
Trump bei NATO-Gipfel: „Der Waffenstillstand ist vorbei“
Es war offenbar von Anfang an eine Fiktion. Am 17. Juni 2026 unterzeichneten Washington und Teheran ein sogenanntes Memorandum of Understanding — ein 14-Punkte-Papier, das den seit Februar tobenden Krieg zwischen den USA und Iran beenden sollte.
Wie Anadolu Agency berichtete, erklärte Donald Trump dieses Abkommen am 8. Juli 2026 auf dem NATO-Gipfel in Ankara für beendet. Die verwendeten Worte lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig:
„Für mich? Ich denke, es ist vorbei. Ich will mit denen nichts mehr zu tun haben, das sind Abschaum.“
Middle East Eye dokumentierte Trumps Ausbruch im Wortlaut: „Sie sind Abschaum, sie sind kranke Menschen, sie werden von kranken Menschen geführt, und sie sind bösartige, gewalttätige Menschen. Und wenn sie eine Atomwaffe hätten, würden sie sie einsetzen.“ Trump kündigte an, mit seinen Unterhändlern Steve Witkoff und Jared Kushner zu sprechen, fügte aber hinzu: „Soweit es mich betrifft, ist es reine Zeitverschwendung, mit ihnen zu verhandeln. Sie sind Lügner.“
Die unverblümte Wortwahl des US-Präsidenten ist das eine. Die Frage, warum ein Waffenstillstand, der nicht einmal vier Wochen hielt, überhaupt zustande kam — und wem er tatsächlich nützte —, ist das andere.
Die Chronologie eines vorhersehbaren Scheiterns
Die Ereigniskette ist so kurz wie aufschlussreich. Die BBC dokumentierte den Ablauf: Am Montag und Dienstag, dem 6. und 7. Juli, wurden mindestens drei Handelsschiffe in der Straße von Hormus zum Kurswechsel aufgefordert und angegriffen nach der Weigerung zu folgen — darunter ein katarischer LNG-Tanker und ein saudischer Rohöltanker. Das US Central Command (CENTCOM) reagierte mit Luftschlägen auf über 80 Ziele im Iran, darunter Luftabwehrsysteme, Küstenradar, Raketenabschussrampen und Kommandozentralen.
Iran schlug zurück. Wie Fox News meldete, zielten iranische Vergeltungsschläge auf US-Militäreinrichtungen in Bahrain und Kuwait. Sirenen heulten in beiden Golfstaaten. Kuwait verurteilte die Angriffe als „eklatante Verletzung der Souveränität des Landes“ und behielt sich „das Recht vor, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen“ — wie Middle East Eye aus der kuwaitischen Stellungnahme zitierte.
Das US-Finanzministerium widerrief unterdessen jene Generallizenz, die Iran im Rahmen des Memorandums erlaubt hatte, für 60 Tage sanktionsfrei Öl zu verkaufen. Al-Monitor berichtete, dass Washington Teheran eine Frist bis zum 17. Juli setzte, um laufende Transaktionen abzuwickeln — eine Frist, die angesichts der neuen Feindseligkeiten ohnehin akademischer Natur ist.
Der Ölpreis als Seismograph der Macht
Die Märkte reagierten mit der ihnen eigenen Schnelligkeit. CNBC meldete einen Sprung der Ölpreise um rund 6 Prozent, nachdem Trump den Waffenstillstand für beendet erklärt hatte. Brent-Rohöl stieg auf über 78 Dollar pro Barrel, West Texas Intermediate auf fast 75 Dollar. The National aus den Emiraten zitierte Analysten mit der Einschätzung, die „erneute Eskalation hat Bedenken über Versorgungsunterbrechungen durch die Straße von Hormus neu entfacht“.
Während des Höhepunkts des Krieges im Frühjahr hatte Brent fast 126 Dollar pro Barrel erreicht. In den wenigen Wochen der trügerischen Ruhe war der Preis unter das Vorkriegsniveau von 72,87 Dollar gefallen — ein Niveau, das Al Jazeera dokumentierte. Nun, innerhalb von 48 Stunden, wieder fast 80 Dollar.
Für die globale Oligarchie ist das kein Problem, sondern ein Geschäftsmodell. Die Energiekonzerne, die Rüstungsindustrie, die Rohstoffspekulanten — sie alle profitieren von genau dieser Volatilität. Der kleine Mann an der Tankstelle zahlt die Zeche.
Wem nützt der ewige Krieg?
Iran beschuldigt die USA, das Memorandum gebrochen zu haben — durch die Wiedereinführung der Ölsanktionen, durch die anhaltende militärische Präsenz, durch die Weigerung, die von Iran beanspruchte Souveränität über die Straße von Hormus anzuerkennen. Teherans Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte, wie Al Jazeera zitierte: „Die Ära des Mobbings und der Erpressung ist vorbei. Das führt nirgendwohin. Wir knicken nicht ein.“
Die USA wiederum beschuldigen Iran, den Waffenstillstand durch die Angriffe auf Handelsschiffe gebrochen zu haben. NATO-Generalsekretär Mark Rutte sekundierte pflichtschuldig: Die amerikanischen Schläge seien „absolut notwendig“ gewesen, Iran habe „im Grunde den Waffenstillstand verletzt“ — dokumentiert von der BBC.
Die NATO als Kriegstreiber
Bemerkenswert ist die Rolle der NATO. Der Gipfel in Ankara, ursprünglich als Schaulaufen der transatlantischen Geschlossenheit geplant, wurde zur Bühne für Trumps Kriegsrhetorik. Middle East Eye berichtete, dass Trump seine NATO-Verbündeten offen dafür kritisierte, Washington in seinem Iran-Krieg nicht zu unterstützen: „Wir wurden nicht gut behandelt, weil wir etwas im Iran gemacht haben.“
Gleichzeitig fordert die NATO von ihren Mitgliedern eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf 5 Prozent des BIP bis 2035 — die Türkei, so meldete es Middle East Eye, hat bereits 24 Milliarden Dollar zusätzlich für ihr Steel Dome-Luftverteidigungsprojekt bereitgestellt. Der militärisch-industrielle Komplex läuft auf Hochtouren.
Dass ausgerechnet in Ankara — dem NATO-Partner, der geografisch dem iranischen Kriegsschauplatz am nächsten liegt — der Waffenstillstand für beendet erklärt wird, ist eine interessante Inszenierung.
Die unbequeme Wahrheit
Dieser Krieg war nie zu Ende. Er wurde lediglich pausiert — für Verhandlungen, die, wie Al-Monitor festhielt, „in der vergangenen Woche in Katar ohne Anzeichen von Fortschritt endeten“. Irans Außenminister Abbas Araqchi hatte bereits klargestellt, dass Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen „nicht beginnen werden, wenn die Drohungen anhalten“.
Die Straße von Hormus ist für Iran die einzige strategische Karte im Spiel gegen eine überwältigende US-Militärmacht. Die Angriffe auf Handelsschiffe sind kein irrationaler Akt eines „kranken“ Regimes, wie Trump es darstellt — sie sind kalkulierte Signale der Verhandlungsmacht. Teheran zeigt Washington: Ihr könnt unsere Ölverkäufe sanktionieren, aber wir können den gesamten Golf lahmlegen.
Was kommt als Nächstes?
Die Zeichen stehen auf weitere Eskalation. Iran hat gewarnt, dass jede Einrichtung, die US-Angriffe auf iranisches Territorium unterstützt, zum „legitimen Ziel“ wird — wie Middle East Eye meldete. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) rief zu „maximaler Zurückhaltung und Deeskalation“ auf und empfahl Schiffen, die Straße von Hormus zu meiden — eine Empfehlung, die angesichts brennender Tanker ohnehin niemand mehr braucht.
Mindestens 16 LNG-Ladungen aus Katar und 10 aus Abu Dhabi haben die Straße seit Februar passiert. Drei katarische LNG-Tanker, die leer in Richtung Ras Laffan unterwegs waren, drehten am Dienstag um — dokumentiert von Reuters über Middle East Eye. Ein indischer Supertanker mit zwei Millionen Barrel kuwaitischem Rohöl machte vor Oman kehrt.
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