Wird der Libanon das nächste Gaza? – Warnungen vor einer weiteren Eskalation

18. Juni 2026von 3,8 Minuten Lesezeit

Die Zerstörung Gazas dient als mahnendes Beispiel dafür, was im Nahen Osten noch folgen könnte. Ein aktueller Beitrag auf Armstrong Economics stellt die Frage, ob der Libanon zum nächsten Schauplatz eines ähnlich verheerenden Konflikts wird. Die Analyse warnt vor einem sich ausweitenden Kriegskreislauf, in dem politische Erklärungen von „Frieden“ oft nur eine Verschiebung der Kämpfe bedeuten.

Seit dem 7. Oktober 2023 hat der Konflikt in Gaza zu einer der schwersten humanitären Katastrophen der jüngeren Geschichte geführt. Über 73.000 Palästinenser wurden getötet, mehr als 173.000 verletzt. Allein 2025 starben laut Save the Children über 20.000 Kinder, UNICEF spricht von mehr als 50.000 getöteten oder verletzten Kindern. Nahezu 2,1 Millionen Menschen sind vertrieben, über die Hälfte der Gebäude in Gaza zerstört oder schwer beschädigt. Krankenhäuser, Schulen, Wasser- und Stromnetze liegen in Trümmern, fasst Armstrong Economics die von Israel verursachten Massenmord und Zerstörungen zusammen:

„Nahezu die gesamte Bevölkerung des Gazastreifens, etwa 2,1 Millionen Menschen, wurde mindestens einmal vertrieben, was dies zu einer der größten Vertreibungskrisen der jüngeren Geschichte macht. Ganze Städte wurden in Schutt und Asche gelegt. Einigen Schätzungen zufolge wurden weit über die Hälfte aller Gebäude im Gazastreifen beschädigt oder zerstört.“

Trotz dieser massiven Zerstörung ist es nicht gelungen, die Hamas militärisch zu eliminieren. Der Widerstand und die Organisation bestehen fort. Wie schon in den seit 1947 immer wieder aufflammenden Konflikten in und um Palästina zeigt sich: Man kann einen in der Bevölkerung verankerten Widerstand gegen Besatzungen nicht einfach weg bomben. Die Zerstörung Gazas hat zudem die Frage aufgeworfen, wem langfristig der Wiederaufbau und neue Handelsrouten nützen – etwa Pläne für Resorts, Häfen und strategische Korridore auf dem zerstörten Gebiet.

Besonders auffällig ist die hohe Zahl getöteter Journalisten: Zwischen 190 und über 260 Reporter kamen ums Leben, die meisten palästinensische. Gaza gilt als der tödlichste Konflikt für Journalisten in der modernen Geschichte, so Martin Armstrong. Dies wirft Fragen nach der Pressefreiheit und möglichen Versuchen auf, Berichterstattung zu be- und verhindern.

Der Libanon als nächstes Ziel?

Der Fokus hat sich bereits von Gaza weg verlagert – hin zu Iran und vor allem zum Libanon. Dort ist die Hisbollah ein zentraler Akteur im Konflikt mit Israel, entstanden nach früheren Kriegen Israels gegen die PLO und die zeitweilige Besetzung von Teilen des Libanon. Der Libanon hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten mehr israelische Invasionen erlebt als jedes andere Land in Westasien. Was 1978 als begrenzte Strafexpedition begann, hat sich zu einem scheinbar endlosen Zyklus von Zerstörung, brüchigem Waffenstillstand und erneuter Eskalation entwickelt.

Verhandlungen mit dem Iran sollten eigentlich eine regionale Deeskalation bringen. Doch israelische Vertreter behalten sich weiterhin das Recht auf militärische Operationen im Libanon vor, unabhängig von Abkommen.Der Beitrag auf Armstrong Economics zieht direkte Parallelen: Wenn Gaza bereits „von der Landkarte gewischt“ wurde, ohne das eigentliche Ziel zu erreichen, droht eine ähnliche Eskalation im Libanon. Der Weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko warnte bereits: Es gebe keine militärische Lösung. Die Zerstörung Gazas habe Israel international geschadet.

Im Libanon gibt es zudem Hinweise auf langfristige strategische Interessen des Westens. Die USA haben über eine Milliarde Dollar in einen riesigen Botschaftskomplex im Libanon investiert – ein Zeichen dafür, dass man mit anhaltender Präsenz rechnet.

Wirtschaftliche und geopolitische Hintergründe

Hinter den militärischen Auseinandersetzungen stehen auch wirtschaftliche Interessen. Der geplante Ben-Gurion-Kanal als Alternative zum Suezkanal wird in diesem Zusammenhang immer wieder genannt. Wenn Gaza in Trümmern liegt und dann über neue Handelsrouten und Wiederaufbaupläne diskutiert wird, stellt sich die Frage, wer von der Zerstörung langfristig profitiert.

Martin Armstrong, der Betreiber von Armstrong Economics und Entwickler des Socrates-Modells, sieht solche Konflikte oft im Kontext größerer Kriegszyklen. Gaza sei nicht das Ende, sondern eine Warnung: Der Krieg verlagert sich einfach in die nächste Region – in diesem Fall möglicherweise in den Libanon. Friedensbekundungen könnten dann nur Tarnung sein, während die Kämpfe weitergehen.

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5 Kommentare

  1. Michael Rosemeyer 19. Juni 2026 um 13:46 Uhr - Antworten

    Was aus dem Gutachten des IGH folgt (Israel)
    2024_07_19
    https://www.tagesschau.de/ausland/asien/israel-igh-besatzung-korri-100.html

    Gaza-Krieg: Uno wirft Israel und Palästinensergruppen Kriegsverbrechen vor
    2024_06_12
    https://www.spiegel.de/ausland/gaza-krieg-uno-wirft-israel-und-palaestinensergruppen-kriegsverbrechen-vor-a-78558a86-aa29-4c8a-9a13-9cf44d61f8db#ref=rss

  2. sandako 18. Juni 2026 um 15:25 Uhr - Antworten

    Ja, @therMOnukular, es ist schon psychotisch oder soziopathisch, wenn schwerste Verbrechen, wie sie sich in Gaza ereignen, als normal gelten.
    Der Artikel gibt ein recht genaues Bild der verschiedenen Opfergruppen im Gazastreifen. Die Zahl der Toten dort dürfte weit höher sein. Devi Sridhar von der Universität Edinburgh hat schon im Dezember 2023 eine Zahl von einer halben Million Toten für das Jahr 2024 in Gaza vorhergesagt, falls die Lebensbedingungen sich nicht änderten.

  3. megabass 18. Juni 2026 um 13:22 Uhr - Antworten

    Man zeichne in die Landkarte des östlichen Mittelmeers die Vorkommen von Öl und Gas ein. Wenn diese Vorkommen ausgebeutet werden sollen, dann die Palestinenser in Gaza und die im Libanon agierenden Kräfte nicht zu akzeptieren. Einerseits, weil politische Stabilität praktisch unmöglich erscheint, andererseits weil die 12-Meilen-Zone diesen Anreinern gehört. Investoren werden erst in einem stabilen Umfeld investieren. Das heisst: Die Palestinenser müssen weg, die Hisbollah und alle die sie tolerieren und unterstützen müssen weg.

  4. therMOnukular 18. Juni 2026 um 12:44 Uhr - Antworten

    „Friedensbekundungen könnten dann nur Tarnung sein, während die Kämpfe weitergehen.“

    Könnten, aber nur sehr unwahrscheinlich. Nach nichts sehnt sich die us-isr. Politik mehr als endlich Frieden…..
    (Satire)

    Für mich erscheint die Gesamtsituation so, als wären wir 1944 in Berlin und die Leute fragen „von welchem Krieg redest du, von welcher Diktatur?“.
    Würde ich es nicht gerade erleben, würde ich niemals glauben können, dass Gesellschaften so psychotisch sein können, dass sie auch das sichtbarste und schwerste Verbrechen ignorieren, als wäre das alles normal.

    So, wie es für das ZDF mittlerweile normal ist, wenn geladene Militär-„Experten“ es in der Tagesschau wortwörtlich „lustig“ finden, wenn im Video Russen zu sehen sind, die von einer Drohne getötet werden. Der Wertewesten ist schon wieder ganz Herrenmensch und hebt oder senkt nach eigenem Befinden den Daumen über ganze Völker.

  5. VerarmterAdel 18. Juni 2026 um 8:36 Uhr - Antworten

    Man lege die Karte von Greater ISrahell (Erez ISraehell) über das Gebiet, und man weiß, wo das Blut spritzen wird. Aber hey, Gott will das ja so, ne? Dafür hat er doch ein Volk ausgewählt. Damit es alle anderen abschlachtet, oder nicht? Hahaha, irre, dass die Welt diesen durchgeknallten, geisteskranken Bullshit glaubt, und diesen Psychopathen Sachen erlaubt, die jenseits aller wirklichen westlichen Werte sind.

    https://coronistan.blogspot.com/search?q=greater+israhell&by-date=true

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