Fahrerüberwachung in neuen Autos jetzt Pflicht

8. Juli 2026von 2,3 Minuten Lesezeit

Seit dem 7. Juli 2026 müssen alle neu zugelassenen Pkw, Transporter, Lkw und Busse in der Europäischen Union mit einer Innenraumkamera ausgestattet sein. Der Fahrer wird nun in Echtzeit überwacht.

Das System heißt Advanced Driver Distraction Warning (ADDW) und gilt seit Juli 2026 für alle neu zugelassenen Fahrzeuge in der EU. Zuvor war es nur bei neuen Fahrzeugtypen vorgeschrieben. Künftig könnte die Technik theoretisch auch auf ältere Fahrzeuge ausgeweitet werden.

Das System nutzt Innenraumkameras oder vergleichbare Sensoren, die in Echtzeit Augenbewegungen, Gesicht, Kopfhaltung und Blickrichtung des Fahrers erfassen. Bei Anzeichen von Ablenkung oder Müdigkeit erfolgen Warnungen über das Armaturenbrett, akustische Signale oder haptische Rückmeldungen wie Lenkrad- oder Sitzvibrationen. Die Systeme sind vor allem bei Geschwindigkeiten über ca. 20–50 km/h aktiv.

Offizielles Ziel ist die Verbesserung der Verkehrssicherheit. Ablenkung und Ermüdung gehören zu den häufigsten Unfallursachen. Die EU erhofft sich dadurch langfristig Tausende Unfälle und Todesfälle zu vermeiden. Der Datenschutz sei laut Behörden gesichert: Die Kameras dürfen keine Videos aufzeichnen, keine biometrische Gesichtserkennung zur Identifizierung nutzen und keine Daten außerhalb des Fahrzeugs übertragen. Die Verarbeitung erfolgt lokal im Auto. In der Praxis lässt sich das System jedoch oft nur eingeschränkt deaktivieren.

Kritiker sehen darin dennoch einen potenziellen Einstieg in eine umfassendere Überwachung. Die bereits verbaute Hardware könnte durch künftige Software-Updates leicht für erweiterte Funktionen wie Gesichtserkennung genutzt werden – mit möglichen Folgen für die individuelle Freiheit. Ähnliche Bedenken äußern auch Datenschützer und Medien in Deutschland: Die Technik schaffe eine Infrastruktur, die später für andere Zwecke erweitert werden könnte.

Die Fahrer-Überwachungskameras können zudem andere Nebenwirkungen haben – etwa bei Versicherungsansprüchen. Momente, in denen der Fahrer an einer Ampel kurz aufs Handy geschaut, die Hände kurz nicht in der 10-vor-2-Position gehabt oder sein Blick vom Spiegelsensor nicht richtig erfasst wurde, könnten genutzt werden, um die Schuld an einem Schaden zuzuschieben.

Die Unfallstatistik könnte sich dadurch dramatisch verändern: „Fahrerfehler“ wird plötzlich zur Ursache für fast alles, was auf der Straße schiefgeht. Das wiederum könnte neue Kampagnen wie „Die Menschen fahren gefährlich“ auslösen. So entsteht möglicherweise ein neues Problem: „Daten der ADDW-Kameras zeigen: 80 Prozent von uns fahren rücksichtsloser, als wir glauben“ oder „Selbst erfahrene Fahrer verfallen in schlechte Gewohnheiten“. Darauf könnten dann schnell neue Gesetze, strengere Fahrtauglichkeitsrichtlinien, neue Führerscheinprüfungen oder der verstärkte Einsatz selbstfahrender Autos folgen.


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16 Kommentare

  1. Der Zivilist 8. Juli 2026 um 19:20 Uhr - Antworten

    Typisch EU menschenverachtend.

    Von solcher Technik ist es nur ein kleiner Schritt zum selbstfahrenden Auto, warum macht man nicht diesen Schritt, um den Menschen das Leben zu erleichtern ? Statt dessen behandelt man sie wie Knackis. Bei Piloten hat man ganz bewußt auf solche Maßnahmen verzichtet, weil man einen Menschen im Cockpit haben will, der gegen ‚Dienst nach Vorschrift‘ verstoßen kann !

  2. Daisy 8. Juli 2026 um 18:30 Uhr - Antworten

    Das dauernde Alarmgepiepse führt zu mehr Unfällen. Werden sie diese Technik dann zuückziehen? Mit Sicherheit nicht. Sie werden lügen und sagen, das hat so gut funktioniert, dass wir es jetzt auch für die Oldtimer vorschreiben. Die Fahrer wünschen sich, dass die Daten an die Versicherungen, Polizei, Gemeinde, Konzerne und Brüssel übermittelt werden, dann gibt es gar keine Unfälle mehr….

    Und am besten wärs ja, dass jeder daheimbleibt. Das ist am sichersten.

  3. Glass Steagall Act 8. Juli 2026 um 15:55 Uhr - Antworten

    Deswegen kaufe ich auch keine neuen Autos mehr. Im Übrigen lässt sich jedes System technisch wieder abschalten. Natürlich ist das wieder „illegal“, aber würde mich nicht jucken, weil allein schon der Überwachungs-Staat „illegal“ ist!

  4. Jakob 8. Juli 2026 um 14:53 Uhr - Antworten

    Würden diese Techniken tatsächlich NUR so eingesetzt wie versprochen, es wäre sicher ein großer Beitrag zur Verkehrssicherheit.
    Aber bei unseren verlogenen Psychopathen …….

  5. Elias O. 8. Juli 2026 um 12:38 Uhr - Antworten

    Bald reiten wir wieder mit dem Pferd oder fahren mit der Kutsche :-))

    • Jurgen 8. Juli 2026 um 13:28 Uhr - Antworten

      Pferd ist gut, aber kommt dann wohl von Boston Dynamics…

  6. Jurgen 8. Juli 2026 um 12:27 Uhr - Antworten

    Nur Oldies sind Goldies!

    • Jakob 8. Juli 2026 um 14:55 Uhr - Antworten

      Wenn sich diese Technik bei den Neuzulassungen für unsere Durchgeknallten bewährt, werden auch die Oldies nicht verschont bleiben.

    • Der Zivilist 8. Juli 2026 um 19:21 Uhr - Antworten

      Bis dass der TÜV uns scheidet . . .

  7. therMOnukular 8. Juli 2026 um 12:22 Uhr - Antworten

    Solange sie keinen THC-Sensor einbauen…..

    Irgendwie fällt mir dazu der chinesische „Dissident“ Ai Weiwei ein. In seinem Exil in London meinte er schon, dass die westliche Zensuhr „exactly the same“ sei, wie die China’s. Mittlerweile wieder in China lebend gab er einem deutschen Medium zu Protokoll, dass er von Deutschland wieder nach China ging, weil er da „angenehmer und freier leben kann“.

    Sagt für mich schon alles….

    • 1150 8. Juli 2026 um 12:46 Uhr - Antworten

      @,
      ach was, ein schinesischer provokateur, der aus china ausgeschleust wurde und nun zurückkehrte,
      um die freie westliche welt zu diskreditieren – ein leicht durchschaubares manöver (satire)

    • Der Zivilist 8. Juli 2026 um 19:13 Uhr - Antworten

      George Galloway zieht China auch dem UK vor, ist freier !

  8. Jochen Mitschka 8. Juli 2026 um 12:06 Uhr - Antworten

    Ist das nicht wunderbar? Da können die Sicherheitsbehörden immer live sehen, wer in welchem Wagen sitzt. Das ist doch eine tolle Sicherheit! Hat das eigentlich schon China?

    China treibt den Einsatz von Fahrerüberwachungssystemen (Driver Monitoring Systems, DMS) massiv voran und hat entsprechende Regelungen eingeführt.

    Verpflichtende Kameras: Für Nutzfahrzeuge (wie Lkw, Busse) und Fahrzeuge, die automatisierte Fahrfunktionen nutzen, sind Innenraumkameras und Müdigkeitswarner in China bereits gesetzlich vorgeschrieben.

    Für klassische Pkw hat China neue Richtlinien („Safety Red Lines“) erlassen, die den Einsatz solcher Systeme zur Pflicht machen.

    Funktionsweise: Die Kameras überwachen den Fahrer auf Müdigkeit (z.B. Lidschlussdauer, Gähnen) oder Ablenkung. Bei Erkennung wird der Fahrer akustisch, optisch oder durch Lenkradvibrationen gewarnt.

    Datenübertragung an zentrale Server: Dies ist in der Praxis bereits Realität. Insbesondere bei gewerblich genutzten Fahrzeugen, Flotten und neuen Elektrofahrzeugen müssen Hersteller die Fahrzeug- und Sicherheitsdaten an zentrale Plattformen (und oftmals staatliche Stellen) übermitteln.

    JA aber China ist ja eine Diktatur, bei uns gäbe es so was ja nicht (Satire aus)

    • Glass Steagall Act 8. Juli 2026 um 15:53 Uhr - Antworten

      Die Chinesen setzen auch schon geschickt kleine „Kopfdummies“ (Puppenköpfe) nahe der Kameras ein, die einen Kopf des Fahrers simulieren sollen, damit die Systeme ausgetrickst werden und „denken“, es handele sich um den Fahrer. Somit kann der Fahrer wieder machen was er will.

    • Jan 8. Juli 2026 um 15:58 Uhr - Antworten

      Ich habe Einsätze erlebt, bei denen die Notrufzentrale offenbar mehr oder weniger Live-Zugriff auf die Einloggdaten von Mobiltelefonen hatten.

      • Jochen Mitschka 8. Juli 2026 um 19:07 Uhr

        Dazu mehr zu hören wäre interessant

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.

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