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Wirtschaft

Ukraine: Welche zusätzlichen Milliarden kommen auf die EU zu?

1 Kommentare 12. September 2026 7 Minuten Lesezeit von Jochen Mitschka

Gerade wurde bekannt: Die Ukraine benötigt nach eigenen Angaben weitere rund 27 Milliarden US-Dollar. Die EU hat bereits 90 Milliarden Euro für 2026 und 2027 zugesagt. Doch wenn der Krieg anhält, wird diese Summe nicht ausreichen. Was bedeutet das für die EU-Steuerzahler?

Die Finanzierungsprobleme der Ukraine spitzen sich zu. Nach aktuellen Angaben aus Kiew fehlen dem Land für seine Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben rund 27 Milliarden US-Dollar, also etwa 23 Milliarden Euro. Die Lücke entsteht vor allem durch steigende Ausgaben für Drohnen, Luftverteidigung, Soldzahlungen und weitere militärische Verpflichtungen.

Gleichzeitig hat die Europäische Union bereits einen 90-Milliarden-Euro-Kredit für 2026 und 2027 beschlossen. Die EU-Kommission bezeichnet ihn als Ukraine Support Loan, einen Kredit, der kaum jemals zurückgezahlt wird; etwa 60 Milliarden Euro sind für militärische Unterstützung vorgesehen, rund 30 Milliarden für den ukrainischen Staatshaushalt.

Die entscheidende Frage: Sind die 23 Milliarden Euro zusätzlich?

EU-Experten behaupten … „Nicht unbedingt“.

Kiew möchte einen Teil der für 2027 vorgesehenen EU-Mittel möglichst schnell erhalten. Die beiden Tranchen des 90-Milliarden-Euro-Pakets belaufen sich auf jeweils etwa 45 Milliarden Euro für 2026 und 2027. Ein Vorziehen würde deshalb zunächst bedeuten, dass die EU bereits zugesagtes Geld früher überweist, nicht dass sie automatisch 23 Milliarden Euro zusätzlich bereitstellt. Vorziehen, so Kritiker, würden die Lücke nur verschieben, nicht schließen.

Für die Ukraine wäre das kurzfristig eine enorme Entlastung. Für die EU würde es aber tatsächlich das Problem lediglich nach vorne verschieben: Was 2026 ausgezahlt wird, steht 2027 nicht noch einmal zur Verfügung.

Das größere Problem liegt hinter den 27 Milliarden

Die 27 Milliarden Dollar sind deshalb nicht die gesamte Rechnung. Bereits vor der aktuellen Zuspitzung gingen ukrainische und internationale Berechnungen davon aus, dass für 2026 und 2027 eine erhebliche externe Finanzierungslücke besteht. Das ukrainische Finanzministerium hatte Ende 2025 einen Finanzierungsbedarf von rund 60,8 Milliarden Dollar für diesen Zeitraum genannt; der IWF kam auf eine ähnliche Größenordnung von etwa 63 Milliarden Dollar. Bisherige Planungen seien unrealistisch gewesen, erklären Fachleute.

Angeblich habe die EU mit ihrem 90-Milliarden-Euro-Paket darauf reagiert und will damit nach ihrer eigenen Planung ungefähr zwei Drittel des externen Finanzierungsbedarfs 2026/27 abdecken. Damit wird aber auch deutlich:

Der EU-Kredit von 90 Milliarden Euro ist nicht gleichbedeutend mit „Ukraine ist bis 2027 vollständig finanziert“.

Es wird weiterhin auf Beiträge anderer Staaten und internationaler Institutionen angewiesen sein.

Was passiert, wenn der Krieg 2027 weitergeht, wie von Kritikern seit Januar 2025 vermutet?

Hier liegt das größte finanzielle Risiko. Die Kosten des Krieges sind keine einmalige Rechnung. Drohnen, Raketen, Munition und Luftverteidigung müssen laufend ersetzt werden. Soldaten müssen bezahlt werden und der ukrainische Staat muss gleichzeitig seine zivile Infrastruktur und sozialen Verpflichtungen finanzieren.

Allein bei der Luftverteidigung versucht Kiew inzwischen, mit Unterstützung seiner Partner ungefähr 1.000 Patriot-Abfangraketen zu beschaffen. Die Finanzierung und Lieferung erstrecken sich teilweise über mehrere Jahre. Muss man erklären, wer an Patriot-Raketen verdient?

Wenn der Krieg 2027 und darüber hinaus fortgesetzt wird, entsteht ein strukturelles Problem:

Die 90 Milliarden Euro kaufen Zeit – sie lösen nicht automatisch die Finanzierung des Krieges.

Was könnte das für Deutschland bedeuten?

Um die Größenordnung zu verstehen, kann man die Finanzierung des EU-Haushalts als Näherung verwenden. Die Beiträge der Mitgliedstaaten orientieren sich unter anderem am Bruttonationaleinkommen.

Für 2026 liegt der entsprechende Anteil Deutschlands an den nationalen EU-Beiträgen bei rund 24,4 Prozent, Frankreich liegt bei etwa 16,2 Prozent, Italien bei knapp 12 Prozent.

Das bedeutet nicht, dass Deutschland exakt 24,4 Prozent jeder Ukraine-Hilfe bezahlt. Die tatsächliche Belastung hängt vom Finanzierungsinstrument, Rückzahlungen, EU-Einnahmen, Zinsen und möglichen Garantien ab.

Als reine Größenordnung lässt sich aber rechnen:

*Vereinfachte Rechnung anhand der GNI-Anteile; keine Prognose tatsächlicher nationaler Zahlungen.

Die Größenordnung ist trotzdem aufschlussreich. Sollten beispielsweise zusätzlich 30 Milliarden Euro auf EU-Ebene mobilisiert werden müssen, entspräche das nach diesem vereinfachten Schlüssel einer Größenordnung von rund 7,3 Milliarden Euro für Deutschland.

Der angebliche Joker: eingefrorenes russisches Vermögen

Deshalb gewinnt eine andere Option wieder an Bedeutung: die Verwendung der eingefrorenen russischen Zentralbankvermögen.

In der EU liegen rund 210 Milliarden Euro an russischen Zentralbankvermögen, ein Großteil davon bei Euroclear in Belgien. Mehrere EU-Staaten fordern inzwischen erneut, diese Vermögenswerte für die Ukraine nutzbar zu machen.

Das wäre politisch und finanziell attraktiv, weil damit die Ukraine nicht ausschließlich aus europäischen Haushalten und neuen EU-Schulden finanziert werden müsste.

Allerdings gibt es erhebliche rechtliche Risiken. Belgien verlangt insbesondere Garantien gegen mögliche russische Gegenmaßnahmen und Haftungsrisiken für Euroclear und den belgischen Staat. Und damit ist der Ball wieder beim EU-Steuerzahler, weil durch den Rechtsstreit noch höhere Kosten entstehen werden, während gleichzeitig viele Länder noch stärker ihre Vermögen aus westlicher Kontrolle entfernen werden.

Die eingefrorenen russischen Vermögen sind deshalb kein kostenloser Geldautomat.

Die eigentliche Rechnung kommt erst noch

Die wichtigste Erkenntnis lautet deshalb:

Die 27 Milliarden Dollar sind nicht automatisch 27 Milliarden Euro neue EU-Ausgaben.

Kurzfristig versucht die EU offenbar zunächst, das Problem durch die Beschleunigung bereits zugesagter Gelder zu lösen. Das verschafft Kiew Liquidität, erhöht aber den Druck auf die Finanzierung von 2027. Die wesentlich größere Frage lautet daher:

Wie viel kostet die Ukraine die EU, wenn der Krieg nicht 2026 endet, sondern bis 2028 oder 2029 weitergeht?

Genau hier liegt das langfristige Risiko.

Der derzeit beschlossene EU-Kredit von 90 Milliarden Euro ist eine sehr große Summe. Er entspricht etwa 45 Milliarden Euro pro Jahr für 2026 und 2027. Gleichzeitig zeigen die aktuellen ukrainischen Forderungen, dass der Finanzbedarf bereits wieder über die ursprünglichen Planungen hinauswächst. Und damit verändert sich die politische Frage:

Es geht nicht mehr nur darum, ob Europa der Ukraine helfen will. Es geht zunehmend darum, wie lange Europa diese Finanzierung überhaupt aufrechterhalten kann – und wer am Ende die Rechnung trägt.

Für die EU-Regierungen ist das deshalb nicht nur eine außenpolitische, sondern zunehmend eine haushaltspolitische Grundsatzentscheidung.

In der Nacht berichtete der Military Summery Channel, dass Russland nun auch begonnen hatte, Tankstellen in Kiew zu zerstören. Daraus und aus der fehlenden Hilfe für die Kriegsschäden durch die Regierung zeichnet sich ab, dass kleine und mittlere Unternehmen ihre Betriebe schließen werden, insbesondere solche, die mit Tankstellen und deren Shops, aber auch Lagerhaltung für öffentliche Dienste bzw. die Armee zu tun haben. Was die wirtschaftliche Lage in der Ukraine so verschlechtern dürfte, dass schon bald der nächste Nachschlag an Finanzierung durch die EU notwendig werden wird.

Und was kommt danach?

Aber selbst wenn der Krieg endet, wie wird die EU die dann notwendigen Wiederaufbaukosten der vermutlichen Rumpf-Ukraine stemmen, denn schließlich war es die EU, die maßgeblich daran beteiligt war, dass im April 2022 kein Friedensvertrag zwischen Kiew und Moskau geschlossen wurde. Wenn man die Wiederaufbaukosten auf mehrere hundert Milliarden Euro abschätzt, und dann noch gleichzeitig die langfristig höheren Energiekosten, und die geplatzten Kredite und evt. Bankenkrise berücksichtigt, wird die Rechnung für den EU-Steuerzahler sehr hoch ausfallen. Aber noch höher, wenn die Politik versuchen sollte, durch einen Krieg gegen Russland das Blatt zu wenden.

Bild: Screenshot von Video über Ukraine-Finanzierung durch EU

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Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇



Österreichs Beteiligung am EU Ukraine-Finanzierungsplan

Österreichische Teilnahme an Ukraine-Finanzierung der EU: Kriegseintritt des vormals neutralen Österreich

Slowakei Premier Fico gegen Finanzierung des Krieges in Ukraine durch EU

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1 Kommentar

  1. Daisy
    Antworten

    Och, das ist ja ganz einfach. Lt. Örschi gibt es doch soviel „dahinfaulendes“ unnützes Geld der einfachen Sparer, die nicht an der Börse spekulieren wollen…also, woher nehmen, wenn nicht stehlen, oder?

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