Deutschland sanktioniert – jetzt auch China?

30. Juli 2026von 5,3 Minuten Lesezeit

Deutschland überlegt, ob und welche Sanktionen man China auferlegen könnte, um die „unfairen“ Handelspraktiken zu „bestrafen„. Da macht es Sinn, mal zu schauen, was denn aus den Sanktionen gegen Huawei wurde, welche damals in den USA so als beispielhaft gelobt worden waren.

Die Ausgangslage: Nach Medienberichten prüft die Bundesregierung, ob und wie sie sich an möglichen Sanktionen gegen China beteiligen könnte – als Reaktion auf Pekings Exportkontrollen bei Seltenen Erden, die inzwischen auch deutsche Industrien empfindlich treffen. Deutschland drängt dabei laut Handelsblatt gemeinsam mit Frankreich und der EU-Kommission auf eine Aktivierung des europäischen „Instruments gegen Zwangsmaßnahmen“ – ein Instrument, das im äußersten Fall auch Strafzölle, Ausschluss von Beschaffungsmärkten oder Sonderabgaben für chinesische Unternehmen ermöglicht.

Was wurde aus dem Fall Huawei?

Bevor man diese Debatte führt, lohnt ein Blick auf den bislang größten Sanktions-Feldversuch der letzten Jahre: den amerikanischen Versuch, den chinesischen Technologiekonzern Huawei vom Weltmarkt abzuschneiden. Sein Ergebnis ist heute, sieben Jahre später, so ziemlich das Gegenteil dessen, was Washington beabsichtigte – und es liefert einen Fall, an dem sich studieren lässt, was Sanktionen gegen technologisch ambitionierte Staaten tatsächlich bewirken.

2019: Der Bann

Im Mai 2019 setzte das US-Handelsministerium Huawei auf die sogenannte Entity List. Amerikanischen Unternehmen wurde damit untersagt, ohne Sondergenehmigung Technologie an den Konzern zu liefern. Der erste große Schlag traf die Software-Basis: Google entzog Huawei die Lizenz für die Google Mobile Services – Play Store, Gmail, Maps, all das, was ein Android-Gerät für internationale Nutzer erst brauchbar macht. Kurz darauf drohte China im Gegenzug mit einem Exportstopp für Seltene Erden, wie Notebookcheck im Mai 2019 berichtete – dieselbe Karte, die Peking heute, sieben Jahre später, tatsächlich zieht.

2020 folgte der eigentlich existenzbedrohende Schritt: die sogenannte Foreign Direct Product Rule. Sie zwang jeden Chip-Hersteller weltweit, der auch nur amerikanische Maschinen, Software oder Patente in seiner Fertigung nutzt – also praktisch die gesamte globale Halbleiterindustrie inklusive TSMC – dazu, keine Chips mehr für Huawei zu produzieren. Damit war auch der Zugang zu ARM-Lizenzen und zu Qualcomm-Chips faktisch versperrt. Huaweis Smartphone-Sparte, bis dahin die Nummer eins oder zwei der Welt, brach in den Folgejahren regelrecht ein.

Der erzwungene Alleingang

Was Huawei danach tat, hatte der Konzern nach eigenen Angaben bereits seit 2012 in der Schublade liegen: den Aufbau einer vollständig eigenen Technologiebasis, wie schon damals Notebookcheck berichtete. Auf der Hardware-Seite bedeutete das: eigene Kirin-Prozessoren, gefertigt vom chinesischen Auftragsfertiger SMIC statt bei TSMC. Frühe Versuche liefen zunächst auf veralteten 45-Nanometer-Verfahren, wie ein früher Notebookcheck-Bericht zu den damaligen Fertigungsplänen festhielt – meilenweit von dem entfernt, was High-End-Smartphones brauchten.

Auf der Software-Seite entstand parallel HarmonyOS: zunächst noch mit Rückfallebene für Android-Apps, inzwischen – als HarmonyOS Next – ein eigenständiges Mikrokernel-System ohne jede Android-Kompatibilität, wie es sogar in der deutschen Wikipedia nachzulesen ist. Der Bruch war radikal: Huawei verzichtete bewusst auf die Bequemlichkeit, kompatibel zu bleiben, und zwang das eigene App-Ökosystem, sich von Grund auf neu aufzubauen.

2026: Der Kreis schließt sich

Sieben Jahre nach dem Bann steht heute ein Ergebnis, das in Washington 2019 kaum jemand für möglich gehalten haben dürfte. Huawei zeigte auf seiner Entwicklerkonferenz 2026 einen Desktop-Rechner, der laut Hardwareluxx komplett ohne US-Technik auskommt: kein Windows, kein Intel, kein AMD. Stattdessen läuft die Maschine mit dem selbst entwickelten Kirin-9000X-Prozessor und HarmonyOS als Betriebssystem – für rund 17.000 kompatible Anwendungen, Tendenz steigend.

Die Nachfolgeserie, das Modell HM650 mit dem neuen Kirin-X90-Chip, soll laut einem aktuellen Bericht im Oktober 2026 kommerziell starten – mit mittlerweile mehr als 19.000 unterstützten PC-Programmen. Auch im Smartphone-Bereich geht die Entwicklung weiter: Die im September erwartete Mate-90-Serie bringt laut Pandaily HarmonyOS 7 und einen neuen Kirin-Chip, dessen Transistordichte durch eine gestapelte Chip-Architektur – nicht durch klassische Verkleinerung der Strukturbreite, die SMIC mangels EUV-Lithografie nach wie vor fehlt – um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahres-Chip zulegt.

Damit ist ein Punkt erreicht, den es bei einem großen Elektronikhersteller so zuvor nicht gab:

Ein Gerät, dessen Hardware und Software vollständig aus einem einzigen Land stammen – vom Prozessor-Design über die Fertigung bis zum Betriebssystem und dem App-Ökosystem. Kein Baustein, an dem eine amerikanische Exportkontrolle noch ansetzen könnte, weil keiner mehr aus den USA stammt.

Die Kehrseite der Blockade

Diese Unabhängigkeit kam nicht ohne einen Preis. SMICs Fertigung bleibt ohne EUV-Lithografie technologisch noch limitiert, und der Aufbau eines konkurrenzfähigen App-Ökosystems ohne Android-Kompatibilität hat Jahre gedauert und Huawei zwischenzeitlich Marktanteile gekostet. Der eigentliche Punkt liegt aber woanders:

Ein Konzern, der ohnehin schon einer der größten Technologiehersteller der Welt war, wurde durch den Entzug jeder Alternative dazu gezwungen, genau jene Abhängigkeiten aufzulösen, die eine Sanktion überhaupt erst wirksam machen. Was als Schwächung gedacht war, wurde zum Bauplan für einen kompletten Gegenangriff – Chip, Betriebssystem, Anwendungen – der nun nicht mehr nur für den chinesischen Binnenmarkt, sondern zunehmend auch als Exportangebot an Staaten und Unternehmen bereitsteht, die selbst nicht mehr von US-Technologie abhängig sein wollen. Noch hat Washington Druckmittel, um das zu verhindern. Aber diese werden immer schwächer.

Genau darin liegt die Pointe für die aktuelle Debatte in Berlin und Brüssel: Sanktionen gegen einen technologisch bereits weit entwickelten Akteur wirken kurzfristig schmerzhaft, können mittelfristig aber genau die Eigenständigkeit erzwingen, die man eigentlich verhindern wollte – und am Ende einen Konkurrenten hervorbringen, der von den ausgesperrten Technologien nicht mehr abhängt und sie stattdessen selbst anbietet.

Zusammenfassung

Der Fall Huawei, und viele, viele andere Fälle der Sanktionen gegen Russland ebenso, zeigen, dass Sanktionen, abgesehen davon, dass sie in vielen Fällen völkerrechtswidrig sind, nur gegen absolut schwache Länder wirksam sind. Echte Konkurrenten treiben Sanktionen sogar dazu, unerwartete und unerwünschte Wettbewerbsfähigkeit aufzubauen, mit der Folge, dass Russland z.B. vom Nahrungsmittelimporteur, zu einem der größten Exporteure wurde, oder ein anderes Beispiel, Siemens heute keine Turbinen mehr nach Russland verkauft, sondern Siemens inzwischen auf dem Weltmarkt auf die Konkurrenz russischer, und inzwischen sogar iranischer Turbinen trifft.


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9 Kommentare

  1. cwsuisse 30. Juli 2026 um 19:36 Uhr - Antworten

    Der systematische Versuch HUAWEI zu zerstören, war natürlich kein unfairer Wettbewerb. Die HUAWEI Smartphones mit einem ausgezeichneten Preis-Leistungsverhältnis aber schon. Das sind die Wertenormen der Turbo-Heuchler.

    • Vortex 30. Juli 2026 um 21:10 Uhr - Antworten

      HUAWEI ist nun völlig unabhängig von MS & Windows, denn es wurde in Rekordzeit HARMONY OS erschaffen (tinyurl.com/4bz753d7), ein genialer Schachzug gegen jegliche westliche IT-Einflüsse …

  2. Daisy 30. Juli 2026 um 15:41 Uhr - Antworten

    Die ungewählten Marionetten tun alles, um Schland zu ruinieren. Es gibt jetzt schon ein paar Micheln, denen das auch schon aufgefallen ist. Sie wandern grad aus…

    • Daisy 30. Juli 2026 um 16:05 Uhr - Antworten

      ZB. nach China…;-)

      • cwsuisse 30. Juli 2026 um 19:38 Uhr

        Ich wüsste nicht, das man als Deutscher nach China auswandern könnte, denn man erhält keine unbegrenzte Aufenthaltserlaubnis. Ansonsten wäre ich sofort dabei.

      • Daisy 30. Juli 2026 um 21:00 Uhr

        EU-Bürger, Schweizer Staatsbürger sowie Nicht-EU-Bürger:
        Für Daueraufenthalte ist ein entsprechendes Visum und danach eine Aufenthaltsgenehmigung erforderlich.
        Übliche Visaarten:
        D-Visum (Daueraufenthaltsvisum) für unbefristeten Aufenthalt.
        Z-Visum (Arbeitsvisum) für Beschäftigung mit Arbeitsgenehmigung.
        X1-Visum für Studium über 6 Monate.
        Voraussetzungen:
        Einladung oder Arbeitsvertrag bzw. Studienplatz in China.
        Finanzielle Absicherung: Kein fixer Betrag, aber Nachweis ausreichender Mittel, ca. 100 bis 150 € pro Tag als Richtwert.
        Krankenversicherung mit mindestens 30.000 € Deckung dringend empfohlen bzw. teilweise vorgeschrieben.
        Gültigkeit:
        D-Visum führt zu unbefristetem Aufenthalt.
        Z-Visum und X1-Visum meist 1 Jahr gültig, Verlängerung vor Ort möglich.
        Verlängerungen:
        Verlängerungen bzw. Umwandlungen des Visums in eine Residenzgenehmigung vor Ort bei den Behörden möglich.
        Frühzeitige Beantragung empfohlen.

      • Daisy 30. Juli 2026 um 21:00 Uhr
  3. VerarmterAdel 30. Juli 2026 um 15:37 Uhr - Antworten

    Passt doch.

    Zuerst bringen sie uns in Abhängigkeit von der Werkbank der Welt hier im besten Idiotistan jemals – wie einige ever übersetzen -, und wenn es dann ohne China nicht mehr geht, und hier alles dem Erdboden gleichgemacht wurde für die „Rettung“ des Heiligen Klimas, fangen die gehirnamputierten Nullchecker und Schwerstverbrecher mit Sanktionen an.

    Aber wie Michaal Yon gerade in einem anderen Zusammenhang sagte: Es ist keine Idiotie, Unfähigkeit, Unvermögen, Dummheit oder dumm gelaufen sondern Absicht!

    Michael Yon: „Report: WAR GROWING — Saudi Arabia/U.S. Attack Iraq“ (YT-Video)

    • Vortex 30. Juli 2026 um 20:47 Uhr - Antworten

      In den westlichen Medien wurde es kaum erwähnt, dass China im Alleingang (tinyurl.com/khym59d3) etwas verhinderte, was ansonsten uns alle betroffen hätte …

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