PFAS: erhöhtes Risiko für Multiple Sklerose

31. Juli 2026von 5,4 Minuten Lesezeit

Eine Studie der University of Miami bringt es ans Licht: Frauen mit erhöhten PFAS-Blutwerten haben ein bis zu 3,5-fach höheres Risiko, an Multipler Sklerose zu erkranken.

Publiziert in Environmental Research, untersucht die Arbeit Blutproben von 439 US-Teilnehmern. Das Ergebnis ist so eindeutig wie beunruhigend: Höhere kombinierte PFAS-Exposition war mit rund 50 % höheren MS-Chancen insgesamt assoziiert — bei Frauen sogar mit etwa 60 %. Bei über 99,5 % der Studienteilnehmer waren alle drei untersuchten PFAS-Typen nachweisbar. Praktisch jeder Mensch in dieser Studie — und damit praktisch jeder Amerikaner — trägt dieses Gift im Blut. Offizielle Pressemitteilung der University of Miami: Study Finds Elevated PFAS Levels in Women with Multiple Sclerosis. Publikation in Environmental Research: „Associations between perfluoroalkyl substances and multiple sclerosis in U.S. cohorts compared with NMOSD, MOGAD, and healthy controls(Zusammenhänge zwischen Perfluoralkylsubstanzen und Multipler Sklerose in US-amerikanischen Kohorten im Vergleich zu NMOSD-, MOGAD- und gesunden Kontrollgruppen).

PFHxS: Der Hauptverdächtige

Drei Chemikalien wurden gemessen: PFHxS (Perfluorhexansulfonsäure), PFOA und PFOS. PFHxS — eingesetzt in schmutzabweisenden Textilien, Lebensmittelverpackungen und Löschschäumen — zeigte die stärkste und konsistenteste Assoziation mit MS.

Die nackten Zahlen:

  • +53 % höheres MS-Risiko pro Anstieg der PFHxS-Werte (56 % bei Frauen)

  • Menschen mit den höchsten PFHxS-Werten waren mehr als 3,5-mal so wahrscheinlich an MS erkrankt wie jene mit den niedrigsten Werten

  • Die höchsten PFOA-Werte bedeuteten ein etwa 2,6-fach erhöhtes MS-Risiko

Farren Briggs, Co-Autor und Associate Professor an der University of Miami Miller School of Medicine, zeigte sich selbst überrascht: PFHxS war bei MS-Patienten durchgehend höher — selbst im Vergleich zu Menschen mit anderen MS-ähnlichen Autoimmunerkrankungen.

Schwedische Vorarbeit bestätigt den Verdacht

Die Miami-Studie steht nicht allein. Bereits 2025 publizierten schwedische Forscher eine Analyse von über 1.800 Blutproben, die PFAS-Exposition mit MS verknüpfte — ebenfalls mit besonderer Betroffenheit von Frauen. Teilnehmer mit höheren PFOS-Konzentrationen hatten etwa die doppelte Wahrscheinlichkeit, an MS zu erkranken.

Die schwedische Forschung deutete zudem darauf hin, dass Chemikalien-Mischungen eine größere Rolle spielen könnten als einzelne Substanzen — ein Albtraum für jede Risikobewertung, die brav eine Chemikalie nach der anderen prüft, während wir täglich einem Giftcocktail ausgesetzt sind.

MS-spezifische Signalwege — kein allgemeiner Immundefekt

Was diese Studie von früheren abhebt: Erstmals wurden MS-Patienten mit Menschen verglichen, die an MOGAD und NMOSD leiden — zwei Autoimmunerkrankungen, die MS täuschend ähnlich sehen können.

Das Ergebnis: Frauen mit MS zeigten durchgehend erhöhte PFHxS-Werte, nicht aber Frauen mit den MS-ähnlichen Erkrankungen. Jamie DeWitt, Professorin an der Oregon State University, sieht darin einen entscheidenden Hinweis: PFHxS und möglicherweise PFOA wirken offenbar über MS-spezifische Signalwege, nicht über eine allgemeine Immunschädigung des Gehirns. MedicalXpress fasst die Implikationen zusammen.

Das ist ein gewaltiger Unterschied. Es bedeutet: Diese Chemikalien lösen nicht einfach irgendeine Immunreaktion aus — sie triggern gezielt jene Prozesse, die zur Zerstörung der Myelinscheiden führen, dem Markenzeichen der MS.

35 Jahre Halbwertszeit im Körper

PFHxS verbleibt bis zu 35 Jahre im menschlichen Körper. Das bedeutet: Eine einzige Blutmessung spiegelt nicht etwa eine aktuelle Belastung wider, sondern Jahrzehnte akkumulierter Exposition. Genau das macht die Studie so robust — die Chemikalien waren lange vor der MS-Diagnose im Körper, was die Kausalitätsrichtung (Chemikalien → Krankheit, nicht umgekehrt) massiv stützt.

MS betrifft weltweit etwa 2,8 Millionen Menschen, Frauen machen rund zwei Drittel der Diagnosen aus. Die Krankheit hat keine bekannte Heilung. Wenn PFAS auch nur einen Bruchteil dieser Fälle mitverursachen, sprechen wir von einer industriell verursachten Gesundheitskatastrophe epischen Ausmaßes.

Haleigh Cavalier, Umwelt-Epidemiologin an der Columbia University, nennt es eine „plausible und beunruhigende Hypothese, dass eine nahezu allgegenwärtige Umweltexposition, die ohnehin benachteiligte Gemeinschaften überproportional belastet, zu einer der häufigsten schweren neurologischen Erkrankungen bei jungen Erwachsenen beitragen könnte.“ USRTK.org zitiert sie ausführlich.

Wie „sauber“ ist Windkraft?

Und jetzt der Teil, den die grüne PR-Maschinerie unter den Teppich kehrt: Windkraftanlagen sind massive PFAS-Emittenten.

Die gigantischen Rotorblätter — mittlerweile über 100 Meter lang — bestehen zu großen Teilen aus glas- und kohlefaserverstärkten Kunststoffen. Für die Herstellung dieser Verbundwerkstoffe werden Fluorpolymere eingesetzt, die als Trennmittel und Beschichtungen dienen. Hinzu kommen PFAS-haltige Lacke, die die Rotorblätter vor Erosion durch Regen, Sand und Insekten schützen sollen — bei Spitzengeschwindigkeiten von über 300 km/h an den Blattspitzen kein Luxus, sondern konstruktive Notwendigkeit.

Was passiert mit diesen Beschichtungen? Sie erodieren. Über Jahre und Jahrzehnte reiben Wind, Regen und Partikel die Oberflächen ab. Die abgetragenen PFAS-haltigen Partikel rieseln auf darunterliegende Felder, Wälder und Gewässer. Pro Windrad und Jahr können es mehrere Kilogramm an abgeriebenem Rotorblattmaterial sein — und wir haben Zehntausende dieser Anlagen in der Landschaft stehen.

Dazu kommt: Am Ende ihrer Lebensdauer — nach etwa 20 bis 25 Jahren — werden die Rotorblätter zum Sondermüll. Ein einziges Rotorblatt wiegt 15 bis 30 Tonnen. Recycling? Praktisch unmöglich. Die Dinger werden vergraben, gehäckselt oder landen auf Deponien, wo sie über Jahrhunderte PFAS in Grundwasser und Böden abgeben. In den USA türmen sich bereits jetzt Zehntausende ausgedienter Rotorblätter auf sogenannten „Blade Graveyards“ — ein Euphemismus für illegale Sondermülldeponien unter freiem Himmel.

Während Teflon-Pfannen und Fast-Food-Verpackungen zunehmend reguliert werden, subventioniert der Staat mit Milliarden eine Technologie, die tonnenweise genau jene Ewigkeitschemikalien in die Umwelt bläst, die wir jetzt mit Multipler Sklerose in Verbindung bringen.

Regulierungsversagen mit System

Dass nahezu jeder Bewohner der Länder des politischen Westens diese Chemikalien im Blut hat, ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis jahrzehntelanger regulatorischer Untätigkeit — und einer politischen Klasse, die blind auf „grüne“ Technologien setzt, ohne deren toxische Kollateralschäden auch nur ansatzweise zu bilanzieren. Die Bundesbehörden waren bei der Beschränkung von PFAS in Konsumprodukten und Trinkwasser systematisch zu langsam — und bei Windkraftanlagen fragen sie erst gar nicht nach.

Das Muster ist bekannt: Die Industrie produziert, die Behörden nicken ab, und Jahrzehnte später finden unabhängige Forscher die Leichen im Keller. PFAS sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Mikroplastik, Schwermetalle, Industriechemikalien — und jetzt auch noch die angeblich so sauberen Windmühlen — wir sind umzingelt von Substanzen, deren Langzeitfolgen nie seriös geprüft wurden, bevor sie in unsere Körper gelangten.

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Image by rawpixel from Pixabay

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4 Kommentare

  1. bert56 3. August 2026 um 8:00 Uhr - Antworten

    Für alle, die an MS leiden und Hilfe suchen: sucht im Internet nach „Coimbra-Protokoll“. Es gibt Ärzte in Österreich & Deutschland, die das machen. Ich selbst habe MS, mache das Protokoll seit über 7 Jahren schon und bin so gesund wie noch nie.
    Auch zum Empfehlen ist das Buch „Multiple Sklerose und (sehr viel) Vitamin D“ von Ana Claudia Domene. Die Dame erzählt ihre langjährige Erfahrung mit dieser Therapie.

  2. local.man 31. Juli 2026 um 14:45 Uhr - Antworten

    Und vergessen wir die Zunahme an Tattowierungen nicht.. Wieviele junge Leute sehe ich übersät damit?
    Das der Körper dies als Gift ansieht und ständig versucht abzubauen, haben Obduktionen gezeigt, da die Lymphe, besonders die Lymphknoten voller Farbe waren.

    Alle diese ganzen Substanzen wandern ständig durch unsere Gefäße und Organe und lagern sich irgendwo ab. Das mag mit 30 keine große Rolle spielen, wird das einen mit 60+ alles anholen und dann erahnt man nicht mal den Zusammenhang.
    Die Strahlung durch die Mobilfunkgenerationstechnik obendrauf..

    Aber eine Sache kann man wieder erkennen.. Atomstrom wird niedergeredet, ist aber im Gesamtpaket viel unschädlicher und dabei weit effizienter und haben eine 3-4x so lange Lebensdauer..
    Jedes Jahr Tonnen dieser Substanzen durch Abrieb auf unsere Erde und somit auch ins Wasser und am Ende durch die Kettenreaktion in uns.
    Und irgendwann werden diese Anlagen dann entsorgt werden müssen und wohin mit der Masse an hochgiftigen Überbleibsel? Das sind nicht nur paar Blätter, sondern gewaltige Flächen die ständig alles vergiften unter sich und somit weiträumig mit der Zeit..

    • 1150 31. Juli 2026 um 15:35 Uhr - Antworten

      @,
      ich frage die tätowierten immer,
      warum sie sich mit blumen, totenköpfen, bandkeramikmuster, etc. °°schmücken°°.
      wäre es nicht klüger, firmenlogos wie z.b. raiffeisen, ömv, lidl, loui vitton, rolex, etc, aufzubringen
      und dafür regelmässig werbeprämien zu kassieren?
      das wäre eine wenigstens eine pekuniäre win-win situation …..

  3. Der Zivilist 31. Juli 2026 um 13:58 Uhr - Antworten

    . . . „Die schwedische Forschung deutete zudem darauf hin, dass Chemikalien-Mischungen eine größere Rolle spielen könnten als einzelne Substanzen“ . .

    Ja, und wie ist das mit den Medikamenten, ab einem gewissen Alter kriegen die Patientinnen und Patienten (wohl dem, der seine Kunden so nennen kann ) von den Hausärztinnen und Hausärzten ein Medikamenten Abo verpaßt in bunter Mischung . . .

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