaforschern, durch die in die Stratosphäre geschleuderten Rußpartikel zu globalen Ernteausfällen und einer Hungerkatastrophe führen, die über eine Milliarde Menschen das Leben kosten könnte
Die Vorstellung, man könne einen Atomkrieg auf Europa „begrenzen“, ist Wahnsinn. Sie ist vergleichbar mit der Vorstellung, man könne ein „bisschen schwanger“ sein.
Die Sprache der Kriegstreiber
Dass diese Planungen überhaupt öffentlich diskutiert werden, zeigt, wie weit die Enthemmung bereits fortgeschritten ist. Wo sind die Stimmen, die vor einem Jahr noch vollmundig von „nie wieder Krieg“ sprachen? Wo ist das Entsetzen der Leitmedien, die 2022 jeden als „Putin-Versteher“ brandmarkten, der auch nur nach den Ursachen des Ukraine-Konflikts fragte?
Stattdessen wird in NATO-Kreisen über „neue Arten nuklearer Fähigkeiten“ fabuliert, über „Anpassungen des nuklearen Abschreckungsmixes“, über „nukleare Teilhabe“ — eine Orgie bürokratischer Euphemismen, die allesamt nur eines bedeuten: Wir machen uns bereit, Atomwaffen einzusetzen. In Europa. Gegen Menschen.
Die Hibakusha, die Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki, mahnen seit Jahrzehnten. Ihre Organisation Nihon Hidankyo wurde im vergangenen Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet — eine späte Anerkennung für Menschen, die ihr Leben dem Kampf gegen die Bombe gewidmet haben. Ihre Botschaft ist einfach und unmissverständlich: Kein Mensch, kein Volk, keine Stadt darf jemals wieder erleben, was Hiroshima und Nagasaki erlebt haben.
Doch die Mächtigen in Washington, Brüssel und den NATO-Hauptquartieren hören nicht zu. Sie planen. Sie rechnen. Sie stationieren.
Was jetzt zu tun ist
Österreich hat in dieser Frage eine besondere Verantwortung — und eine besondere Chance. Als neutrales Land, als Brückenbauer, als Stimme der Vernunft in einem Kontinent, der dabei ist, kollektiv den Verstand zu verlieren.
Die Forderungen sind klar:
- Keine Stationierung von Atomwaffen in Europa — weder in neuen noch in alten Standorten. Die in Büchel lagernden B61-Bomben müssen abgezogen werden.
- Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag (TPNW) durch alle europäischen Staaten — nicht nur durch Österreich, das diesen Schritt bereits vollzogen hat.
- Diplomatische Initiativen zur Deeskalation, nicht zur Aufrüstung. Wer immer mehr Waffen stationiert, darf sich nicht wundern, wenn die Gegenseite nachzieht.
- Unterstützung der Hibakusha und ihrer Forderungen — nicht nur symbolisch, sondern durch aktive Friedensarbeit und Bildungsinitiativen.
Veranstaltungen
Hier sind Veranstaltungen am 6. August, die mir derzeit bekannt sind:
6.8. 16h30 Stephansplatz Wien
NIE WIEDER FASCHISMUS! NIE WIEDER KRIEG!
Hiroshima-Nagasaki Gedenktag 2026
Es sprechen:
Alexander Pospisil, KPÖ Wien
Astrid Wagner, Anwältin und Palästina-Aktivistin
Eva Maria Neubauer, Künstlerin
Günther Greindl, General a.D.
Hannes Hofbauer, Verleger und Publizist
Heini Staudinger, Unternehmer im Waldviertel, ehemaliger Präsidentschaftskandidat
Kaede Takenouchi, Studentin aus Nagasaki
Madeleine Petrovic, ehemalige Abgeordnete zum Nationalrat
Peter Kolba, ehemaliger Abgeordneter zum Nationalrat, ARGE für Wehrdienstverweigerung
Robert Glaubauf, Unternehmer und Vorsitzender der MFG
Werner Murgg, ehemaliger Abgeordneter zum Steirischen Landtag der KPÖ
Wilhelm Langthaler, Aktivist für eine gerechtere Weltordnung
Franz Sieder, Arbeiterpfarrer
Moderation: Andreas Wimmer, Sprecher Stimmen für Neutralität
https://www.selbstbestimmtes-oesterreich.at/termin/hiroshima-nagasaki-gedenktag-2026
Veranstalter: Stimmen für Neutralität www.stimmenfuerneutralitaet.at
Do 6.8. 18h Schlossbergplatz Graz
NIE WIEDER HIROSHIMA UND NAGASAKI!
STOPPT DEN GENOZID UND ALLE KRIEGE!
FÜR FRIEDEN UND ABRÜSTUNG!
https://www.selbstbestimmtes-oesterreich.at/termin/nie-wieder-hiroshima-und-nagasaki
Veranstalter: Steirische Friedensplattform www.friedensplattform.at
***
Sa 8.8. 11-13h Ecke Landstraße/Bethlehemstraße, Linz
Nein zu Sky-Shield!
Raus aus den Militarisierungsartikeln des EU-Vertrages!
Aktive Friedens- und Neutralitätspolitik
https://www.selbstbestimmtes-oesterreich.at/termin/hiroshima-und-nagasaki-mahnen
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
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80ster Jahrestag der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki und das Verhalten der USA danach
Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki – Fakten und Fiktionen
Irre: Bereitet die NATO einen Atomkrieg in Europa vor?
Auch die erste Testbombe in Nevada auf einem Turm wurde von Soldaten umzirkelt in verschiedenen Abständen und mit/ohne Schutz, in Bunkern, Gräben und auf freier Fläche. Dafür wurden sogar extra künstliche Dörfer aufgebaut.
Die Amis wussten also genauestens, was passieren würde mit den Menschen, hatten nur keine Daten über den Punkt genau unterhalb der Explosion.
Menschenleben verachtend waren die aber schon immer…
Habe gestern die beiden Dokumentationen auf ARTE zum Thema gesehen. Es ist ein Wahnsinn, zu welchen Grausamkeiten der Mensch, in den meisten Fällen die US-Führung, fähig ist. Und wer dann noch von Kriegstüchtigkeit schwafelt oder wie die NATO von einen Angriffskrieg gegen Russland träumt, der gehört mit Zwangsjacke weggesperrt. Ob Nagasaki oder Hiroshima, ob Vietnamkrieg oder der Völkermord in Gaza, ob Dresden oder Stalingrad, „NIE WIEDER“ ist jetzt!
der quadriga der apokalypse,
van d.bellen, stocker, babler, meinl/reisinger verstehen und machen sowieso nichts,
als retardierte befehlsempfänger tun sie nur das, was ihre herrchen ihnen anweisen …..