
Britische Wohltätigkeitsvereine als Migrationsschleusen
Britische Wohltätigkeitsorganisationen wie die United Jewish Israel Appeal (UJIA) und Bnei Akiva betreiben Programme, die gezielt junge Juden zur Auswanderung nach Israel (Aliyah) bewegen sollen. Dazu gehören mehrmonatige Gap-Year-Programme, bei denen Teilnehmer in illegalen Siedlungen im Westjordanland leben, sowie sogenannte „Army Days“ oder das Marva-Programm, bei dem sie Uniformen tragen, Waffen in die Hand bekommen und militärisches Training bei der israelischen Armee absolvieren.
Im Jahr 2025 wanderten 742 Briten nach Israel aus — die höchste Zahl seit den 1980er Jahren. Die Zahl 742 stammt aus vorläufigen Berichten oder Teilstatistiken des Institute for Jewish Policy Research (JPR), während die offiziellen Regierungszahlen oft bei 840 liegen. Das geschieht nicht spontan. Dahinter steht ein ausgeklügeltes Netzwerk britischer Wohltätigkeitsorganisationen, die mit erheblichen finanziellen Mitteln junge Juden gezielt an Israel binden, sie in besetzte Gebiete bringen und den Boden für dauerhafte Emigration bereiten.
Im Zentrum dieses Netzwerks: die United Jewish Israel Appeal (UJIA), die 2024 ein Einkommen von £12,8 Millionen ($17 Millionen) deklarierte. Ihre erklärte Mission: „junge Juden zu inspirieren“, eine „Beziehung zu Israel“ aufzubauen. Was nach harmloser Kulturarbeit klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als systematische Migrationsvorbereitung — wie Middle East Eye in einer ausführlichen Recherche dokumentiert hat.
Die UJIA ist kein kleiner Idealistenverein. Sie ist der britische Arm von Keren Hayesod, einer 1920 gegründeten globalen Fundraising-Organisation für das zionistische Projekt, die bis heute formelle Kooperationsabkommen mit der israelischen Regierung unterhält — 2010 von Benjamin Netanyahu persönlich unterzeichnet. Keren Hayesod hat nach eigenen Angaben über drei Millionen Juden bei der Migration nach Israel geholfen.
„Marva“: Vom Gap Year auf den IDF-Stützpunkt
Besonders brisant ist das Marva-Programm, das die UJIA über ihre Partnerorganisation Aardvark bewirbt. Es handelt sich um ein von der israelischen Armee und der Jewish Agency for Israel betriebenes Freiwilligenprogramm — und das ist wörtlich zu verstehen: Die Teilnehmer leben sechs bis acht Wochen auf einem Militärstützpunkt, tragen IDF-Uniformen, führen Waffen und absolvieren Gefechtsausbildung.
Die Werbung dafür liest sich wie Rekrutierungspropaganda:
„Wenn du dich jemals gefragt hast… Wie würde es sich anfühlen, die Uniform der Israel Defence Forces zu tragen?… Dann könnte Marva das Richtige für dich sein.“
Die IDF selbst beschreibt das Ziel des Programms unverblümt: Teilnehmern „einen Vorgeschmack auf das Armeeleben“ zu geben. Das International Centre of Justice for Palestinians (ICJP) stellt dazu trocken fest:
„Waffen tragen, Uniformen anziehen und auf einem Armeestützpunkt leben — das ähnelt eher einer Wehrertüchtigung als einem kulturellen Austausch.“
Siedlungsbau per Charity: Migdal Oz und die Westbank-Realität
Noch deutlicher wird die Gemengelage bei Bnei Akiva, der weltweit größten religiös-zionistischen Jugendbewegung. Die UJIA förderte die Organisation 2023 mit £194.000 und 2022 mit £214.000. Bnei Akiva betreibt in Großbritannien 20 lokale Zweigstellen und Büros in London und Manchester.
Doch was geschieht mit diesem Geld? Bnei Akiva bringt Gap-Year-Teilnehmer nicht einfach nach „Israel“ — es quartiert sie in Migdal Oz ein, einer völkerrechtswidrigen Siedlung im besetzten Westjordanland. Die Organisation selbst bewarb dies bis vor kurzem offen auf ihrer internationalen Website. Erst nachdem Middle East Eye mit Recherchen an die Organisation herantrat, wurde die Ortsangabe auf „Jerusalem“ geändert, um die Lage im besetzten Teil Palästinas zu verschleiern — die FAQ-Sektion verrät jedoch noch immer: „Mechina Olamit is based in Migdal Oz“. Migdal Oz liegt im Siedlungsblock Gush Etzion im Westjordanland.
Google Maps listet Bnei Akiva zudem in den illegalen Siedlungen Giv’at Ze’ev, Ofra, Hasmona’im, Gilo und Sha’arei Tikva.
Die Teilnehmer des Mechina Olamit-Programms absolvieren dreimal wöchentlich körperliches Training — „Laufen, Kriechen, Tragen von Transport von Verletzten“ — und nehmen an einer „IDF-Woche“ teil. Ein britischer Teilnehmer schwärmte im Februar: „Dieses Pre-Army-Programm ist in jeder Hinsicht wahrhaft inspirierend.“
Völkerrecht als Fußnote
Die rechtliche Dimension ist eindeutig. Im Juli 2024 stellte der Internationale Gerichtshof in einem historischen Gutachten fest, dass Israels Besetzung palästinensischer Gebiete rechtswidrig ist und beendet werden muss. Das ICJP stellt klar:
„Die britische Regierung kann diese Rechtsposition nicht einfach ignorieren. […] Man kann keine Siedlungen bewerben oder Teilnehmer dorthin bringen, weil die Siedlungen selbst illegal sind.“
Die UJIA versucht in ihrem aktuellen Jahresbericht zu beschwichtigen: Ausgaben in Israel seien „auf Projekte innerhalb international anerkannter Grenzen beschränkt“. Angesichts der dokumentierten Verbindungen zu Organisationen, die explizit in Siedlungen operieren und Militärprogramme anbieten, darf diese Behauptung getrost als Schutzbehauptung eingestuft werden.
Historisches Echo: Wien als Drehscheibe
Dass jüdische Migrationsbewegung nach Israel keine spontane, individuelle Entscheidung ist, sondern organisierte, staatlich flankierte Infrastruktur, zeigt auch ein Blick in die österreichische Geschichte.
Der Transit sowjetischer Juden durch Wien war jahrzehntelang eine der Migrationsrouten nach Israel. Verwaltet und betrieben wurde dieser Transit — einschließlich des legendären Schönau-Lagers in Niederösterreich — von der < Die Agentur, 1929 gegründet, war und ist keine karitative Hilfsorganisation im herkömmlichen Sinne, sondern eine quasistaatliche Einrichtung mit diplomatischem Status. Sie organisierte Visa, Transport, Unterbringung und die endgültige Übersiedlung — eine vollständige Migrationslogistik auf österreichischem Boden, finanziert durch internationale Spendengelder und israelische Staatsmittel. Das leitende Personal wurde finanziert durch internationale (darunter auch britische) Spendengelder.
Schönau wurde zum Symbol dieser Operation: Tausende russischsprachige Juden passierten das Auffanglager jährlich, bevor sie nach Israel weiterflogen. Die österreichische Regierung unter Bruno Kreisky tolerierte dies stillschweigend — bis 1973 palästinensische Terroristen das Lager als Geiselnahmeziel wählten und Kreisky die Schließung verfügte.
Was damals über Wien lief, läuft heute über London, Manchester und Jerusalem. Die Methoden haben sich verfeinert — aus Durchgangslagern wurden Gap-Year-Programme, aus der Jewish Agency wurden Spendennetzwerke — aber die Struktur ist dieselbe geblieben.
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