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Technologie

China baut Rechenzentren im Eiltempo

4 Kommentare 13. Oktober 2026 4 Minuten Lesezeit von Thomas Oysmüller

Während in den USA und in Europa der Bau von Rechenzentren zum Politikum geworden ist, baut China die Datenhubs immer schneller.

Wie schnell die Digitalisierung in China voranschreitet, zeigt sich etwa am Beispiel Ulanqab, einer Stadt mit weniger als zwei Millionen Einwohnern am Rand der Wüste Gobi in der Inneren Mongolei. Dort entstehen gerade fast 90 Rechenzentren, der dazugehörige Bayin-Big-Data-Industriepark entstand innerhalb von nur zwei Jahren.

China wird seinen Anteil an der globalen Rechenkapazität in nächster Zeit drastisch erhöhen, denn anders als die USA und Europa kämpft man weder mit strukturellen Problemen noch mit öffentlichem Widerstand. Dabei verfolgt man seit 2022 die Strategie „Eastern data, Western compute“.

Acht nationale Computing-Hubs und zehn Cluster sollen Rechenleistung in den energie- und landreichen Westen verlagern, während die Datenverarbeitung im dicht besiedelten Osten bleibt.

Dabei wird auch überschüssige Solar- und Windenergie genutzt. In Ulanqab stammt fast die Hälfte des Stroms aus Wind und Sonne. Zwischen 2022 und 2025 baute China so viel zusätzliche Energiekapazität auf, wie die gesamten USA Ende 2025 besaßen. Allein im ersten Halbjahr 2026 verschwendete das Land überschüssige grüne Energie, die ausgereicht hätte, Mexiko ein Jahr lang zu versorgen. Der Überschuss soll in Rechenzentren fließen.

Die Dimensionen des chinesischen Booms bei Rechenzentren sind enorm. Das Galaxy Campus von Envision in Ulanqab soll auf über 20 Fußballfeldern bis zu 2 Gigawatt Leistung erreichen – phasenweise gebaut, die erste Phase bereits ausgebucht. Bis zu 80 Prozent des Stroms kommen direkt von Windparks, dabei wird das Netz teilweise umgangen. Batteriespeicher und Festkörpertransformatoren regeln den Bedarf. Zudem soll ein „Zero-Water“-Kühlsystem mit Industriealkohol und das kühle Klima den Wasserbedarf drastisch reduzieren.

Das ist aber nur ein Beispiel. Insgesamt plant Peking in den nächsten fünf Jahren 560 Milliarden Dollar für Informationsinfrastruktur, darunter Rechenzentren. Auch chinesische Unternehmen verdoppeln ihre Investitionen in diesem Jahr auf rund 139 Milliarden Dollar. Das ist aber immer noch nur ein Fünftel dessen, was US-Konzerne investieren.

China will aufholen, bleibt aber noch immer zurück. Laut Stanford-Forschung verfügten die USA im vergangenen Jahr über etwa zehnmal so viele KI-Rechenzentren. Vor allem der Zugang zu Hochleistungschips bleibt schwierig. CNN berichtet aktuell, dass manche Projekte auch als „Geister-Rechenzentren“ enden könnten, weil Hardware oder Nutzer fehlen. Manche Standorte im Westen liegen zu weit für latenzkritische Anwendungen im Osten.

Trotzdem sieht Peking die KI als wirtschaftlichen Treiber: Über 700 Millionen Chinesen nutzen bereits KI-Anwendungen. Vor Ort in Ulanqab profitieren Geschäfte und Restaurants vom Bauboom.

Der Blick nach China zeigt eine ganz andere Realität als im Westen. In den USA bremsen das veraltete Netz oder öffentlicher Widerstand den Ausbau. In Europa ist es ähnlich.

In Großbritannien sind neue Netzanschlüsse teilweise pausiert, in Deutschland und den Niederlanden rationiert, in Irland konditioniert oder gestoppt. Über 70 Projekte wurden allein zwischen Januar und April 2026 abgelehnt oder eingeschränkt – mehr als im gesamten Jahr 2025. Auch der Widerstand gegen die Rechenzentren ist effektiv: So sollen bisher Investitionen von rund 42 Milliarden Dollar verzögert oder gestoppt worden sein.

Schottland pausierte Genehmigungen für Hyperscale-Zentren, Dänemark schob sie ans Ende der Warteschlange, Spanien fordert 80 Prozent erneuerbaren Strom. Zugleich wird Europas Anteil an der globalen Rechenzentrumskapazität immer geringer. Gerechnet wird mit einem Rückgang von heute rund 13 Prozent auf etwa 10 Prozent bis 2030. Zudem wird Europa durch den hohen Strompreis immer weniger attraktiv. Die EU träumt trotzdem von einer Verdreifachung der Kapazität in den nächsten fünf bis sieben Jahren. Das dürfte aber kaum zu realisieren sein.


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4 Kommentare

  1. Jurgen
    Antworten

    Die bauen die Rechenzentren doch eh nur als Matrix, an die alle angeschlossen werden sollen über Auge/Ohr Simulation à la Meta… die smarten Nutzer von Mikrowellengeräten werden bald den Unterschied nicht mehr erkennen (können), weil das Gehirn schon soweit geschädigt wurde…

  2. Gabriele
    Antworten

    Wenn Europa wirklich so dämlich ist zu denken, wir könnten da mithalten…. dann bitte gleich Mensch und Tier komplett ausrotten und 10.000 Rechenzentren dafür aufstellen – diese können die Global Player nutzen. Und Europa ist zufrieden, etwas „Gutes“ und „Demokratisches“ beigetragen zu haben. Windräder haben auch genug Platz, bringen halt nur wenig, aber wir haben das „Nachhaltigkeitsziel“ immerhin erreicht.

    Nur so als Vorstellung – auch für die Zeit nach der ersten „kleinen“ Atombombe, die wir so sehr herbeisehnen.. das wäre doch ideal. Und vor allem so typisch deutsch und „europäisch“. Wir schaffen das…

    1. local.man
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      Oh, man kann etwas formatieren.. Gute Entscheidung.

      Ja also.. Herrschenden war das zu jeder Zeit egal und ist es auch heute noch.

      Wenn deren Vorteile die Nachteile überwiegt, werden wir auch hier hunderte Rechenzentren bekommen, auch wenn 99% der Leute dafür bluten müssen.

      Wir bekommen auch grundlos Plandemien und Giftspritzen verpasst. Jedenfalls „grundlos“ aus Sicht einer Seuche.. Die Sache hatte schon seine Gründe…

  3. cwsuisse
    Antworten

    Es wird laufen wie immer – die Chinesen machen das Geschäft mit der Masse und die US-Firmen verkaufen ihre Lösungen für viele Milliarden an das Pentagon.

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