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Politik

Saudi-Arabiens Krieg gegen den Jemen und die Folgen für die EU

1 Kommentare 11. September 2026 8 Minuten Lesezeit von Jochen Mitschka

Alarmmeldung für Europa. Die militärische Entwicklung im Jemen bekommt eine neue Dynamik. Entscheidend ist dabei nicht mehr allein, wie weit die Regierung in Sanaa ihre Frontlinien nach Süden und Westen verschieben kann. Entscheidend wird zunehmend, ob ihre Gegner, Verbündete und Handelspartner der EU, überhaupt noch in der Lage sind, eine gemeinsame Front zu bilden.

Genau hier liegt möglicherweise die größte Schwäche des anti-sanaaistischen Lagers. Während die Regierung in Sanaa die Interessen der Jemeniten vertritt, dominieren bei den Gegnern ganz andere Ziele und oft gegensätzliche Interessen.

Der Jemen-Krieg kippt – und das eigentliche Problem liegt jetzt im Süden

Die Kräfte, die Sanaa gegenüberstehen, sind keineswegs ein homogener Block. Saudi-Arabien verfolgt andere Interessen als die Vereinigten Arabischen Emirate, die „international anerkannte Regierung“ andere als die südjemenitischen Separatisten. Dazu kommen die von Tareq Saleh geführten Nationalen Widerstandskräfte an der Westküste. Die unterschiedlichen Gruppen verbindet vor allem ein gemeinsamer Gegner – aber keineswegs ein gemeinsames politisches Zukunftsmodell für den Jemen. Reuters beschreibt das Lager der Gegner der von Ansarallah geführten Regierung in Sanaa entsprechend als von tiefen inneren Gegensätzen geprägt. Während die Regierung in Sanaa die große Mehrheit des Landes hinter sich weiß.

Das war lange Zeit ein Problem auf dem Papier. Jetzt könnte es zu einem Problem auf dem Schlachtfeld werden.

Der zweite Krieg im Krieg

Besonders brisant ist die Entwicklung im Süden. Dort stehen sich Kräfte gegenüber, die eigentlich verhindern müssten, dass Sanaa weiter nach Süden vorstößt.

Auf der einen Seite stehen die von Saudi-Arabien gestützten und finanzierten Kräfte der „international anerkannten Regierung“. Auf der anderen Seite stehen beziehungsweise standen die mit den Vereinigten Arabischen Emiraten verbundenen Kräfte des Southern Transitional Council (STC), die langfristig einen unabhängigen Südjemen anstreben, wodurch die Macht Saudi-Arabiens über die arabische Halbinsel reduziert werden soll.

Dieser Gegensatz ist keineswegs neu. Der STC hatte bereits zuvor versucht, seine Position im Süden und Osten des Landes auszubauen; Saudi-Arabien intervenierte daraufhin gegen ihn. Im Januar kam es in Aden erneut zu großen Demonstrationen zugunsten der südjemenitischen Unabhängigkeit. Das Land ist geprägt von Differenzen zwischen Süden und Norden, war aber bereits einmal in einem einheitlichen Staat verbunden.

Damit entsteht eine geradezu paradoxe Situation: Während Sanaa seine Gegner unter Druck setzt, müssen seine Gegner gleichzeitig einen Teil ihrer militärischen Kräfte gegeneinander richten.

Für Sanaa ist das strategisch ausgesprochen günstig.

Denn eine Armee muss nicht unbedingt militärisch besiegt werden, wenn sie politisch zerfällt. Wenn Saudi-treue Kräfte und südliche Separatisten ihre eigenen Machtpositionen absichern müssen, werden Einheiten gebunden, Nachschubwege unsicher und gemeinsame Kommandostrukturen schwieriger. Jeder Streit um Aden, Hadramaut oder die Kontrolle über Häfen und Verkehrswege ist damit indirekt auch ein Vorteil für Sanaa.

Das erklärt, warum die derzeitige Entwicklung möglicherweise bedeutender ist als der Gewinn einzelner Städte.

Washington kann das Problem nicht einfach lösen

Für Saudi-Arabien kommt erschwerend hinzu, dass die naheliegendste Lösung derzeit nicht zur Verfügung steht: eine massive amerikanische Intervention. Riad hat Washington um direkte Luftunterstützung gegen die vorrückenden Kräfte gebeten. Präsident Trump hat entsprechende Wünsche bislang jedoch zurückgewiesen. Washington konzentriert seine militärischen Ressourcen und seine politische Aufmerksamkeit auf den Krieg mit Iran und versucht gleichzeitig, eine weitere Eskalationsstufe im Jemen zu vermeiden. Was einigen Ländern, speziell am Persischen Golf, weiter aufzeigt, wie wenig verlässlich der so genannte „US-Schutz“ im „Ernstfall“ ist.

Aber das Verhalten ist aus amerikanischer Sicht nachvollziehbar. Ein direkter US-Einsatz gegen Sanaa würde die Gefahr erhöhen, dass aus dem jemenitischen Bürgerkrieg endgültig ein weiterer Kriegsschauplatz des amerikanisch-iranischen Konflikts wird.

Hinzu kommt das Problem einer politischen Falle: Sollte Washington jetzt massiv eingreifen, könnte der seit Jahren bestehende Waffenstillstand beziehungsweise die fragile politische Trennung des Jemen endgültig zusammenbrechen. Die USA müssten dann nicht nur militärisch intervenieren, sondern anschließend auch entscheiden, welche der zahlreichen jemenitischen Fraktionen sie eigentlich unterstützen wollen.

Und genau darauf gibt es keine einfache Antwort.

Denn ein Sieg der von Saudi-Arabien unterstützten Regierung bedeutet nicht automatisch einen Sieg über die südjemenitischen Separatisten. Umgekehrt wäre ein stärkerer STC für Saudi-Arabien selbst problematisch. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben traditionell andere strategische Interessen verfolgt als Riad, insbesondere entlang der Seewege und Häfen. Die Konkurrenz zwischen beiden Golfstaaten hat deshalb das anti-Huthi-Lager immer wieder belastet.

Sanaa bekommt dadurch eine einmalige Gelegenheit

Das strategische Fenster für Sanaa ist deshalb ungewöhnlich groß. Die Regierung in Sanaa muss ihre Gegner nicht gleichzeitig besiegen. Es genügt zunächst, deren Fähigkeit zur Koordination zu zerstören.

Wenn sich die Kräfte im Süden weiter gegenseitig bekämpfen oder zumindest ihre militärischen Ressourcen gegeneinander absichern müssen, kann Sanaa seine Kräfte auf einzelne Frontabschnitte konzentrieren. Die geografische Logik ist dabei entscheidend: Je weiter die Front nach Süden rückt, desto wichtiger werden die wenigen Verkehrsachsen, Häfen und Knotenpunkte.

Besonders gefährlich wäre für die Gegner Sanaa’s eine Situation, in der sich die Fronten im Süden politisch und militärisch entkoppeln. Dann könnte aus dem bisherigen Bürgerkrieg ein völlig neuer Konflikt entstehen: Sanaa gegen einen zerfallenden Flickenteppich aus saudisch orientierten Kräften, südlichen Separatisten und lokalen Milizen.

Das wäre für Sanaa wesentlich günstiger als ein geschlossener Gegner.

Dabei darf allerdings nicht übersehen werden, dass die Entwicklung keineswegs zwangsläufig auf einen vollständigen Sieg Sanaa’s hinausläuft. Die militärische Lage bleibt ausgesprochen dynamisch, und Saudi-Arabien verfügt weiterhin über erhebliche militärische und finanzielle Ressourcen. Auch die Kontrolle der entscheidenden Seewege ist noch nicht endgültig geklärt. Die jüngsten Vorstöße in Richtung Bab al-Mandab zeigen allerdings, wie schnell sich das Kräfteverhältnis verändern kann.

Und plötzlich wird der Jemen zu einem europäischen Wirtschaftsproblem

Die Bedeutung dieser Entwicklung reicht deshalb weit über den Jemen hinaus.

Der Bab al-Mandab ist einer der wichtigsten maritimen Engpässe der Welt. Gleichzeitig ist die Straße von Hormus durch den Krieg zwischen den USA und Iran bereits massiv belastet. Fallen beide Transportwege längerfristig aus oder werden sie unsicher, entsteht ein Energieproblem, das Europa nicht einfach durch andere Lieferanten kompensieren kann.

Die Internationale Energieagentur erwartet inzwischen für 2026 einen Rückgang des weltweiten Ölangebots um rund 5,7 Millionen Barrel pro Tag beziehungsweise sechs Prozent. Gleichzeitig sind die Treibstoffpreise stark gestiegen.

Für die EU ist das besonders gefährlich, weil der Energiepreisschock nicht nur Autofahrer und Haushalte trifft. Er trifft Chemie, Stahl, Glas, Papier, Transport, Landwirtschaft und praktisch jede energieintensive Produktion. Höhere Energiepreise bedeuten höhere Produktionskosten, geringere Wettbewerbsfähigkeit und letztlich höhere Verbraucherpreise.

Die Europäische Zentralbank hat bereits signalisiert, dass anhaltend hohe Energiepreise weitere Zinserhöhungen erforderlich machen könnten. Reuters Die eigenen Szenarien der EZB zeigen zudem, wie drastisch ein längerer Energieversorgungsschock ausfallen könnte: In einem schweren Szenario könnten Ölpreise im vierten Quartal 2026 auf rund 130 Dollar und europäische Gaspreise auf etwa 130 Euro je Megawattstunde steigen.

Damit entsteht eine bemerkenswerte geopolitische Konstellation:

Ein Krieg am südlichen Rand der arabischen Halbinsel kann gleichzeitig die europäische Industrie schwächen und die Einnahmen eines Landes erhöhen, das Europa eigentlich wirtschaftlich unter Druck setzen will.

Russland profitiert nämlich von einem höheren Weltmarktpreis für Öl und Gas. Bereits im Juli wurde für die russischen Öl- und Gaseinnahmen ein Anstieg um rund 60 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat erwartet – ausdrücklich als Folge der gestiegenen Weltmarktpreise. Euronext Live Zwar bleiben Sanktionen, Produktionsausfälle und andere Faktoren eine Belastung für Moskau; ein dauerhaft höherer Ölpreis verbessert aber grundsätzlich die Einnahmesituation des russischen Staates. Auch die russische Zentralbank verwies zuletzt auf die steigenden Ölpreise als fiskalische Entlastung.

Der Jemen-Konflikt ist damit längst nicht mehr nur ein weiterer Krieg im Nahen Osten. Er droht zu einem Multiplikator der weltweiten Energiekrise zu werden: Er schwächt die europäische Wirtschaft über höhere Energie- und Transportkosten – und verbessert gleichzeitig die Einnahmesituation Russlands.

Das vielleicht Entscheidende ist deshalb nicht, wer am Ende welche Stadt im Jemen kontrolliert. Entscheidend ist, ob es Sanaa gelingt, seine Gegner so lange untereinander zu binden, bis aus dem militärischen Vormarsch eine dauerhafte Kontrolle über die entscheidenden Zugänge zum Roten Meer entsteht. Wenn das gelingt, hätte sich das Machtgleichgewicht im Nahen Osten weit stärker verschoben, als es die Landkarte des Jemen zunächst vermuten lässt.

Pipelines werden es nicht richten!

Bild: Screenshot aus Bericht von Military Summary

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1 Kommentar

  1. Jochen Mitschka
    Antworten

    Zitat
    +++ BREAKING +++ Die Welt steht in Flammen. Saudi-Arabien stellt Ölexporte im wesentlichen ein. Mit dem jüngsten Schlag gegen die Pipeline von Abqaiq nach Yanbu — die als letzte verbliebene Route für Ölexporte diente, nachdem die Straße von Hormus blockiert wurde — hat Saudi-Arabien im Wesentlichen den Ölexport eingestellt.

    Darüber hinaus hat es bereits einen massiven Kredit bei der Weltbank beantragt, aufgrund seines desolaten wirtschaftlichen Zustands.

    Der gestrige Fall der Bab al-Mandab-Straße in die Hände der Huthis stellt für die Saudis eine weitere Katastrophe von unvorhergesehenem Ausmaß dar, die bereits 50 % ihrer Schiffe angegriffen und blockiert sahen.

    Es ist wirklich rätselhaft vorstellbar, wie sie sich aus diesem Sumpf befreien werden, nachdem sie sich in die US-Unterwürfigkeit gestürzt haben. https://x.com/Your_Tweety/status/2098363659529400443

    (Dramatische Bilder einer brennenden Ölpipeline in Saudi-Arabien)

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